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Audition Audition (Japan, 1999)
DVD - Regionalcode 0, Rapid Eye Movies
FSK: 18
Laufzeit: ca. 115 Minuten

Extras
Kinotrailer und Trailer zu anderen Filmen, Bio- und Filmografie von Takashi Miike (Text), Interview mit Takashi Miike (Text), Bildergalerie

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Ryo Ishibashi (Shigeharu Aoyama)
Eihe Shiina (Asami Yamazaki)
Jun Kunimura (Yasuhisa Yoshikawa)
Tetsu Sawaki (Shigehiko Aoyama)




Inhalt

Sieben Jahre lang trauert Aoyama Shigeharu um den frühen Tod seiner Frau. Er zieht den Sohn allein groß, macht sich beruflich selbständig und hat Erfolg. Er lebt jedoch sehr zurückgezogen und hat nur wenige Freunde. Eines Tages schlägt sein Sohn ihm vor, er solle wieder heiraten. Er ist nicht abgeneigt, denn er sieht selbst, daß er jemanden braucht. Doch wie soll er die richtige Frau finden - zumal er recht hohe Anforderungen an die ideale Partnerin stellt? Sein Freund Yoshikawa, ein Filmproduzent, weiß Rat. Er setzt einfach ein Casting für ein (fiktives) Filmprojekt an und leitet Aoyama die schriftlichen Bewerbungen für die weibliche Hauptrolle zu, die bald darauf massenhaft eintreffen. Aoyama darf 30 Frauen auswählen, die dann vorsprechen müssen. So hat er die Möglichkeit, den Bewerbungsunterlagen zu entnehmen, ob die Frauen seinen Anforderungen entsprechen, und kann sie beim Vorsprechtermin in aller Ruhe in Augenschein nehmen. Die Bewerbung einer Unbekannten namens Asami Yamazaki weckt Aoyamas Interesse sofort. Er ist beeindruckt von ihrer Schönheit, vor allem aber vom traurigen, ernsthaften Stil ihrer Schreibens. Schon gleich nach dem Vorsprechtermin, bei dem Asami wegen ihrer Schüchternheit und ihrer guten Manieren ebenfalls einen guten Eindruck hinterläßt, verabredet Aoyama sich mit ihr zum Essen. Asami bringt zum Ausdruck, daß sie Gefallen an Aoyama findet - man trifft sich öfter.

Yoshikawa geht derweil den Angaben nach, die Asami zu ihrem bisherigen Werdegang gemacht hat, und findet heraus, daß dabei einiges nicht stimmt. Er warnt seinen Freund Aoyama. Ohnehin hat die schöne Unbekannte etwas an sich, das ihn beunruhigt. Aoyama dagegen meint, er habe die perfekte Frau gefunden. Sie erzählt ihm, sie sei in ihrer Kindheit gequält und mißhandelt worden, bei ihm jedoch fühle sie sich völlig sicher. Während eines Wochenend-Urlaubs gibt Asami sich ihm hin. Sie verlangt jedoch von ihm, er dürfe niemanden außer ihr lieben. Am nächsten Tag ist sie spurlos verschwunden. Aoyama ist verzeifelt und setzt alles daran, Asami wiederzufinden. So stellt er zum einen fest, daß er kaum etwas über sie oder ihre Familie weiß. Außerdem stößt er bei seinen Nachforschungen auf Informationen, die weit verstörender sind als alles, was Asami von sich aus erzählt hat. Als er sich zu Hause einen Drink genehmigt, nimmt er dadurch Drogen zu sich, die Asami (die unbemerkt in die Wohnung eingedrungen ist) hineingemischt hat. Aoyamas Körper wird gelähmt, seine Schmerzempfindlichkeit wird gesteigert, aber er bleibt bei vollem Bewußtsein.

Da taucht Asami auf. Sie wirft ihm vor, er habe sie mit seinem Schwur, nur sie zu lieben, schändlich belogen. Denn schließlich liebe er ja auch seinen Sohn und sei nicht bereit, ihre bedingungslose Hingabe zu erwidern. Umgehend beginnt sie damit, ihn zu bestrafen. Aoyama ist bewegungsunfähig und kann sich nicht wehren, er kann nicht einmal schreien. Asami treibt ihm unzählige Nadeln ins Fleisch. Damit er ihr nie mehr entkommen kann, trennt sie ihm den linken Fuß mit einer Klaviersaite ab, die sie wie eine Garotte einsetzt. Als sie das gleiche mit dem rechten Fuß machen will, kommt überraschend Aoyamas Sohn zurück, womit Asami nicht gerechnet hat. Sie will ihn mit K.O.-Spray außer Gefecht setzen, doch er kann ihr entkommen. Auf einem Treppenabsatz kommt es zu einem kurzen Gerangel, Asami stürzt die Treppe hinunter und bricht sich das Genick...

