Atomic Blonde


Atomic Blonde (USA/D/Schweden, 2017)

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 115 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Unveröffentlichte und erweiterte Szenen (7:23 Min.)
- Willkommen in Berlin (4:33 Min.)
- Blond und bewaffnet (7:01 Min.)
- Meister der Spione (4:18 Min.)
- Anatomie einer Kampfszene (7:52 Min.)
- Eine Geschichte in Bewegung (3:54 Min.)

Regie:
David Leitch

Hauptdarsteller:
Charlize Theron (Lorraine Broughton)
James McAvoy (David Percival)
John Goodman (Emmett Kurzfeld)
Sofia Boutella (Delphine Lasalle)
Eddie Marsan ("Spyglass")




Inhalt

Berlin im November 1989. Der Fall der Mauer steht kurz bevor. In dieser chaotischen Situation entfalten die Geheimdienste aller Länder hektische Aktivität. James Gascoigne, ein Agent des britischen Geheimdienstes MI6, wird von dem KGB-Agenten Yuri Bakhtin getötet. Gascoigne hat eine auf Mikrofilm gespeicherte Liste aller in Berlin tätigen Undercover-Agenten bei sich. Er hat sie von "Spyglass" erhalten, einem Stasimitarbeiter, der in den Westen überlaufen will und sich alle Namen der Liste eingeprägt hat. Bakhtin nimmt die Liste an sich. Sie muss unbedingt sichergestellt werden, zumal sie Informationen über den KGB-Doppelagenten "Satchel" enthält, der dem MI6 schon seit Jahren größte Sorgen bereitet. Die britische Topspionin Lorraine Broughton erhält den Auftrag, die Liste wiederzubeschaffen und Satchel unschädlich zu machen. Allerdings werden ihr einige Informationen vorenthalten. Sie soll mit David Percival zusammenarbeiten, einem ziemlich eigenwilligen MI6-Agenten, der seit geraumer Zeit in Berlin lebt. Schon bei ihrer Ankunft wird Broughton von Schergen des hochrangigen KGB-Mitarbeiters Aleksander Bremovych attackiert; die Gegenseite ist offensichtlich über Broughtons Identität im Bilde. Sie macht die Agenten unschädlich und nimmt Kontakt mit Percival auf. Da sie niemandem vertraut, baut sie sich ein eigenes Helfernetzwerk auf, zu dem auch die unerfahrene französische Spionin Delphine Lasalle gehört. Zwischen Broughton und Lasalle entwickelt sich eine Liebesbeziehung.

Nach einigen gewalttätigen Zusammenstößen mit dem KGB sowie der Polizei in Ost und West kommt Broughton allmählich dahinter, dass Percival ein falsches Spiel treibt. Percival ermordet Bakhtin und bringt die Liste in seinen Besitz. Er weiß somit, wer Satchel ist. Broughton erfährt hiervon zunächst nichts. Sie weiß nur, dass Satchel enttarnt wurde. Bei der Überführung von Spyglass in den Westen muss Broughton mit Percival zusammenarbeiten. Der hat sich bereits mit Bremovych getroffen, um ihm Satchels Identität zu verraten und ihn über die Fluchtpläne von Spyglass zu informieren. Somit wird die Aktion zum Debakel. Percival feuert auf Spyglass, verwundet ihn aber nur. Broughton versucht Spyglass mit einem gestohlenen Auto der Volkspolizei in Sicherheit zu bringen, doch der Wagen wird von einem anderen Fahrzeug gerammt und stürzt in den Fluss. Spyglass ertrinkt. Broughton kann sich befreien. Sie stellt fest, dass Percival sie abgehört hat. Ihr wird klar, dass Lasalle in Gefahr ist. Tatsächlich ist Percival bereits in die Wohnung der Französin eingedrungen. Broughton kommt zu spät; Percival hat Lasalle erwürgt. In der Wohnung findet Broughton Fotos, die Lasalle insgeheim vom Treffen Percivals mit Bremovych gemacht hat.

