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28dayslater 28 Days later (GB, 2002)
DVD - Regionalcode 2, Fox Home Entertainment
FSK: 18
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras
Pure Rage: The Making of "28 Days Later", Audiokommentare zum Film, Deleted Scenes (u.a. alternatives Ende) mit optionalem Audiokommentar, Musikvideo von Jacknife Lee, Bildergalerien und animiertes Storyboard, Kinotrailer

Regie:
Danny Boyle

Hauptdarsteller:
Cillian Murphy (Jim)
Naomie Harris (Selena)
Brendan Gleeson (Frank)
Megan Burns (Hannah)
Christopher Eccleston (Major Henry West)




Inhalt:

28 Tage nach einem Unfall, bei dem er eine Kopfverletzung erlitten hat, wacht der Fahrradkurier Jim in einem Krankenhaus in London auf. Er ist allein. Genauer gesagt: Nicht nur das Krankenhaus, sondern auch die gesamte Stadt scheinen völlig menschenleer zu sein. Jim irrt auf der Suche nach Menschen oder Hinweisen auf das, was sich in der Zeit seiner Bewußtlosigkeit ereignet hat, eine Weile herum. Er ahnt nicht, daß er sich in Lebensgefahr befindet, denn in ganz England ist ungefähr zu der Zeit, als er ins Koma gefallen ist, eine vermutlich auf Biowaffenforschung zurückzuführende Seuche ausgebrochen - ironischerweise wurde sie durch Tierschützer freigesetzt, die einige infizierte Versuchstiere befreien wollten. Das "Rage"-Virus verwandelt jeden, in dessen Blutkreislauf es gelangt, innerhalb weniger Sekunden in eine amoklaufende, völlig schmerzunempfindliche Tötungsmaschine. Infizierte sind nicht mehr ansprechbar und greifen wahllos jeden Menschen an. England ist bereits von den Infizierten überrannt worden und die letzten Zeitungsmeldungen sprechen von Infektionsfällen auch in anderen Teilen der Welt. London ist eine Geisterstadt. Es gibt keine Strom- und Wasserversorgung mehr, Trümmer, Müll und Leichen liegen überall herum - und in dunklen Ecken warten die Infizierten auf neue Opfer...

Ausgerechnet in einer Kirche hat Jim seine erste Begegnung mit den Infizierten und er überlebt nur, weil er auf seiner Flucht zufällig den Weg von Selena und Mark kreuzt, zwei Überlebenden, die ihm beistehen. Zu einem weiteren Angriff kommt es, als Jim im Haus seiner Eltern (die Selbstmord begangen haben) unvorsichtigerweise eine Kerze anzündet und damit einige Infizierte anlockt. Dabei wird Mark verletzt. Selena zögert keine Sekunde, Mark zu töten (obwohl sie gar nicht sicher sein kann, daß er infiziert ist) und langsam begreift auch Jim, daß Rücksichtslosigkeit der einzige Weg ist, um zu überleben. Jim und Selena streifen zusammen weiter durch die Stadt und begegnen dem Taxifahrer Frank und dessen Tochter Hannah, die sich in einem Hochhaus verschanzt haben. Alle vier machen sich auf den Weg zu einem Militärstützpunkt in der Nähe von Manchester, denn Frank hat eine von dort ausgestrahlte Funksendung aufgefangen, der zufolge man dort angeblich eine "Antwort" auf das Virus gefunden hat. Nach einer gefahrvollen Reise in Franks altem Taxi erreichen die Vier eine Straßensperre. Dort wird Frank durch einen dummen Zufall infiziert, doch bevor er seine Freunde und seine Tochter anfallen kann, wird er erschossen - das Militär ist da.

Jim, Selena und Hannah werden in den Stützpunkt gebracht. Unter dem Kommando des Majors Henry West haben die Soldaten sich in einem prächtigen Landsitz hinter Minenfeldern, Stacheldraht und Flutlichtanlagen verschanzt. Es dauert nicht lange, bis Jim feststellt, daß er vom Regen in die Traufe geraten ist. Die Soldaten haben nämlich jegliche Disziplin verloren und sind sowieso nur an den zwei womöglich letzten Frauen Englands interessiert. Nur ein Sergeant hat sich seine Menschlichkeit bewahrt, denn er glaubt nicht, daß die ganze Welt verseucht worden ist. Seiner Meinung nach wurden lediglich die britischen Inseln sozusagen unter Quarantäne gestellt. Major West befiehlt die Ermordung des unbequemen Sergeants. Auch Jim soll beseitigt werden, doch ihm gelingt die Flucht. Er lockt einige Soldaten aus der Festung heraus und sorgt für ausreichend Ablenkung, indem er einen Infizierten befreit, den West zu "Beobachtungszwecken" in einem Hinterhof des Herrenhauses angekettet hat. Während einer der Soldaten nach dem anderen dem Virus zum Opfer fällt, schnappt Jim sich die beiden Damen und flieht mit ihnen aufs Land. Dort müssen sie nur noch abwarten, bis die Infizierten (die sich ja nicht selbst versorgen können) verhungert sind. Es dauert nur weitere 28 Tage, dann naht die Rettung in Form eines Düsenjets, der die Insel auf der Suche nach Überlebenden überfliegt. Offenbar hat der Sergeant mit seiner Quarantäne-Theorie richtig gelegen...

