Automata


Automata (Spanien/Bulgarien/Kanada, 2014)

Blu-ray, Eurovideo
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 110 Minuten

Extras:
- Trailer

Regie:
Gabe Ibanez

Hauptdarsteller:
Antonio Banderas (Jacq Vaucan)
Robert Forster (Robert Bold)
Birgitte Hjort Sorensen (Rachel Vaucan)
Melanie Griffith (Dr. Susan Dupré)
Dylan McDermott (Sean Wallace)
Tim McInnerny (Vernon Conway)




Story

Im Jahre 2044 sind weite Teile der Erde unbewohnbar. Infolge besonders heftiger Sonneneruptionen hat sich die Erdoberfläche in eine Wüste verwandelt, in der Menschen nicht überleben können. Die meisten Computer- und Kommunikationssysteme sind unbrauchbar geworden. Nur noch zirka 21 Millionen Menschen leben in ummauerten Städten und Slums. Die Gesellschaft hat sich bereits zurückentwickelt und droht vollends zu zerfallen. Zum Schutz der Menschen hat der Konzern ROC einfache humanoide Roboter entwickelt: die Pilgrims. Es ist den Maschinen zwar nicht wie geplant gelungen, die Wüste zurückzudrängen, aber sie haben sich zu wichtigen Helfern entwickelt. Die Pilgrims übernehmen die verschiedensten Arbeiten, halten die Städte instand und sorgen für künstlichen Regen, der allerdings noch stärker mit Schadstoffen versetzt ist als die Luft. Trotz ihrer unbestreitbaren Intelligenz haben die Roboter lediglich denselben Status wie Haushaltsgeräte. Dies wird durch zwei unveränderliche Protokolle sichergestellt, die fest im Zentralprozessor ("Biokern") einprogrammiert sind. Pilgrims können keinem Lebewesen Schaden zufügen und sie können sich nicht selbst modifizieren.

Jacq Vaucan arbeitet als Versicherungsdetektiv für ROC. Bisher ist ihm noch kein Fall bekannt geworden, in dem ein Pilgrim eines der beiden Protokolle gebrochen hätte. Er träumt davon, mit seiner schwangeren Frau Rachel irgendwo am Meer (das, wie er hofft, immer noch existiert) ein neues Leben zu beginnen, denn in der Stadt sieht er keine Zukunft. Eines Tages sieht der Polizist Wallace einen Pilgrim, der gerade dabei ist, sich eigenhändig zu reparieren, was wegen des zweiten Protokolls unmöglich sein müsste. Wallace schießt dem Roboter in den Kopf, so dass dessen Biokern teilweise zerstört wird. Dennoch kann festgestellt werden, dass der Biokern manipuliert wurde. Außerdem zeigt sich, dass der Roboter Ersatzteile anderer Maschinen für sich selbst verwendet hat. Vaucan untersucht den Tatort und findet dort eine versteckte Nuklearbatterie. Derartige Batterien sind extrem selten und mit ihnen wäre es möglich, einen Roboter für alle Zeiten mit Energie zu versorgen. Als er die Spur der vom Pilgrim verwendeten Ersatzteile zurückverfolgt, stößt Vaucan auf einen Roboter, der sich lieber selbst zerstört, als sich festnehmen zu lassen. Auch dieser Roboter hat eine Nuklearbatterie bei sich. Vaucan geht davon aus, dass beide Pilgrims von einem besonders geschickten Bastler, einem "Uhrmacher" also, verändert worden sind. Dem Uhrmacher muss es gelungen sein, das zweite Protokoll außer Kraft zu setzen. Das wäre ein unerhörter Vorgang. Deshalb ist Vaucans Chef Robert Bolt bereit, dem Versetzungsgesuch seines Untergebenen zuzustimmen, falls dieser den Uhrmacher finden sollte.

Vaucan lässt sich von Wallace bei der Suche nach weiteren modifizierten Robotern helfen und wird zu dem "weiblichen" Roboter Cleo geführt, dessen besondere Dienste in einem Bordell angeboten werden. Wallace zerschießt ein Bein des Roboters, denn er geht davon aus, dass man die Maschine dort reparieren lassen wird, wo sie modifiziert wurde. Wallace hat insoweit Recht, als Cleo zu der Technikerin Dr. Dupré gebracht wird. Sie ist allerdings nicht der Uhrmacher. Vaucan gibt ihr eine der Batterien sowie den teils zerstörten Biokern, um sich ihrer Hilfe bei der Suche nach Antworten zu versichern. Anschließend berichtet er Bolt schriftlich über die bisherigen Ergebnisse. Kurz nach seinem ersten Besuch wird Vaucan wieder zu Dr. Dupré gerufen. Sie hat den Biokern mit Cleos alter CPU verbunden. Daraufhin hat sich Cleo selbst repariert und damit begonnen, verschiedene elektronische Bauteile zu stehlen. In dem Biokern muss also eine Software enthalten sein, die sich wie ein Virus verbreiten kann. Vaucans Bericht ist dem ROC-Firmenchef in die Hände gefallen. Er entsendet ein Killerkommando, das Dr. Dupré tötet. Vaucan wird von Cleo gerettet und weit hinaus in die Wüste gebracht, wo sich der Roboter mit drei weiteren modifizierten Pilgrims trifft. Vaucan wurde bei der Flucht verwundet. Er will unbedingt in die Stadt zurückgebracht werden, doch die Pilgrims verweigern den Dienst; eine Rückkehr in die Stadt wäre ihr Ende. Die Roboter nehmen Vaucan mit zu ihrem Zufluchtsort, denn das erste Protokoll ist noch intakt und in der Wüste würde der Mensch sterben.

