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Dies ist der zweite Teil einer Übersicht aller Bücher in der Reihenfolge, in der ich sie seit August 2002 gelesen habe. Jedes Buch erhält eine laufende Nummer, die "ältesten" Bücher stehen unten.

1. Teil - Nr. 1 bis 50
3. Teil - Nr. 101 bis 150
4. Teil - Nr. 151 bis 200
5. Teil - Nr. 201 bis 250
6. Teil - Nr. 251 bis 300



100
wk2 Mathias Färber: Zweiter Weltkrieg in Bildern
Otus Verlag 2003
528 Seiten, gebunden

Es ist immer ein Glücksspiel, wenn man ein verbilligtes Buch, das man nicht kennt, von irgendeinem Wühltisch kauft. So ist es mir auch mit diesem Buch ergangen. Okay – der fette Band enthält eine Vielzahl von Bildern (manche in Farbe) über den zweiten Weltkrieg, die teilweise sehr beeindruckend sind. Manche haben aber auch eine erbärmlich schlechte Qualität oder sind nachbearbeitet, wie man deutlich erkennen kann. Der gesamte Kriegsverlauf wird in mehreren Kapiteln und anhand von strategischen Karten nachskizziert, abgeschlossen wird das Buch durch eine Zeittafel und ein Stichwortverzeichnis. Es ist sogar der Inhalt einer Befragung des Admirals Dönitz vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal abgedruckt.

Das klingt alles ganz interessant und ist soweit auch in Ordnung. Aber bekanntlich ist es der Ton, der die Musik macht, und in dieser Beziehung enthält das Buch doch einige Missklänge. So wird immer wieder versucht, das Bild von der "sauberen Wehrmacht" zu vermitteln und es wird wiederholt betont, die Soldaten (und dazu gehören auch die höchsten Offiziere und Generale) hätten "nur" Befehle ausgeführt. Dass dieses Bild so nicht stimmt, dürfte aber wohl jedem bekannt sein. Darüber hinaus finden sich sogar heroisierende, idealisierende Passagen, die den Eindruck erwecken, dass der Autor den Krieg an sich für eine ganz gute Sache hält und nur mit dem Verlauf nicht so zufrieden war. Dass z.B. Rommel als makelloser, genialer Feldherren-Held dargestellt wird, ist da natürlich kein Wunder… Manchmal vergreift der Autor sich ziemlich in seinen Formulierungen, sie sind zu militaristisch und zu einseitig. Fast erhält man den Eindruck, das Dritte Reich sei nur ein armes Opfer gewesen, das von seinen Feinden am Ende unnötigerweise erbarmungslos zertreten worden sei. Über die alliierten Bombenangriffe in der Endphase des Krieges kann man natürlich geteilter Meinung sein. In manchen Passagen dieses Buches wird unterstellt, es habe sich nur um sinnlose Racheakte gehandelt.

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99
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J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings
HarperCollins 1991
1145 Seiten, Hardcover

Seit Sauron, der Dunkle Herrscher, vom letzten Bündnis der Elben und Menschen niedergeworfen wurde, herrscht Friede in Mittelerde. Doch die Ruhe ist trügerisch, denn der Eine Ring, der Meisterring, mit dem alle anderen Ringe der Macht beherrscht werden können und mit dessen Hilfe Sauron alle freien Völker Mittelerdes versklaven könnte, wurde in der Entscheidungsschlacht nicht vernichtet. Der Ring war nur verschollen und fast in Vergessenheit geraten. Doch Sauron beginnt in seinem Land Mordor wieder zu erstarken, denn nach vielen Jahrhunderten wurde der Ring wieder gefunden. Ausgerechnet einem Hobbit aus dem Auenland ist er in die Hände gefallen. Gandalf, der weise alte Zauberer, erkennt die Gefahr, die durch den Ring entsteht. Die Konsequenz ist klar: Der Ring muss vernichtet werden. Doch es gibt nur einen Ort, wo das getan werden kann: In den feurigen Klüften des Schicksalsberges – und der liegt im Herzen von Saurons Reich. So macht sich eine Gemeinschaft von neun Gefährten auf, den Ring mitten ins Land des Feindes zu tragen. Sauron hat jedoch seine Spione überall, und so werden die Gefährten schon bald verfolgt. Und es gibt Verräter in ihren eigenen Reihen…

