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Avalon Avalon - Spiel um dein Leben (Japan / Polen, 2001)
- Avalon -

DVD - Regionalcode 2, Kinowelt
FSK: 12
Laufzeit: ca. 102 Minuten

Extras
Trailer in deutscher und polnischer Sprache

Regie:
Mamoru Oshii

Hauptdarsteller:
Malgorzata Foremniak (Ash)
Jerzy Gudejko (Murphy)
Dariusz Biskupski (Bischof)
Bartlomiej Swiderski (Stunner)




Inhalt

Avalon ist ein illegales Multiplayer-Computerspiel. Wie bei einem Egoshooter mit Rollenspiel-Elementen treten Einzelspieler und Teams in Kriegssimulationen gegeneinander an. Für jeden "getöteten" Gegner gibt es Punkte (die man sich in Geld auszahlen lassen kann), und wer besonders erfolgreich ist, gewinnt nicht nur die Bewunderung der anderen Spieler, sondern steigt auch in einer virutellen Hierarchie immer weiter auf. Das Besondere daran: Man spielt Avalon nicht an einem Computerbildschirm, sondern wird in geheimen Zugangspunkten an spezielle Geräte angeschlossen, die es dem Spieler ermöglichen, sich quasi selbst in die virtuelle Welt zu begeben. Diese perfekte Simulation macht süchtig und ist auch gefährlich. Zwar bleibt der Körper des Spielers in der realen Welt, aber wenn jemand es nicht schafft, rechtzeitig die "Reset"-Funktion auszulösen und deshalb in Avalon den virtuellen Tod erleidet, dann wird sein Bewusstsein irreparabel geschädigt. Viele solcher "Verschollenen" vegetieren inzwischen als seelenlose Hüllen in Hospitälern vor sich hin.

Ash ist eine der besten Kriegerinnen in Avalon, sie genießt einen geradezu legendären Ruf. In der realen Welt ist sie dagegen nur eine Unbekannte unter vielen und lebt in einfachen Verhältnissen. Mit dem Geld, das sie im Austausch für ihre Spielpunkte erhält, bestreitet sie ihren Lebensunterhalt. Deshalb absolviert sie regelmäßig "Level A", die schwerste Ebene des Spiels. Gerüchten zufolge soll in Avalon aber immer wieder eine neutrale Figur - eine Art Geist in Gestalt eines kleinen Mädchens - auftauchen, die besonders starken Spielern den Zugang zum versteckten Spiele-Level "Special A" ermöglicht, in dem es keine "Reset"-Funktion gibt. Allerdings muss man erst eine astronomische Summe an Erfahrungspunkten sammeln, bevor der Geist sich zeigt. Das ist ein aussichtsloses Unterfangen für Ash, denn um dieses Ziel zu erreichen, müsste sie sich wieder einem Team anschließen. Und dazu ist sie nicht bereit, denn sie war einst Mitglied eines solchen Teams und gibt sich die Schuld am virtuellen Tod ihres Anführers Murphy, der seitdem im Wachkoma liegt.

Ihre Einstellung ändert sich, als sie in Avalon einem geheimnisvollen Kämpfer der "Bischof"-Klasse begegnet, dessen Fähigkeiten die ihren noch weit übertreffen und den sie für einen derjenigen hält, die das Avalon-Programm geschrieben haben. Von Stunner, einem anderen Mitglied ihres alten Teams, erfährt sie, dass dieser Bischof ihr eine Begegnung mit dem Geist ermöglichen könnte. Tatsächlich wird sie schon seit geraumer Zeit vom Bischof beobachtet. Wenig später wird sie von ihm kontaktiert und in sein Team aufgenommen, zu dem auch Stunner gehört. Gemeinsam mit diesem Team erfüllt Ash in Avalon eine besonders schwierige Mission, bei der Stunner allerdings den virtuellen Tod findet. Kurz bevor sein Avatar sich auflöst, gesteht Stunner, dass er es war, der damals den fatalen "Reset" ausgelöst hat. Prompt steht Ash nach erfüllter Mission dem Geist gegenüber. Das Tor zu "Special A" öffnet sich, Ash tritt hindurch...

...und findet sich in einem Raum wieder, der ihrem Zugangspunkt ähnelt, aber doch seltsam verändert ist. Der Bischof erscheint auf einem Bildschirm und behauptet, Ash sei nun in einer Welt, die als "Reale Ebene" bezeichnet wird. Ihre Aufgabe bestehe nun darin, in diesem Level die "Verschollenen" zu finden und zu liquidieren. Als Ash ins Freie kommt, ist sie überwältigt: Diese Umgebung erscheint ihr realer als die Welt, die sie bisher für real gehalten hat. Noch überraschter ist sie, als sie ihr erstes Zielobjekt findet - es ist Murphy. Murphy fühlt sich in dieser Existenz wohl - er glaubt, hierbei handele es sich um die eigentliche reale Welt. Er legt es auf eine Konfrontation an. Er meint, nur so könne der Überlebende Sicherheit darüber erlangen, ob auch die "Reale Ebene" nur eine Simulation ist, denn wäre dies der Fall, würde sich der Körper des Toten auflösen wie in Avalon. Murphy zieht seine Pistole, Ash ist schneller und erschießt ihn. Sie hätte keine Angst haben müssen, denn Murphys Waffe war nicht geladen.

Nach seinem Tod löst Murphys Körper sich sofort auf. Erneut begegnet Ash dem Geist. Das letzte, was sie sieht, ist der Schriftzug "Willkommen in AVALON"...

