2010


2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (USA, 1984)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 116 Minuten

Extras:
- Making of 2010: Die Odyssee geht weiter (9:20 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Peter Hyams

Hauptdarsteller:
Roy Scheider (Dr. Heywood R. Floyd)
Helen Mirren (Tanya Kirbuk)
John Lithgow (Dr. Walter Curnow)
Bob Balaban (Dr. R. Chandra)
Elya Baskin (Maxim Brajlovsky)




Story

Zur Vorgeschichte, siehe 2001 - Odyssee im Weltraum.

Dr. Heywood Floyd wurde zum Sündenbock für die gescheiterte Discovery-Mission erklärt und musste von seinem Posten als Chef des National Council for Astronautics zurücktreten. Obwohl er keine Schuld trägt, macht er sich jahrelang Vorwürfe. Die USA und die Sowjetunion rufen neue Raumfahrtprogramme zur Erforschung des Jupiter-Monolithen ins Leben. Außerdem soll das Schicksal der Discovery und ihres letzten Besatzungsmitglieds David Bowman geklärt werden. Zeit ist ein entscheidender Faktor, denn der Orbit der Discovery ist nicht stabil. Sie wird in einigen Monaten auf den Jupitermond Io stürzen. Die sowjetische Leonov wird ein Jahr vor dem amerikanischen Raumschiff fertiggestellt sein, würde aber zuviel Zeit bei der Inbetriebnahme des Discovery-Bordcomputers HAL 9000 verlieren. Außerdem ist die Discovery amerikanisches Territorium. Beide Weltmächte müssen also trotz der in den letzten Jahren gewachsenen Spannungen zusammenarbeiten. Floyd will persönlich an der Expedition teilnehmen, obwohl das bedeutet, dass er jahrelang von Frau und Kind getrennt sein wird. Er möchte unbedingt klären, was damals wirklich geschehen ist. Außerdem mit dabei sind Dr. Walter Curnow und Dr. R. Chandra. Ersterer kennt die Systeme der Discovery in- und auswendig, letzerer hat HAL 9000 erschaffen.

Die Amerikaner werden von ihren sowjetischen Kollegen erst kurz vor dem Ziel aus dem Kryoschlaf geweckt. Die Zusammenarbeit gestaltet sich zunächst schwierig, da Kommandantin Tanya Kirbuk größten Wert auf Geheimhaltung legt. Diese Situation verbessert sich nur langsam, doch schließlich entwickeln sich auch Freundschaften zwischen den Raumfahrern beider Staaten. Eine Sonde wird zum Jupitermond Europa geschickt, denn es wurden Daten gesammelt, die darauf schließen lassen, dass dort Leben existiert. Als sich die Sonde der entsprechenden Stelle nähert, wird sie durch einen Energiestoß vernichtet, der gleichzeitig alle von ihr gesendeten Daten löscht. Floyd hält das für eine Warnung. Trotzdem schickt Kirbuk das Besatzungsmitglied Maxim Brajlovsky zum Monolithen. Auch der Monolith ist verbotenes Gebiet; Brajlovsky fällt einem weiteren Energiestoß zum Opfer, weil er dem gigantischen Objekt zu nahe kommt. Curnow und Chandra reaktivieren die Systeme der Discovery einschließlich des möglicherweise gefährlichen Bordcomputers. Floyd installiert vorsorglich ein Gerät, mit dem er HALs Energieversorgung ferngesteuert unterbrechen kann, doch das erweist sich als unnötig. Chandra findet die Ursache für HALs Fehlfunktion. Der Sicherheitsrat hatte den Rechner ohne Floyds Wissen auf strikte Geheimhaltung programmiert, was wegen der entgegengesetzten Grundprogrammierung zu einem fatalen Konflikt geführt hatte. Mit HALs Hilfe kann die Discovery wieder vollständig in Betrieb genommen und in einen sicheren Orbit gebracht werden.

Nachrichten von der Erde treffen ein. Durch die Blockade Mittelamerikas ist der Konflikt zwischen USA und UdSSR soweit eskaliert, dass der Kriegszustand ausgerufen wurde. Die Amerikaner werden angewiesen, die Leonov zu verlassen. Sie ziehen sich in die Discovery zurück und dürfen keinen Kontakt mit ihren russischen Kameraden mehr aufnehmen. In dieser Situation erhält Floyd eine Botschaft der Entität, die einst Bowman war. Bowman nimmt körperliche Form an, damit Floyd ihm glaubt. Bowman kündigt ein wundervolles Ereignis an, ohne dies näher zu präzisieren, und spricht eine Warnung aus. Die Menschen müssen Jupiter in spätestens zwei Tagen verlassen. Floyd setzt sich über alle Befehle hinweg und sucht Kirbuk auf, die sich ebenfalls überzeugen lässt, da der Monolith plötzlich verschwindet. Die von Bowman gesetzte Frist ist zu kurz. Die Schiffe haben zu wenig Treibstoff, um die Erde zu diesem Zeitpunkt zu erreichen. Floyd schlägt vor, die Schiffe zu koppeln und die Discovery wie eine Boosterrakete zu nutzen, die dann abgestoßen und dabei möglicherweise zerstört wird. Chandra geht das Wagnis ein, HAL die Wahrheit zu sagen. HAL ist bereit, sich für die Menschen zu opfern. Auf der Oberfläche des Jupiter erscheint ein schnell wachsender schwarzer Fleck, der laut HALs Analyse bereits aus Millionen von identischen Monolithen besteht, welche die Dichte des Gasplaneten drastisch erhöhen. Während die Schiffe starten, schrumpft Jupiter immer schneller und wird zu einer kleinen Sonne, die Licht und Wärme für die Jupitermonde spendet. Der Untergang der Discovery steht unmittelbar bevor. Bowman bittet HAL, solange wie möglich folgende Botschaft zu senden:


"All diese Welten sind euer außer Europa. Versucht nicht, dort zu landen. Nutzt sie gemeinsam. Nutzt sie in Frieden."

Als die Machthaber der verfeindeten Staaten diese Botschaft vernehmen und die neue Sonne am Himmel sehen, schließen sie Frieden. Die Leonov kehrt sicher zur Erde zurück. Auf dem ehemals eisbedeckten Mond Europa entwickeln sich vielfältige Lebensformen. Mitten in einer vom Urwald umgebenen Sumpflandschaft steht ein schwarzer Monolith...


Kringels Meinung

"2010", die Fortsetzung des Klassikers 2001 - Odyssee im Weltraum ist selbst zum Klassiker geworden. Zu Recht, wie ich finde! Beide Filme basieren auf Romanen des Schriftstellers Arthur C. Clarke und geben den "Geist" dieser Romane gut wieder: Geradlinige, technikorientierte Science Fiction ohne übertriebene Action und mit einer positiven Zukunftsvision. Der Roman enthält einen Epilog, der im Film fehlt. Darin geht es um die intelligenten Bewohner des Mondes Europa, die sich Jahrtausende nach 2010 mit Hilfe des Monolithen entwickelt haben. Der Monolith verhindert außerdem, dass Menschen auf Europa landen oder den Himmelskörper genauer untersuchen.

Kinder, wie die Zeit vergeht, und wie sich die heutige Realität von dem unterscheidet, was vor 30 Jahren noch Science Fiction war! Damals war der Kalte Krieg zwischen USA und UdSSR ein großes Thema, in Ost und West wurde fleißig aufgerüstet, und während unsere größte Sorge heute darin besteht, dass unser Internetanschluss gestört sein könnte, so hatte man damals noch Angst vor einem Atomkrieg. Diesen Zeitgeist spürt man im Film "2010" - anders als im Roman übrigens - sehr deutlich. Die gemeinsame Jupitermission wird nicht etwa von den Regierungen initiiert, stattdessen müssen Privatpersonen intervenieren und keine der beiden Seiten will zugeben, auf die Hilfe der anderen angewiesen zu sein. In der Leonov muss sich Floyd erst mit der sowjetischen Crew zusammenraufen, das gegenseitige Misstrauen sitzt tief. Besonders Kirbuk (lest den Namen mal rückwärts!) zeigt ihm die kalte Schulter, seine beiden amerikanischen Kollegen werden zuerst gar nicht aus dem Kälteschlaf geweckt. Derweil verschlechtert sich die politische Weltlage immer weiter, bis die Mission zu scheitern droht. Roy Scheider bringt Floyds Frustration ebenso gut rüber wie Helen Mirren den inneren Konflikt der Wissenschaftlerin, die gleichzeitig militärische Interessen vertreten muss. John Lithgow und Elya Baskin bringen eine gewisse Bodenständigkeit ein. Die von ihnen gespielten Figuren interessieren sich nicht für weltanschauliche Querelen und werden zu guten Freunden. Natasha Shneider ist für das menschliche Element zuständig - die von ihr gespielte Kosmonautin betreibt quasi Entspannungspolitik, indem sie sich während eines riskanten Manövers schutzsuchend an Dr. Floyd kuschelt und ihm anschließlich ein Küsschen gibt. Welche Aufgaben sie ansonsten an Bord der Leonov hat, ist mir nie klar geworden.

"2010" mag nicht annähernd an Stanley Kubricks visionäres Meisterwerk heranreichen, ist aber eine würdige Fortsetzung, weil nicht versucht wurde, das große Vorbild zu imitieren oder gar zu übertreffen. Man sollte beide Filme besser nicht miteinander vergleichen; "2010" sollte als eigenständiges Werk akzeptiert werden. Es wird Wert auf Realismus gelegt, und so reist die Leonov nicht mal eben an einem Nachmittag zum Jupiter, stattdessen sind die Besatzungsmitglieder viele Monate lang von ihren Familien getrennt. In der Leonov wird künstliche Schwerkraft durch die Rotation von Rumpfelementen erzeugt. Außerdem muss das Schiff vor Ort eine Atmosphärenbremusung durchführen, und dieses Verfahren wird auch in der Realität eingesetzt - allerdings nur von unbemannten Sonden, soweit ich weiß. Der Film ist zugänglicher als "2001", was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass "2010" weit mehr Dialog und Handlung enthält. Die Tricktechnik fand ich damals erstklassig, sie wirkt immer noch größtenteils glaubwürdig. Somit ist "2010" zwar kein filmischer Monolith wie "2001", aber doch ein richtig guter SF-Film.


Blu-ray-Features

Das Making of ist leider viel zu kurz, aber trotzdem interessant. Arthur C. Clarke begrüßt den Zuschauer persönlich, dann werden Filmaufnahmen von den Dreharbeiten, dem Bau der Schiffe usw. sowie Interviews präsentiert. Besonders lustig: Roy Scheider muss x-mal eine Szene wiederholen, in der er einen Stift an eine transparente Scheibe heften soll (im Film sieht das so aus, als schwebe der Stift in der Luft), aber das widerspenstige Ding will einfach nicht haften bleiben. Als der Stift dann ausnahmsweise einmal nicht runterfällt, ist Scheider so baff, dass er prompt seinen Text vergisst! Großes Gelächter am Set...


J. Kreis, 15.10.2014




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