Abraham Lincoln Vampirjäger


Abraham Lincoln Vampirjäger (USA, 2012)
- Abraham Lincoln: Vampire Hunter -

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 105 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Das große Unheil (7:43 Min.)
- Die Entstehung von "Abraham Lincoln Vampirjäger" (75:21 Min.)
- Musikvideo "Powerless" von Linkin Park (2:54 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Timur Bekmambetov

Hauptdarsteller:
Benjamin Walker (Abraham Lincoln)
Dominic Cooper (Henry Sturgess)
Mary Elizabeth Winstead (Mary Todd Lincoln)
Rufus Sewell (Adam)
Anthony Mackie (William Johnson)
Marton Csokas (Jack Barts)
Jimmi Simpson (Joshua Speed)
Erin Wasson (Vadoma)




Story

Im Jahre 1818 ist die Sklaverei in den USA weit verbreitet. Als der junge Abraham Lincoln mit ansieht, wie sein Spielkamerad William Johnson (der Sohn eines Sklaven) von einem Aufseher misshandelt wird, versucht er einzugreifen und wird ebenfalls mit der Peitsche geschlagen. Sein Vater geht dazwischen, schlägt den Aufseher nieder und legt sich sogar mit dem Plantagenbesitzer Jack Barts an. Lincolns Vater schuldet Barts viel Geld und wollte die Schulden abarbeiten, wird jetzt aber gefeuert. In derselben Nacht dringt Barts in das Haus der Familie ein. Der junge Lincoln beobachtet, wie seine Mutter von Barts gebissen wird. Kurze Zeit später stirbt sie an einer unbekannten Krankheit. Lincolns Vater vermutet, Barts habe sie vergiftet. Er nimmt seinem Sohn das Versprechen ab, sich nicht an Barts zu rächen. Als Lincolns Vater neun Jahre später stirbt, betrachtet sein Sohn das Versprechen als erledigt. Er trinkt sich Mut an und schießt Barts eine Kugel ins rechte Auge, muss aber feststellen, dass das nicht ausreicht, um den Mann zu töten. Barts erhebt sich, verwandelt sich in eine grauenerregende Kreatur, schlägt Lincoln zusammen und versucht ihn zu töten. Ein Unbekannter greift ein und wehrt Barts ab. Lincoln verliert das Bewusstsein.

Im Haus seines Retters kommt Lincoln wieder zu sich. Der junge Mann stellt sich als Henry Sturgess vor und macht Lincoln klar, womit er es zu tun hat. Barts ist ein Vampir! Die untoten Blutsauger gehören keineswegs ins Reich der Legende, wie Lincoln bisher geglaubt hat. Tatsächlich leben unzählige von ihnen im ganzen Land. Sie alle stammen von Adam ab, einem Jahrtausende alten Vampir, der zusammen mit seiner ebenfalls untoten Schwester Vadoma über eine große Sklavenplantage in New Orleans herrscht. Sturgess ist einer von wenigen Vampirjägern, die sich ganz dem Kampf gegen die Blutsauger verschrieben haben. Er ist bereit, Lincoln als Schüler anzunehmen. In den folgenden Jahren lernt Lincoln, wie man Vampire bekämpft. Diese Wesen besitzen übermenschliche Körperkraft und können sich vorübergehend unsichtbar machen, also müssen die Jäger hart trainieren. Vampire überstehen Verletzungen, die für normale Menschen tödlich wären. Sie können nur mit Waffen aus Silber vernichtet werden. Eine versilberte Axt mit integriertem Gewehr wird zu Lincolns bevorzugter Waffe. Da Vampire unter gewissen Vorsichtsmaßnahmen auch im Tageslicht existieren können, ist es schwer, sie zu identifizieren. Lincoln muss versprechen, nur Ziele anzugreifen, die von Sturgess benannt werden, und keine Bindungen mit anderen Menschen einzugehen.