Ich weiß nicht, wie oft ich "Der Herr der Ringe" schon gelesen habe – bisher allerdings immer in der deutschen Übersetzung von Margret Carroux. Jetzt endlich habe ich mich einmal an das englische Original herangewagt. Ich muss sagen, dass es auch für jemanden wie mich, dessen Schul-Englisch schon seit vielen Jahren immer mehr verstaubt, erstaunlich leicht lesbar ist. Was allerdings eben auch daran liegen kann, dass ich die deutsche Version schon so oft gelesen habe, dass ich manche Passagen bereits auswendig kann… Ganz ohne Wörterbuch geht es aber nicht, und da hilft mir mein C-Pen, eine Art Mini-Scanner für die Hosentasche mit integrierter Übersetzungsfunktion (sehr zu empfehlen, das Gerät, aber nicht ganz billig). Interessanter Effekt, wenn man ein Buch in einer anderen Sprache liest: Man liest langsamer und, weil man sich besser auf den Text konzentrieren muss, intensiver. So entdeckt man die Geschichte doch nochmal ganz neu und nimmt vieles wahr, was man bei der Lektüre in der Muttersprache überlesen würde. Liest man "Der Herr der Ringe" im Original, dann merkt man viel deutlicher, wie viel Wert Tolkien auf die Sprache gelegt hat. Meiner Meinung nach wird übrigens in der alten Carroux-Übersetzung viel besser auf diese sprachlichen Eigenheiten eingegangen als in der "modernisierten" Version der Krege-Übersetzung.

Die dreibändige Ausgabe von HarperCollins, die ich gelesen habe, ist sehr schön gestaltet. Jeder Band hat einen anderen Schutzumschlag mit Titelbildern, die von Tolkien selbst gezeichnet worden sind. Wie es sich gehört, sind in Band 3 auch sämtliche Anhänge enthalten. Einziger Wermutstropfen: Die Landkarten haben nicht das große Format wie in den deutschen Ausgaben. Sie wurden jeweils auf eine Buchseite gequetscht, so dass manche Ortsnamen kaum noch lesbar sind. Und das, obwohl alle Karten für diese Ausgabe neu gezeichnet wurden.

"Der Herr der Ringe" im englischen Original zu lesen, bedeutet: Den Roman nochmal ganz neu zu entdecken...

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98
stern_fuer_leser Horst Stern: Stern für Leser. Tiere und Landschaften
dtv 1975
200 Seiten

Dieses nur noch antiquarisch erhältliche Buch enthält Texte, die Horst Stern in den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren für die Zeitschrift KOSMOS verfasst hat sowie Texte von Rundfunkvorträgen. "Stern für Leser" heißt das Buch vermutlich deshalb, weil in der Zeit seines Erscheinens nicht jedermann gewusst hat, dass Horst Stern auch einmal als Autor tätig gewesen ist – damals war er hauptsächlich durch die TV-Sendung „Sterns Stunde“ bekannt geworden. Durch das Buch sollten den Leuten Sterns frühe Tierfeuilletons bis hin zu den (damals) aktuellen Landschaftsbetrachtungen nähergebracht werden. Obwohl Horst Stern in einigen dieser Beiträge noch dazu neigte, manche Verhaltensweisen von Tieren zu "vermenschlichen" – später hat er das immer verurteilt – so sind seine Betrachtungen nie verniedlichend oder sentimental, sondern sachlich und gut recherchiert. Es geht in dem Buch u.a. um verschiedene Vogelarten, Insekten, die Lüneburger Heide, das Hochmoor und die Antarktis. Die Hackordnung von Hühnern auf einem Hof wird ebenso beschrieben wie das Jagdverhalten von Raubtieren oder die Revierkämpfe von Hirschen. Informativ und gut lesbar, denn immer wieder blitzt der trockene ironisch-sarkastische Humor auf, der für Horst Stern so typisch ist.

