A Cure for Wellness


A Cure for Wellness (USA/D, 2016)

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 147 Minuten

Extras:
- Entfallene Szene (4:46 Min.)
- Meditationen (8:24 Min.)
- Die Filmmusik (4:08 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Gore Verbinski

Hauptdarsteller:
Dane DeHaan (Lockhart)
Jason Isaacs (Dr. Heinrich Volmer / Baron von Reichmerl)
Mia Goth (Hannah von Reichmerl)
Harry Groener (Roland Pembroke)




Story

Ein ehrgeiziger junger Banker namens Lockhart wird von den Vorstandsmitgliedern der New Yorker Finanzdienstleistungsfirma, für die er arbeitet, in die Schweiz geschickt. Roland Pembroke, der Geschäftsführer der Firma, ist dort zur Kur. Er hat einen Brief geschrieben, in dem er das Streben nach Geld und Macht als Krankheit anprangert. Pembroke hat nicht vor, das in den Alpen gelegene exklusive Wellness-Center zu verlassen, wird aber dringend in der Firmenzentrale gebraucht, denn eine extrem wichtige Fusion steht kurz bevor und jemand muss gegenüber der Börsenaufsicht die Verantwortung für gewisse Unregelmäßigkeiten übernehmen. Lockhart soll Pembroke zurück nach New York bringen, damit der Geschäftsführer die erforderlichen Unterschriften leisten und als Sündenbock fungieren kann. Als Lockhart nach langer Reise im Sanatorium ankommt, ist die Besuchszeit seit wenigen Minuten vorbei. Aufgrund der strengen Vorschriften - die Patienten sollen vor jeglichem Stress abgeschirmt bleiben - wird Lockhart nicht zu Pembroke vorgelassen und muss unverrichteter Dinge ins Dorf am Fuße des Berges zurückfahren, auf dem die riesige und weit verzweigte schlossartige Anstalt steht. Unterwegs kommt es zu einem Autounfall. Lockhart verliert das Bewusstsein.

Drei Tage später findet sich Lockhart mit eingegipstem Bein in einem Krankenzimmer des Sanatoriums wieder. Widerwillig akzeptiert er das Angebot Dr. Heinrich Volmers, des Chefarztes der Einrichtung, und lässt sich wie alle anderen Kurteilnehmer behandeln. Volmer behauptet, er habe das bereits telefonisch mit Lockharts Vorgesetzten geklärt. Im Zentrum aller Therapiemaßnahmen steht das Wasser einer Heilquelle, über der das Sanatorium einst errichtet wurde. Die Patienten trinken ausschließlich dieses Wasser, nehmen Dampfbäder, meditieren in wassergefüllten Isolationskammern, machen Wassergymnastik und so weiter. Pembroke begegnet einer jungen Frau namens Hannah, mit der er sich anfreundet. Sie ist ein Sonderfall, wie Volmer erklärt. Aufgrund eines frühkindlichen Traumas verlaufe ihre Entwicklung verlangsamt und sie müsse mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Hannah glaubt, ihr Vater werde sie abholen, sobald Volmer sie geheilt habe. Lockhart beobachtet, wie der wortkarge Hausmeister Nacht für Nacht auf Bahren liegende Personen durch ein sonst immer verschlossenes altes Portal karrt. Volmer, Hannah und das gesamte Pflegepersonal nehmen Tropfen (angeblich Vitamine) aus kleinen blauen Ampullen zu sich. Allmählich fühlt sich Lockhart wie ein Gefangener. Er hat verstörende Visionen, die von Volmer als Begleiterscheinungen der Therapie abgetan werden.

Nach und nach erhält Lockhart Informationen über die dunkle Vorgeschichte des Sanatoriums. Das Gebäude wurde auf den Ruinen eines alten Schlosses errichtet, das vor 200 Jahren von den Dorfbewohnern niedergebrannt worden ist. Schlossherr war Baron von Reichmerl. Zur "Reinerhaltung der Blutlinie" hatte er sich mit seiner Schwester vermählt, doch sie konnte keines ihrer deformierten Kinder austragen. Durch Menschenversuche war es dem Baron gelungen, seine Schwester fruchtbar zu machen. Nachdem man ausgetrocknete Leichen bei der Feldarbeit gefunden hatte, wurde das Schloss gestürmt. Das Ungeborene wurde aus dem Leib der Mutter geschnitten und in die Quelle geworfen, soll aber überlebt haben. Der Baron musste dann mit ansehen, wie seine Schwester bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Wie Lockhart schon bei der Anreise festgestellt hat, sind die Dorfbewohner aufgrund dieser Vorfälle noch immer schlecht auf die Bewohner des von den Nachfahren des Barons errichteten Sanatoriums zu sprechen.

