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Band of Brothers Band of Brothers (USA, 2001)
DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 18
Laufzeit: ca. 782 Minuten

Extras

Original-Dokumentation "We Stand Alone Together: The Men Of Easy Company". Die Videotagebücher von Ron Livingston. Original-Dokumentation "The Making of Band of Brothers". Die Premiere in der Normandie. Who's Who: The Men of Easy Company. Jeep-Werbespot.

Regie:
Phil Alden Robinson, Richard Loncraine, Mikael Salomon, David Nutter, Tom Hanks, David Leland, David Frankel, Tony To

Darsteller:
(Es werden nur Personen berücksichtigt, die in der Episodenübersicht erwähnt werden)
Damian Lewis (Richard "Dick" Winters)
Ron Livingston (Lewis Nixon)
David Schwimmer (Herbert Sobel)
Frank John Hughes (William "Wild Bill" Guarnere)
Neal McDonough (Lynn "Buck" Compton)
Marc Warren (Albert Blithe)
Michael Cudlitz (Denver "Bull" Randleman)
Stephen McCole (Frederick T. "Moose" Heyliger)
Shane Taylor (Eugene Roe)
Peter O'Meara (Norman Dike)
Donnie Wahlberg (C. Carwood Lipton)
Dale Dye (Robert Sink)




Inhalt

Die zehnteilige TV-Serie "Band of Brothers" beschreibt das Schicksal einiger Soldaten der E-Kompanie des seinerzeit neu gegründeten 506. Fallschirmjäger-Regiments der US-Army (genannt "Easy Company") vom Beginn der Ausbildung bis zu den Einsätzen im zweiten Weltkrieg nach der Landung in der Normandie. Die dargestellten Ereignisse haben so oder so ähnlich tatsächlich stattgefunden und die Schauspieler verkörpern reale Soldaten der Easy Company. Die Episoden im Einzelnen:

1: Currahee
Am 4. Juni 1944 warten die Männer der Easy Company in Upottery (England) auf den Abflug nach Frankreich. Wegen schlechter Wetterbedingungen muß die Landung allerdings um 24 Stunden verschoben werden. Genug Zeit für die Leutnants Richard Winters und Lewis Nixon, sich an die Ausbildung vor zwei Jahren zu erinnern. In dieser Zeit hatte Winters wie alle Soldaten der E-Company (fast alle haben sich übrigens freiwillig gemeldet) unter Lt. Sobel, einem knallharten Schleifer, zu leiden. Sobel hatte den Ehrgeiz, seine Einheit zur besten Kompanie des Regiments zu machen. Dieses Ziel hatte er durch unmenschlichen Drill und unnötige Härte tatsächlich erreicht, war bei seinen Männern aber verhaßt. Winters sollte wegen eines lächerlichen angeblichen Dienstvergehens sogar vor ein Kriegsgericht gestellt werden - Sobel hatte Winter als Rivalen betrachtet und wollte ihn loswerden. Im Manöver war dann allerdings Sobels Unfähigkeit und Unzuverlässigkeit im Kampf an den Tag gekommen. Keiner seiner Soldaten wollte mit ihm in den Krieg ziehen, die Unteroffiziere hatten geschlossen die Versetzung beantragt. Dafür waren sie zwar degradiert worden, ihre Meuterei hatte aber Erfolg: Sobel wurde "wegbefördert". "Currahee" - der Name eines Hügels in der Nähe des Ausbildungslagers, den die Soldaten Tag für Tag bezwingen mußten - war zum Schlachtruf der Easy Company geworden. Am 5. Juli 1944 starten schließlich die Flugzeuge und bringen die Soldaten zu ihrem ersten Kriegseinsatz.

