47 Ronin


47 Ronin (USA, 2013)

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 119 Minuten

Extras:
- Unveröffentlichte Szenen (7:42 Min.)
- Die Legende wird wiedererweckt (6:44 Min.)
- Keanu & Kai (4:00 Min.)
- Raserei in Stahl: Die Kämpfe von "47 Ronin" (5:54 Min.)
- Mythen, Magie & Monster: Die Effekte von "47 Ronin" (7:35 Min.)

Regie:
Carl Erik Rinsch

Hauptdarsteller:
Keanu Reeves (Kai)
Hiroyuki Sanada (Oishi Kuranosuke)
Ko Shibasaki (Asano Mika)
Tadanobu Asano (Fürst Kira)
Rinko Kikuchi (Mizuki)
Min Tanaka (Fürst Asano Naganori)
Cary-Hiroyuki Tagawa (Shogun Tokugawa Tsunayoshi)




Story

Japan in der Zeit des Tokugawa-Shogunats. Fürst Asano, Herr über die Provinz Ako, nimmt das Halbblut Kai bei sich auf. Der Junge ist von den Tengu-Walddämonen aufgezogen und in der Kampfkunst unterwiesen worden, dann aber geflohen. Mika, die Tochter des Fürsten und sein einziges Kind, verliebt sich in Kai. Die Samurai lehnen ihn jedoch ab, sie verachten ihn. Kai akzeptiert seinen Status und hält sich von Mika fern. Fürst Kira, Zeremonienmeister des Shogun und Beherrscher einer benachbarten Provinz, will die Kontrolle über Ako übernehmen und sich selbst zum Shogun aufschwingen. Ihm ist jedes Mittel recht, um dieses Ziel zu erreichen. Seine wichtigsten Helfer sind die mit starken magischen Kräften begabte Hexe Mizuki und ein riesiger gepanzerter Krieger. Ein Versuch der Hexe, Fürst Asano bei der Jagd zu beseitigen, wird von Kai vereitelt. Kai tötet eine wilde Bestie und rettet damit dem Fürsten sowie einem Samurai das Leben, der sich aber keinswegs dankbar zeigt, sondern selbst den Ruhm für Kais Tat einheimst.

Den nächsten Schlag führen Kira und die Hexe, als der Shogun ein von Fürst Asano ausgerichtetes Turnier besucht. Kai erkennt die Hexe und warnt Oishi Kuranosuke, Fürst Asanos rechte Hand und Anführer der Samurai, doch der glaubt ihm nicht. Mizuki verhext den Samurai, der für Ako in den Ring steigen sollte, so dass er ausfällt. Auf diese Weise soll Fürst Asano entehrt werden. Kai tritt an die Stelle des Samurai, sein Gesicht wird vom Helm verborgen. Doch dem riesigen Krieger ist Kai nicht gewachsen. Er wird niedergeschlagen und verliert den Helm. Als er getötet werden soll, offenbart Mika ihre Liebe zu ihm und rettet sein Leben. Zur Strafe für seine Anmaßung wird Kai verprügelt. In der Nacht vergiftet die Hexe den Fürsten, so dass er halluziniert. Er glaubt, Fürst Kira vergewaltige Mika und versetzt ihm einen Schwerthieb. Durch den Lärm alarmierte Wachen verhindern Schlimmeres, doch mit dem grundlosen Angriff auf einen unbewaffneten hochrangigen Gast hat Fürst Asano sein Leben verwirkt. Der Shogun gewährt dem Fürsten einen ehrenvollen Tod durch Seppuku und verbietet Asanos Samurai, die nun herrenlose Ronin sind, Rache zu nehmen. Um Frieden zu stiften, ordnet er die Vermählung Mikas mit Fürst Kira an. Die Hochzeit soll nach Ablauf des Trauerjahres stattfinden. Bis dahin ist Mika "Gast" ihres zukünftigen Gatten, der somit faktisch die Kontrolle über Ako erhält. Fürst Kira verbannt alle Ronin. Kai wird als Sklave an die Holländer verkauft. Oishi wird in ein Kerkerloch geworfen.

