Bathory


Bathory - Die Blutgräfin (Tschechien / Slowakei / GB, 2008)
- Bathory -

BluRay, MIG Filmgroup
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 140 Minuten

Extras
- Making of (26:51 Min.)
- Musikvideos
- Trailer

Regie:
Juraj Jakubisko

Hauptdarsteller:
Anna Friel (Elisabeth Bathory)
Vincent Regan (Ferenc Nadasdy)
Karel Roden (Juraj Thurzo)
Hans Matheson (Merisi Caravaggio)
Deana Jakubiskova-Horvathova (Darvulia)
Bolek Polivka (Bruder Peter)
Jiri Madl (Novize Cyril)
Franco Nero (König Mathias II.)




Inhalt:

Elisabeth Bathory, eine ungarische Adlige, lebt Ende des 16. Jahrhunderts mit ihrem Ehemann Ferenc Nadasdy in Burg Cachtice - vielmehr lebt sie dort meist allein, denn ihr Gatte kämpft jahrelang im Krieg gegen die Osmanen. Da Nadasdy somit meist abwesend ist, fällt der Gräfin die Verwaltung des großen Familienbesitzes zu. Sie erfüllt diese Aufgabe sehr erfolgreich. Das regierende Haus Habsburg verschuldet sich bei der Familie, um den Krieg finanzieren zu können. Der aufgrund seiner Grausamkeit unter dem Beinamen "Schwarzer Ritter" bekannte Graf liebt seine Frau zwar sehr, vergewaltigt sie jedoch eines Tages im Alkoholrausch, obwohl sie hochschwanger ist und daraufhin das Kind verliert. In ihrer Einsamkeit verliebt sich die Gräfin in den bei ihr lebenden Maler Caravaggio. Ihr Mann kommt dahinter und versucht den Rivalen zu vergiften, doch Elisabeth trinkt den für ihn bestimmten Wein. Die von vielen Menschen für eine Hexe gehaltene alte Heilerin Darvulia rettet Elisabeths Leben und wird zu einer ihrer engsten Vertrauten. Darvulia kuriert außerdem eine Blutkrankheit, unter der Elisabeth seit langer Zeit leidet. Zehn Jahre lang führt Elisabeth trotz des nicht enden wollenden Krieges und der Verbannung ihres Geliebten ein glückliches Leben. Ihre Töchter werden gewinnbringend verheiratet, und schließlich schenkt sie einem Erben das Leben.

Doch dann wird Nadasdy im Kampf tödlich verwundet und stirbt kurz nach seiner Rückkehr nach Cachtice. Nun ist Elisabeth endgültig Herrin über ein gewaltiges Vermögen und ausgedehnte Ländereien, die sich über große Teile Ungarns und bis nach Transsylvanien sowie Österreich erstrecken. Ihre Macht ist vielen anderen Adligen ein Dorn im Auge, und ihre scheinbar ewige Jugend sorgt für Gerüchte, die dem Klerus zu Ohren kommen. Zwei Mönche werden entsandt, um herauszufinden, ob die Gräfin wirklich Jungfrauen ermorden lässt, um in deren Blut zu baden. Elisabeths gefährlichster Gegner ist Graf Thurzo, Stellvertreter des Königs von Ungarn und Kriegskamerad Nadasdys. Er behauptet, dieser habe ihm zum Dank für die Befreiung aus den Händen der Osmanen ein Drittel seines Besitzes versprochen. Außerdem begehrt er die schöne Gräfin. Als diese ihn abweist und ihm die Abtretung von Besitztümern verweigert, entsteht eine tiefe Feindschaft zwischen den beiden. Elisabeth erhält unerwartete Hilfe von den Mönchen, die bei ihrer Spionagetätigkeit herausgefunden haben, dass die meisten Gerüchte über die Gräfin haltlos sind oder auf missgünstigen Lügen beruhen. So badet sie keineswegs in Blut, sondern in Wasser, das durch bestimmte Kräuter rot gefärbt ist. Auch Elisabeths Neffe Gabor, der in Transsylvanien herrscht, unterstützt sie im Kampf gegen ihre Feinde.