Der Film:

Jedesmal, wenn ich irgendwo was über diesen Film lese, wird er als "Zombiefilm" bezeichnet. Das ist er aber definitiv nicht, er ist nicht einmal ein Horrorfilm im eigentlichen Sinne - am ehesten könnte man ihn zum Genre der Katastrophenfilme zählen. Zunächst mal sind die Infizierten "technisch" gesehen keine Zombies. Denn es sind keine Untoten, sondern ganz einfach kranke Menschen, die man theoretisch heilen könnte, wenn man sich die Mühe machen würde. Deshalb ist auch die oft zu hörende Kritik an der Darstellung der Infizierten, die sich ja erheblich flotter bewegen als die i.d.R. doch eher trägen Zombies in anderen Filmen, völlig fehl am Platz. Außerdem spielen die Infizierten eigentlich nur eine Nebenrolle. Es gibt nur wenige Splatterszenen, bei denen Infizierte beteiligt sind, Freßszenen sind schon gar nicht zu sehen. Eigentlich wird nicht so ganz klar, was so ein Infizierter mit seinem Opfer eigentlich macht. Wahrscheinlich tötet er es nur, was wohl auch der Sinn der Sache sein dürfte, denn "Rage" ist sicherlich ein Produkt aus der B-Waffen-Forschung des Militärs. Kern dieses Films ist die Art und Weise, wie die Menschen mit der vermeintlichen Weltuntergangs-Situation umgehen. So geht denn auch die eigentliche Gewalt nicht von den im Grunde bedauernswerten Infizierten aus (was natürlich nicht heißt, daß die aufgrund ihrer Schnelligkeit und Aggressivität nicht brandgefährlich wären), sondern von den "Gesunden". Was die nicht nur mit den Infizierten, sondern auch mit anderen Überlebenden anstellen, ist eine ganz andere und viel schlimmere Art von Gewalt als das blinde Toben der Viruserkrankten.

Wer diesen Film zum ersten Mal sieht, wird vielleicht von der nicht gerade berauschenden Bildqualität irritiert sein. Das liegt daran, daß er komplett mit vergleichsweise einfachen digitalen Kameras und ohne den Einsatz künstlicher Beleuchtung gedreht worden ist. Die Geisterstadt-Szenen wurden nämlich an Originalschauplätzen gedreht und es wäre nicht möglich gewesen, Teile der Londoner Innenstadt für längere Zeit abzusperren, um Zeit für den Aufbau eines großen Equipments zu haben. Der Film erhält dadurch einen "echten" Look, der fast an einen Dokumentarfilm erinnert - auf DVD wirkt das Bild übrigens doch schärfer und klarer, als ich es von meinem Kinobesuch in Erinnerung habe. Das düstere Endzeit-Szenario in der ausgestorbenen Stadt erinnert stark an Der Omega-Mann und der Drehbuchautor gibt auch offen zu, daß er u.a. von diesem Film inspiriert wurde. Die Szenen im menschenleeren London sind besonders beeindruckend, wenn man diese Stadt kennt und somit weiß, was für ein Trubel an vielen der gezeigten Stellen sonst herrscht. Die allermeisten Splatterszenen sind so schnell geschnitten, daß man kaum etwas zu sehen bekommt. Trotzdem gibt es einige ziemlich derbe Szenen - auch und gerade solche, in denen eigentlich gar nicht gekämpft und getötet wird, sorgen für ein ziemlich mulmiges Gefühl. Spätestens gegen Ende des Films fragt man sich dann, inwieweit die Gesunden sich überhaupt von den Infizierten unterscheiden. Passenderweise zieht Hannah Jim nach dessen Alleingang denn auch eins über den Schädel, als er Selena küßt - Hannah dachte, Jim wolle die Frau beißen...

Insgesamt bietet "28 Days later" zwar kaum etwas neues, aber wenn man sich einmal klargemacht hat, daß es sich nicht um einen Horrorfilm handelt, kann man ihn durchaus goutieren. Den "Showdown" finde ich allerdings ziemlich übertrieben. Leider entwertet darüber hinaus das Happy-End in meinen Augen den ganzen Film. Wenn schon Weltuntergang, dann richtig!

Die DVD:

Außer einigen entfallenen (nicht nachvertonten) Szenen, in denen u.a. ein bißchem mehr von den Infizierten zu sehen ist, gibt es bei den Extras noch ein alternatives Ende, bei dem Jim stirbt, nachdem Major West ihn angeschossen hat. Selena und Hannah sind dann allein in dem Cottage auf dem Land, als der Düsenjäger kommt.

Ansonsten ist noch das ca. halbstündige Making of interessant. Es besteht aus zwei Teilen: In der ersten Hälfte referieren Wissenschaftler über die Gefahr, die auch heute noch weltweit von Infektionskrankheiten ausgeht. Das Ganze wird untermalt durch Filmszenen und zum Thema passende Interviewschnipsel, in denen Regisseur und Schauspieler zu Wort kommen. Erst in der zweiten Hälfte bekommt man ein paar Eindrücke von den Dreharbeiten präsentiert. Das ganze Making of ist genauso schnell geschnitten und in einem ähnlichen Heimvideo-Stil gedreht wie der ganze Film.

Interessantes Feature bei den zwei Bildergalerien: Die laufen von selbst ab und werden durchgehend von Danny Boyle kommentiert.

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