Als Oishi nach einem Jahr freigelassen wird, ist er ungebrochen und beginnt sofort mit den Vorbereitungen, um den Tod seines Herrn zu rächen und Fürst Kira zu bestrafen. Er ruft seine Männer zusammen und befreit Kai, der zu Gladiatorenkämpfen gezwungen wurde, denn er braucht das in Magie bewanderte Halbblut für den Kampf gegen die Hexe. Da Fürst Kiras Schergen das Dorf der Schwertmacher entvölkert haben, gibt es nur noch eine Möglichkeit, an die dringend benötigten Waffen zu kommen: Kai muss in den Tengu-Wald zurückkehren und gemeinsam mit Oishi eine Prüfung bestehen. Zur Belohnung erhalten sie magische Schwerter. Als Oishi die Nachricht erhält, dass Fürst Kira den Schrein seiner Ahnen besuchen wird, hält er die Gelegenheit zum Zuschlagen für gekommen. Doch er und seine Männer tappen in eine Falle; die Hexe hat von ihren Plänen erfahren und einen Hinterhalt vorbereitet. Zahlreiche Ronin verlieren ihr Leben, nur 46 Mann entkommen - mit Kai, der aufgrund seiner Tapferkeit und seiner Kampfkunst inzwischen von den Ronin akzeptiert wird, sind es 47. Fürst Kira und die Hexe glauben nun, Oishi und all seine Männer seien tot. Das nutzen die Ronin aus. Sie verkleiden sich als Schauspieler, die anlässlich der unmittelbar bevorstehenden Hochzeit auftreten sollen. So gelingt es ihnen, unbemerkt in die feindliche Festung einzudringen und einen Teil der Wachen lautlos zu beseitigen. Einem Soldaten gelingt es noch, einen Pfeil abzufeuern, der Oishi am Arm streift. Es kommt zum Kampf, und während Oishi Fürst Kira stellt, muss Kai der Hexe entgegentreten. Beide Ronin bleiben siegreich. Als Oishi den abgetrennten Kopf des Fürsten präsentiert, strecken die feindlichen Soldaten die Waffen.

Die Ronin sind bereit, die Konsequenzen ihrer Taten zu tragen. Da sie den ausdrücklichen Befehl des Shogun missachtet haben, haben sie den Tod zu gewärtigen. Dennoch treten sie offen vor den Herrscher. Beeindruckt von der Treue der Ronin zu ihrem toten Herrn und ihrer Opferbereitschaft erteilt der Shogun den Männern die Erlaubnis, das Seppuku-Ritual zu vollziehen, so dass sie ehrenvoll sterben können. Oishi, Kai und die anderen Ronin werden neben ihrem Herrn beerdigt. Oishis Sohn wird verschont, denn der Shogun will nicht auf die Blutlinie Oishis verzichten. Der junge Mann soll Mika beim Wiederaufbau Akos unterstützen.


Kringels Meinung

Dieser Film basiert auf historischen Vorfällen, die sich in den Jahren 1701 bis 1703 in Japan ereignet haben und zum Nationalmythos geworden sind wie bei uns in Deutschland vielleicht die Nibelungensage. Allerdings geht der Film sehr frei mit den realen Geschehnissen um. Voraussetzungen und Verlauf sowohl von Fürst Asanos Untergang als auch des Racheplans der 47 Ronin sind stark modifiziert - in der Realität war der Zeremonienmeister Kira wohl korrupt, hatte aber weder die ihm im Film angedichteten Eroberungspläne noch irgendeine Beziehung mit Fürst Asanos Tochter (der reale Asano hatte gar keine Kinder) und schon gar keine Hexe als Helferin. Die Geschichte der 47 heldenhaften Ronin ist noch heute in ganz Japan berühmt und wurde schon mehrmals verfilmt bzw. in Theaterstücken umgesetzt. Ich kenne weder die Filme noch die Theaterstücke, kann also nicht sagen, ob sich der aktuelle Film mit seinem Fantasy-Ansatz eventuell daran orientiert.

