After.Life


After.Life (USA, 2009)

Blu-ray, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 103 Min.

Extras
- Audiokommentar der Regisseurin
- Making of (7:59 Min.)
- Trailer

Regie:
Agnieszka Wojtowicz-Vosloo

Hauptdarsteller:
Christina Ricci (Anna Taylor)
Liam Neeson (Eliot Deacon)
Justin Long (Paul Coleman)
Chandler Canterbury (Jack)




Inhalt

Nach einem Streit mit ihrem Freund Paul Coleman fährt die junge Lehrerin Anna Taylor wütend nach Hause und erleidet einen schweren Autounfall. Sie erwacht in Eliot Deacons Bestattungsinstitut. Deacon versucht Anna klarzumachen, dass sie tot ist. Er kann den vom Notarzt ausgestellten Totenschein vorweisen. Deacon behauptet, er besitze die Gabe, mit den Toten zu sprechen. Seine Aufgabe sei es, Anna für den Übergang ins Jenseits vorzubereiten, denn sie sei noch nicht bereit, ihren eigenen Tod zu akzeptieren. Bis zum festgesetzten Beerdigungstermin sind nur noch wenige Tage Zeit. Deacon verabreicht Anna regelmäßig Hydroniumbromid, ein Medikament, das seinen Worten zufolge den Eintritt der Leichenstarre verhindern soll. Anna ist zunächst fest davon überzeugt, noch am Leben zu sein und versucht zu fliehen, kann aber nicht entkommen. Sie verliert immer wieder das Bewusstsein, wird allmählich schwächer, hat beunruhigende Visionen und verspürt keine Schmerzen - selbst dann nicht, als Deacon die tiefe Stirnwunde vernäht, die Anna beim Unfall erlitten hat. Außerdem gehen all ihre Bekannten und Verwandten tatsächlich von ihrem Tod aus. Deshalb beginnt Anna dem Bestatter schließlich doch zu glauben. Inzwischen sehnt sie das Ende herbei, denn ihr bisheriges Leben erscheint ihr trostlos: Aus Selbstschutz hatte sie sich emotional gegen alle Menschen abgeschottet und damit, wie sie glaubt, Pauls Liebe verloren.

Paul liebt Anna jedoch immer noch und kann sich nicht mit ihrem Tod abfinden. Jack, ein zwölfjähriger Schüler Annas, der sich für Beerdigungen interessiert und deshalb oft in der Nähe des Bestattungsinstituts unterwegs ist, erzählt Paul, er habe Anna dort eines Nachts am Fenster gesehen. Paul will Anna mit eigenen Augen sehen, aber Deacon weist ihn ab. Paul wendet sich an einen Freund, der bei der Polizei arbeitet, aber auch dort wird ihm nicht geholfen. Immerhin findet er heraus, dass Anna gar nicht erst ins Krankenhaus eingeliefert worden ist. Ihr Tod wurde noch am Unfallort festgestellt und dem unterzeichnenden Arzt telefonisch mitgeteilt, sie wurde dann sofort ins Bestattungsinstitut gebracht. In der Zwischenzeit spricht Deacon mit Jack und weiht ihn in ein Geheimnis ein: Angeblich hat auch Jack die Gabe, mit den Toten zu sprechen. Deacon bietet dem Jungen an, ihm beim Umgang mit dieser Fähigkeit zu helfen.

Am Vorabend der Beerdigung bittet Anna darum, sich ein letztes Mal im Spiegel sehen zu dürfen. Deacon willigt ein. Der Spiegel beschlägt durch Annas Atem. Endlich erkennt sie, dass sie keineswegs tot, aber in größter Gefahr ist. Deacon ist wahnsinnig und will sie lebendig begraben. Das Hydroniumbromid ist eine Droge, die sofort nach der Injektion einen todesähnlichen Zustand hervorruft. So wurden alle getäuscht, die Annas vermeintliche Leiche gesehen haben. Sie kann nicht verhindern, dass Deacon ihr eine weitere Dosis des Medikaments verabreicht. Sie verliert das Bewusstsein, wird aufgebahrt und beerdigt. Deacon provoziert Paul bei der Trauerfeier und deutet an, Anna sei womöglich wirklich noch lebendig. Während Anna im Sarg erstickt, rast Paul betrunken und verzweifelt zum Friedhof. Er kommt von der Straße ab, prallt gegen einen Baum und verliert das Bewusstsein. Auf Deacons Leichentisch kommt er wieder zu sich. Der Bestatter und Jack, sein neuer Gehilfe, bereiten ihn für die Beerdigung vor...

Kommentar

Die letzten Szenen sind symptomatisch für den größten Fehler, den die Regisseurin / Drehbuchautorin bei "After.Life" macht: Sie versucht ihr Publikum an der Nase herumzuführen, scheitert dabei aber kläglich. Man sieht, wie Paul zum Friedhof fährt, um Anna zu retten. Er wird vom Gegenverkehr geblendet und verreißt das Steuer. Plötzlich ist die Straße völlig frei. Problemlos erreicht Paul Annas Grab, holt seine Freundin aus dem Sarg und freut sich darüber, dass sie zu sich kommt. Doch dann gibt es einen Schnitt; Paul liegt auf dem Leichentisch und es gibt einen kurzen Rückblick auf die Fahrt zum Friedhof, bei der er tatsächlich einen Unfall hatte. Das funktioniert nicht.

Der gesamte Film verläuft ähnlich, d.h. es gelingt der Regisseurin nicht, den Zuschauer im Unklaren über Annas Situation zu lassen. Sehr früh werden Hinweise eingeflochten, die überdeutlich machen, dass sie noch lebt. Somit wird die Spannung auf die Frage reduziert, ob Anna wird fliehen können oder nicht, und prompt stellt sie ihre Fluchtversuche ein, weil sie an den eigenen Tod glaubt. Der Spannungsaufbau verpufft somit wirkungslos, mal ganz davon abgesehen, dass alles viel zu langatmig erzählt wird. Annas Visionen können daran nichts ändern, im Gegenteil: Sie machen alles nur noch schlimmer. Anna sieht eine andere Tote, die plötzlich wieder lebendig zu sein scheint und begegnet einer jüngeren, geisterhaften Version von sich selbst. Außerdem sieht sie sich im Spiegel als verwesende Leiche. Der Zuschauer soll also glauben, dass Deacon die Wahrheit sagt. Man weiß zu diesem Zeitpunkt aber schon ganz genau, dass das eben nicht der Fall ist. Wahrscheinlich hat Anna lediglich Halluzinationen, die durch das Hydroniumbromid verursacht wurden.

Paul hat ebenfalls Visionen. Mal sieht er seine Freundin, mal scheint eine Wackelpuppe, die Paul aus Annas schrottreifem Auto holt, ein seltsames Eigenleben zu führen. Offenbar soll dadurch der Eindruck erweckt werden, dass irgendwas Übernatürliches vorgeht. Dummerweise wird unmissverständlich deutlich gemacht, dass Deacon einfach nur ein Psychopath ist, der immer wieder mal einen lebenden Menschen auf erstaunlich umständliche Art und Weise ermordet, weil er der Meinung ist, dass seine Opfer sowieso nie richtig gelebt haben. Doch damit nicht genug. Von Anfang an werden irgendwelche Rätsel aufgebaut, die nicht den geringsten Bezug zur Handlung haben (Annas Nasenbluten, hinter ihr erlöschende Deckenlampen, Jacks demente Mutter usw.) und nie geklärt werden. Der Film steckt voller Widersprüche und die Handlung steht sich quasi selbst im Weg. Die falschen Fährten werden so ungeschickt gelegt, dass man sich nur darüber ärgern kann. Im Subtext wird mit dem Holzhammer die Botschaft vermittelt, dass man ein lebenswertes Leben führen soll, weil sich das Leben sonst nicht lohnt. Ach? Wusste ich noch gar nicht.

Auf der Habenseite kann der Film eine ganz nette morbide Atmosphäre, schön abgefilmte Bilder und zwei sehenswerte Hauptdarsteller verbuchen. Liam Neeson verleiht seiner Rolle viel Tiefe. Deacon ist immer so freundlich, ruhig und einfühlsam, wie man sich einen professionellen Bestatter vorstellt, und er agiert so glaubwürdig, dass man ihm bei einem besser durchdachten Drehbuch durchaus hätte abnehmen können, dass er so etwas wie ein Wegebereiter für jene Toten ist, die noch irgendwie zwischen dem Jenseits und der Welt der Lebenden festhängen. Gleichzeitig verleiht Neeson der Figur allein durch Mimik und Körpersprache eine nicht zu verachtende Bedrohlichkeit. Christina Ricci kann ebenfalls überzeugen - dass sie meist nur leicht oder gar nicht bekleidet ist, werden zumindest die männlichen Zuschauer wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Nur Justin Long fällt negativ auf. Der Mann hat schon in Drag me to Hell eher genervt und stellt erneut unter Beweis, dass er keine Gefühle ausdrücken kann.

Blu-ray-Features

Vielleicht sollte ich mir irgendwann mal den Audiokommentar zu Gemüte führen, denn mich würde wirklich interessieren, was die Regisseurin mit der einen oder anderen Szene bezwecken wollte - aber dazu müsste ich den Film ja nochmal gucken. Und dazu fehlt mir wahrlich die Lust. Das so genannte "Making of" ist keine Filmdokumentation - wie soll das bei einer Laufzeit von 8 Minuten auch gehen? Es besteht ausschließlich aus Filmausschnitten und einem Interview mit der Regisseurin. Darin zählt sie hauptsächlich die Hinweise auf, durch die klar gemacht wird, dass Anna nicht tot ist. Eine Sache, auf die die Regisseurin näher eingeht, ist mir gar nicht aufgefallen: Kurz vor Annas Unfall sieht man, wie sie von einem Drängler belästigt ist. Ein Van fährt ihr fast hinten rein. Denselben Van benutzt Deacon! Also hat er den Unfall wohl herbeigeführt, genau wie er es am Schluss mit Paul macht.


J. Kreis, 22.04.2012




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