The Artist


The Artist (F, 2011)

DVD Regionalcode 2, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 100 Min., s/w

Extras:
- The Making of The Artist (33:23 Min.)
- Premierenfilm (3:01 Min.)
- Outtakes mit Uggie, George und Peppy (2:09 Min.)
- The Artist Soundtrack - Behind the Music (14:41 Min.)
- Interviews mit Berenice Bejo, Michel Hazanavicius und Jean Dujardin (46:54 Min.)
- Deutscher Kinotrailer

Regie:
Michel Hazanavicius

Hauptdarsteller:
Jean Dujardin (George Valentin)
Berenice Bejo (Peppy Miller)
John Goodman (Al Zimmer)
James Cromwell (Clifton)




Story

Im Jahre 1927 ist der Schauspieler George Valentin, Held zahlreicher Stummfilme der Kinograph Studios, ein umjubelter Superstar. Eines Tages begegnet er der aufstrebenden Komparsin Peppy Miller. Er verhilft ihr zu einem winzigen Auftritt in seinem neuesten Film. Zwischen den beiden funkt es gewaltig, sie gehen aber getrennte Wege. Nicht zuletzt aufgrund dieses Zusammentreffens geht es mit Peppys Karriere in den nächsten Jahren steil aufwärts, erst recht, als eine neue technische Errungenschaft eingeführt wird: Der Tonfilm. Peppy wird zur allseits beliebten Ikone der neuen Filmwelt. Die alten Stars dagegen sind jetzt nicht mehr gefragt. Es werden keine neuen Stummfilme gedreht. George hält den Tonfilm für eine vorübergehende Erscheinung und bricht mit seinem langjährigen Produzenten Al Zimmer. Seinen nächsten Stummfilm produziert George auf eigene Kosten. Er schreibt das Drehbuch, übernimmt die Hauptrolle und führt selbst Regie. Doch der Film wird ein Flop, außerdem verliert George aufgrund eines Börsencrashs fast sein gesamtes Vermögen. Peppy dagegen feiert mit ihren Filmen einen grandiosen Erfolg nach dem anderen. George hört mit, als sich Peppy bei einem Interview sehr abfällig über "Relikte" wie ihn äußert.

Zu allem Überfluss wird George von seiner Frau vor die Tür gesetzt. Er zieht in eine kleine Wohnung um. Seine verbliebenen Besitztümer kommen unter den Hammer. Nur sein Chauffeur, Faktotum und Freund Clifton bleibt ihm treu, obwohl George ihn nicht mehr bezahlen kann. George feuert den Mann, um ihn zu zwingen, sich einen besseren Job zu suchen. Daraufhin tritt Clifton in Peppys Dienste. Vom Publikum vergessen und finanziell ruiniert hält sich George für einen wertlosen Niemand. Er sucht Trost im Alkohol. Im Delirium setzt er alte Filmrollen in Brand, die er in der Wohnung aufbewahrt hat. Er überlebt nur, weil sein Hund Jack Hilfe herbeiruft. Als Peppy von dem Vorfall erfährt, eilt sie ins Krankenhaus. Mit Einwilligung des behandelnden Arztes nimmt sie George mit zu sich nach Hause. Sie liebt ihn immer noch, fühlt sich schuldig für seinen Abstieg und möchte das wieder gut machen. Peppy setzt Al Zimmer unter Druck, bis dieser bereit ist, George die männliche Hauptrolle ihres aktuellen Films zu geben. George erhält das Drehbuch, doch er lehnt Tonfilme nach wie vor ab. Außerdem findet er heraus, dass Peppy diejenige war, die seine Besitztümer ersteigert hat.

Zornerfüllt vor verletztem Stolz verlässt George das Anwesen und kehrt in seine zerstörte Wohnung zurück. Dort will er Selbstmord begehen. Peppy trifft gerade noch rechtzeitig ein, um ihn daran zu hindern. Sie erklärt, dass sie ihm nur helfen wollte. Für George steht jedoch fest, dass er dem Publikum nichts zu bieten hat, denn niemand will ihn sprechen hören. Da erinnert sich Peppy an eine andere Fähigkeit Georges und hat eine zündende Idee, die bei Zimmer für größte Begeisterung sorgt. So wird ein neues Genre geboren, in dem George brillieren kann: Der Tanzfilm!


Kringels Meinung

Ein Schwarzweißfilm? Ohne Ton? Prämiert mit fünf Oscars im Jahre 2012, darunter "Bester Film", "Beste Regie" und "Bester Hauptdarsteller"? Das klingt interessant, trotzdem hätte ich um "The Artist" womöglich immer einen weiten Bogen gemacht, wenn ich den Hauptdarsteller Jean Dujardin nicht schon vor Jahren in der Rolle des Geheimagenten OSS 117 ins Herz geschlossen hätte. Also habe ich jetzt doch mal einen Blick riskiert und ich habe es nicht bereut.