Nach Abschluss der Ausbildung zieht Lincoln nach Springfield, Illinois, wo er eine Stelle im Gemischtwarenladen von Joshua Fry Speed annimmt. Gleichzeitig strebt er eine Karriere als Anwalt an. Lincoln und Speed werden gute Freunde. Speed bringt Lincoln mit Mary Todd zusammen. Die beiden verlieben sich ineinander, doch Lincoln bleibt auf Distanz, denn er darf niemanden in sein blutiges Handwerk hineinziehen. Im Verlauf der Zeit vernichtet er sechs Vampire in Springfield. Das bleibt Adam nicht verborgen, aber noch ist ihm die Identität des neuen Vampirjägers nicht bekannt. Alles ändert sich, als Lincoln endlich seinen alten Erzfeind Barts aufspürt und nach hartem Kampf erledigt. Bevor er sein untotes Leben aushaucht, behauptet Barts, Sturgess sei ebenfalls ein Vampir. Lincoln bemerkt nicht, dass Barts ihm die Taschenuhr entrissen hat. Im Deckel der Uhr steht Lincolns Name. Adam entdeckt das Stück später in der Hand seines endgültig toten Artgenossen. Dass Barts die Wahrheit gesagt hat, kann Lincoln mit eigenen Augen sehen, denn auch Sturgess muss Blut trinken, um existieren zu können. Lincoln ertappt seinen Freund auf frischer Tat. Sturgess gesteht alles. Er wurde vor langer Zeit von Adam zum Vampir gemacht und musste mit ansehen, wie seine Frau getötet wurde. Adam konnte sie nicht zur Vampirin machen, weil ihre Seele rein war. Da Vampire ihresgleichen nicht töten können, braucht Sturgess Schüler wie Lincoln, um gegen die untote Brut vorgehen zu können.

Nachdem er seinem alten Freund William Johnson wiederbegegnet ist, legt Lincoln die Axt beiseite und setzt den Kampf mit anderen Mitteln fort, indem er in die Politik geht. Sein Ziel ist die Abschaffung der Sklaverei. Das können die Vampire nicht akzeptieren, denn sie beuten die Sklaven nicht nur wirtschaftlich aus, sondern betrachten sie als Nahrungsquelle. Adam entführt Johnson, um Lincoln zu zwingen, Sturgess zu töten. Doch mit Hilfe Speeds, den er inzwischen in alles eingeweiht hat, kann Lincoln seinen Freund befreien. Er heiratet Mary und wird zum Präsidenten der USA gewählt. Johnson und Speed bleiben als Berater an seiner Seite. Eines Tages schleicht sich Vadoma ins Weiße Haus und beißt Lincolns Sohn Willie. Als der Junge krank wird und stirbt, weiß Lincoln genau, wem er diesen Schlag zu verdanken hat. Mary nimmt den Tod ihres Sohnes besonders schwer. Es kommt zur Krise zwischen den Eheleuten, zumal Mary das geheime Tagebuch ihres Mannes gelesen hat und die Wahrheit kennt. Als Sturgess anbietet, Willie mit dem Vampirbiss ins Leben zurückzuholen, will Mary darauf eingehen, doch Lincoln lehnt ab. Es dauert lange, bis sich die beiden versöhnen. An der Frage der Sklaverei entzündet sich ein für beide Seiten verlustreicher Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten, in den bald auch die Vampire eingreifen. Adam träumt von einer Nation der Untoten und schickt seine Brut an die Front. Diesem Gegner ist die Armee der Nordstaaten mit ihren herkömmlichen Waffen nicht gewachsen. So viel Tafelsilber wie möglich wird eingesammelt und zur Herstellung von Geschossen sowie Bajonetten eingeschmolzen. Speed verrät dies an Vadoma und teilt ihr mit, dass das Silber demnächst per Zug zur Front gebracht werden soll.

Während Mary die Evakuierung des Weißen Hauses leitet, übernehmen Lincoln, Johnson und Speed den Silbertransport. Adam und zahlreiche Vampire attackieren den Zug. Die Männer wehren sich nach Kräften, wobei sie von Sturgess unterstützt werden. Sie können die Vernichtung des Zuges nicht verhindern, aber das war auch gar nicht ihre Absicht. Speed hat Vadoma belogen - der Zug hat nur Steine geladen und sollte lediglich als Ablenkung dienen. In Wahrheit wird das Silber unter Marys Leitung von der "Underground Railroad" transportiert. Adam tötet Speed und greift Lincoln an. Der Präsident besiegt den Vampir. Die neuen Waffen kommen in der Schlacht von Gettysburg zum Einsatz. Die Vampirarmee wird vernichtend geschlagen. Vadoma greift ein Feldlager der Nordstaaten an und wird von Mary mit einem silbernen Geschoss niedergestreckt. In den folgenden Jahren verlassen die restlichen Vampire das Land. Sturgess bietet dem gealterten Lincoln die Unsterblichkeit an, doch Lincoln lehnt ab. Er fährt mit seiner Frau ins Theater, nachdem er Sturgess das geheime Tagebuch überreicht hat.


Kringels Meinung

Der Theaterbesuch findet vermutlich am 14. April 1865 statt. An diesem Abend wurde der reale Abraham Lincoln von einem mit den Südstaaten sympathisierenden Attentäter ermordet. Das ist übrigens nicht die letzte Szene des Films. Er endet damit, dass Sturgess in der heutigen Zeit einen Mann in einer Bar anspricht - genau so, wie er es mit Lincoln vor dessen "Rekrutierung" gemacht hat. Es gibt also vermutlich immer noch Vampire in den USA, die es zu bekämpfen gilt. Zu einer Fortsetzung des Films ist es aber (noch) nicht gekommen.

Der Film ist Bestandteil eines relativ neuen Genres, in dem realweltliche Geschehnisse oder Inhalte von Klassikern der Weltliteratur mit Horror-Elementen vermischt werden. Nach meinen Beobachtungen hat alles mit dem zum Bestseller gewordenen Roman "Stolz und Vorurteil und Zombies" (2009) angefangen, dessen Autor Seth Grahame-Smith ein Jahr später auch die Romanvorlage zum gleichnamigen Film "Abraham Lincoln Vampirjäger" geschrieben hat. Der besondere Reiz besteht natürlich darin, dass reale oder literarische Personen, die so gar nicht in diese Rolle passen, zu Actionhelden werden. So werden Elizabeth Bennet und ihre vier Schwestern, deren größte Sorge in Jane Austens "Stolz und Vorurteil" in der Auswahl des richtigen Ehemanns besteht, bei Grahame-Smith zu Kampfamazonen, die es locker mit ganzen Horden von verwesenden Zombies aufnehmen können. Das Geplänkel zwischen Elizabeth und Fitzwilliam Darcy ist nichts gegen die über allem schwebende Gefahr einer Zombie-Apokalypse. Im Film Hänsel & Gretel: Hexenjäger begnügen sich die Hauptfiguren eines Grimm'schen Volksmärchens nicht damit, eine einzige Hexe gut durchzubraten, sondern setzen diese Tätigkeit mit einem bizarren Waffenarsenal auch noch als Erwachsene fort. Und natürlich kann man sich Abraham Lincoln, den ehrwürdigen 16. Präsidenten der USA, nur schwer als axtschwingenden Vampirjäger vorstellen.

Das Mash-up funktioniert in "Abraham Lincoln Vampirjäger" erstaunlich gut, was nicht zuletzt an der bildgewaltigen Inszenierung der Bürgerkriegszeit liegt. Die opulente, nach historischer Korrektheit aussehende Ausstattung trägt wesentlich zur überzeugenden Atmosphäre bei. Lincolns politische Karriere und sein Kampf gegen die Sklaverei werden nicht einfach zu Gunsten der Monsterhatz ignoriert, sondern sinnvoll in die Story eingebettet. Viele Episoden aus Lincolns Leben werden in einen anderen Zusammenhang gestellt und erhalten ganz neue Bedeutung. Allerdings sollte man vielleicht nicht näher über die Implikationen der Idee nachdenken, dass die Vampire hinter der Sklaverei stecken und wohl auch den Bürgerkrieg ausgelöst haben. Leider wirkt der Film im Mittelteil etwas episodenhaft, da hier längere Phasen im Leben Lincolns übersprungen werden. Wenn der deutlich gealterte Lincoln dann doch nochmal zur Axt greift und sich persönlich ins Getümmel stürzt, ist das für mich selbst im Kontext eines Fantasy- bzw. Horrorfilms nicht mehr glaubwürdig. Dennoch finde ich die Figurenzeichnung gut gelungen. Zumindest wird den Hauptpersonen (Lincoln und Mary) abseits der Action so viel Aufmerksamkeit gewidmet, dass man sie ins Herz schließen und mitfiebern kann. Benjamin Walker macht seine Sache gut, solange er den jungen Lincoln spielt. Vielleicht wäre es besser gewesen, nach den diversen Zeitsprüngen einen anderen Schauspieler mit mehr Charisma für die Rolle des US-Präsidenten zu verpflichten. Mir ist beim Anschauen des Films Liam Neeson in den Sinn gekommen, dem Walker sogar recht ähnlich sieht.