Auf jeden Fall hätte der Film Elemente wie die mit magischen Tricks kämpfende Hexe und diverse Fabelwesen meiner bescheidenen Meinung nach nicht nicht nötig gehabt. Ob sich der Film Freiheiten bei der Interpretation der historischen Ereignisse herausnimmt oder nicht ist in diesem Zusammenhang egal. Von mir aus dürfen gern Liebesgeschichten glorreicher Helden und Machtgelüste finsterer Schurken hinzugedichtet werden. Aber auch ohne das hier abgefackelte Spezialeffektgewitter wäre ein packendes Epos möglich gewesen. Schließlich ist allen Ronin von Anfang an klar, dass sie sterben müssen, selbst wenn sie erfolgreich sein sollten. Es hätte völlig ausgereicht, ihre verzweifelte Situation darzustellen, ihr verletztes Ehrgefühl sowie ihre bedingungslose Treue zu porträtieren. Ich finde es übrigens sehr lobenswert, dass der Film authentisch bleibt, was den tragischen Ausgang der Geschichte angeht. Auf ein massentaugliches Happy-End wurde zum Glück verzichtet. Vielleicht wäre der Verzicht auf besagte Spezialeffekte für den Film sogar ein Gewinn gewesen, denn ich finde, dass die zum Einsatz kommenden CGI-Kreaturen nicht hundertprozentig überzeugend aussehen. So etwas ist für mich immer ein Spannungskiller.

Allerdings hätte dann die von Keanu Reeves verkörperte Figur des Kai, für den es kein historisches Vorbild gibt, komplett wegfallen müssen. Das wäre für mich in Ordnung gewesen, denn Kai wird nicht gebraucht. Seine gesamte Hintergrundgeschichte wirkt aufgesetzt und ist für die Story im Grunde bedeutungslos. Eine Liebesgeschichte wäre auch zwischen Mika und Oishi oder einem anderen Ronin möglich gewesen. OK, mit seinen Tengu-Connections verschafft Kai sich und seinen Kumpels ein paar Schwerter, aber sonst? Mir ist natürlich klar, dass Kai als Identifikationsfigur für westliche Zuschauer fungiert, denn alle anderen Rollen wurden mit Schauspielern aus dem asiatischen Raum besetzt. Und vermutlich war man der Meinung, das Publikum würde einen reinen Historienfilm langweilig finden. Also wurde allerlei magisches Brimborium hineingestopft. Man möge mich nicht falsch verstehen: Ich fand den Film durchaus unterhaltsam. Aber was mir besonders gut gefallen hat, das sind nicht die irrealen Monster, sondern die ansonsten authentische Atmosphäre, die wunderbare Ausstattung, die tollen (echten und digitalen) Drehorte, die herrlichen Kostüme und Rüstungen, die dynamischen Schwertkämpfe und natürlich das Schicksal der Ronin. Auf Rinko Kikuchi, die die Hexe spielt, hätte ich ungern verzichtet. Die Figur ist wunderbar hinterhältig, gleichzeitig bedrohlich und sexy. Dazu hätte sie aber keine Hexe sein müssen. Als ganz normale Spionin hätte sie sicher eine ebenso gute Figur gemacht.


Blu-ray-Features

Die vier nicht verwendeten Szenen sind nicht besonders interessant: Mika gibt sich die Schuld an Kais Untergang, Mika versucht Kira zu vergiften, Oishi trifft sich mit einem holländischen Kapitän, um Kai freizukaufen (das passt sowieso nicht zur endgültigen Handlung) und man sieht, wie die Hexe jenen jungen Mann verführt, der eigentlich hätte auskundschaften sollen, wann Kira den Familienschrein aufsuchen wird. Immerhin sind alle Szenen fertig produziert, das Gesamtbild wird nicht durch fehlende Spezialeffekte gestört.

Die vier Featurettes sind viel zu kurz, oberflächlich und mit schneller Schnittfolge zusammengestückelt, als dass man sie als "Filmdokumentation" bezeichnen könnte. Immerhin erfährt man, dass alle Kreaturen bestimmten Fabelwesen aus der japanischen Mythologie nachempfunden sind. Die Riesenbestie, auf die Fürst Asano zu Beginn des Films Jagd macht, ist ein Qilin. Mizuki ist eine Kitsune-Hexe, die sich beim Endkampf in eine Nure-onna (Schlange mit Frauenkopf) verwandelt. Der ogerähnliche Typ, gegen den Kai bei den Holländern kämpfen muss, ist ein Oni. Auch die Tengu sind der Mythenwelt Japans entnommen. Im Film allerdings sind sie laut Making-of keine Vogeldämonen, sondern Menschen, die sich selbst verstümmelt haben und wegen des Lebens in ewiger Dunkelheit über Generationen hinweg mutiert sind.


J. Kreis, 18.12.2014




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme