72 Stunden


72 Stunden - The Next Three Days (USA / F, 2010)
- The Next Three Days -

DVD Regionalcode 2, Kinowelt
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 128 Minuten

Extras:
- Making of (17:44 Min.)
- Outtakes (2:31 Min.)
- Geschnittene und erweiterte Szenen (20:29 Min.)
- Trailer

Regie:
Paul Haggis

Hauptdarsteller:
Russell Crowe (John Brennan)
Elizabeth Banks (Lara Brennan)
Ty Simpkins (Luke Brennan)
Lennie James (Lieutenant Nabulsi)
Liam Neeson (Damon Pennington)




Story

Lara Brennan wird wegen Mordes an ihrer Chefin zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Frau wurde in einer Tiefgarage mit einem Feuerlöscher erschlagen, auf dem sich Laras Fingerabdrücke befinden. Blut des Opfers wurde auf Laras Jacke gefunden. Ein Kollege hat ausgesagt, er habe gesehen, wie Lara kurz nach der Tat aus der Tiefgarage herausgefahren sei. Außerdem ist bekannt, dass Lara einen schweren Streit mit ihrer Chefin hatte. Eine von Lara angegebene Entlastungszeugin konnte nicht identifiziert werden. Laras Ehemann John ist fest von der Unschuld seiner Frau überzeugt. Die ganze Familie leidet unter der Situation, insbesondere Laras kleiner Sohn Luke, der sich seiner Mutter immer mehr entfremdet. Als Lara drei Jahre nach der Verhaftung einen Selbstmordversuch unternimmt und nur knapp mit dem Leben davonkommt, sieht John nur einen Ausweg: Er muss seine Frau aus dem Gefängnis befreien. John hat keine Ahung, wie er das bewerkstelligen soll. Er recherchiert im Internet und wendet sich hilfesuchend an einen Mann namens Damon Pennington, der ein Buch über seine eigenen Gefängnisausbrüche geschrieben hat. John lernt, dass er viel Geld brauchen wird und die Flucht minutiös planen muss, denn die Polizei kann den Stadtkern innerhalb von 15 Minuten abriegeln. Nach 35 Minuten wird auch an der Peripherie kein Durchkommen mehr sein.

John muss sein Haus verkaufen, um genügend Bargeld zu erhalten. Er verschafft sich einen genauen Überblick über alle Abläufe im Gefängnis und sucht nach einer Schwachstelle. Hierbei macht er sich Laras Diabeteserkrankung zu Nutze. Es gelingt ihm, gefälschte Unterlagen mit überhöhten Laborwerten einschuschmuggeln. Die Beschaffung neuer Ausweispapiere erweist sich als größte Hürde, denn zu diesem Zweck muss sich John in ein ihm völlig unbekanntes Milieu begeben. Von seiner ersten Kontaktperson wird er zusammengeschlagen und ausgeraubt. Erst beim zweiten Anlauf hat John Erfolg, doch jetzt sind seine Geldmittel fast erschöpft. Der Verkauf des Hauses zieht sich hin und zu allem Übel soll Lara in ein anderes Gefängnis verlegt werden. John hat nur noch 72 Stunden Zeit, um seinen Plan zu vollenden. Er besorgt sich eine Waffe und will eine Bank ausrauben, verzichtet dann aber darauf. Stattdessen überfällt er einen seiner neuen "Bekannten", einen Drogendealer, der zu Hause viel Geld hortet. Es kommt zu einem Schusswechsel, bei dem der Dealer und ein Handlanger getötet werden. John bleibt unverletzt und hat nun das benötigte Geld. Doch die Polizei beginnt wegen der Schießerei zu ermitteln und so dauert es nicht lang, bis John auf der Liste der Verdächtigen auftaucht. Der mit dem Fall betraute Lieutenant Nabulsi zieht schnell die richtigen Schlüsse, so dass Johns ganzer Plan gefährdet wird.

Als die Gefängnisärztin Laras viel zu hohe Laborwerte sieht und nicht im Labor zurückfragen kann (John hat dort alle Telefonkabel gekappt) weist sie die Gefangene notfallmäßig ins Krankenhaus ein. Dort kann John zuschlagen. Er holt Lara heraus und flieht mit ihr, wobei er auf einige vorbereitete Tricks zurückgreift, um Nabulsi und dessen Kollegen abzuhängen. Jetzt müssten sich die beiden sofort ins Ausland absetzen. Doch Lara macht deutlich, dass sie lieber sterben würde, als Luke zurückzulassen. Obwohl das Zeitlimit fast erreicht ist, holt John seinen Sohn ab. Er hatte ihn bei einer Bekannten zurückgelassen. Da an den Autobahnposten nach Eltern mit Kind gefahndet wird, nimmt John ein älteres Ehepaar mit und entgeht somit der Kontrolle. Inzwischen haben die Polizisten Johns Unterlagen durchwühlt und glauben erkannt zu haben, dass er nach Haiti fliehen will. Doch auch das gehört zu Johns Plan. Er hat den Ermittlern nur die Unterlagen zugespielt, die sie sehen sollten. Während der einzige Flug des Tages nach Haiti gestoppt wird, besteigen John, Lara und Luke ungehindert einen Flieger nach Caracas. Johns Vater ahnt die Wahrheit, doch er bewahrt sein Schweigen. In Venezuela sind die Flüchtlinge sicher, denn das Land hat kein Auslieferungsabkommen mit den USA.