Schwarzweißfilme werden ja auch heute noch gedreht. Man denke nur an A Girl Walks Home Alone at Night, "Schindlers Liste" und (mit Einschränkungen) "Sin City". Aber Schwarzweiß-Stummfilme? Da kenne ich außer "The Artist" keinen. In diesem Film wird bis kurz vor Schluss wirklich kein einziges Wort gesprochen! Erst in der allerletzten Szene ist zu hören, wie Zimmer nach einem weiteren Take für Georges und Peppys Tanzszene fragt. Georges erste vernehmbare Worte lauten "Mit Vergnügen!" Mit einer Ausnahme sind während des gesamten Films auch keine anderen Geräusche zu hören. Die Ausnahme ist ein Traum, den George kurz nach der Markteinführung des Tonfilmes hat. Darin hört er verschiedene Geräusche sowie das Lachen von Komparsen, ist aber selbst unfähig, einen Laut hervorzubringen, so sehr er sich auch anstrengt. Ich finde es erstaunlich, wie leicht man auf das gesprochene Wort verzichten kann! Obwohl nur selten Texttafeln mit kurzen Dialogzeilen eingeblendet werden, konnte ich der Handlung völlig problemlos folgen.

Doch nicht genug damit! "The Artist" wurde nicht nur in Schwarzweiß und ohne Ton gedreht, sondern ganz im Stil eines Films der 1920'er/1930'er-Jahre. Er hat dieselbe Bildersprache und jene einzigartige Ästhetik, die wohlgemerkt nicht etwa nur dadurch entsteht, dass Ton und Farben weggelassen werden. Das beginnt bei Details wie dem Design der Titel (Schriftbild und sonstige Gestaltung), auch die etwas übertrieben-theatralischen Bewegungen der Schauspieler und ihre teils stark geschminkten Gesichter tragen dazu bei. Natürlich auch Kostüme sowie Ausstattung, vor allem aber die wundervolle Musik, die den ganzen Film trägt und Stimmungen ebenso vermittelt wie der geschickte Einsatz des Lichts. Man hat gar nicht so sehr das Gefühl, eine Hommage an die Stummfilmzeit zu sehen. Vielmehr könnte "The Artist" (bis auf Georges Traum und die letzte Szene) direkt dieser Zeit entstammen.

Natürlich steht und fällt der Erfolg eines solch "minimalistischen" Films (Anführungszeichen aus dem einfachen Grund, weil "The Artist" durchaus aufwändig produziert wurde) mit der Story und den Schauspielern. Auch hier wurde alles richtig gemacht. George Valentin erleidet ein Schicksal, das damals nicht wenigen Stummfilmstars beschieden war. So manche Karriere hat damals ein Ende gefunden. Trotz dieser Thematik und des tragischen Abstiegs der Hauptfigur ist "The Artist" nie moralisierend oder allzu düster; es herrscht stets eine gewisse ironische Leichtigkeit vor und selbst der dramatische Höhepunkt wird humorvoll gebrochen. Peppy fällt George in den Arm, als er sich erschießen will. Ein Schuss löst sich, der Hund Jack fällt um. Das ist aber nur ein Running Gag; diesen Trick hat George besonders gern mit dem pfiffigen Tier vorgeführt. Jean Dujardin und Berenice Bejo sind einfach umwerfend in den Hauptrollen, die ihnen, wie man im Making of erfährt, auf den Leib geschrieben wurden. Douglas Fairbanks, Mary Pickford und andere Größen vergangener Dekaden waren nicht charismatischer, schneidiger, charmanter und liebenswerter!

Mit "The Artist" wird eine längst vergangene Zeit zu frischem neuem Leben erweckt. Der Film hat seine fünf Oscars definitiv verdient!


DVD-Features

Die nach dem üblichen Schema aufgebaute Making-of-Featurette (Hinter-den-Szenen-Material, Filmszenen und Interviewschnipsel) sowie die gesonderten Interviews sind teilweise redundant, aber doch ganz informativ, wenn man die gegenseitigen Lobhudeleien irgnoriert. Was bitte soll ich mit Aussagen wie "sie ist toll", "es war eine Ehre, mit ihm zusammenzuarbeiten" und dergleichen anfangen? Solche Allgemeinplätze muss man nicht zum Bonusmaterial packen. Wie dem auch sei - man erfährt so einiges über die Entstehung des Films. So hatte der Regisseur ursprünglich die Idee, einen Fantomas-Stummfilm in Schwarzweiß zu drehen. Schade, dass das verworfen worden ist! Außerdem ist gut zu erkennen, wie beeindruckt oder gar eingeschüchtert der Regisseur und die französischen Schauspieler von ihren amerikanischen Kollegen waren. Der Regisseur sagt, er habe vor seinem ersten Treffen mit John Goodman richtig Angst gehabt. Ich finde es besonders interessant, aufgrund der Ausschnitte von den Dreharbeiten einige Filmszenen mit Farbe und Dialog zu sehen. Die Atmosphäre ist dann vollkommen anders!

Hinzu kommen Aufnahmen von der Deutschlandpremiere. Das Event war im Stil einer Party der Zwanzigerjahre aufgemacht, viele Gäste sind in entsprechenden Kostümen erschienen. In einer knapp viertelstündigen unkommentierten Featurette sieht man das große Orchester bei der Aufnahme der Filmmusik. Nur ab und zu werden kurze Interviews eingeblendet, in denen der Komponist auf seine Inspirationsquellen eingeht. Und schließlich findet man beim Bonusmaterial noch ein paar Outtakes, die u.a. erkennen lassen, dass der quirlige kleine Jack Russell Terrier Uggie, der für seine Darstellung von Georges Filmpartner Jack einen Preis gewonnen hat und den menschlichen Stars immer wieder die Show stiehlt, durchaus mal Aussetzer hatte, so dass Szenen wiederholt werden mussten. Ein Hund ist schließlich auch nur ein Mensch.


J. Kreis, 17.11.2016




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