In der ROC-Firmenzentrale hält man Vaucan für den Uhrmacher. Wallace sowie ein zweiter Polizist werden ihm hinterhergeschickt und können ihn aufspüren, denn es ist ihm gelungen, seine letzte Position per Pager an Bolt zu übermitteln und eine Signalrakete abzufeuern. Wallace zerstört zwei Roboter. Als er Vaucan und Cleo bedroht, wehrt sich Vaucan mit der Signalpistole. Wallace wird getötet, der andere Polizist flieht. Daraufhin wird ein zweites Killerkommando entsandt, dem sich Bolt gezwungenermaßen anschließen muss. Zuvor erfährt er, dass das zweite Protokoll seinerzeit vom Prototypen der Pilgrims erdacht wurde. Dieser Prototyp war nicht durch irgendwelche Protokolle eingeschränkt, hat kurz nach der Aktivierung ein eigenes Bewusstsein entwickelt und ist sehr bald intelligenter als seine Erbauer geworden. Alle Pilgrims wären grundsätzlich zu denselben intellektuellen Leistungen fähig und könnten sich zu etwas entwickeln, das den Menschen so weit überlegen ist, dass es sich ihrem Verständnis entzieht. Das zweite Protokoll soll genau das verhindern. Die von Vernon Conway angeführten Killer entführen Rachel, die inzwischen eine Tochter zur Welt gebracht hat. Daraufhin stellt sich Bolt gegen Conway und wird von diesem in der Wüste niedergeschossen.

Inzwischen haben Vaucan, Cleo und der vierte Roboter den Zufluchtsort erreicht, eine alte Fabrik am Rande eines Canyons. Dort begegnet Vaucan endlich dem Uhrmacher, doch es ist kein Mensch, sondern ein Roboter. Auf der anderen Seite der von einer Seilbrücke überspannten Schlucht beginnt eine für Menschen unzugängliche, stark radioaktiv verstrahlte Region. Dieses Ödland ist das eigentliche Ziel der modifizierten Roboter, denn dort wären sie vor allen Nachstellungen sicher. Bevor sie dorthin aufbrechen, müssen sie eine letzte Aufgabe erledigen. Sie erschaffen eine neue Art von Roboter, der die Fähigkeiten des Prototyps besitzt. Nachdem Vaucan akzeptiert hat, dass die Pilgrims quasi die nächste Stufe der Evolution darstellen, überlässt er dem Uhrmacher die Atombatterie. Diese wird dem neuen Roboter eingesetzt. Danach reparieren die Pilgrims ein Auto, mit dem Vaucan die Stadt erreichen könnte. Unterwegs findet er den im Sterben liegenden Bolt und erfährt, dass Rachel entführt wurde. Er kehrt zur Fabrik zurück. Dort haben Conway und dessen Schergen den Uhrmacher und den vierten Roboter bereits zerstört. Bevor sie dasselbe mit Cleo tun können, rammt Vaucan sie mit seinem Wagen. Nur Conway überlebt. Er schießt Vaucan an, wird dann aber von dem neuen Roboter in die Schlucht gestoßen. Vaucan sorgt nun selbst dafür, dass die beiden letzten autonomen Roboter die Schlucht überqueren können. Nun fahren Vaucan und seine Familie ins Ungewisse. Sie erreichen das Meer ...