Thurzo entwickelt einen Plan, um Elisabeth zu beseitigen. Er kann sie nicht einfach ermorden oder als Hexe anklagen, denn dann würden ihre Besitztümer entweder an ihren Erben oder an die Kirche gehen. Elisabeth müsste stattdessen als Mörderin verurteilt werden, doch das ist nur mit den Stimmen anderer Adliger möglich, und um die zu überzeugen, braucht Thurzo Beweise, die es nicht gibt. Seine Frau weiß Rat. Sie schleicht sich in Schloss Cachtice ein und mischt Gift in die Tränke, die Elisabeth noch immer von Darvulia erhält. Von Alpträumen und Halluzinationen geplagt tötet Elisabeth nun wirklich eine Dienerin, außerdem fällt Darvulia bei ihr in Ungnade und wird verstoßen. Verräter, die sich für Elisabeth und einen ihrer Diener ausgeben, ermorden mehrere Mädchen, deren grausam entstellte Leichen im einfachen Volk die Überzeugung wachsen lassen, die Gräfin sei ein bluttrinkendes Ungeheuer. Mit Hilfe ihrer Freunde kann sich Elisabeth zwar einige Zeit gegen Thurzos Ränke behaupten, doch dieser handelt mit Billigung des Königs Mathias II. und kann Elisabeths Schwiegersöhne auf seine Seite ziehen. Die Mönche versuchen Gabor zu verständigen, doch die Brieftaube mit der entsprechenden Nachricht wird abgeschossen.

Am 29. Dezember 1610 stürmt Thurzo mit seinen Soldaten Burg Cachtice. Elisabeth wird verhaftet. Obwohl es immer noch keine echten Beweise für ihre angeblichen Gräueltaten gibt, wird sie verurteilt, ohne die Gelegenheit zu erhalten, sich zu verteidigen. Thurzo schaltet alle Mitwisser aus, indem er sie als Komplizen Elisabeths grausam hinrichten lässt. Elisabeth wird lediglich unter Hausarrest gestellt. Sie begeht im Jahre 1614 Selbstmord, nachdem sie ihren Sohn testamentarisch als Erben eingesetzt hat. Mit diesem letzten Zug setzt sie Thurzo doch noch Schachmatt, denn er hat sie wirklich geliebt und geht jetzt leer aus. Nicht einmal die bei der Erstürmung Cachtices eroberten Schatztruhen bleiben ihm, denn er muss sie der Kirche für deren Unterstützung im Prozess überlassen...

Der Film:

Gräfin Elisabeth Bathory hat wirklich existiert. Das Guinnesbuch der Weltrekorde verzeichnet sie als größte Massenmörderin aller Zeiten, weil sie 650 Menschen, vor allem junge Mädchen, in ihre Burg gelockt und ermordet haben soll. Man sagt ihr nach, sie habe ihre Opfer grausam zu Tode gequält und in ihrem Blut gebadet, um dadurch ewige Jugend zu gewinnen. Diese Legenden stützen sich zwar teilweise auf die historischen Prozessakten, aber selbst deren Aussagekraft ist zumindest zweifelhaft: Unter der Folter erzwungene Geständnisse, haltlose Anschuldigungen und Vermutungen wurden für bare Münze genommen. Elisabeth Bathory hatte keinen Verteidiger und konnte noch nicht einmal selbst aussagen. Andernteils handelt es sich ohnehin lediglich um phantasievolle Ausschmückungen. Die Sache mit den Blutbädern wurde z.B. 200 Jahre nach dem Prozess hinzugedichtet. So wurde Elisabeth Bathory nach und nach zur "Blutgräfin", zum sadistischen Ungeheuer und beliebten Thema diverser Mythen. Über alldem ist weitgehend in Vergessenheit geraten, dass es sich um eine historische Persönlichkeit gehandelt hat.

Hier setzt der Film an. "Bathory" ist kein blutrünstiger Horrorfilm, sondern ein Historiendrama. Es wird die These vertreten, Elisabeth Bathory sei zwischen die Mühlsteine politischer Intrigen geraten, wobei auch der Konflikt zwischen katholischer Kirche und Protestantismus eine Rolle gespielt habe. Dem Drehbuch zufolge war die Gräfin - obwohl sie durchaus ambivalent und keineswegs als unschuldiges Opfer charakterisiert wird - eine ungewöhnlich kluge, geschäftstüchtige und machtvolle (kurz: emanzipierte) Frau mit starker Persönlichkeit, die einfach das Pech hatte, in der falschen Zeit geboren worden zu sein. Man wird wohl nie erfahren, was damals wirklich vorgefallen ist, aber ich halte die Version des Films für viel wahrscheinlicher als die Annahme, die Gräfin sei eine Vampirin gewesen! Allerdings nimmt es auch dieser Film mit den historischen Fakten nicht allzu genau. Zunächst ist die Liebesbeziehung zwischen der Gräfin und Caravaggio sicher reine Erfindung. Die beiden haben zwar zur selben Zeit gelebt, dürften sich aber nie begegnet sein. Außerdem wird Thurzo im Film vielleicht etwas zu sehr als Bösewicht aufgebaut, König Mathias II. dagegen als Beinahe-Verteidiger der Gräfin, der den Ablauf des Prozesses anprangert. Die Wikipedia behauptet, tatsächlich habe der König das Todesurteil verlangt, Thurzo habe dem aber nicht zugestimmt. Elisabeth Bathorys Ende wird im Film anders dargestellt; in Wahrheit wurde sie in einem kleinen Zimmer eingemauert, in dem sie nach vier Jahren gestorben ist. Der einzige Kontakt mit der Außenwelt fand durch ein kleines Loch statt.

Wie dem auch sei: Für den Film wurde dankenswerterweise ein realistischer Ansatz gewählt. Elisabeth hat zwar immer wieder merkwürdige Visionen, aber die sind auf ihre lebhafte Phantasie bzw. den Drogeneinfluss zurückzuführen. Darvulias Fähigkeiten muten etwas merkwürdig an, aber es handelt sich vermutlich nur um gute Kenntnisse in Kräuterkunde und eine gewisse Suggestivkraft. Übernatürliche Elemente, gar Vampire oder dergleichen, kommen im Film jedenfalls nicht vor. Obwohl in "Bathory" also keine Jungfrauen ausgesaugt werden, ist doch einiges an Gewalt enthalten. Dummerweise wirken viele Kampf- und sonstige Actionszenen ein wenig arg unbeholfen. Anna Friel spielt die vielschichtige Hauptfigur wirklich beeindruckend. Ihre Sorgen und Nöte, die innere Zerrissenheit, aber auch die Kraft und Leidenschaft der Gräfin wirken jederzeit glaubwürdig. In dem von Karel Roden ebenfalls sehr überzeugend verkörperten Grafen Thurzo findet sie einen würdigen Gegenspieler. Leider werden aber auch die beiden spionierenden Mönche (ebenfalls wahrscheinlich rein fiktive Figuren) oft in den Mittelpunkt gerückt, und das tut dem Film nicht gut. Der eine bastelt immer wieder verrückte Apparaturen zusammen, der andere stellt den Mädchen nach und heult manchmal wie ein Wolf. Die beiden sollen vermutlich als "Comic Relief" dienen, damit der Film nicht zu ernst wird. Aber gerade das stört eigentlich nur, zumal die meisten Szenen mit den beiden Typen einfach nur albern sind. Ich hätte mir für diesen Film eine düsterere Atmosphäre gewünscht.

Was uneingeschränktes Lob verdient, sind die Ausstattung und die prächtigen Kostüme sowie die Kulissen bzw. Drehorte. Fast jede Szene wirkt wie ein barockes Gemälde; man müsste eigentlich dauernd die Pause-Taste drücken, um alle Details würdigen zu können. Es wurde viel an Originalschauplätzen und in der freien Natur gedreht, und so bekommt man viele wunderbare Landschaftsaufnahmen zu sehen.

BluRay-Features:

Der deutsche Ton der BluRay ist dumpf, schlecht abgemischt und nicht lippensynchron. Die Erzählstimme ist wegen der zu lauten Hintergrundgeräusche manchmal fast nicht zu verstehen, und alle Dialoge/Geräusche hinken dem Bild um ein paar Sekundenbruchteile hinterher. Das trübt den Filmgenuss ungemein.

Auch beim Bonusmaterial hätte man sich mehr Mühe geben können. Das "Making of" enthält zwar neben Filmausschnitten und Blicken hinter die Kulissen viele Interviews, und sicher erhält man dadurch viele interessante Informationen - aber nur, wenn man der mir nicht bekannten slawischen Sprache mächtig ist, die da zumeist gesprochen wird. Untertitel sind nämlich nicht vorhanden. Ich konnte nur Anna Friel verstehen, sie spricht englisch. Hinzu kommen zwei Videoclips (ein Musikvideo und ein Liveauftritt der slowakischen Popsängerin Katarina Knechtova) und Filmtrailer.


J. Kreis, 16.11.2010




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