Lockhart spürt Pembroke auf. Der Mann wirkt kerngesund und lässt sich zur Rückreise nach New York bewegen. Er will nur schnell seine Sachen holen. Wenig später erhält Lockhart die Nachricht, Pembroke habe einen Rückfall erlitten und sei frühestens in einigen Tagen reisefähig. Lockhart stiehlt Pembrokes Krankenblatt und überredet Hannah, ihn per Fahrrad ins Dorf zu fahren. Dort legt er das Krankenblatt dem Tierarzt vor. Dieser konstatiert, der Patient leide an Zahnausfall infolge fortgeschrittener Dehydratation. Währenddessen tanzt Anna, die noch nie außerhalb der Anstaltsmauern war, in einer Kneipe zu den Klängen einer Musikbox. Ein Jugendlicher wird zudringlich. Lockhart schreitet ein und wird mit dem Messer bedroht. Da erscheinen Volmer und ein Pfleger. Hannah und Lockhart werden zurück ins Sanatorium gebracht. Als Lockhart einige Zeit später einen Zahn verliert, hat er genug. Er schleicht sich in die für Patienten verbotenen Bereiche des Sanatoriums. Er kann nicht alles sehen, aber ihm wird klar, dass die Patienten für Experimente missbraucht werden.

Lockhart wird gefasst und gefoltert, kann aber ins Dorf fliehen, wo er Anzeige erstattet. Der Dorfpolizist steckt jedoch mit Volmer unter einer Decke, so dass Lockhart wieder im Sanatorium landet. Nachdem er festgestellt hat, dass sein Bein gar nicht gebrochen ist, knackt er das Schloss des alten Portals. So gelangt er in die riesige Quellgrotte. Dort befindet sich ein Laboratorium, in dem Volmer seine wahren Forschungen betreibt. Dehydrierte Leichen werden in den Quellteich geworfen, wo sie von Aalen gefressen werden. Lockhart wird vom Hausmeister angegriffen, kann diesen aber niederschlagen. Währenddessen hat Hannah ihre erste Menstruation, was von Volmer freudig zur Kenntnis genommen wird. Lockhart stürmt während des Abendessens in den Speisesaal und versucht den Patienten klarzumachen, dass Volmer sie nicht heilt, sondern krank macht. Sein Appell stößt auf taube Ohren. Die Patienten überwältigen Lockhart. Lockhart erfährt am eigenen Leib, was Volmer wirklich mit den Patienten macht. Die Menschen dienen als lebende Filtrieranlage für das Quellwasser. Nur so kann es von Giftstoffen gereinigt werden, was früher oder später zum Tod der "Filter" durch Austrocknung führt. Die gefilterte Essenz hat lebensverlängernde Eigenschaften und wird in blauen Phiolen aufbewahrt. Willenlos lässt Lockhart alles über sich ergehen.

Volmer ist niemand anderer als Baron von Reichmerl. Er versteckt sein durch Verbrennungen entstelltes Gesicht hinter Masken aus lebendem Gewebe. Hannah ist seine Tochter, das Kind seiner vor 200 Jahren gestorbenen Schwester. Auch ihr Leben wurde mit dem gefilterten Wasser verlängert. Mit ihr will der Baron nun dasselbe tun wie mit seiner Schwester. Während die Hochzeitszeremonie läuft, kommt Lockhart in seinem Zimmer allmählich wieder zur Besinnung. Er dringt in die Quellgrotte ein und legt Feuer. So kann er gerade noch verhindern, dass der Baron Hannah vergewaltigt, wird aber von diesem überwältigt. Hannah tötet ihren Vater mit einem Spaten und flieht mit Lockhart aus der inzwischen lichterloh brennenden Anlage. Draußen fahren gerade Lockharts Vorgesetzte vor. Sie wollen Pembroke persönlich abholen, Lockhart soll ihnen helfen. Er lässt sie stehen und fährt mit Hannah weiter.


Kringels Meinung

Während Lockhart und Hannah davonradeln, erscheint ein unschönes Grinsen im Gesicht des jungen Mannes. Die Kamera verharrt zu lange auf diesem Anblick und das Grinsen ist zu maliziös, als dass man es als unbedeutenden Zufall oder unangemessen übertriebene Mimik abtun könnte. Ein freudiges Lächeln wäre einleuchtend gewesen. Schließlich ist Lockhart gerade noch dem Tod von der Schippe gesprungen und hat sich soeben gegen eine Rückkehr in die berufliche Tretmühle entschieden. Aber warum grinst er derart diabolisch, so als ob nicht Volmer, sondern er selbst der Bösewicht wäre? Hat Volmer Besitz von Lockharts Geist ergriffen? Das glaube ich nicht, denn nichts von dem, was zuvor geschehen ist, deutet auch nur ansatzweise auf einen derartigen Plot-Twist hin. Ich kann mir diese finale Szene wirklich nicht erklären und bin für Tipps dankbar.

In diesem Film gibt es eine Szene mit einem Sanatoriumswärter, der ein Buch liest. Es ist "Der Zauberberg". Deutlicher kann eine Anspielung nicht sein! Tatsächlich kommt es mir vor, als hätten sich Franz Kafka, Edgar Allan Poe und H.P. Lovecraft zusammengetan, um eine Drehbuchversion von Thomas Manns Roman zu schreiben. Genau wie Hans Castorp will auch Lockhart nur jemanden in einem Sanatorium in der Schweiz besuchen, macht Bekanntschaft mit merkwürdigen Patienten, die einem charismatischen Chefarzt geradezu religiöse Verehrung entgegenbringen, und hält sich nicht für krank. Die Krankheit wird dann sozusagen herbeigeredet. Die undurchschaubaren Vorgänge im Sanatorium erinnern an "Das Schloss" (Kafka), die Story enthält Anklänge an "Der Untergang des Hauses Usher" (Poe) und "Schatten über Innsmouth" (Lovecraft).

Im Kern ist "A Cure for Wellness" nichts anderes als eine klassische Schauergeschichte, allerdings beginnt der Film wie eine Parabel über Karrieregeilheit und es wird eine Hintergrundgeschichte für Lockhart aufgebaut (sein Vater war einst Partner von Pembroke und hat nach einem Börsencrash Selbstmord begangen), die für den Handlungsverlauf eigentlich nicht gebraucht wird. Auch diverse ominöse Vorzeichen und dergleichen entpuppen sich als sinnlos. Übernatürliche Geschehnisse werden angedeutet, aber letzten Endes sind die lebensverlängernden Eigenschaften des Quellwassers, welches nur durch einen zugegebenermaßen reichlich bizarren Reinigungsprozess nutzbar gemacht werden kann, das einzige phantastische Element des Films. Was zunächst wie Gesellschaftskritik wirkt, entwickelt sich zu einem kafkaesken Alptraum (das ist der Teil des Films, der mir am besten gefällt) und mündet in einen austauschbaren Mad-Scientist-Showdown. Diese Uneinheitlichkeit und die vielleicht etwas zu lange Laufzeit sind meine einzigen Kritikpunkte.

Seine Stärken entfaltet der Film vor allem bei Look und Atmosphäre. Das Sanatorium mit den langen Korridoren, dem labyrinthischen Dampfbad, den riesigen Isolationstanks und diversen archaisch wirkenden Apparaturen existiert zumindest teilweise wirklich: Gedreht wurde in Beelitz-Heilstätten und der Burg Hohenzollern. Man fühlt sich wahrhaftig in ein anderes Jahrhundert versetzt. Von der Ebene einer vermeintlichen Wellness-Oase steigt man zusammen mit Lockhart immer tiefer in die gekachelten Eingeweide des teuflischen Sanatoriums hinab und landet schließlich in der an Frankensteins Labor erinnernden Kaverne des Quellteichs. Die Gegensätze könnten kaum größer sein! Visuell ist "A Cure for Wellness" ein echter Genuss.


Extras

Das Bonusmaterial ist leider nicht der Rede wert. Während recht ausführlich auf die Entstehung der Filmmusik eingegangen wird, erfährt man rein gar nichts über die Drehorte, die Inspirationsquellen für das Drehbuch und so weiter. Diesbezüglich muss man die Wikipedia bemühen. Die "Meditationen" sind drei kurze Clips, die man lieber nicht als Meditationshilfen nutzen sollte. Zu atmosphärischer Musik und schönen Bildern wird man nämlich aufgefordert, die Sinnlosigkeit der eigenen Existenz zu akzeptieren ... Die entfallene Szene spielt vermutlich irgendwann nach Lockharts gescheitertem Fluchtversuch. Er wird in einen Wassertank gesteckt, woraufhin eine Sequenz kurzer alptraumhafter Szenen folgt.


J. Kreis, 27.02.2018




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