10 Cloverfield Lane


10 Cloverfield Lane (USA, 2016)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 104 Minuten

Extras:
- Audiokommentar von Regisseur Dan Trachtenberg und Produzent J.J. Abrams
- Auch Cloverfield (9:07 Min.)
- Bunkermentalität (3:48 Min.)
- In Deckung (1:44 Min.)
- Spin-off (3:52 Min.)
- Kelvin Optical (6:07 Min.)
- Feinabstimmung (6:42 Min.)
- Ende der Geschichte (3:19 Min.)

Regie:
Dan Trachtenberg

Hauptdarsteller:
Mary Elizabeth Winstead (Michelle)
John Goodman (Howard Stambler)
John Gallagher jr. (Emmett DeWitt)




Story

Die junge Schneiderin Michelle ist ihr Leben lang in schwierigen Situationen stets davongelaufen. So schnappt sie sich nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund ein paar Habseligkeiten und fährt in die Nacht hinaus. Im Autoradio ist von Stromausfällen in ganz Louisiana die Rede. Plötzlich wird Michelles Wagen gerammt, kommt von der Straße ab und überschlägt sich mehrmals. Michelle verliert das Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich in einem mit einer massiven Metalltür versperrten, kahlen und fensterlosen Raum. Sie ist leicht verletzt, trägt eine improvisierte Knieorthese und ist mit Handschellen an die Wand gekettet. Ein älterer Mann, der eine Waffe trägt und sich als Howard vorstellt, stellt ihr etwas zu essen hin. Michelle glaubt, Howard habe sie entführt, doch er behauptet, er habe ihr das Leben gerettet und sie in seinen Schutzbunker gebracht. Es sei zu einem Angriff mit atomaren oder chemischen Waffen gekommen. Aufgrund der Kontamination könne Michelle nicht nach draußen gehen und es sei niemand mehr am Leben. Howard gibt Michelle den Schlüssel für die Handschellen und lässt später sogar die Tür offen stehen. Michelle verlässt den Raum und begegnet einem weiteren "Gast" Howards namens Emmett DeWitt. Der junge Mann erzählt, dass er Howard, einem ehemaligen Satellitentechniker, beim Bau des Bunkers geholfen hat. Emmett bestätigt die Geschichte vom Angriff. Er hat einen gewaltigen roten Blitz am Horizont gesehen und sich in den Bunker gerettet. Howard führt Michelle zur Luftschleuse, damit sie durch das kleine Fenster zwei verstümmelte Schweinekadaver in Augenschein nehmen kann. Howard behauptet, das geschehe mit jedem Lebewesen, welches sich ungeschützt im Freien aufhalte.

Michelle bleibt skeptisch. Vor allem beabsichtigt sie nicht, jahrelang mit Howard und Emmett im Bunker zu bleiben. Sie stiehlt Howards Schlüsselbund und läuft zur Luftschleuse. Kurz bevor sie das Außentor öffnet, erscheint dort eine schwer entstellte Frau, die verzweifelt um Einlass bittet. Die Frau sagt, "es" habe sie nur kurz berührt. Als Michelle zögert, wird die Frau aggressiv und schlägt wild auf das Tor ein. Wenig später stirbt sie unter Qualen. Dieses Ereignis scheint Howards Behauptungen zu bestätigen. Howard gibt zu, Michelles Auto von der Straße abgedrängt zu haben, aber dabei habe es sich wirklich um einen Unfall gehandelt, da er panisch zum Bunker gerast sei. Wohl oder übel arrangiert sich Michelle mit der Situation. Wochen vergehen. Durch das Zusammenleben auf engstem Raum kommen sich die drei Menschen zwangsläufig näher. Howard verhält sich seltsam. Er sieht Michelle nicht als erwachsene Frau und betrachtet Emmett als Störfaktor. Eines Tages fällt die Luftaufbereitungsanlage aus. Michelle muss durch die engen Lüftungsschächte kriechen, um das Aggregat instandsetzen zu können. So gelangt sie zu einer per Vorhängeschloss gesicherten Ausstiegsluke. In das Sichtfenster der Luke hat jemand von innen das Wort "Hilfe" gekratzt. In dem Raum liegt ein blutbefleckter Ohrring. Es ist derselbe Ohrring, den ein Mädchen auf einem Bild trägt, das Howard Michelle gezeigt hat. Angeblich handelt es sich um seine Tochter. Als Michelle mit Emmett unter vier Augen darüber spricht, stellt sich heraus, dass auf dem Bild keineswegs Howards Tochter zu sehen ist, sondern ein Mädchen, das vor zwei Jahren spurlos verschwunden ist. Für Michelle steht fest, dass Howard das Mädchen als Tochterersatz gefangen gehalten hat, und dass diese Rolle jetzt ihr zugefallen ist.

Heimlich organisieren Michelle und Emmett Material und Werkzeug zur Herstellung eines Schutzanzuges, damit einer von ihnen den Bunker verlassen und Hilfe holen kann. Howard kommt ihnen auf die Schliche. Emmett nimmt die Schuld auf sich, verrät aber nichts. Howard erschießt Emmett - zu Michelles Schutz, wie er sagt. Michelle kann den Schutzanzug fertigstellen, aber auch das bleibt Howard nicht verborgen. Es gelingt Michelle, Howard außer Gefecht zu setzen und mit dem Schutzanzug aus dem Bunker zu fliehen. Im Bunker bricht Feuer aus und es kommt zu einer gewaltigen Explosion. Im Freien stellt Michelle fest, dass sie den Schutzanzug nicht braucht. Es befinden sich keine Giftgase oder ähnliches in der Luft. Doch Howard hatte zumindest teilweise Recht. Es hat wirklich ein Angriff stattgefunden, und zwar durch biomechanische außerirdische Kreaturen. Manche sind flugfähig und können Giftwolken versprühen. Eine dieser Kreaturen attackiert Michelle. Sie vernichtet das Wesen mit einem improvisierten Molotowcocktail. Das vor dem Bunkereingang stehende Auto der toten Frau ist fahrbereit, den Schlüssel findet Michelle bei der Leiche. Über das Autoradio empfängt sie eine Funkbotschaft. Wer über Kampferfahrung verfügt oder medizinische Kenntnisse hat, soll sich bei den Widerstandskämpfern in Houston melden. Außerdem ist davon die Rede, dass die Küste bei Baton Rouge zurückerobert werden konnte. Michelle könnte sich dort in Sicherheit bringen, doch sie fährt nach Houston.


Kringels Meinung

Dies ist keine Fortsetzung des Films Cloverfield, auch wenn der Titel entsprechende Vermutungen weckt. Allerdings sagt Produzent J.J. Abrams in einer der zum Bonusmaterial der Blu-ray gehörenden Featurettes sinngemäß, dass die beiden Filme miteinander verwandt sind. Das stimmt einerseits, wenn man den letzten Akt von "10 Cloverfield Lane" berücksichtigt, andererseits könnten die Filme unterschiedlicher nicht sein. "Cloverfield" ist durch permanente Hektik, Desorientierung und totales Chaos geprägt, genial vermittelt durch die nie ruhende Wackelkamera. Eine ganze Stadt wird in Trümmer gelegt. "10 Cloverfield Lane" dagegen ist bis kurz vor Schluss ein viel ruhiger (und ohne Wackelkamera) inszeniertes, geradezu minimalistisches, jedoch nicht minder spannendes Kammerspiel. Schließlich findet fast alles in der Enge der aus wenigen nicht besonders großen Räumen bestehenden Bunkeranlage statt. Die Räume sind wohnlich eingerichtet, trotzdem entsteht eine unbehagliche Atmosphäre des Eingesperrtseins. In dieser Phase können die Schauspieler - vor allem John Goodman - ihre Stärken voll ausspielen. Im Grunde hätte es des letzten Aktes gar nicht bedurft, das heißt, der Film hätte auch dann bestens funktioniert, wenn er mit Michelles Flucht aus dem Bunker beendet gewesen wäre.

Die Story konzentriert sich ganz auf Michelle bzw. wird quasi aus ihrem Blickwinkel erzählt; der Zuschauer sieht nicht mehr als diese Figur. Ebenso wie sie weiß man zunächst nicht, wer dieser Typ eigentlich ist, der behauptet, er habe Michelles Leben gerettet. Ein psychopathischer Entführer? Ein Paranoider, der wirklich glaubt, außerhalb des Bunkers sei kein Leben mehr möglich? Oder ein im Grunde ganz netter Kerl, der nur unter dem Verlust seiner Familie leidet? Es werden Hinweise gegeben, die man so oder so interpretieren kann. Irgendwann steht fest, dass sich in der Außenwelt wirklich irgendeine Katastrophe ereignet haben muss. Dadurch wird Michelles Situation aber nicht besser, denn gleichzeitig wird immer deutlicher, dass bei Howard mehr als nur eine Schraube locker ist. Somit lauert draußen eine tödliche Gefahr auf Michelle und drinnen hat sie es mit einem Wahnsinnigen zu tun, der womöglich schon einmal eine junge Frau entführt und getötet hat. John Goodman verleiht dieser Figur eine unterschwellige Bedrohlichkeit, die umso beeindruckender ist, als sich Howard meist durchaus umgänglich gibt. Etwas brummig, dominant und überprotektiv vielleicht, aber auch witzig und fürsorglich. Doch Goodman kann von einer Sekunde auf die andere "umschalten". Plötzlich spricht aus Howards Blick dann nur noch der Irrsinn.

Gegen Goodman kann John Gallagher jr. nicht anstinken, zumal seine Rolle so angelegt ist, dass er ein Element der Normalität in den Bunkeralltag hineinbringt. Mary Elizabeth Winstead dagegen kann auftrumpfen, denn Michelle lässt sich nicht in die Opferrolle drängen. Im Gegenteil! Von Anfang an sucht sie nach Auswegen und nutzt jedes noch so ungewöhnliche Hilfsmittel derart trickreich, dass man meinen könnte, sie wäre bei MacGyver in die Lehre gegangen! Am Ende wird sie sogar zur schlagkräftigen Einzelkämpferin. Beim Erscheinen der außerirdischen Kreaturen ist mir folgender Satz durch den Kopf geschossen: "Ich bin paranoid. Na und? Das heißt noch lange nicht, dass es keine außerirdischen Tentakelmonster gibt, die uns alle fressen wollen!" Die Existenz dieser Kreaturen wirkt für meinen Geschmack ein wenig arg konstruiert, der Wechsel zur Alien-Action ist mir etwas zu abrupt vorgekommen. Dennoch hätte ich auf diesen Schluss nicht verzichten wollen. Zunächst einmal haben die Aliens ein wirklich interessantes Design. Lebende Bestandteile und Maschinen scheinen untrennbar miteinander verschmolzen zu sein. Eine riesige Flugmaschine mit Tentakeln und organischem Unterboden, in dem ein gierig schmatzendes Maul klafft? Auf so eine Idee muss man erst mal kommen. Die entsprechenden CGI-Effekte sind sehr überzeugend. Außerdem finde ich Michelles Entwicklung gut. Am Ende läuft sie nicht mehr davon, sondern stellt sich der Herausforderung.

"10 Cloverfield Lane" ist ein fesselnder Psychothriller mit tollen Schauspielern, der am Ende zu astreiner Science Fiction mutiert. Manche Zuschauer könnten das irritierend finden. Mir hat's gefallen.


Blu-ray-Features

Die sieben Featurettes haben eine "Alles abspielen"-Funktion, und das ist gut so, denn sie gehören eigentlich zusammen und ermöglichen trotz aller Kürze insgesamt einen ganz guten Einblick in den Entstehungsprozess. Insbesondere kann man sehen, mit wieviel Liebe zum Detail der Bunker gebaut wurde. Es handelt sich um ein Bühnenbild in Originalgröße, welches in der Featurette "Bunkermentalität" auch mal von außen zu sehen ist. Ansonsten wird nicht allzuviel Hinter-den-Szenen-Material gezeigt und die Interviews erschöpfen sich größtenteils in der Nacherzählung der Handlung.


J. Kreis, 09.03.2017




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