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97
Ilium Dan Simmons: Ilium
Heyne 2004
828 Seiten

Dr. phil. Thomas Hockenberry, Homer-Experte, ist eigentlich tot. Gestorben in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts. Er wurde jedoch von Zeus und den Göttern des Olymp aus DNA-Resten rekonstruiert und soll nun im Auftrag der Muse Melete mit anderen re-animierten "Scholikern" als Kriegsberichterstatter in Troja (Ilium) arbeiten – und zwar zur Zeit des von König Agamemnon geführten Angriffs der Griechen! Seltsam nur, dass die Götter nicht auf dem Berg Olymp in Griechenland residieren, sondern auf dem Olympus Mons auf dem Mars, und dass sie Hockenberry und seine Kollegen mit allerlei High-Tech-Hilfsmitteln ausstatten, mit denen die Scholiker sich unerkannt und ungefährdet unter die griechischen und trojanischen Helden mischen können. Noch seltsamer ist der geheime Auftrag, den Hockenberry nach neun Jahren von der Göttin Aphrodite erhält: Er soll die Göttin Athene töten! Dies ist das erste Glied in einer Kette erstaunlicher Ereignisse, die schließlich dazu führen, dass die Geschichte des trojanischen Krieges einen völlig anderen Verlauf nimmt, als die Ilias berichtet, so dass Hektor und Achilles, die sich eigentlich gegenseitig niedermetzeln sollten, gemeinsam gegen die Götter zu Felde ziehen…

In einer anderen Zeit, Jahrtausende nach dem trojanischen Krieg, nehmen die auf den Jupitermonden "lebenden" Moravecs – intelligente, empfindungsfähige, friedfertige Cyborgs – gefährliche Quantenaktivitäten auf dem Mars wahr und schicken eine Expedition dorthin, die schon gleich zu Anfang beinahe scheitert. Nur Mahnmut, ein kleiner U-Boot-Kapitän mit einer Vorliebe für Shakespeare-Sonette und Orphu von Io, ein riesiger Hochvakuum-Moravec und Proust-Fan, überleben das Desaster. Sie müssen sich allein auf dem Mars durchschlagen, wo sie den KGMs (Kleine Grüne Männchen) begegnen und es nur zu bald mit dem Gott Zeus und seiner Sippschaft zu tun bekommen. Auf der Erde leben derweil nur noch ein paar hunderttausend Menschen, rundum betreut und somit dumm gehalten von Servitor-Robotern. Diese letzten "Altmenschen" können nicht lesen, haben keine Ahnung von ihrer eigenen Vergangenheit und sind auf den Schutz der geheimnisvollen Voynixe angewiesen, denn die wieder dicht gewordenen Wälder der Erde sind bevölkert von genetisch rekonstruierten Sauriern und anderen prähistorischen Wesen. Man pflegt eine hedonistische, sorglose Lebensweise. Selbst der Tod hat seinen Schrecken verloren, denn selbst tödliche Verletzungen werden umgehend in der "Klinik" repariert, allerdings kann niemand älter werden als genau 100 Jahre. Eher zufällig begibt eine Handvoll dieser dekadenten Leute sich auf eine Odyssee, die sie bis hinauf in die orbitalen Habitate der längst verschwundenen "Nachmenschen" führen wird…

Ein Wort vorab: "Ilium" ist der erste von zwei Teilen, der zweite Roman "Olympos", wird vermutlich erst 2005 erscheinen. Man klappt deshalb das Buch nach einem furiosen Höhepunkt ein wenig unzufrieden zu, denn es bleiben viele Fragen offen – und zwar solche, die sich dem Leser gleich von Anfang an stellen. Einiges von der Verunsicherung, die man in den ersten 150 Seiten des Romans verspürt, legt sich allerdings mit der Zeit, denn Simmons streut immer wieder ein paar Informationshäppchen aus, die man selbst zu einem Puzzle zusammensetzen muss. Zu Anfang versteht man erst einmal überhaupt nicht worum es geht, und wird von all den Namen griechischer und trojanischer Helden, die fast in einem Atemzug mit zunächst unverständlichen (teils fast schon in "Technobabble" ausartenden) Science-Fiction-Begriffen genannt werden, beinahe erschlagen. Nach und nach klärt sich das Bild, man durchschaut das fiktive Universum ein wenig besser und kommt gut in die Story "hinein". Die kommt dann so richtig in Gang, man wird gefesselt, möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen – und schon ist es wie gesagt ziemlich abrupt zu Ende. Leser, die in der SF im allgemeinen und im Werk von Simmons im besonderen nicht so bewandert sind, werden sich dann immer noch fragen, was die vielen Begriffe eigentlich zu bedeuten haben, die Simmons ihnen ohne jegliche Erklärung an den Kopf geworfen hat. Vor allem aber bleibt bis zuletzt unklar, welche Ereignisse in der Vergangenheit zu den Verhältnissen geführt haben, mit denen Hockenberry, die Moravecs und die Altmenschen sich jetzt herumschlagen müssen.

Simmons spielt geschickt mit Homers Ilias, die man eigentlich in Form der Gesänge (also nicht als Prosa-Heldensage) gelesen haben müsste, um die Anspielungen und Veränderungen richtig verstehen zu können. Das gilt auch für den Sprachstil – wenn die griechischen Helden z.B. einen Satz so anfangen, wie ihn Homer geschrieben haben könnte, dann aber gleich wieder in moderne Umgangssprache abgleiten, dann kann man die Komik dieser Gegensätze nur richtig würdigen, wenn man die Ilias kennt.

Ohne Zweifel ist "Ilium" SF auf hohem Niveau. Nach ein paar vielleicht etwas zu lang geratenen Ausführungen über die Ilias, Shakespeare und Proust ist der Roman extrem unterhaltsam, spannend und teils sogar recht derb (in den Kampfszenen) bzw. horrorlastig. Wenn nun noch im zweiten Band alle offenen Fäden logisch verknüpft werden, würde ich mich fast dazu hinreißen lassen, von einem Meisterwerk zu sprechen.

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96
dune_children Frank Herbert: Children of Dune
Heyne 2003
956 Seiten, 17 Farbfotos aus dem TV-Dreiteiler

Dieser Band enthält die Romane "Der Herr des Wüstenplaneten" und "Die Kinder des Wüstenplaneten" und wurde anlässlich der deutschen Erstausstrahlung einer TV-Miniserie aufgelegt, mit der diese beiden Romane verfilmt wurden. Ich hatte das Buch als zweite Urlaubslektüre auf Santorini dabei.

"Der Herr des Wüstenplaneten" beginnt 12 Jahre nach dem Kampf von Paul Muad'dib gegen den Imperator Shaddam IV. Der von Paul entfesselte Djihad der Fremen hat längst eine schreckliche Eigendynamik entwickelt. Ganze Planeten werden im Namen Muad'dibs entvölkert, ohne dass Paul imstande wäre, dem Kampf Einhalt zu gebieten. Eine Verschwörung, die von den Machtgruppen der Raumgilde, der Tleilaxu und der Bene Gesserit ins Leben gerufen wurde, soll Paul beseitigen und die Herrschaft der Atreides brechen. Paul muss sich nicht nur seinen zahlreichen Widersachern stellen, sondern vor allem auch seinen Visionen, die ihn mit Bildern der scheinbar unveränderlich feststehenden Zukunft quälen, zu der auch Chanis früher Tod gehört.

In "Die Kinder des Wüstenplaneten" ist Paul in die Wüste gegangen, aber an der Stoßkraft seiner Religion und der Legenden, die sich um seine Person ranken, hat sich kaum etwas geändert. Die Macht im Imperium wird von der Priesterkaste ausgeübt – und von Pauls Schwester Alia, die zu einer Besessenen wird, als sie der Inneren Stimme ihres Großvaters erliegt: Des Barons Wladimir Harkonnen. Die Intrigen im Imperium, maßgeblich beeinflusst von Prinzessin Irulans Schwester Wensicia, die ihren Sohn Farad'n gern auf dem Löwenthron sehen würde, konzentrieren sich in dieser Zeit auf Pauls Kinder Ghanima und Leto II. Beide sind "Vorgeborene", d.h. sie sind schon im Mutterleib zu vollem Bewusstsein gelangt und vereinen in sich das Wissen all ihrer Vorfahren. Um den Ränken der Regentin Alia zu entgehen, entwickeln die Kinder einen eigenen Plan. Leto fällt scheinbar einem Anschlag zum Opfer, überlebt aber in der Wüste und verwandelt sich dort zu etwas, das die menschliche Vorstellungskraft sprengt…