Die Handschrift des Regisseurs Timur Bekmambetov (Wächter der Nacht, Wanted) ist deutlich erkennbar, aber zum Glück ist "Abraham Lincoln Vampirjäger" bei weitem nicht so effekthascherisch wie die beiden verlinkten Filme. Auch hier wird toll choreografierte Action satt geboten, aber ich hatte nur selten jenen Eindruck von Selbstzweckhaftigkeit, den ich beim Betrachten des sinnfreien Spezialeffekt-Feuerwerks von "Wächter der Nacht" und "Wanted" nicht loswerden konnte. Nicht gefallen hat mir im Grunde nur eine viel zu lange Szene, in der Lincoln inmitten einer Herde durchgehender Wildpferde gegen Barts kämpft, wobei erschwerend hinzukommt, dass man den Pferden deutlich ansieht, dass es sich um CGI handelt. Der Showdown, bei dem ein Zug über eine brennende und zusammenbrechende Brücke fährt, mag ebenfalls übertrieben sein, er ist aber technisch perfekt gemacht. Ansonsten bekommt man hauptsächlich Nahkämpfe zu sehen, am Ende werden sogar epische Bürgerkriegsschlachten gezeigt. Trotz diverser Martial-Arts-Einlagen sind diese Szenen nie so überzogen wie das Gehampel in "Wanted" - und es fliegen keine Kugeln um die Ecke. Insgesamt bin ich also durchaus zufrieden mit dem Film. Deshalb hätte ich gegen eine Fortsetzung nichts einzuwenden. Würde sie in der heutigen Zeit spielen, dürften wir vielleicht den dann aktuellen US-Präsidenten als Hauptfigur bewundern. Das könnte lustig werden!


Blu-ray-Features

Die abendfüllende Doku kann ich als gelungen bezeichnen. Alle Phasen des Produktionsprozesses werden kurz beleuchtet, beginnend mit der ersten Drehbuchfassung, die Seth Grahame-Smith angeblich fertiggestellt hatte, noch bevor sein Roman veröffentlicht war. Im Skript hat aber ein Bösewicht gefehlt. Also wurde Adam hinzuerfunden. Für die Bürgerkriegsschlachten wurden Personen hinzugezogen, die diese Geschehnisse historisch korrekt nachstellen, es wurde an Originalschauplätzen (z.B. in New Orleans) gedreht, bei der Herstellung der Kostüme wurde großer Aufwand betrieben ... Das alles wird hier gezeigt. Außerdem kann man einen genaueren Blick auf die Vampir-Masken werfen und die Verwandlung Benjamin Walkers in den gealterten Abraham Lincoln ist im Zeitraffer zu sehen. Der Schauspieler hat viele Stunts selbst absolviert, insbesondere hat er unermüdlich mit der Axt trainiert. In einem Interview sagt jemand, beim Betrachten des Films werde der Zuschauer vermutlich denken, die Axtkämpfe seien computergeneriert. Dem sei aber nicht so - das sei alles Benjamin Walker. Stimmt, das "Making of" beweist diese Behauptung.

Hinzu kommt der gut gemachte animierte Kurzfilm "Das große Unheil". Darin trifft sich Abraham Lincoln mit Edgar Allan Poe. Der Schriftsteller erzählt dem Präsidenten die Geschichte Elisabeth Bathorys. Die so genannte Blutgräfin ist Poe zufolge indirekt dafür verantwortlich, dass es Vampire in Amerika gibt. Denn infolge des Blutdursts Elisabeth Bathorys und ihrer Vertrauten Darvulia hat sich der Vampirismus in Europa so rasant verbreitet, dass die Situation für die Menschen unerträglich geworden ist. Sie haben sich gegen ihre Peiniger erhoben, die Jäger sind zu Gejagten geworden. Schließlich mussten die Vampire in die Neue Welt auswandern, um sich neue Jagdgründe zu suchen ...


J. Kreis, 24.11.2016




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