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black_hole Das schwarze Loch (USA, 1979)
DVD - Regionalcode 2, Buena Vista Home Entertainment
FSK: 12
Laufzeit: ca. 91 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Gary Nelson

Hauptdarsteller:
Robert Forster (Captain Dan Holland)
Maximilian Schell (Dr. Hans Reinhardt)
Yvette Mimieux (Dr. Kate McCrae)
Anthony Perkins (Dr. Alex Durant)
Joseph Bottoms (Charles Pizer)
Ernest Borgnine (Harry Booth)




Inhalt:

Wir befinden uns in der nicht allzu fernen Zukunft. Das kleine Raumschiff PALOMINO ist schon seit vielen Monaten auf der Suche nach außerirdischem Leben im All unterwegs. Die Kernbesatzung besteht aus dem Kommandanten Dan Holland und seinem Copiloten Charles Pizer. Dr. Kate McCrae und Dr. Alex Durant sind die Wissenschaftler der Expedition. Mit Harry Booth ist sogar ein Journalist an Bord. Besatzungsmitglied Nr. 6 ist der Roboter V.I.N.CENT. Der kleine Bursche hat ein eigenes Bewußtsein und einen recht eigenwilligen Charakter, darüber hinaus kann er mit Dr. McCrae telepathischen Kontakt aufnehmen. Die Mission der PALOMINO war ergebnislos. Das Schiff ist auf dem Rückweg zur Erde, als es in das Gravitationsfeld eines Schwarzen Lochs gerät, welches so stark ist, daß sogar das Licht von ihm verschlungen wird. In der Nähe des Schwarzen Lochs befindet sich ein gigantisches Raumschiff, welches als U.S.S. CYGNUS identifiziert werden kann. Die CYGNUS hatte einen ähnlichen Forschungsauftrag wie die PALOMINO und gilt seit zwanzig Jahren als verschollen - Kates Vater war mit an Bord. Bei der Untersuchung des unheimlichen, auf keinen Funkspruch reagierenden und wie tot dahintreibenden Riesenschiffs wird die PALOMINO unaufhaltsam in den Schlund des Schwarzen Lochs hineingezogen. Schwer beschädigt rettet sie sich in die Nähe der CYGNUS, die offenbar über ein Antischwerkraftfeld verfügt, mit dem sie den Sog des Schwarzen Lochs neutralisieren kann. Da gehen auf dem Geisterschiff die Lichter an, eine Landeplattform wird ausgefahren. Da die PALOMINO dem Schwarzen Loch sowieso nicht aus eigener Kraft entkommen könnte, entscheidet Captain Holland sich zur Landung auf der CYGNUS.

Als Holland und seine Leute die CYGNUS betreten, werden sie unfreundlich empfangen: Automatische Verteidigungsanlagen schießen ihnen die Waffen aus den Händen. Gesichtslose humanoide Roboter in schwarzen Roben scheinen die wichtigsten Arbeiten auf der CYGNUS zu verrichten. Andere (bewaffnete) Roboter erfüllen die Aufgabe von Wächtern. Die Gefährten werden zur Kommandobrücke geleitet, wo ein weiterer Roboter sie wortlos empfängt oder vielmehr bedroht. Es ist eine schwebende, klotzige rote Maschine mit Armen, an denen Laserwaffen und rotierende Klingen angebracht sind. V.I.N.CENT stellt sich ihm entgegen, doch bevor es Ärger geben kann, greift Dr. Hans Reinhardt ein: Konstrukteur und Kommandant der CYGNUS, ehrgeiziger Wissenschaftler und nach eigener Aussage einziger menschlicher Überlebender der CYGNUS-Expedition. Angeblich, so berichtet Reinhardt, habe es vor 20 Jahren einen Unfall gegeben. Die Crew der CYGNUS habe das Schiff verlassen und dabei den Tod gefunden - so auch Kates Vater. Reinhardt selbst habe das Antigravitationssystem entwickelt und sei an Bord geblieben, um das größte denkbare Experiment zu wagen: In das Schwarze Loch hineinzufliegen! Er beauftragt das rote Ungetüm von einem Roboter, das den Namen Maximilian trägt, V.I.N.CENT bei der Reparatur der PALOMINO zu unterstützen. Kate und vor allem Dr. Durant sind fasziniert von Reinhardts Wissen und von seinem unglaublichen Vorhaben. Reinhardts Charakter ist allerdings ziemlich undurchsichtig. Der Mann scheint von seiner Idee, auf der "anderen Seite" des Schwarzen Lochs ewiges Leben zu finden, besessen zu sein.