Percival versucht sich abzusetzen, doch Broughton stellt und tötet ihn. Sie nimmt ihm die Liste ab und kehrt nach London zurück. Dort muss sie ihrem Vorgesetzten Rede und Antwort stehen. Der CIA-Agent Emmett Kurzfeld wird hinzugezogen. Broughton behauptet, Percival sei Satchel. Zum Beweis legt sie die von Lasalle gemachten Fotos sowie von ihr selbst manipulierte Tonbandaufnahmen vor. Sie behauptet, nicht zu wissen, was aus der Liste geworden ist. Drei Tage später trifft sich Broughton in Paris mit Bremovych, um ihm die Liste zu übergeben. Broughton ist mit Satchel identisch. Sie hat Percival benutzt, um ihre Spuren zu verwischen. Bremovych will Broughton beseitigen. Es ist ihr jedoch gelungen, eine Waffe einzuschmuggeln. Sie tötet Bremovych und dessen Killer. In Wahrheit ist Broughton mehr als nur eine Doppelagentin - sie arbeitet für den CIA. Nachdem sie nun alle Gegner ausgeschaltet hat, die in irgendeiner Weise Kontakt mit der Liste oder Spyglass hatten, ist ihre Mission beendet. Gemeinsam mit Kurzfeld fliegt sie in die USA.


Kringels Meinung

An der Story dieses Films ist nicht viel dran, und um ganz ehrlich zu sein, muss ich sagen, dass ich mich schon nach einer Dreiviertelstunde allmählich gelangweilt habe. Wer wen austrickst und warum? Das ist mir herzlich gleichgültig geblieben. Die Erzählweise ist übrigens nicht so geradlinig, wie obige Zusammenfassung vermuten lässt. Tatsächlich handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Rückblicken. Broughton wird zum Debriefing einbestellt, nachdem die Sache in Berlin schon gelaufen ist - damit beginnt der Film und dorthin wird immer wieder zurückgekehrt. Vielleicht sollte die dünne Handlung auf diese Weise kaschiert werden.

Broughton ist in Ost- und Westberlin kurz vor dem Mauerfall unterwegs. Dieses Setting hätte man zum Alleinstellungsmerkmal des Films machen können. Sollte das versucht worden sein, so ist es nicht gelungen. Einerseits scheint man Wert auf Realismus gelegt zu haben, aber meiner Meinung nach ist der Film nicht genug in der Realität verwurzelt. Die geteilte Stadt wirkt wie eine beliebige, völlig austauschbare Kulisse. Es ist im Grunde egal, wo sich die Agenten bekämpfen; es hätte auch Moskau, Prag oder Budapest sein können (tatsächlich wurde in der ungarischen Hauptstadt gedreht). Zu keinem Zeitpunkt kommt jene Atmosphäre auf, an die ich mich noch gut erinnern kann, und über weite Strecken hinweg gerät der historische Kontext sowieso aus dem Fokus. Look und Musik der Achtzigerjahre sind in "Atomic Blonde" nettes, aber verzichtbares Beiwerk. Andererseits soll die Handlung offensichtlich in einer Agenten-Parallelwelt spielen, und die finde ich wiederum nicht abgehoben genug. Wie man es viel besser machen kann, zeigt der Regisseur in John Wick.

Trotzdem ist der Film sehenswert. Das ist hauptsächlich Charlize Theron zu verdanken. Die coole Heldin ist etwas zu unnahbar, als dass sie sich zur Identifikationsfigur eignen würde. Als weiblicher James Bond macht sie jedoch alles richtig. Sie heizt gegnerischen Agenten und Polizeibeamten unterschiedlicher Provenienz ordentlich ein. Höhepunkt ist eine lange Sequenz in einem Ostberliner Mietshaus. Broughton hat den angeschossenen Spyglass im Schlepptau und kämpft sich durch die anrückenden Attentäter, wobei sie selbst schwer in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Kämpfe sind viel "körperlicher", dreckiger und brutaler als in "John Wick", zumal Broughton nur eine Pistole und wenig Munition dabei hat. Sie muss daher auf alle möglichen Utensilien zurückgreifen, die in der Wohnung herumliegen. Entsprechend brachial und blutig fällt das Ergebnis aus. Das Ganze ist klasse choreografiert, nicht so hektisch und stets übersichtlich. Tatsächlich ist die Action neben der Hauptdarstellerin das Beste an diesem Film.


Extras

Die sechs nicht veröffentlichten Szenen sind nicht der Rede wert und die Featurettes sind kaum mehr als Werbung für den Film. Ausschnitte, Interviewschnipsel und ein paar Blicke hinter die Kulissen. Besonderer Augenmerk wird auf die oben genannte Sequenz im Mietshaus gelegt. Via Splitscreen bzw. Bild-im-Bild-Montagen wird gezeigt, wie die verschiedenen Einstellungen entstanden sind. Eins wird klar: Charlize Theron hat hart trainiert, um die meisten Stunts selbst absolvieren zu können - und sie hatte einen Heidenspaß dabei! Hinter dem Menüpunkt "Eine Geschichte in Bewegung" verbergen sich zwei animierte Storyboards mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs.


J. Kreis, 22.08.2018




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