Angriff der Lederhosenzombies


Angriff der Lederhosenzombies (Österreich, 2016)

Blu-ray, Capelight
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 77 Minuten

Extras:
- Casting-Tapes (4:35 Min.)
- Test-Shooting (5:03 Min.)
- Interviews (36:55 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Dominik Hartl

Hauptdarsteller:
Laurie Calvert (Steve Olson)
Gabriela Marcinkova (Branka)
Oscar Dyekjaer Giese (Josh)
Margarethe Tiesel (Rita)
Karl Fischer (Franz Steiner)




Inhalt

In den Alpen fällt von Jahr zu Jahr weniger Schnee, was sich in der Skisaison natürlich katastrophal auf die Besucherzahlen auswirkt. Entsprechend schwer fällt es dem österreichischen Unternehmer Franz Steiner, Investoren für Bauprojekte zu finden, mit denen er mehr Touristen auf "seinen" Berg locken will. Um dem Klimawandel ein Schnippchen zu schlagen, entwickelt er eine Substanz zur Herstellung von Kunstschnee, der selbst bei hohen Plusgraden nicht schmilzt. Bei der Präsentation einer damit bestückten Schneekanone geht etwas schief. Das Zeug landet im Gesicht des russischen Investors Chekov. Innerhalb weniger Minuten verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Mannes dramatisch. Steiner und dessen Assistent versuchen Chekov in der nahen Gaststätte "Ritas Gaudihütt'n" mit Schnaps aufzupäppeln, doch Chekov stirbt und verwandelt sich in einen Zombie. Der Untote fällt über zwei Gäste her, die sich anschließend ebenfalls verwandeln. So breitet sich die Plage schnell aus. Den Anwesenden fällt das zunächst nicht auf, denn in dem Lokal steigt eine Party zum Saisonabschluss und Rita hat die Happy Hour ausgerufen. Sofern es überhaupt einen Unterschied zwischen einem sinnlos betrunkenen Partygast und einem hirnlosen Untoten gibt, so lässt sich dieser kaum erkennen.

Als der Schankraum zum Schlachthaus wird, ist für die Überlebenden an Flucht nicht zu denken, denn zu Fuß ist das Gebirge unpassierbar. Der letzte Skilift ist längst weg. Es gibt nur ein einziges Schneemobil, und das gehört Steiner. Außerdem werden die Wälder von untoten Rehen unsicher gemacht. Die Tiere haben vom Chemieschnee genascht und sich in fleischgierige Bestien verwandelt. Steiner, die Hüttenwirtin Rita, die Extremsnowboarder Steve und Josh sowie Steves Freundin Branka entgehen dem Gemetzel, indem sie sich auf dem Dachboden der Hütte verstecken. Von dort aus versuchen sie zu fliehen, wobei sie getrennt werden. Josh und Rita landen wieder in der Hütte, während Steiner, Steve und Branka mit dem Schneemobil talwärts rasen. Beim gescheiterten Fluchtversuch wurde Josh gebissen. Prompt setzt bei ihm die Verwandlung ein. Da Rita es nicht über sich bringt, den jungen Mann rechtzeitig zu töten, hat sie es schon bald mit einem Zombie zu tun und ist gezwungen, den Dachboden zu verlassen. Sie zieht sich in den Keller zurück. Dort hat ihr verstorbener Gatte ein Waffenarsenal gebunkert.

Derweil endet die Fahrt mit dem Schneemobil abrupt; das Gefährt kracht in ein untotes Reh. Weitere Zombietiere attackieren Steiner. Steve und Branka werden im Wald von Zombies umzingelt. Sie entgehen dem Zerfleischtwerden, weil Steves Mutter anruft. Der Handyklingelton scheint die Zombies zu beruhigen. Mit der Erkenntnis, dass Musik ein probates Mittel gegen die wandelnden Toten darstellt, kehrt das Pärchen zur Hütte zurück, um Josh zu retten, wofür es natürlich schon zu spät ist. Inzwischen hat sich Rita mit einem Maschinengewehr bewaffnet. Sie feuert wild um sich und setzt unabsichtlich die reichlich vorhandenen Alkoholvorräte in Brand. Die Hütte explodiert. Mit vereinten Kräften vernichten Rita, Steve und Branka alle Untoten, zuletzt Steiner, der im Ventilator seines Labors geschreddert wird. Als der nächste Morgen anbricht, stehen die letzten Überlebenden der Hüttengaudi zwischen den blutigen Überresten der Zombies. Ihre Arbeit ist noch nicht getan, denn in den Wäldern tummelt sich untotes Wild.


Kringels Meinung

Wer angesichts der geringen Laufzeit davon ausgeht, dass diese Horrorkomödie keine Story hat, der liegt nicht ganz falsch. Abgesehen vom Mindestmaß an Figurenexposition, das nötig ist, damit das Schicksal der Protagonisten dem Zuschauer nicht vollkommen egal bleibt, ist da nicht viel. Und selbst das hätte man weglassen können, zumindest in dieser Form. Denn Steve, die männliche Hauptfigur, gibt sich anfangs alle Mühe, möglichst unsympathisch rüberzukommen. Durch sein kindisch-arrogantes Imponiergehabe bringt er die Beziehung zu Branka in Schieflage. Im Verlauf der Zombieapokalypse bessert sich Steves Verhalten ein wenig. Am Ende hat Branka Steve wieder lieb. Das war's! Auf eine nachvollziehbare Erklärung für den Ausbruch der Zombieseuche, d.h. für die fatale Wirkung des Kunstschnees, müssen wir verzichten. Zeit genug für ein klein wenig mehr Tiefgang wäre durchaus vorhanden gewesen, wenn man berücksichtigt, dass Josh und Branka einen Walzer auf dem von musikalisch ruhiggestellten Zombies umgebenen Tanzboden wagen - eine sinnlose, viel zu lange Szene, in der ich die Schnellvorlauftaste gedrückt gehalten habe. Insgesamt kann ich das Timing nicht als gut gelungen bezeichnen; viele Szenen sind einen Tick zu lang oder kommen mir irgendwie ungeschickt arrangiert vor.

Wenigstens können die handgemachten Spezialeffekte, Masken, Modelle und so weiter überzeugen. Nur die zombiefizierten Rehe fallen hier unangenehm auf. Sie sind keine Sekunde lang glaubwürdig. Ansonsten sind insbesondere die Metzeleien wahrhaft sehenswert. Da glibbert das Gekröse aus dem aufgeschnittenen Zombiebauch (inklusive noch lebender jüngst verspeister Überreste), Köpfe werden längs und quer zerteilt, Rita entsorgt das untote Gesocks mit einer Schneefräse, Josh kriegt zwei Skistöcke quer durch den Schädel gejagt ... Ich habe ja schon so manchen Zombiefilm mit kreativem Waffeneinsatz gesehen. Vom Rasenmäher bis zum Klavier war alles dabei. Snowboards und Bierbänke aber nicht! Insoweit handelt es sich wohl um eine Premiere. Leider wird in Sachen Komik weniger aus dem Szenario herausgeholt als möglich gewesen wäre. Es gibt durchaus witzige Momente und die schlagkräftige Kneipenwirtin Rita ist eine Wucht, aber Steves und Joshs dümmlicher Buddy-"Humor" nervt gewaltig. Apropos: Der Film wurde in englischer Sprache gedreht und deutsch synchronisiert! Er wirkt viel besser, wenn man sich die Originalversion anschaut, denn dann wird klar, dass Steve und Josh fremdsprachige Touristen sind, mit denen die Österreicher in deren Sprache zu kommunizieren versuchen. Die österenglischen oder deutsch mit schwerem Akzent vorgetragenen Dialoge fallen in der synchronisierten Version natürlich weg.

"Angriff der Lederhosenzombies" ist ein respektabler Versuch, die Zombieapokalypse mit liebevoll gemachten "altmodischen" Effekten in die Alpenregion zu verlegen und kleine Seitenhiebe auf den Aprés-Ski-Wahn mancher Touristen zu verteilen. Leider ist der Film trotz der Kürze nicht kurzweilig genug, was durch den spaßigen Splatter nur unzureichend ausgeglichen wird.


Extras

Die Interviews mit Besetzung und Filmteam bilden den Hauptanteil des Bonusmaterials, und wäre eine "Alles abspielen"-Funktion vorhanden, so könnte ich sie als schönes Making of bezeichnen, denn es handelt sich keineswegs nur um Interviews. Während über die Produktionsbedingungen und darüber gesprochen wird, wie die eine oder andere Szene im Einzelnen entstanden ist, wird recht viel Hinter-den-Szenen-Material gezeigt. So kann man einen genauen Blick auf die verschiedenen Körperteil-Requisiten werfen und man sieht, dass da tatsächlich jemand nackt Snowboard gefahren ist. Im Film wird die entscheidende Körperregion durch einen schwarzen Zensurbalken verdeckt - hier nicht! Margarethe Tiesel, eine "ernsthafte" (Theater-)Schauspielerin, für die die Rolle der Zombiekillerin sicherlich ungewohnt war, liefert den besten Kommentar: "Bauchaufschlitz'n könnt I jetzt!"

Die Featurette "Test-Shooting" hätte man ebenfalls zum Making of hinzunehmen können, denn es handelt sich um Probeaufnahmen, die lange vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten gemacht worden sind, um potentiellen Investoren zu zeigen, mit welcher Art von Film sie zu rechnen hatten. Und so bekommt man einige Szenen zu sehen, die es so im Film nicht gibt. Zum Beispiel Gabriela Marcinkova, bekleidet mit einem Dirndl, die allein durch den Wald irrt und von Zombies verfolgt wird. So ist die Schauspielerin auch auf dem Blu-ray-Cover zu sehen, im Film aber nie.

"Casting-Tapes" ist ein witziger Kurzfilm, in dem so getan wird, als hätten die Filmemacher real existierende Zombies angesprochen, um sie zu Testaufnahmen einzuladen. Ein angeketteter Untoter wird vor die Kamera gezerrt und ignoriert die Anweisungen des Regisseurs, der zwischendurch ebenso wie sein Assistent interviewt wird und dabei die für Werbefeaturettes üblichen Plattitüden von sich gibt (köstlich!). Dann wird der Assistent gebissen und landet somit ebenfalls in Ketten vor der Kamera, kann sich aber befreien und "vernascht" den Regisseur ...


J. Kreis, 25.09.2018




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