Birdy


Birdy (USA, 1984)

DVD Regionalcode 2, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 130 Min.

Extras:
- Trailer
- Zusätzliche Filminformationen (Text-Biografien)

Regie:
Alan Parker

Hauptdarsteller:
Nicolas Cage (Alfonso Columbato)
Matthew Modine (Birdy)
John Harkins (Dr. Weiss)




Story

Zwei US-Soldaten kehren traumatisiert aus Vietnam in die Heimat zurück. Sergeant Alfonso Columbato wurde schwer verwundet. Eine Granate ist direkt vor seinem Gesicht explodiert. Man hat ihn wieder zusammengeflickt, aber er befürchtet, dass sich unter dem Kopfverband, den er noch tragen muss, eine hässliche Monstrosität verbirgt. Die Wunden von Als Jugendfreund "Birdy" sind psychischer Natur. Er hat als einziges Besatzungsmitglied einen Hubschrauberabsturz mitten im Kampfgebiet überlebt und war einen Monat lang verschollen. Seitdem verharrt er in einem Zustand der Katatonie. Birdy war schon als Jugendlicher fasziniert von Vögeln, hat sich gewünscht, selbst einer zu sein, und konnte in seinen Träumen fliegen. Nach und nach hat er sich immer mehr von seinen Mitmenschen distanziert und sich in eine Traumwelt zurückgezogen. Vögel sind zu seinem ganzen Lebensinhalt geworden. Jetzt verhält er sich vollends wie ein Vogel, spricht nicht und verhält sich völlig apathisch.

Der Militärarzt Dr. Weiss steht vor einem Rätsel. Er zieht Al hinzu, denn er hofft, Birdy werde seinen einzigen echten Freund wiedererkennen. Sollte es Al nicht gelingen, Birdy zu einer normalen Reaktion zu bewegen, so würde der Kranke für immer in eine psychiatrische Anstalt gesperrt und medikamentös ruhiggestellt werden. Al versucht zu Birdy durchzudringen, indem er Jugenderinnerungen heraufbeschwört. Die beiden Jungen haben viel zusammen durchgemacht, Tauben gezüchtet, Fluggeräte getestet, ein Autowrack repariert und Mädchen kennengelernt. Birdys Faszination für Vögel hat irgendwann zum Bruch geführt, daraufhin ist Al in den Militärdienst eingetreten. Die Gespräche mit Birdy bleiben einseitig. Zudem kommt Dr. Weiss zu der (nicht unberechtigten) Ansicht, Al leide selbst unter einem Kriegstrauma und gehöre ebenfalls in entsprechende Behandlung.

Eines Tages reagiert Birdy mit einem leichten Lächeln, als Al eine besonders amüsante Episode aus der gemeinsamen Vergangenheit erzählt. Dr. Weiss glaubt Al nicht, lässt sich aber auf einen letzten Versuch ein. Birdys Mutter hat damals alle Bälle versteckt, die von Al und anderen Jugendlichen über den Zaun geschossen worden sind. Birdy hat jahrelang vergeblich nach den Bällen gesucht. Auf Als Vorschlag hin rückt Birdys Mutter die Bälle jetzt heraus. Doch auch das scheint nicht auszureichen. Al wird weggeschickt, will Birdy aber nicht im Stich lassen. Verzweifelt offenbart Al seinem Freund, dass er Angst vor dem hat, was zum Vorschein kommen wird, wenn seine Verbände entfernt werden. Vielleicht habe Birdy Recht, sagt Al. Man solle gar nicht versuchen, "normal" zu sein. Es sei besser, sich in sich selbst verkriechen und verrückt zu spielen. Birdy wirft Al vor, manchmal rede er wirklich Unsinn. Al kann zunächst selbst nicht glauben, dass Birdy gesprochen hat. Als Dr. Weiss hinzukommt, spricht Birdy nicht mehr, denn diesem Mann hat er nichts zu sagen. Dr. Weiss erklärt das Experiment für gescheitert erklärt. Al dreht durch. Er attackiert den Mann und die hinzukommenden Pfleger. Al und Birdy fliehen aufs Dach. Entsetzt sieht Al mit an, wie Birdy von der Kante springt. Birdy versteht die Aufregung nicht - er ist nur auf eine etwas tiefer liegende Ebene gesprungen.


Kringels Meinung

Diesen Film hätte ich wahrscheinlich überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, wenn der Soundtrack nicht von Peter Gabriel stammen würde, dem ehemaligen Frontmann von Genesis. Ich habe seinerzeit so ziemlich alles gekauft, was von Peter Gabriel zu haben war, auch die Soundtrack-LP zu diesem Film. Somit wusste ich also, dass der Film existiert, aber zu diesem Zeitpunkt ist er schon längst nicht mehr im Kino gelaufen und solch exotische Gadgets wie Videorecorder hat's damals bei uns nicht gegeben. Dann ist "Birdy" bei mir in Vergessenheit geraten. Erst durch die Lektüre der Biografie Peter Gabriels bin ich wieder darauf aufmerksam geworden und habe mir jetzt endlich mal die DVD schenken lassen.

"Birdy" wird in manchen Reviews als Antikriegsfilm bezeichnet. Das kann man so sehen, schließlich kehren sowohl Birdy als auch Al schwer traumatisiert aus dem Vietnamkrieg zurück. Dieser Krieg steht aber nicht im Mittelpunkt. Nur ganz selten sind kurze Szenen zu sehen, in denen gezeigt wird, was Al und Birdy in Vietnam erleben. Stattdessen könnte man "Birdy" eher als Charakterdrama bezeichnen, in dem Al ebenso große Bedeutung zukommt wie der Titelfigur. Schließlich geht es nicht nur darum, dass Al zu Birdy durchzudringen versucht. Im Grunde ist Al genauso auf der Suche nach sich selbst. Der einst so selbstsichere und in sein gutes Aussehen verliebte Typ ist jetzt ein gebrochener Mann. Am Ende ist Birdy womöglich "normaler" als Al. Die beiden Hauptdarsteller brillieren in ihren Rollen, und so war ich von Anfang bis Ende gefesselt.

Die gelungene Inszenierung trägt viel zu dieser Faszination bei. Die Geschichte wird nicht chronologisch vorangetrieben, sondern in Rückblicken. Al besucht Birdy im Krankenhaus und versucht seinen Freund durch das Erzählen gemeinsamer Erinnerungen zu einer Reaktion zu bewegen. Zu diesen Erinnerungen wird dann zurückgeblendet. Man erlebt mit, wie sich der etwas großmäulige Schürzenjäger Al und der Sonderling Birdy erstmals begegnen, wie sie sich allmählich näher kommen und sich schließlich voneinander entfremden. Das ärmliche Umfeld, in dem Al und Birdy aufwachsen, wirkt sehr authentisch. Ikonische Bilder wie der nackt auf dem Bettgestänge kauernde Birdy, der zum einzigen kleinen Fenster seiner Zelle aufblickt, prägen sich ins Gedächtnis ein.


J. Kreis, 23.02.2017




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