2: Der erste Tag
Am 6. Juni 1944 landen die Fallschirmspringer in der Normandie. Es gibt schwere Verluste und die verschiedenen Einheiten werden weit verstreut, erreichen ihre vorgesehenen Landezonen nicht und müssen sich erst wieder neu gruppieren. So geschieht es auch mit der Easy Company. Es gelingt Lt. Winters, einige seiner Kameraden aufzustöbern und eine Sammelstelle zu erreichen. Unterwegs kommt es zum ersten Feindkontakt. "Wild Bill" Guarnere, der kurz vor dem Einsatz die Nachricht erhalten hat, daß sein Bruder bei Monte Cassino gefallen sei, bringt seine Kameraden in Gefahr, indem er vorzeitig einen deutschen Versorgungskonvoi unter Feuer nimmt. Guarnere will den Tod seines Bruders rächen und sorgt für erste Spannungen in der Truppe. Da der kommandierende Offizier der Easy Company verschollen ist, nimmt Winters dessen Platz ein. Am nächsten Tag sollen Winters und Lt. Compton mit den wenigen Soldaten, die sie "aufsammeln" konnten, eine deutsche Geschützstellung bei Brecourt einnehmen. Der Coup gelingt mit nur einem Verlust: Ein Soldat aus einer anderen Kompanie, der sich der Easy Company angeschlossen hatte, fällt bei der Erstürmung eines Bunkers.

3: Carentan - Brennpunkt Normandie
Allmählich finden die verstreuten Soldaten der Easy Company wieder zusammen. Ihr nächster Auftrag besteht in der Einnahme des Städtchens Carentan. Dies gelingt zwar nur unter hohen Verlusten, die Stellung kann aber dennoch so lange verteidigt werden, bis Verstärkung eintrifft. Auch Lt. Winters wird leicht verletzt. Einer der vielen Soldaten, die im Kampf schwer verwundet werden, ist Soldat Blithe. Das Grauen des Kriegs ist zuviel für ihn und er erkrankt an "hysterischer Erblindung". Um seine Kameraden nicht zu enttäuschen, reißt er sich zusammen und übernimmt bei der Durchsuchung eines vom Feind besetzten Hauses die Führung. Ein Scharfschütze nimmt ihn unter Feuer, Blithe erhält einen Treffer in den Hals. Davon erholt er sich nicht mehr... Einige Wochen später: Die Easy Company ist wieder in England und hat ein wenig Ruhe. Doch dies ist nur von kurzer Dauer, denn es kommt schon wieder der nächste Einsatzbefehl.

4: Die Neuen
Die schweren Verluste der Easy Company werden ausgeglichen: Junge, gerade erst ausgebildete Soldaten ohne Kampferfahrung werden der Kompanie zugeteilt. Deren Verhältnis zu den "alten Hasen" ist anfänglich etwas gespannt, aber sie haben nur allzu bald Gelegenheit, sich im Einsatz zu beweisen. Die Easy Company nimmt im September 1944 nämlich an der Operation "Market Garden" in Holland teil. Fallschirmjäger und Bodentruppen sollen gleichzeitig angreifen, die deutschen Verteidigungslinien umgehen und direkt ins Reichsgebiet vorstoßen. Man hofft, den Krieg auf diese Weise noch vor Weihnachten gewinnen zu können. Als die Easy Company in Eindhoven einmarschiert, ohne auf Widerstand zu stoßen, werden die Soldaten von den Niederländern begeistert empfangen. Mitglieder des Widerstands geben ihnen wertvolle Hinweise. Starker Widerstand der Wehrmacht verhindert jedoch nicht nur den weiteren Vormarsch - die Alliierten müssen sich sogar zurückziehen. Dabei geht Sgt. Randleman "verloren": Er gerät hinter die feindlichen Linien und muß sich vor den deutschen Soldaten verstecken. Nur mit viel Glück gelingt es ihm, zu seiner Einheit zurückzukehren. Die Operation "Market Garden" jedoch wird zu einem Debakel.

5: Kreuzungen
Winters, inzwischen Captain, wird zum stellvertretenden Bataillonskommandeur befördert. Außerdem erhält er zwei Tage Urlaub, die er im befreiten Paris verbringt. Doch weder behagt ihm sein neuer Job, der viel Schreibarbeit mit sich bringt, noch kann er im Urlaub entspannen - immer wieder wird er von Erinnerungen an seinen letzten Kampfeinsatz geplagt, bei dem er einen jungen deutschen Soldaten erschossen hat, obwohl dieser unbewaffnet war. Auch fällt es ihm schwer, seine Leute dem neuen Chef der Easy Company, Lt. Heyliger, anzuvertrauen. Doch auch Heyliger bewährt sich im Einsatz: Unter seinem Kommando verhilft die Easy Company einigen britischen Soldaten zur Flucht aus feindlich besetztem Gebiet. Dann kommt der Tag der Ardennen-Offensive, des letzten großen und anfänglich erfolgreichen Gegenangriffs der Deutschen Wehrmacht. Die Easy Company wird nach Belgien abkommandiert, ist aber denkbar schlecht ausgerüstet für einen Kampf im winterlichen Gelände. Selbst die Munition ist knapp. Die Männer beobachten den Abzug von Soldaten anderer Einheiten aus der Stadt Bastogne und bereiten sich darauf vor, von ihren Gegnern eingekesselt zu werden. Diesmal ist auch Captain Winters wieder mit dabei.

6: Bastogne
In den verschneiten Wäldern bei Bastogne stehen sich Soldaten der US Army und der Wehrmacht gegenüber. Auf beiden Seiten haben die Soldaten sich eingegraben, ab und zu kommt es zu kleineren Gefechten zwischen Spähtrupps und immer wieder versuchen stärkere Kräfte der Wehrmacht durchzubrechen, was von der Easy Company jedoch stets verhindert wird. Die amerikanischen Soldaten leiden besonders unter dem schrecklichen Artilleriebeschuß. Auch die Kälte setzt ihnen zu, denn sie haben praktisch keinerlei wintergerechte Ausrüstung. Besonders schwer hat es der Sanitätsoffizier Eugene Roe, der die Verletzungen seiner Kameraden mit einfachsten Mitteln versorgen muß. Ab und zu werden besonders schwer verwundete Soldaten per Jeep nach Bastogne evakuiert, wo ein behelfsmäßiges Lazarett in einer Kirche eingerichtet worden ist. Roe fährt manchmal mit, um sich wenigstens mit ein wenig Verbandsmaterial einzudecken. Dabei lernt er eine junge belgische Krankenschwester kennen. Roe ist überfordert und erschöpft, reißt sich aber immer wieder zusammen. Dann wird Bastogne bombardiert, die Kirche erhält einen Bombentreffer, dem auch die junge Krankenschwester zum Opfer fällt. Roe kehrt an die Front zurück, wo die Soldaten einen traurigen Weihnachtsabend verbringen...

7: Durchbruch
Die Schlacht in Eis und Schnee geht weiter. Die Easy Company verliert viele Männer durch heftiges Artilleriefeuer, außerdem gibt es Schwierigkeiten wegen der Führungsschwäche des neuen Kompaniechefs: Lt. Dike ist unfähig, Entscheidungen zu treffen und seine Soldaten in den Kampf zu führen. Meist ist er noch nicht einmal anwesend - keiner weiß, ob er dann wirklich, wie er später jeweils behauptet, im Bataillonskommando ist, oder ob er sich nicht etwa einfach irgendwo versteckt. Dann bricht auch noch Lt. "Buck" Compton unter dem permanenten Druck zusammen, als er mit ansehen muß, wie seine Kameraden verstümmelt werden. Er muß die Frontlinie verlassen. So fällt allein Sgt. Lipton die Aufgabe zu, die Kampfmoral aufrecht zu erhalten und zu verhindern, daß die Kompanie auseinanderfällt. Beim Angriff auf Foy versagt Dike total, die Soldaten drohen niedergemetzelt zu werden. Jetzt endlich kann Winters eingreifen, dem vorher die Hände gebunden waren, weil Dikes Position bisher durch einflußreiche Freunde gesichert war. Winters überträgt Lt. Speirs von der Dog Company die Kommandogewalt über die Easy Company. Speirs nimmt Foy (fast schon im Alleingang) ein und wird von den Männern als Anführer akzeptiert. Lipton wird für seinen Einsatz zum Lieutenant befördert. Den erschöpften Soldaten wird aber auch nach der Einnahme von Foy keine Ruhe gegönnt - die deutsche Armee greift im Elsaß an und wieder einmal wird die Easy Company nach vorn geschickt...

8: Der Spezialauftrag
In Haguenau bewachen deutsche und amerikanische Soldaten die gegenüberliegenden Ufer eines Flusses, der somit von keiner der beiden Parteien ungefährdet überschritten werden kann. 15 Mann der Easy Company werden zu einem Stoßtrupp zusammengestellt, der sich bei Nacht und Nebel auf die feindliche Seite wagen soll, um Gefangene zu machen, die man verhören kann. Das gewagte Unternehmen hat Erfolg, ein Soldat wird jedoch schwer verletzt und stirbt wenig später. Angestachelt von diesem Erfolg befiehlt Colonel Sink, ein zweiter Trupp solle in der folgenden Nacht weitere Gefangene machen. Die erschöpften Soldaten trauen ihren Ohren nicht, als Captain Winters ihnen nahelegt, die Nacht lieber durchzuschlafen. Mit anderen Worten: Winters ignoriert Sinks Befehl, um nicht noch mehr Männer zu verlieren. Allmählich beginnen die Soldaten zu begreifen, daß ein Wendepunkt im Krieg eingetreten ist, und daß der Sieg nahe sein muß, denn sonst hätte Winters (der übrigens zum Major befördert wird) sich nie so verhalten. Dann kommt die Nachricht, daß die Easy Company in Deutschland einmarschieren soll.

9: Warum wir kämpfen
Die Wehrmacht ist an allen Fronten auf dem Rückzug - deshalb trifft die Easy Company auf keinerlei Widerstand, als sie in Deutschland einmarschiert. Endlich können die Soldaten durchatmen und ein vergleichsweise normales Leben in den besetzten Städten genießen. Manche decken sich mit Beutegut ein, das sie nach Hause schicken, andere sorgen für eine besondere Art der Völkerverständigung, indem sie sich besonders um den weiblichen Teil der Bevölkerung kümmern. Meist gehen sie aber nicht sehr zartfühlend mit den Menschen um, die sie für böse Nazis halten. Captain Nixon, der schon immer gern einen gehoben hat, bekommt allmählich ein echtes Alkoholproblem - der Krieg hat einen desillusionierten Zyniker aus ihm gemacht, und die Nachricht, daß seine Frau sich von ihm scheiden lassen will, hebt seine Laune auch nicht gerade. Da entdecken die Männer der Easy Company ein Konzentrationslager in der Nähe von Landsberg, dessen Wachmannschaft bereits geflohen ist. Angesichts des unglaublichen Elends der dort eingesperrten Menschen können manche Soldaten, die von der Existenz dieser Vernichtungslager bisher keine Ahnung hatten, ihren Augen nicht trauen. Die Gefangenen werden mit Nahrung und medizinischer Hilfe versorgt. Die Bürger Landsbergs behaupten, sie hätten keine Ahnung von den Geschehnissen in den Lagern gehabt. Sie werden gezwungen, die Leichenberge zu beseitigen.

10: Kriegsende
Die endgültige Kapitulation Deutschlands steht kurz bevor. Die Easy Company stößt deshalb beim Einmarsch in Berchtesgaden und bei der Einnahme von Hitlers "Adlerhorst" auf dem Obersalzberg auf keinen Widerstand mehr. Auch Görings Haus wird entdeckt - sehr zur Freude von Captain Nixon und anderer Soldaten, die sich sogleich über die erlesenen Tropfen hermachen, die im Weinkeller lagern. Dann geht es weiter nach Österreich, wo die Männer eine wahre Idylle in Zell am See genießen können. Obwohl der Krieg für die Männer der Easy Company also praktisch vorbei ist, kommen sie dennoch nicht zur Ruhe. Einerseits steht immer noch die Möglichkeit einer Abkommandierung in den Pazifik im Raum, wo der Krieg gegen Japan noch tobt. Nur jene Soldaten, die schon genügend "Punkte" durch Kampfeinsätze gesammelt haben, können nach Hause zurückkehren. Zum anderen leiden die Soldaten unter der Untätigkeit. So kommt es immer wieder zu Unfällen und Übergriffen: Ein Zivilist wird erschossen, den man für den Kommandanten eines KZs hält und ein betrunkener Soldat schießt einen Kameraden nieder. Als dann endlich auch Japan kapituliert, ist der Krieg endgültig beendet - die Easy Company löst sich auf, die zu Brüdern gewordenen Soldaten kehren ins zivile Leben zurück...

Die Serie:

Diese Miniserie ist im Sog des Erfolgs von Der Soldat James Ryan nach einer Romanvorlage entstanden. Da sie von Steven Spielberg produziert wurde, ist es kein Zufall, daß die Serie in vielem dem genannten Film gleicht. So ist man auch diesmal wieder "mittendrin", wenn den Soldaten wieder einmal an vorderster Front die Kugeln und Granaten um die Ohren fliegen. Ausnahmsweise wiederhole ich in leichter Abwandlung, was ich schon zu "James Ryan" geschrieben habe, weil es einfach erneut genau paßt: Die mobile, teils verwackelte und dreck- bzw. blutbespritzte Kamera zeigt das Geschehen nicht etwa aus der Totalen oder von einem "Feldherrnhügel" aus, sie ist vielmehr immer bei den Soldaten. Das totale Chaos der Angriffe wird geradezu beängstigend echt dargestellt. Die wahrscheinlich leicht verfremdeten Farben (viele Sepia- und Braun-/Grautöne) verstärken diesen Eindruck noch. Der Kampf soll nicht glorifiziert werden. Es gibt keinen "heldenhaften Tod", sondern nur ein gnadenloses, schreckliches Gemetzel und den verzweifelten Versuch des Einzelnen, irgendwie zu überleben. Wenn man diese Szenen mit Surround-Ton laufen läßt, hat man erst recht den Eindruck, selbst mitten im Geschehen zu sein. Die Einschüsse, Querschläger und Explosionen scheinen direkt im gemütlichen Wohnzimmer zu sein... Man kann fast nicht glauben, daß man es mit Spezialeffekten und Kulissen zu tun hat - alles wirkt zu hundert Prozent echt und glaubwürdig, man kann gar nicht anders, als mitzufiebern. Es wird denn auch schonungslos gezeigt, was der Kampf mit den Menschen anrichtet: Abgerissene Gliedmaßen, zerfetzte Körper und andere grausige Verletzungen bekommt man mehr als genug zu sehen. Schon allein wegen dieser Detailtreue ist auch "Band of Brothers" kein Antikriegsfilm, sondern ein Kriegsfilm.

Im Mittelpunkt stehen aber auch bei "Band of Brothers" wieder die Gedanken und Gefühle der Soldaten. Es geht um ihre Reaktionen auf das Grauen, den Verlust von Freunden, und die Art und Weise, wie sie versuchen, den Krieg zu rationalisieren (was manchen nicht gelingt). Da es ein ganzes Ensemble an Hauptdarstellern gibt, wechselt der Blickwinkel von Episode zu Episode. Mal folgen wir einem Soldaten, der in seinem ersten Einsatz genau so reagiert, wie es mir wahrscheinlich auch ergangen wäre: Er kauert sich unter heftigem Feindfeur in seinem Schützenloch zusammen und ist einfach nicht in der Lage, auch nur einen Finger zu rühren. Dann erleben wir den Krieg aus der Sicht eines Sanitätsoffiziers und verstehen, daß er sich am liebsten selbst um Hilfe rufend irgendwo hinwerfen würde, was er sich aber nicht erlauben kann, da seine Kameraden sich auf ihn verlassen. Dann steht wieder Captain Winters im Mittelpunkt, dem es schwer fällt, seine Kompanie einem anderen Anführer zu überlassen. Auf diese Weise bleibt die Serie immer interessant, denn es wird immer wieder ein neuer Aspekt in den Fokus gerückt. Der Realismus in Sachen Ausstattung ist eine weitere Stärke der Serie. Ich bin zwar in solchen Dingen nicht wirklich sattelfest, aber mir scheint, selbst die kleinsten Requisiten seien genau so gestaltet worden, wie es den historischen Vorbildern entspricht.

Wie bereits in "Der Soldat James Ryan" ist die Darstellung der Kampfhandlungen auch in "Band of Brothers" sehr einseitig ausgefallen. Anders gesagt: Die Soldaten der US-Army sind unbesiegbare Helden, die Soldaten der deutschen Wehrmacht sind durch die Bank nur hirnamputierte Bösewichte, die selbst bei größter zahlenmäßiger Überlegenheit keine Chance gegen die Jungs von der Easy Company haben. Aber wir haben es hier nun einmal mit einer Serie zu tun, die die Geschehnisse aus einem subjektiven Blickwinkel erzählt, nämlich aus der Sicht der amerikanischen Soldaten. Also kann man diesen Mangel tolerieren. Wenn aber behauptet wird, daß diese Serie realistisch bis ins Detail sei, dann muß man dem entgegen halten, daß manche Kampfszene doch wohl eher nicht in der gezeigten Form stattgefunden hat. Beispiel: Gleich nach der Landung hebt die Easy Company mit ca. 12 Mann vier Geschützstellungen aus. Dort haben sich 60 deutsche Soldaten in Schützengräben, Bunkern und Unterständen verschanzt. In jeder Geschützstellung steht ein MG, ein weiteres MG deckt alle Stellungen aus dem Hintergrund. Die GIs greifen an und rennen mehrmals direkt durch den Kugelhagel - kein einziger Treffer. Die GIs schießen auf die Deutschen - praktisch jeder Schuß ist ein Treffer. Am Ende sind 20 deutsche Soldaten tot, die Geschütze sind vernichtet. Nur ein einziger amerikanischer Soldat ist gefallen, ein anderer hat eine Fleischwunde am Allerwertesten erlitten. Wo das realistisch sein soll, muß mir erst mal jemand erklären.

Über diese Schwächen kann man hinwegsehen, man muß sich einfach klarmachen, daß man es nicht mit einem Geschichts-Lehrfilm zu tun hat, sondern mit einer Interpretation der Drehbuchschreiber und Regisseure. Mir gefällt die Serie jedenfalls sehr gut, wegen der Gewaltdarstellung ist sie allerdings nichts für zarte Gemüter.

Die DVD:

Diese schöne DVD-Box aus Metall gibt es in mindestens 4 Versionen. Grund für das Durcheinander ist die Schnittversion der 3. Episode. Alle anderen Episoden haben eine FSK 16 - Einstufung, Nr. 3 enthält aber einige recht drastische Gewaltszenen und hat in der ungekürzten Version eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten. Wenn ihr eine Box mit einem FSK 16 - Siegel kauft, dann habt ihr die geschnittene Version. Beim Kauf der DVD-Box mit einem FSK 18 - Siegel müßt ihr aufpassen, denn dabei ist nicht garantiert, daß ihr tatsächlich die ungeschnittene Version erhaltet. Wenn sich auf der zweiten Disc (also auf dem Silberling in der Box) das FSK 18 - Siegel oberhalb des Schriftzugs befindet, ist alles okay. Befindet es sich unterhalb des Schriftzugs und hat eine kräftige rote Farbe, ist auch alles okay. Befindet es sich unterhalb des Schriftzugs und hat eine matte rote Farbe, dann ist die Disc mit der FSK 16 - Version identisch: Es handelt sich um eine Fehlpressung. Die Schnitte machen insgesamt weniger als eine Minute aus.

