Avatar


Avatar: Aufbruch nach Pandora - Extended Collector's Edition (USA/GB, 2009)
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Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 162 Min. (Kinoversion) / 170 Min. (Erweiterte Kinofassung) / 178 Min. (Extended Collector's Cut)

Extras
- Capturing Avatar (ca. 98 Min.)
- Deleted Scenes: Never before seen (ca. 67 Min.)
- A Message from Pandora (ca. 20 Min.)
- Produktionsmaterial (ca. 84 Min.)
- Die Entstehung einer Szene (ca. 65 Min.)
- Making of-Clips
- Aus dem Avatar-Archiv

Regie:
James Cameron

Hauptdarsteller:
Sam Worthington (Jake Sully)
Zoe Saldana (Neytiri te Ckaha Mo'at'ite)
Sigourney Weaver (Dr. Grace Augustine)
Stephen Lang (Colonel Miles Quaritch)
Giovanni Ribisi (Parker Selfridge)
Laz Alonso (Tsu'Tey)
Michelle Rodríguez (Trudy Chacon)




Inhalt

Mitte des 22. Jahrhunderts sind die natürlichen Ressourcen der hoffnungslos überbevölkerten Erde fast völlig erschöpft. Auf der Suche nach neuen Rohstoffquellen entdeckt die Resources Development Administration (RDA) das äußerst wertvolle Mineral Unobtanium. Es wird auf Pandora abgebaut, dem planetengroßen Mond eines Gasriesen im Alpha-Centauri-Sonnensystem. Pandora hat eine für Menschen giftige Atmosphäre und ist vollständig von einem vor gefährlichen Lebensformen strotzenden Dschungel bedeckt. Es gibt intelligentes Leben auf Pandora. Die menschenähnlichen, drei Meter großen und blauhäutigen Wesen nennen sich selbst Na'vi. Sie leben im völligen Einklang mit der Natur und sind wie alle anderen Lebensformen Pandoras Bestandteil eines planetenumfassenden neuronalen Netzwerks. Die von den Na'vi verehrte Gottheit Eywa ist nichts anderes als das eigenständige Bewusstsein dieses Netzwerks. Vom Herzen des Netzwerks, dem Allerheiligsten der Na'vi, geht eine Art Strahlung aus, die die Technik der Menschen stört. Den Menschen sind diese Zusammenhänge nicht bekannt. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Menschen und Na'vi. Es gibt zwar ein von Dr. Grace Augustine geleitetes Forschungsteam im von Söldnern bewachten RDA-Stützpunkt auf Pandora, das sich um einen friedlichen Kontakt mit den Eingeborenen bemüht, doch Administrator Selfridge und Colonel Quaritch (Chef der Söldner) interessieren sich nur für die Erschließung neuer Unobtanium-Fundstellen. Das größte bisher geortete Vorkommen befindet sich ausgerechnet genau unter einem gigantischen Baum, der vom Na'vi-Clan der Omaticaya bewohnt wird. Die Na'vi sollen deshalb dazu gebracht werden, den Heimatbaum zu verlassen.

Um sich im lebensfeindlichen Dschungel bewegen zu können und das Vertrauen der Na'vi zu gewinnen, nutzen Grace und ihre Leute so genannte "Avatare": Aus menschlichem Erbgut und Na'vi-DNS geklonte Körper, die per Gedankenkontrolle gesteuert werden können und sich nicht von einem durchschnittlichen Eingeborenen unterscheiden. Die Verbindung zwischen dem menschlichen Benutzer und dem Avatar ist perfekt, kann aber jederzeit getrennt werden, indem die dazu benötigte Apparatur abgeschaltet wird. Eines Tages im Jahre 2154 kommt ein Mann aus Graces Team ums Leben. Da schnellstmöglich ein Ersatzmann beschafft werden muss, wird der von der Hüfte abwärts gelähmte Ex-Marinesoldat Jake Sully rekrutiert. Er ist der Zwillingsbruder des Toten und man hofft, er werde sich deshalb besonders schnell in den Avatar seines Bruders eingewöhnen. Tatsächlich ist Jake schon nach kurzem Training einsatzbereit. Wieder gehen zu können ist für ihn eine mindestens ebenso berauschende Erfahrung wie die Eindrücke, die er mit dem Avatar-Körper in der Natur Pandoras sammeln kann. Doch schon beim ersten Ausflug in den Dschungel wird Jake von seiner Gruppe getrennt, muss vor einer riesigen Bestie fliehen und findet den Rückweg zur Basis nicht. Er wird von der jungen Na'vi-Jägerin Neytiri beobachtet, die schon einen Pfeil auf der Sehne liegen hat, um ihn zu töten. Doch sie glaubt ein Zeichen von Eywa zu erhalten und lässt ihn am Leben. In der Nacht rettet sie ihn vor einer Raubtierhorde und bringt ihn zum Heimatbaum. Die Clanchefs (Neytiris Eltern) entscheiden, dass er ihre Lebensweise erlernen soll. Erst danach wollen sie über sein Schicksal entscheiden. Neytiri soll seine Lehrerin sein.

Während der Nachruhe wird die Verbindung zum Avatar getrennt. Jake kommt in der RDA-Basis wieder zu sich. Grace und Quaritch sind aus unterschiedlichen Gründen begeistert von der Chance, mit Jake erstmals jemanden im Lebensraum der Na'vi zu haben. Während Grace die Fremdwesen verstehen möchte, geht es Quaritch nur ums Ausspionieren der Schwächen der Na'vi. Jake muss ihm regelmäßig Bericht erstatten. Zur Belohnung will sich Quaritch darum kümmern, dass Jakes Lähmung geheilt wird. Jake hat nur drei Monate Zeit. Gelingt es ihm nicht, die Na'vi zum Abzug zu bewegen, werden die Söldner angreifen. Von Neytiri lernt Jake in den folgenden Wochen alles, was ein Na'vi wissen muss. Gleichzeitig wächst sein Verständnis für dieses Volk. Ihm wird klar, dass sie den Heimatbaum niemals aufgeben werden. Jake wird schließlich in den Clan aufgenommen, gewinnt Neytiris Zuneigung und vermählt sich mit ihr, obwohl sie seinem größtem Rivalen Tsu'tey versprochen war. Als ferngesteuerte Baumaschinen in den Dschungel vordringen, stellt sich Jake endgültig auf die Seite der Na'vi und setzt eines der riesigen Fahrzeuge außer Gefecht. Er wird dabei jedoch gefilmt. Bevor Jake die Na'vi warnen kann, wird die Verbindung getrennt. Selfridge autorisiert nun den Angriff, gibt Jake und Grace aber eine letzte Gelegenheit, die Na'vi zu warnen. Als Jake seinen Verrat einräumt, wird er verstoßen. Die Na'vi stellen sich zum Kampf, haben der überlegenen Waffentechnik der Menschen aber nichts entgegenzusetzen. Der Heimatbaum wird vernichtet. Der Clanchef und viele andere Na'vi sterben. Neytiri und die Überlebenden fliehen zum Allerheiligsten. Die Verbindung mit den Avataren wird erneut getrennt. Jake und die Wissenschaftler werden in der RDA-Basis eingesperrt.

Die Pilotin Trudy Chacon hat genug von Quaritchs brutaler Vorgehensweise. Sie befreit Jake und seine Freunde. Gemeinsam transportieren sie einen Wohncontainer mit zwei Avatar-Steueranlagen in eine abgelegene Gegend. Bei der Flucht werden sie von Quaritch beschossen. Grace wird getroffen. Jake nutzt eine Legende der Na'vi, um wieder von ihnen respektiert zu werden. Er zähmt den Toruk, das größte geflügelte Raubtier Pandoras, und fliegt damit zum Allerheiligsten. Neytiri vertraut ihm wieder und Tsu'tey, der neue Häuptling, ist bereit, an Jakes Seite zu kämpfen. Ein Versuch, Graces Bewusstsein mit Eywas Hilfe dauerhaft in den Avatar zu übertragen, schlägt fehl. Grace ist zu schwer verwundet und stirbt. Jake bittet Eywa um Hilfe beim bevorstehenden Entscheidungskampf. Jake und Tsu'tey vereinen alle Na'vi-Clans. Tausende Krieger folgen ihrem Ruf und versammeln sich beim Allerheiligsten. Das bleibt Quaritch nicht verborgen. Er will einen Präventivschlag gegen das Allerheiligste ausführen und dieses mit Unmengen von Sprengstoff vernichten. Es kommt zu schweren Kämpfen am Boden und in der Luft. Die Na'vi erleiden große Verluste und drohen zu unterliegen. Da greift Eywa ein - die komplette Fauna Pandoras wendet sich gegen die Söldner. Es gelingt Jake in letzter Minute, den Sprengstofftransporter zu zerstören. Quaritch springt mit einem von ihm gesteuerten Kampfläufer ab und beschädigt den Wohncontainer, in dem Jakes menschlicher Körper liegt, so dass die tödliche Atmosphäre eindringt. Neytiri tötet Quaritch und rettet Jake. Nachdem die Söldner und RDA-Funktionäre von Pandora vertrieben sind, absolviert Jake eine Zeremonie, in der sein Geist dauerhaft mit dem Avatar verbunden wird, während der menschliche Körper stirbt.