Es zeigt sich bald, daß auf der CYGNUS einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Captain Holland wirft einen Blick in die Quartiere der Besatzung - die sehen nicht so aus, als seien ihre Bewohner ausgezogen, denn alle persönlichen Gegenstände sind noch da. Dann beobachtet er, wie einige der schwarzgekleideten Roboter einen ihrer Gefährten im All "bestatten". Harry sieht sogar einen hinkenden Roboter. Man beschließt, die CYGNUS so bald wie möglich zu verlassen, doch Dr. Durant ist dagegen. Er scheint der charismatischen Ausstrahlung Reinhardts völlig erlegen zu sein. V.I.N.CENT begegnet einem Roboter, der aus einer älteren Baureihe wie er selbst entstammt: Old B.O.B. Der arme kleine Kerl ist kaum mehr als ein Schrotthaufen, er wurde seit Jahren von Maximilian und den Wachrobotern tyrannisiert. Trotz seiner Angst verrät er V.I.N.CENT, was wirklich mit der Crew der CYGNUS passiert ist: Die Männer hatten unter der Führung von Kates Vater gegen Reinhardts verrückten Plan gemeutert. Reinhardt hatte Kates Vater ermordet und die restliche Crew mit einer teuflischen Apparatur in hirnlose Arbeitsdrohnen verwandelt. Die Crew ist immer noch an Bord: Es sind die schwarzgekleideten "Roboter"... Reinhardt hat die PALOMINO nur gerettet, damit sie nicht mit der CYGNUS kollidiert. V.I.N.CENT übermittelt diese Neuigkeiten telepathisch an Kate. Als sie Alex informiert, reißt der einem der Humanoiden die spiegelnde Schale herunter, die seinen Kopf bedeckt - darunter kommt ein ausdrucksloses menschliches Gesicht zum Vorschein. Maximilian verarbeitet Alex zu Hackfleisch, Kate soll einer Gehirnwäsche unterzogen und ebenfalls in einen "Roboter" verwandelt werden. Die Leute von der PALOMINO sollen mit ins Schwarze Loch fliegen - ob sie wollen oder nicht.

Harry Booth versucht, eigenmächtig und allein mit der PALOMINO zu starten. Reinhardt läßt das Schiff abschießen, doch als es auf die CYGNUS stürzt, werden die Antigravitationssysteme beschädigt. Captain Holland, Charlie Pizer und die beiden Robots befreien Kate und fliehen vor Maximilian und den Wächter-Robotern quer durch die Cygnus, die bereits auf dem Weg ins Schwarze Loch ist. Glühende Asteroiden, die sich ebenfalls in dem mörderischen Sog befinden, beschädigen das gigantische Schiff schwer, Reinhardt wird durch herabfallende Trümmer getötet. Old B.O.B. opfert sich für seine neuen Freunde, der mutige V.I.N.CENT besiegt den roten Riesenroboter. Die Gefährten retten sich in eine Raumkapsel. Reinhardt hatte mit diesem Shuttle des öfteren seine Humanoiden durch das Schwarze Loch geschickt - es verfügt über einen Antrieb, der stark genug ist, um die Anziehungskräfte der Singularität zu überwinden. Das Problem ist nur, daß der Kurs der Kapsel vorprogrammiert ist - und der führt mitten hinein in das Schwarze Loch. Die Gefährten erleben beim Durchflug bizarre Visionen und erreichen (wohlbehalten?) die andere Seite...

Der Film:

Dies ist wieder einer jener Filme, die ich einfach nicht objektiv beurteilen kann, weil er einer der ersten SF-Filme war, die ich je im Kino gesehen habe (damals war ich so ca. 12 Jahre alt) und weil er mich damals schwer beeindruckt hat. Für eine Disney-Produktion ist er sehr düster und an manchen Stellen sogar richtig grausam - ein Kinderfilm ist er jedenfalls definitiv nicht. Würde ich versuchen, den Film objektiv zu bewerten, käme er alles andere als gut weg. Was schon gleich in den ersten Szenen ins Auge fällt, ist der viel zu niedliche, vermenschlichte V.I.N.CENT-Roboter mit seinen großen Augen, der auf eigenartige Weise den Figuren aus der Cartoon-Serie "South Park" ähnelt. Der Bursche läßt die ganze Zeit pseudo-philosophische Sprüche ab, zeigt seine Angst, indem er zittert und seinen Kopfteil in den Rumpf zieht. Am Ende trauert er gar um B.O.B. - schon komisch, daß ausgerechnet ein Roboter als Vehikel für solche emotionalen Momente dienen muss... Die Wächter-Robots stehen dagegen die meiste Zeit nur stupide in der Gegend herum und lassen sich reihenweise abschießen. Am Ende knipst unser kleiner mülltonnenähnlicher Held dann noch den bis dahin unbesiegbaren Über-Roboter Maximilian mit einer Art Drillbohrer aus. Autsch! Als Kind fand ich V.I.N.CENT allerdings toll und hätte mit Vergnügen mein Taschengeld für eine V.I.N.CENT-Actionfigur ausgegeben. Im Verlauf der abstrusen Story werden dann die Naturgesetze mit Füßen getreten. Mal ganz davon abgesehen, daß man im Vakuum keine Geräusche hören kann (ein Fehler, der in fast allen SF-Filmen vorkommt): Das Vakuum ist auch alles andere als ein gemütlicher Ort für einen Spaziergang. Die Helden in diesem Film überleben aber nicht nur die explosive Dekompression mit einbrechender Weltraumkälte in der Szene, wo die CYGNUS von einem Meteoriten aufgerissen wird, nein: Sie können auch noch ohne Schaden zu nehmen durchs All zur Raumkapsel schweben. Und das zudem noch in unmittelbarer Nähe eines Schwarzen Lochs, wo man "normalerweise" entweder durch alle möglichen tödlichen Strahlungen geröstet oder durch die Gravitationskräfte in Atome zerrissen werden würde. Und überhaupt: Warum konnte die PALOMINO das Schwarze Loch nicht viel früher orten? Schließlich kann man solche Höllenschlünde sogar von der Erde aus "sehen".

Subjektiv ist der Film für mich Kult. Das fängt schon mit dem Design des gigantischen, nur von unheimlichen Robotern bevölkerten Raumschiffs CYGNUS an, in dem immer eine gespenstische Atmosphäre herrscht. Der Roboter Maximilian ist, obwohl er kein einziges Wort spricht (oder gerade deswegen?), ein enorm furchteinflößender Bösewicht. Bei der Szene, in der er Alex Durant häckselt, mußte ich mir als Kind immer die Ohren zuhalten, weil ich die Schreie nicht hören wollte... Ich fand auch die sonstigen Spezialeffekte sehr beeindruckend, obwohl sie bei näherer Betrachtung etwas durchwachsen wirken. Manchmal glaubt man die Drähte zu sehen, an denen z.B. die schwebenden Roboter aufgehängt sind. Das bedrohliche Schwarze Loch finde ich aber immer noch sehr überzeugend und auch die Zerstörungsorgie am Ende des Films macht auch heute noch einen guten Eindruck. Als Kind konnte ich nicht genug von Kämpfen mit Laserpistolen kriegen - auch diesbezüglich wird man in diesem Film sehr gut bedient. Und dann die rätselhafte Schlußsequenz bzw. der Flug durchs Schwarze Loch. Eine solche Abfolge surrealer Szenen war damals etwas ganz neues für mich (2001 - Odyssee im Weltraum habe ich erst später irgendwann gesehen). Genaugenommen fliegen unsere Helden durch die Hölle, Reinhardt und Maximilian verschmelzen zu einer Art Cyborg. Ich weiß zwar bis heute nicht, was das alles soll, aber es hat einen ganz eigentümlichen visuellen Reiz. Das Ganze wird von einer genialen Musik untermalt - überhaupt trägt der schöne Soundtrack viel zur Atmosphäre bei. Die Hauptfiguren bedienen zwar "nur" die gängigen Klischees (verrückter Professor, unkontrollierbares Monster, heldenhafter Captain, sensible Wissenschaftlerin die gerettet werden muß usw.), aber insgesamt funktionieren sie prächtig. Vor allem natürlich der dämonische, undurchschaubare Dr. Reinhardt, der von Maximilian Schell absolut glaubwürdig gespielt wird. Nur auf die Figur des Harry Booth hätte man verzichten können - oder man hätte ihn wenigstens nicht mit Ernest Borgnine besetzen sollen...

Der Film hat ein offenes Ende und ich warte bis heute auf eine Fortsetzung. Bin übrigens auch stolzer Besitzer eines Comics, in dem die Handlung tatsächlich fortgesetzt wird!

Die DVD:

Keine Extras - sehr schade. Ich kann kaum glauben, daß es zu diesem Film überhaupt keine Dokumentation o.ä. geben soll. Die Qualität von Bild und Ton ist einigermaßen akzeptabel, Wunder darf man aber bei einem so alten Film, der nicht wie z.B. Krieg der Sterne digital überarbeitet wurde, kaum erwarten. Immerhin: Der Film kann im Widescreen-Format genossen werden.

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