Der Film:

Dieser ungewöhnliche Film wird oft mit Matrix verglichen, aber der Vergleich ist völlig fehl am Platz. Ihr solltet euch dadurch nicht irreführen lassen. In beiden Filmen geht es zwar um virtuelle Welten und um die Frage, was Realität eigentlich ist, aber letzten Endes ist "Matrix" ein mit Spezialeffekten vollgepackter Actionfilm - und wer erwartet, bei "Avalon" etwas ähnliches geboten zu bekommen, der wird enttäuscht sein. Dabei fängt "Avalon" mit einer Actionsequenz an, die sich sehen lassen kann, und die darüber hinaus eine geradezu perfekte Umsetzung dessen ist, was man als Gamer von Egoshootern und RPGs her kennt. Ash tötet zuerst einmal einige planlose Newbies (einfach verdiente Punkte) und macht sich dann diverse Waffen und Strategien zunutze, um den Endgegner auszuschalten, nach dessen Vernichtung promt der Schriftzug "Mission complete" in der einfrierenden Explosionswolke erscheint. Dann sieht man die übliche Level-Statistik mit den erledigten Gegner-Kategorien usw., später erscheint dann noch Ashs Skill-Bildschirm. Genial gemacht - der Regisseur muss selbst Kenner dieses Genres sein.

Auch im weiteren Verlauf gibt es noch die eine oder andere Kampfszene, aber diese Szenen sind nicht prägend für den Film. Sie sind nur Mittel zum Zweck, ebenso wie die scheinbar einfachen, im Kontext aber hervorragend passenden Spezialeffekte. Die Avalon-Szenen spielen immer in Ruinen (typisch für Kriegs-Shooter), Explosionen verursachen zweidimensionale Explosionswolken und wirken etwas pixelig (lustig: in aktuellen Shootern wie Call of Duty 2 ist das inzwischen ganz anders), Braun- und Grautöne herrschen vor. Die Endgegner-Kampfmaschinen wirken fast wie Fremdkörper. Das alles sind Stilmittel, die verdeutlichen sollen, dass man sich in einer virtuellen Umgebung befindet. In diesem Zusammenhang ein Tip: Unterbrecht den Film nicht und konzentriert euch ganz auf die Bilder. Wenn Ash dann die "Reale Ebene" betritt und sich plötzlich in einer Welt der Farben wiederfindet, dann wird das auch für euch ein ganz erstaunlicher Effekt sein - man merkt richtig, wie die Augen sich erst wieder anpassen müssen.

Leider wird bis zum Schluß nicht so ganz klar, worauf die Geschichte eigentlich hinausläuft. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, eigene Interpretationen anzustellen. Spätestens dann jedenfalls, wenn Ash bei der Heimfahrt in der Straßenbahn immer dieselben Leute in immer derselben Haltung sieht, als ihr Hund plötzlich verschwindet und als der Bischof in ihrer Wohnung ein altes Buch aufschlägt, dessen Seiten alle leer sind, wird klar: Diese Welt ist ebensowenig real wie die Avalon-Spielwelt. Da Murphy sich in der "Realen Ebene" auflöst, kann es sich auch hierbei nur um eine virtuelle Welt handeln - es sei denn, Ash hätte durch ihre Spielsucht den Bezug zur Realität schon völlig verloren und würde sich das Verschwinden der Leiche Murphys nur einbilden. Gibt es also möglicherweise gar keine reale Welt? Vielleicht ist der Film ja auch als Kritik an der Spielsucht gemeint, denn für Ash scheint Avalon weit wichtiger zu sein als ihr "reales" Leben. Warum will sie überhaupt "Special A" erreichen? Sucht sie nach der Realität oder geht es ihr nur darum, die ultimative Herausforderung zu finden? Manche Spieler, nämlich die "Verschollenen", sind noch schlimmer dran als Ash: Wenn sie nicht in Avalon sein dürfen, sind sie nur lebende Leichname...

"Avalon" lebt ganz von seiner eigenartigen, surrealen Atmosphäre, die durch den ruhigen Soundtrack (Sopran- und Chorgesang) noch verstärkt wird. Die Geschichte wird langsam (vielleicht etwas zu langsam) erzählt und man muss schon ein wenig mitdenken. Manche Anspielungen und Symbole bemerkt oder versteht man erst beim zweiten Anschauen, manche Szenen bleiben (für mich jedenfalls) auch dann noch rätselhaft. Auf keinen Fall dürft ihr bei diesem Film also kurzweilige Action-Unterhaltung erwarten.

Die DVD:

Keine Extras außer dem zweisprachigen Trailer - schade. Hätte mir mehr Infos gewünscht, zum Beispiel über Regisseur und Hauptdarstellerin. Es gibt auch noch eine andere Version der DVD, die mit FSK 18 eingestuft wurde. Lasst euch nicht verwirren: Der Film ist in beiden Versionen absolut identisch. Der Unterschied besteht nur im Bonusmaterial, das auch zur Höherstufung geführt hat. Die FSK-18-Version enthält nämlich ein Minigame, das mit der Fernbedienung des DVD-Players gesteuert werden kann. Man muss einfach nur plötzlich auftauchende Pappkameraden in Umgebungen umnieten, die dem Film entnommen sind. Diese Pappkameraden haben menschliche Gestalt - und schwupps! Schon ist das Ding erst frei ab 18...

J. Kreis, 05.06.2006
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