Kommentar

Es gibt unzählige meist enthusiastische Filmbesprechungen zu diesem Film. Ich kann nur bedingt in die allgemeinen Lobeshymnen einstimmen. Keine Frage: "Avatar" ist ein toller, mitreißender Film mit knackiger Action, einer guten Portion Gefühl und größtenteils unglaublich genialen Spezialeffekten. Er steht nicht durch Zufall im September 2012 immer noch auf Platz 1 der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Und er ist ja wirklich ein Fest für die Augen. Die fotorealistischen computergenerierten Landschaften und Lebewesen übertreffen mit weitem Abstand alles, was man je gesehen hat, so dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Ich würde aber nicht so weit gehen, zu behaupten, der Film habe das Kino revolutioniert. Das nicht, aber er hat zweifellos neue Maßstäbe gesetzt. Endlich ist die CGI so weit, dass man jede noch so phantastische Umgebung, jede beliebige Technik und jede denkbare exotische Kreatur wirklich überzeugend darstellen kann. Somit sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt, vorausgesetzt, das Budget ist groß genug. Die Grenzen zwischen realen Sets / Schauspielern und CGI-Elementen verschwimmen endgültig. Wüsste man nicht, dass es keine drei Meter großen blauhäutigen Na'vi, keine Flugdrachen und keine Battlemechs gibt, dann könnte man nicht sagen, was an diesem Film echt ist und was nicht - mit kleinen Ausnahmen (nicht hundertprozentig realistische Bewegungsabläufe in einzelnen Szenen, etwas zu plastikartig wirkende Körperoberflächen mancher Kreaturen), die aber vernachlässigbar sind. Neytiris Minenspiel ist so ausdrucksstark, dass man niemals an der Echtheit dieses nur aus Pixeln bestehenden Wesens zweifelt. Dazu dann noch die zum Zeitpunkt des Kinostarts von "Avatar" noch recht neue 3D-Technik - klar, das ist alles wahnsinnig beeindruckend.

Trotzdem reißt mich der Film nicht zu den Begeisterungsstürmen hin, die er ansonsten überall entfesselt zu haben scheint. Aber ich kann noch nicht mal erklären, woran das liegt. Vielleicht ist der Bilderrausch oft doch zu bunt? Oder nicht bunt genug, so dass er mich nicht blenden bzw. darüber hinwegtäuschen kann, dass die Story nicht mehr zu bieten hat als "Pocahontas im All"? Skrupellos-gierige Geschäftemacher und böse Kommissköppe gegen edle, reinherzige, zutiefst spirituelle Wilde - ein furchtbares Klischee. Die Rettung des Paradieses und die Vertreibung der fiesen Eroberer - ein viel zu naives, wenig überraschendes Finale. Was hindert die Menschen daran, mit massiver Verstärkung zurückzukehren? Ein zweites Mal würden die Na'vi nicht obsiegen. Die umfassende Harmonie dagegen, d.h. die Einbindung aller Lebewesen in eine Art planetares Kollektivwesen und natürlich die Avatar-Technologie sind interessante Ideen. Neu sind sie nicht, aber sie werden schlüssig und effektvoll für die Handlung genutzt. Wahrscheinlich bin ich einfach zu alt für diese Art von Überwältigungskino. Was aber, um es nochmal ausdrücklich zu sagen, absolut nicht heißen soll, dass mir der Film nicht gefällt.

Die Blu-ray enthält neben der normalen Kinoversion zwei weitere, verlängerte Fassungen des Films. Abgesehen von zahlreichen kleineren Erweiterungen bereits in der Kinoversion vorhandener Szenen und einer neu hinzugekommenen Sterbeszene (Tsu'tey) wurde der Beginn in den verlängerten Versionen drastisch verändert. Im Gegensatz zur Kinoversion fängt der Film nämlich nicht erst im Raumschiff an, das sich im Anflug auf Pandora befindet. Stattdessen wird Jake Sullys Leben als gelähmter Veteran auf der heruntergewirtschafteten Erde gezeigt. Jake fängt trotz seiner Behinderung eine Kneipenschlägerei an und wird anschließend für das Avatar-Programm verpflichtet. Dieser Beginn wäre vielleicht besser auch in der Kinoversion verwendet worden, denn er verdeutlicht, warum die Menschen so sehr auf die Rohstoffe Pandoras angewiesen sind.

Blu-ray-Features

Die 3D-Version des Films ist in der Extended Collector's Edition nicht enthalten. Berge von erstklassigen Extras trösten über diesen Mangel hinweg. Das abendfüllende Making of "Capturing Avatar" geht auf jede Phase des Produktionsprozesses ein, es macht vor allem die Arbeit mit virtueller Kamera und Performance Capturing verständlich. Außerdem wird gezeigt, wie die Schauspieler in ihren Filmkostümen in einen realen Dschungel geschickt werden, damit sie ein Gefühl für eine solche Umwelt bekommen. Die siebzehn Making of-Clips, alle zwischen ca. 3 und 10 Minuten lang, ergänzen diese Dokumentation. Es wird noch genauer auf Einzelaspekte wie die Herstellung der teils lebensgroßen Modelle, der Kostüme usw. eingegangen, teilweise sind die Inhalte aber auch schon im eigentlichen Making of zu sehen.

Hinzu kommen weitere Featurettes unter den Menüpunkten "Produktionsmaterial" und "Aus dem Avatar-Archiv": Performance Capture-Tests, Probeaufnahmen, Maskenherstellung, aberhunderte Textseiten (u.a. das komplette Drehbuch und ein umfangreiches Avatar-Lexikon), Trailer, Bildergalerien. Als besonderes Schmankerl ist neben einer Szene aus "Brother Termite" (einem Film, der meines Wissens nie realisiert wurde) ein halbstündiger, recht witziger Film mit dem Titel "The Volume" zu sehen. Hauptdarsteller ist Kevin Dorman - das ist einer derjenigen, die beim Performance Capturing als "Referenzmaterial" dienen, im Film aber nicht mitspielen.

Die nicht verwendeten Szenen haben zwar ebenfalls eine lange Laufzeit, sind aber unvollendet. Die CGI-Effekte sind nur grobe Entwürfe ohne Texturen. Es ist immerhin interessant zu sehen, welche Entwicklung bestimmte Figuren nach James Camerons Vorstellung hätten durchmachen sollen. So hätten Norm und Trudy eine Liebesbeziehung gehabt, und Selfridge hätte vergeblich versucht, Quaritch davon abzubringen, die Minenarbeiter zu Milizsoldaten zu machen. Außerdem war vorgesehen, Jake auf einen Drogentrip zu schicken - das wäre das eigentliche Initiationsritual der Na'vi gewesen. Die meisten nicht verwendeten Szenen sind aber sehr kurz und irrelevant.

"A Message from Pandora" ist dagegen durchaus interessant. Dieser kurze Film handelt von einer Reise James Camerons ins Amazonasgebiet. Dort hat er sich 2010 der Protestbewegung gegen das Belo-Monte-Projekt angeschlossen, dessen Ziel im Bau eines Staudamms zur Stromgewinnung besteht. Großmaßstäbliche Umweltzerstörungen in der betroffenen Region - vom Verlust des Lebensraums der Amazonas-Indianer ganz zu schweigen - wären die Folge. Parallelen zum Film sind natürlich nicht zu übersehen. Der aktuelle Stand des Bauprojekts ist mir nicht bekannt. Laut Wikipedia wurde im August diesen Jahres ein Baustopp verhängt.

Zu guter Letzt kann man sich die Entstehung von 17 Filmszenen in verschiedenen Blickwinkeln sowie per Bild-im-Bild-Vergleich der verschiedenen Entwicklungsstufen anschauen.


J. Kreis, 19.09.2012




Gastkommentare


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Gastkommentar von Dirk Wolf (21.09.2012):

Hallo, wie so oft bei Kommentaren... totale Zustimmung oder totale Ablehnung. Ich stimme Deinem Eindruck vorbehaltlos zu. Bildgewaltig und opulent. Die Story hanebüchen, sehr schwarz-weiß, sehr amerikanisch irgendwie... Aber ebenso irgendwie auch ein wenig wie Perry Rhodan: im Verlauf der Handlung hier wie dort ist die eine Seite erst himmelhoch überlegen, um dann als lächerliches Etwas in der Versenkung zu verschwinden. Aber vielleicht trifft der Film auch bei vielen den Zeitgeist: Technik und Wissenschaften sind schrecklich, früher auf dem Bäumen, als wir noch Schamanismus betrieben und uns alle lieb hatten, war alles viel schöner. Die gute alte Zeit.
Auch bei dem realen Vorbild, den Indianern, kann man doch in Wahrheit nicht behaupten, dass diese edel waren. Sie waren nur die Unterlegenen und damit die Opfer, was oft einer gewissen Romantisierung dienen kann.

Naja, wie auch immer, viele Grüße und danke für die Rezensionen :-)

Dirk



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