Jede Episode wird durch kurze Interviews eingeleitet, in denen ehemalige Soldaten der echten E-Kompanie ihre Erlebnisse der damaligen Zeit schildern - thematisch passend zur jeweiligen Episode. Diese Interviews sind Ausschnitte aus der Dokumentation "We stand alone together" (dies ist die Bedeutung des Worts "Currahee" - siehe Episode 1), die mit 80 Minuten Laufzeit für sich genommen schon abendfüllend ist. Die noch lebenden Männer der Easy Company, also die "Vorlagen" für die Hauptpersonen der Miniserie, berichten von ihren Kriegserlebnissen und ihrer Rückkehr ins "normale" Leben nach Kriegsende. Dazu werden historische Filmaufnahmen von den Schauplätzen gezeigt, an denen die Easy Company im Einsatz war. Was dabei sofort auffällt, ist die verblüffende Ähnlichkeit mancher Schauspieler mit diesen Männern. Ich habe gelesen, die Schauspieler seien aus genau diesem Grund ausgewählt worden. Manch einer der Veteranen wird, während er von der damaligen Zeit erzählt, sichtlich von Gefühlen überwältigt und manch eine Äußerung klingt übermäßig pathetisch. Aber das muß man verstehen und tolerieren. Jedenfalls erfährt man auf diese Weise, daß viele der in der Serie gezeigten persönlichen Schicksale usw. sich tatsächlich so zugetragen haben.

Das "Making of" ist ca. 30 Minuten lang, hier kommen hauptsächlich die Schauspieler zu Wort. Man sieht, daß sie als Vorbereitung auf die Serie so etwas wie eine militärische Blitzausbildung über sich ergehen lassen mußten, komplett mit Kampf- und Waffentraining, Unterbringung in Baracken und allem drum und dran! Durch die Berichte von den Dreharbeiten wurde auch eine Vermutung bestätigt, die ich gleich hatte: Daß nämlich der Wald von Bastogne ein künstlich hergerichtetes Bühnenbild war. Nicht klar war mir, was für ein Aufwand betrieben werden mußte, damit funktionsfähige Flugzeuge, Panzer und so weiter gezeigt werden konnten. Noch viel mehr vom recht harten "Boot-Camp" - Aufenthalt bekommt man in Ron Livingstons Videotagebüchern zu sehen. Der Schauspieler hatte während der ganzen Zeit dieser quasimilitärischen Ausbildung eine kleine Handkamera dabei, mit der er das Geschehen gefilmt hat. Man sieht es also aus der "Egoperspektive". Mich haben diese Aufnahmen sogleich an meine Bundeswehrzeit erinnert und es überrascht nicht, daß die Schauspieler nach diesen 10 Tagen nicht nur körperlich fit waren, sondern auch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt haben. Diese Videotagebücher sind für mich der interessanteste und lustigste Teil der Extras.

Die Serie hatte Premiere am Jahrestag des D-Day und wurde vor Veteranen und anderen geladenen Gästen an der Küste von Utah Beach in der Normandie gezeigt. Ein kurzer Bericht hierüber befindet sich ebenfalls beim Bonusmaterial. Auch hier wieder: Viel Pathos, aber man sieht auch mal Schauspieler und die von ihnen verkörperten realen Personen nebeneinander. Alle (bzw. die meisten) Hauptfiguren der Serie werden nochmal im "Who's Who" vorgestellt. Name, Geburtsdatum und Herkunft des Soldaten werden angezeigt, dann laufen einige charakteristische Filmausschnitte ab.

J. Kreis, 01.02.2006

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