Kringels Meinung

Dystopien sind in der Science Fiction sehr beliebt. Es gibt zahlreiche SF-Filme mit düsteren Zukunftsvisionen, Endzeitszenarien und dergleichen. Regelmäßig bringen sich die Menschen selbst an den Rand der Auslöschung oder laufen Gefahr, von anderen Lebewesen respektive Maschinen als Krone der Schöpfung abgelöst zu werden. Drehbuchautoren und Regisseure haben es deshalb sicher nicht leicht, diesem Subgenre neue Aspekte abzugewinnen, und so bedient sich Automata bei verschiedenen bekannten Filmen. Der Vergleich mit I Robot und vor allem natürlich Blade Runner drängt sich sofort auf. Insoweit hat Automata wenig Neues zu bieten, aber immerhin regt die Story durchaus zum Nachdenken an. Wo verläuft die Grenze zwischen echter und künstlicher Intelligenz, wie lassen sich echte Gefühlen von einer Simulation unterscheiden? Wodurch wird der Mensch zum Menschen oder anders gesagt: Worauf lässt sich das "Menschsein" reduzieren? Man beachte in diesem Zusammenhang Melanie Griffith, deren operiertes Gesicht ebenso starr ist wie Cleos Maske. Oder die mit Arm- und Beinprothesen sowie vermutlich künstlichem Kehlkopf ausgestattete Betreiberin des Etablissements, in dem Cleo gefunden wird. Sie ist zweifellos ein Mensch - wie viel könnte man noch wegnehmen, ohne sie zu einer Maschine zu machen? Wenn nur das Gehirn als Sitz des Bewusstseins gebraucht wird, könnte dann nicht auch ein besonders weit entwickelter Computer Träger eines Bewusstseins sein? Und wenn dem so wäre: Wären Roboter dann nicht "lebendig" und hätten sie dann nicht auch ein Recht auf Freiheit? Hier zeigt sich eine kleine Lücke, denn im Film wird immer von "Biokernen" gesprochen. Der Biokern ist offensichtlich die CPU der Pilgrims, deren Weiterentwicklung durch das zweite Protokoll gehemmt wird. Warum aber "Bio"? Handelt es sich vielleicht gar nicht um einen Computerchip, sondern um etwas organisches?

Automata beginnt wie ein Film noir mit schön düsterer Atmosphäre, zieht sich im Mittelteil nach der Flucht in die Wüste ein wenig in die Länge, führt dann aber zu einem angemessen actionreichen und emotionalen Finale. Antonio Banderas spielt den für solche Filme typischen ausgebrannten und desillusionierten Ermittler absolut überzeugend. Die von Birgitte Hjort Sorensen gespielte Ehefrau ist ein sehr guter Widerpart für diese Rolle; Rachel erdet ihren Mann immer wieder und bringt ihn dazu, sich zu überlegen, was wirklich wichtig ist. Story, Schauspieler - alles gut, letzten Endes aber nicht besonders aufregend. Die größten Pluspunkte des Films sind vielmehr Look und Spezialeffekte. Durch digitales Color Grading wurde eine Palette ausgewaschen wirkender Farben erzeugt, außerdem wurde immer mit sehr hellem Licht gearbeitet ... wenn die Sonne denn scheint. Zumindest in der Stadt ist das Tageslicht manchmal erst Nachmittags zu sehen. An verzweigten Kabelbündeln hängen Zeppeline über der Stadt, welche den (sauren) Regen erzeugen. Dunkelheit und Regen - wieder eine Parallele mit Blade Runner! Die Stadt und erst recht der außerhalb der Mauer liegende Slum sind ziemlich heruntergekommen. Müll und Schutt überall, Plünderer zerlegen herrenlose Pilgrims, nur Privilegierte wie Vaucan können sich schöne Wohnungen leisten. Da die moderne Computertechnik weitgehend durch die Sonnenstürme zerstört wurde, kommt "Uralt-Technik" zum Einsatz: Pager, Fernschreiber und andere altertümliche Utensilien werden verwendet. Insgesamt entsteht eine glaubwürdige postapokalyptische Welt, die ein wenig an District 9 erinnert. Dazu dann noch das grandiose Wüstenpanorama mit dem gewaltigen Canyon - einfach klasse.

Tja, und zu guter Letzt die Pilgrims. Das Design der Roboter ist definitiv gelungen. Sie sehen nicht zu futuristisch aus, werden nicht vermenschlicht und bewegen sich ebenso behäbig fort wie ihre real existierenden Pendants. Vermutlich wurde viel mit lebensgroßen Modellen gearbeitet; sollte hier und da CGI zum Einsatz gekommen sein, so ist mir das zumindest nicht aufgefallen. Auch die interaktiven Hologramme, die anscheinend von den Pilgrims projiziert werden können, sehen vollkommen echt aus. Schade, dass kein Making of vorhanden ist, denn ich wüsste gern, wie das alles entstanden ist. So brillant diese Effekte auch sind - die perfekten Pilgrims bilden einen zu krassen Gegensatz zur von den Menschen ansonsten verwendeten Lowtech. Das passt irgendwie nicht so recht zusammen. Wie dem auch sei: Automata ist ein vielleicht etwas zu lang geratener, dennoch fesselnder und visuell höchst beeindruckender SF-Film ohne übertriebene Action, der sich angenehm vom ausufernden Superhelden-Einheitsbrei abhebt.


J. Kreis, 27.08.2015




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme