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akira Akira (Japan, 1988)
DVD - Regionalcode 2, Laser Paradise
FSK: 16
Laufzeit: ca. 120 Minuten

Extras
Trailershow

Regie:
Katsuhiro Otomo




Inhalt:

Im Jahre 2019, 31 Jahre nach der nuklearen Vernichtung Tokyos, herrschen in der Stadt Neu-Tokyo, die auf den Ruinen ihrer Vorgängerin errichtet wurde, geradezu bürgerkriegsartige Zustände. Sekten verbreiten ihre Irrlehren, Jugendbanden machen die Straßen mit ihren blutigen Privatfehden unsicher, bei denen oft auch Unbeteiligte verletzt werden oder sogar zu Tode kommen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Studentenaufständen, die brutal niedergeschlagen werden. Die Euphorie des Wiederaufbaus ist längst verflogen, Neu-Tokyo ist zu einem gewaltigen Moloch geworden, dessen Bewohner sich nur noch treiben lassen und sich diversen Vergnügungen hingeben oder ihre Ängste mit Drogen betäuben. Der junge Tetsuo Shima ist Mitglied einer Bande von Motorrad-Rockern, die sich hauptsächlich mit ihren extrem getunten Maschinen und mit dem Kampf gegen andere Biker-Gangs beschäftigen, wobei sie immer wieder mit der Polizei aneinandergeraten. Eines Nachts hat Tetsuo einen Unfall mit einem seltsamen, greisenhaft aussehenden Mutantenkind, das vom Militär verfolgt wird. Der Zusammenstoß löst etwas in Tetsuo aus, das für die Militärwissenschaftler äußerst interessant ist, und so wird er kurzerhand verschleppt und in den Militärlabors diversen Tests unterzogen.

Man nimmt an, daß die Kräfte von Akira in Tetsuo wieder lebendig geworden sind - Akira war ein Supermutant, der vor über 30 Jahren mit Schuld an der Zerstörung Tokyos gewesen ist. Damals schon wollten Regierung und Militär Akiras Kräfte für ihre Zwecke nutzen, was gründlich schiefgegangen ist. Seitdem ist Akira in einer Hochsicherheitszelle tief unter Neu-Tokyo eingesperrt. Seltsamerweise scheinen viele Menschen in der Stadt zu glauben, daß Akira eines Tages als eine Art Messias wiederkehren werde. Auch die körperlich deformierten Mutantenkinder, von denen es drei an der Zahl gibt und die sich ebenfalls in den Händen des Militärs befinden, sind eine Enttäuschung, da jeder von ihnen nur über einen Teil der PSI-Kräfte verfügt. Bei Tetsuo will man es besser machen. Seine Fähigkeiten - die übrigens in jedem Menschen schlummern und durch besondere Ereignisse freigesetzt werden können - sollen unter Kontrolle gebracht werden. Doch Tetsuos Macht wächst zu schnell, er kann sich befreien. Allerdings wird er immer wieder von Halluzinationen und Schmerzen gepeinigt. In seinem Wahn tötet und vernichtet er wahllos alles, was sich ihm in den Weg stellt und wird dadurch zu einer Bedrohung für die ganze Stadt. Nachdem er für einiges Chaos in der Stadt gesorgt hat, kehrt Tetsuo in die Forschungseinrichtung zurück, um Akira zu finden. Auch die drei Mutantenkinder können ihn mit vereinten Kräften nicht aufhalten. Schußwaffen oder Panzerkanonen können Tetsuo schon gar nichts anhaben, denn er kann die Geschosse mit einem telekinetischen Schutzschild von sich ablenken. Nicht einmal der Vernichtungsstrahl eines Kampfsatelliten kann ihn ernstlich beeindrucken, obwohl ihm dieser Strahl einen Arm abtrennt - Tetsuo ersetzt den verlorenen Körperteil einfach durch einen Roboterarm, den er mit seinem Körper verschmelzen läßt.

Nach Tetsuos Entführung ist Kaneda (der Anführer von Tetsuos Rockerbande) auf der Suche nach seinem verschwundenen Freund auf Kei getroffen, ein junges Mädchen, das zu einer Widerstandsorganisation gehört, welche die Forschungen des Militärs sabotieren will, wodurch sie aber unabsichtlich zu einem Werkzeug eines korrupten Politikers wird, der nur daran interessiert ist, sich persönlich zu bereichern und seine Machtposition in der von senilen Greisen dominierten Regierung zu stärken. Zusammen mit Kei und ihren Leuten dringt Kaneda in die Forschungseinrichtung vor, in der Tetsuo bereits mit seinem Vernichtungsfeldzug begonnen hat. Schließlich treffen Kaneda und Tetsuo im Olympiastadion aufeinander. Es ist Tetsuo tatsächlich gelungen, Akira zu "befreien", aber Akira ist schon lange tot - es sind nur noch Gewebeproben von ihm übrig, die in tiefgekühlten Konservierungsbehältern gelagert worden sind. Allmählich verliert Tetsuo die Kontrolle über seine neuen Kräfte, sein Körper mutiert und wuchert zu einem riesigen, amöbenartigen Gebilde heran, das alles zu verschlingen droht. Da gelingt es den drei Mutantenkindern, Akira aus den Gewebeproben neu entstehen zu lassen. Die fünf Mutanten vereinigen sich, dabei entsteht ein neues Universum - leider wird dabei auch Neu-Tokyo weitgehend zerstört...

Der Film:

Im Jahre 1988, als dieser Film herauskam, gab es zwar schon "Erwachsenen-Comics", aber die japanischen Animes und Mangas waren hierzulande noch weitgehend unbekannt. Unter dem Begriff "Zeichentrickfilme" verstand man damals eher Werke von Disney oder bestenfalls den Episodenfilm "Heavy Metal" und die TV-Serie "Captain Future". Spätestens mit "Akira" haben dann aber auch Filme (und Print-Comics) in diesem fernöstlichen Stil in Deutschland weite Verbreitung gefunden. Und das ganz zu Recht. Zwar gibt es heute Filme dieses Genres, die noch wesentlich feiner animiert sind oder ganz neue, innovative Zeichentechniken verwenden (siehe z.B. Animatrix) - von computergenerierten Filmen wie Final Fantasy - Die Mächte in dir ganz zu schweigen - aber "Akira" ist auch heute noch ein visueller Hochgenuß und ein Klassiker, den man kennen sollte. Die in diesem Film dargestellte Science Fiction - Welt ist sehr detailreich, besonders viel Wert wurde auf die Darstellung futuristischer Waffensysteme und titanischer, postapokalyptischer Großstadt-Szenarien gelegt. Aber auch Tetsuos Halluzinationen und Alpträume sind unglaublich beeindruckend, ebenso die Szenen, in denen er seine zerstörerischen Kräfte so richtig einsetzt und in denen er sich körperlich verwandelt. Zusammen mit dem genialen Soundtrack erzeugen diese Bilder eine manchmal düstere, manchmal farbenprächtige Cyberpunk-Atmosphäre, die nichts mit der heilen Welt zu tun hat, die man seinerzeit zumeist in Zeichentrickfilmen vorgeführt bekam - "Akira" ist denn auch alles andere als ein Film für Kinder! Die FSK-16-Einstufung ist durchaus gerechtfertigt, denn mit Gewalt, Blut und abgetrennten Gliedmaßen wird nicht gegeizt.

Der Rausch der Bilder steht bei "Akira" deutlich im Vordergrund - die recht krude, für japanische Filme dieses Genres allerdings ganz "normale" Story ist zwar komplex konstruiert, bleibt letztlich aber Nebensache. Vieles bleibt unerklärt, pseudophilosophische Theorien müssen zur Erklärung der PSI-Kräfte herhalten. Die Intrigen und Interessen der diversen Machtgruppen dienen nur als atmosphärisches Element und werden nicht weiter ausgearbeitet. Den Vergleich mit Blade Runner, den man immer wieder hört, finde ich sowieso nicht korrekt, denn einen tieferen, zum Nachdenken anregenden Sinn hat die ganze Geschichte nicht. Es kann aber auch sein, daß ich den Film nicht richtig verstanden habe, denn ich gehe davon aus, daß einem Nicht-Japaner einiges entgeht, bzw. daß manches als bekannt oder gegeben vorausgesetzt wird, was uns Gaijins ganz einfach nicht geläufig ist. Da ist man schnell geneigt zu denken: "Typisch japanisch!" Insbesondere das etwas unbefriedigende Ende - bereitwilliges Aufopfern von Einzelnen für einen höheren, jenseitig-unbegreiflichen Zweck - ist symptomatisch für solche Filme.

Wer immer noch denkt, Zeichentrickfilme seien nur etwas für Kinder, der sollte sich schnellstens diesen Film zu Gemüte führen, dann wird er einsehen, daß die Art der Darstellung nichts über die "Ernsthaftigkeit" eines Films aussagt. "Akira" ist ein hervorragend animierter Spielfilm, der trotz seiner Länge von zwei Stunden nicht langweilig wird.

Die DVD:

Meine Version dieser DVD hat keine Extras - wenn man die Trailer zu neun anderen DVD- und Laserdisc-Veröffentlichungen von Laser Paradise mal nicht berücksichtigt. Es gibt inzwischen auch eine zweite Auflage mit identischem Coverbild, bei der noch ein Making of sowie der Soundtrack enthalten sind. Der Soundtrack ist angeblich versteckt, man muß im Hauptmenü den Menüpunkt "Film" ansteuern und mit der Fernbedienung folgende Kombination eingeben: links, rechts, links. "Angeblich" habe ich deshalb geschrieben, weil ich leider die 1. Auflage erwischt habe...

Der Film liegt auf dieser DVD (1. und 2. Auflage) nur in deutscher Fassung vor, und zwar in Stereo und in 5.1 Mehrkanalton. Gut - bei der japanischen Fassung würde ich kein Wort verstehen, aber ich habe Filme gern auch in der originalen Sprachversion. Es ist mir unverständlich, warum bei dieser DVD darauf verzichtet wurde. So kann ich auch nicht beurteilen, ob das monotone Angst- und Schmerzgeschrei der Helden. ein Ergebnis der Synchronisation ist oder auch in der Originalversion vorkommt. Wenn man zum x-ten Mal das immer gleich klingende "Aaaaaaaaaaaargh!" gehört hat, dann nervt es schon ein wenig, erst recht, wenn gleich ein ganzer Chor ziemlich ähnlich klingender Schreie erklingt...

Immerhin: Bild- und Tonqualität sind, wenn man das Alter des Films berücksichtigt, völlig in Ordnung, teilweise sogar sehr gut. Manchmal sind zwar Artefakte zu sehen, das fällt aber nur äußerst selten störend auf.

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