Der Film:

Am Beispiel dieses Films kann man wieder einmal sehen, daß aus Fernost viele interessante Filme kommen, die Hollywood bestenfalls als Remake (man denke nur an "The Ring" oder "The Grudge") zustande bringt. In "Audition" verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was man als Realität betrachten kann, und Aoyamas Visionen. Es wird viel mit Rückblenden gearbeitet, die so eingesetzt werden, daß man meinen könnte, Aoyama habe zum Beispiel seine eigene Verstümmelung nur in der Nacht geträumt, die er mit Asami beim Wochenendurlaub verbringt. Manche Dialoge werden zuerst nur in zusammengeschnittenen Einzelsätzen gezeigt (falls euch Bildsprünge auffallen sollten: Das ist kein Fehler der DVD, es ist vielmehr so gewollt) und ergeben später, wenn man den Rest erfährt, einen völlig anderen Sinn. Aus diesem Grund habe ich manche von Aoyamas grausigen Erlebnissen nicht in die Handlungszusammenfassung eingebaut - man weiß einfach nicht so genau, ob sie wirklich stattgefunden haben oder nicht.

Der Film beginnt mit dem Tod von Aoyamas Frau zwar traurig, aber völlig harmlos. Der Zuschauer wird mit Aoyama, seiner Situation und seinem Versuch, eine neue Frau zu finden, vertraut gemacht. Man freundet sich mit der Hauptfigur an, die vom sympathischen Schauspieler hervorragend gespielt wird. Auch Asami, die so schüchtern und traurig daherkommt, ist zunächst sympathisch - obwohl man ja inzwischen gelernt hat, daß bei jungen Japanerinnen, deren Gesicht durch lang herabhängendes, schwarzes Haar verdeckt wird, Vorsicht angezeigt ist (auch hier: Siehe "The Ring" und "The Grudge"). Erst nach einer guten Dreiviertelstunde gibt es die erste Szene, die klar macht, daß da irgend etwas oberfaul ist. Und das ist eine Szene von der Art, die man so schnell nicht wieder vergißt, obwohl sie im Grunde harmlos ist. Wer sie noch nicht kennt, sollte jetzt nicht weiterlesen: Ich meine die Szene, als bei Asami das Telefon klingelt und als sich der Sack, der in ihrem Zimmer auf dem Boden liegt, plötzlich bewegt.

Nach diesem gemächlichen Anfang, d.h. sobald Aoyama mit seinen Recherchen beginnt, wird ein anderer Ton angeschlagen. Unter anderem erfährt man, was es mit dem sich bewegenden Sack auf sich hat - und auch die entsprechende Szene prägt sich ein. Ein grausam verstümmelter Mann, der das Erbrochene gierig in sich hineinschlingt, das Asami für ihn in einen Napf würgt - hm! In den letzten 30 Minuten wird dann aus dem Film, den man in der ersten Stunde noch für einen Liebesfilm oder eine einfühlsame Aufarbeitung des Themas "Kindesmißhandlung" hätte halten können, ein waschechter Horrorstreifen. Eine auf den ersten Blick chaotische Abfolge von Bildern macht endgültig klar, was mit Asami wirklich los ist und was Aoyama erwartet. Aus der unterwürfigen jungen Frau, die er für das perfekte Eheweib gehalten hat, wird eine gnadenlose Rächerin. Sie verfällt keineswegs in wahnsinniges Wüten, sondern bereitet ihre Grausamkeiten eiskalt vor und führt sie planvoll - fast liebevoll - durch. Aoyamas Verstümmelung wird in aller Deutlichkeit gezeigt und man spürt die Schmerzen fast am eigenen Leib...

Die DVD:

Die Ausstattung der DVD mit Bonusmaterial ist leider magerer, als es die Angaben auf dem Cover vermuten lassen. Die Bildergalerie besteht nur aus 4 kleinen Aufnahmen von den Dreharbeiten, die kurzen Bio- und Filmografien scheinen eingescannte Dokumente zu sein. Das gleiche gilt für das ebenfalls recht kurze Interview, das sich auf zwei Bildschirmseiten beschränkt und praktisch nichts über "Audition" aussagt. Schade - es hätte mich wirklich interessiert zu hören, wie Miike selbst seinen Film beschreibt.

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