Kringels Meinung

Wieder mal ein US-amerikanisches Remake eines etwas älteren "ausländischen" Films. Vorbild ist diesmal "Ohne Schuld", ein französischer Film aus dem Jahre 2008 mit Vincent Lindon und Diane Kruger in den Hauptrollen. Den kenne ich allerdings nicht. Mich würde interessieren, ob ein bestimmter Aspekt der Story im Original besser herausgestellt wird. Am interessantesten finde ich nämlich, dass John aufgrund seiner absoluten Entschlossenheit, Lara zu befreien, allmählich zu jemandem wird, den sie möglicherweise nicht wiedererkennen würde und im schlimmsten Fall nicht lieben kann. Dann hätte er sie zwar gerettet - verloren hätte er sie trotzdem. Das Ende des Films legt lediglich nahe, dass sich Mutter und Sohn miteinander versöhnen. Der Junge gibt Lara einen Kuss, was er zuvor immer verweigert hatte. Wie es um das Verhältnis zwischen Mann und Frau bestellt ist, bleibt offen.

Eine andere Frage wird dagegen genauer beantwortet, wenn auch erst gegen Ende des Films (was auch völlig in Ordnung ist, denn für John stellt sich diese Frage gar nicht): Hat Lara ihre Chefin denn nun ermordet oder nicht? Sie hat angegeben, auf dem Weg zur Tiefgarage von einer Unbekannten angerempelt worden zu sein. Dabei sei ein Knopf abgerissen. Aber weder konnte die Unbekannte aufgespürt werden, noch wurde der Knopf gefunden. Nachdem John, Lara und Luke geflohen sind, versucht einer der Ermittler zu verstehen, was am Tattag wirklich geschehen sein könnte. Jetzt kommt etwas, das entweder ein Rückblick ist oder nur die Imagination des Polizeibeamten. Man sieht, wie Laras Chefin von der besagten Unbekannten mit dem Feuerlöscher niedergeschlagen wird. Die Unbekannte flieht, Lara stößt mit ihr zusammen, dabei gelangt Blut des Opfers auf Laras Mantel und ein Knopf reißt von der Kleidung der Fremden ab. Die Täterin hat den Feuerlöscher direkt vor Laras Auto abgestellt. Da die Leiche für Lara nicht zu sehen ist, denkt sie sich nichts dabei, stellt den Feuerlöscher beiseite - daher die Fingerabdrücke - und fährt davon. Dabei wird sie von einem Kollegen gesehen. Der Ermittler nimmt an, dass der Knopf in einen Gully gefallen sein könnte. Dem ist wirklich so, wie der Zuschauer sehen kann, aber der Mann sucht vergeblich danach. Also ist Lara wohl wirklich unschuldig. Schade eigentlich! Wenn Lara eine etwas ambivalentere Figur gewesen wäre, dann hätte das zu einem hübschen Plot twist führen können.

Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie realistisch der Befreiungsplan ist. Immerhin ist er in sich schlüssig und wird spannend umgesetzt. Die Auftaktphase ist dabei recht lang, aber das finde ich akzeptabel. Schließlich ist John als Hochschuldozent nicht unbedingt qualifiziert für eine derartige Aufgabe, da wäre es unglaubwürdig, wenn er gleich wüsste, wie er vorgehen muss, und wenn dann alles wie am Schnürchen laufen würde. Außerdem muss der harmlose Lehrer ja, wie eingangs erwähnt, erst einmal zu einem ganz anderen Mann werden. Das ist ein Prozess, den man meines Erachtens sogar noch genauer hätte darstellen können. Crowe spielt den verzweifelten Mann, der neue Hoffnung in einem wahnwitzigen Plan findet, durchaus überzeugend, aber seine Wandlung vom unbeholfenen Durchschnittsbürger zum Actionhelden kommt etwas zu schnell. Der Film beginnt übrigens mit einem Vorgriff auf die Handlung. Man sieht, wie John mit blutverschmiertem Gesicht im Auto fährt. Auf dem Rücksitz liegt jemand im Sterben. Man fragt sich: Was ist da schiefgegangen? Etwa der Befreiungsversuch? Was es damit wirklich auf sich hat, erfährt man erst nach ungefähr halber Laufzeit, und diese Unsicherheit verleiht der Expositionsphase eine unterschwellige Spannung. Die Flucht selbst ist richtig packend inszeniert; ständig wird zwischen Verfolgern und Verfolgten hin- und hergeschnitten. Insgesamt ist "72 Stunden" vielleicht nicht besonders originell, eignet sich aber auf jeden Fall für einen schönen Heimkinoabend.


DVD-Features

Im "Making of" wird kurz auf den französischen Originalfilm eingegangen, außerdem erfährt man einiges über den Drehort Pittsburgh. Elizabeth Banks erzählt, dass sie mit Gefängnisinsassinnen gesprochen und selbst etwas Zeit hinter Gittern verbracht hat, um zu erfahren, wie man sich dabei fühlt. Ansonsten wird die übliche Mischung aus Filmausschnitten, Interviews und ein klein wenig hinter-den-Szenen-Material geboten. Die schiefgegangenen Szenen ("Outtakes") sind nicht der Rede wert und auch nicht besonders witzig.

Die geschnittenen / erweiterten Szenen dagegen sind gar nicht so uninteressant. Ganz weggefallen ist zum Beispiel Johns Nachbarin. Durch sie wäre er erst auf die Idee gekommen, dass Laras Krankheit der Hebel sein könnte, mit dem er ansetzen kann. Außerdem wird im endgültigen Film nicht gezeigt, dass Lara nach dem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch ihr Insulin nicht mehr nimmt...


J. Kreis, 04.04.2015




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