Alle Romane aus dem Zyklus um den Wüstenplaneten zeichnen sich durch eine ausgesprochene Handlungsarmut aus, jedenfalls dürfte jeder enttäuscht sein, der nach dem zweifelhaften Genuss der TV-Serie einen Actionroman erwartet hatte. In den Büchern stehen das wortreiche Intrigenspiel der verschiedenen Interessengruppen sowie die ökologische Entwicklung des Wüstenplaneten und seiner Bewohner im Vordergrund. Viel Wert wird auf die Schilderung der Kultur der Fremen gelegt, viel Text wird leider aber auch auf langatmiges Wortgeplänkel verschwendet. Dennoch gehört der insgesamt sechs Bände umfassende, unvollendete Zyklus zu den absoluten Klassikern des SF-Genres.

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95
elling1 Ingvar Ambjörnsen: Ausblick auf das Paradies
Piper Verlag 2003
208 Seiten

Über dreißig Jahre lang hat Elling zusammen mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung in Oslo gelebt. Es wäre übertrieben, ihn als geistig zurückgeblieben zu bezeichnen, aber so richtig "normal" ist er auch nicht. Zwangsvorstellungen beherrschen sein tägliches Leben, aber die hat er ganz gut im Griff. Nur seine Sammlung mit Bildern und Zeitungsausschnitten von Gro Harlem Brundtland, der von ihm vergötterten Ministerpräsidentin Norwegens, könnte Außenstehende auf den Gedanken bringen, dass er etwas verrückt ist. Als Ellings Mutter stirbt, bricht der so perfekt geregelte Tagesablauf zusammen und die Verrücktheit tritt in den Vordergrund. Elling baut sich eine Art "Überwachungszentrale" auf, von der aus er die Menschen im gegenüberliegenden Wohnblock mit einem Teleskop beobachten kann. Als Spanner würde er sich selbst aber niemals bezeichnen, es geht ihm um "Kontrolle". Jede noch so geringfügige Handlung der Leute, denen er niemals persönlich begegnet, jede Geste und jede Bewegung setzt in Ellings Kopf eine wahre Flut von Ideen und Spekulationen über ihr Leben, ihre Vergangenheit und ihre Gedanken in Gang. So konstruiert er sich eine eigene Welt, die er quasi beherrscht, während sein eigenes Leben aus den Fugen gerät. Seine kleine Rente reicht nämlich nicht aus, die Raten für die längst noch nicht abbezahlte Wohnung aufzubringen…

Auf dieses erste Buch einer Quadrilogie über den verschrobenen Einzelgänger mit Hang zu Wahnvorstellungen bin ich durch den Film "Elling" aufmerksam geworden. Ich hatte es als Urlaubslektüre auf Santorini 2004 dabei. Das Buch erzählt sozusagen die Vorgeschichte zu diesem Film und es ist wie dieser amüsant ohne witzig sein zu wollen. Ellings "Verrücktheit" wird so feinfühlig geschildert, dass man immer Respekt vor ihm hat. Ellings Gedankengebäude und seine weltfremd-altklugen Kommentare und Ansichten zu allem und jedem sind zwar gewissermaßen logisch (wenn auch ziemlich verquer), sie werden aber in etwas allzu epischer Breite ausgearbeitet, um auf die Dauer noch unterhaltend zu sein. Dennoch ein faszinierendes Buch – wenn ich auch die zahlreichen Anspielungen auf alltägliche Ereignisse Norwegens nicht immer verstanden habe.

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94
roadworks Richard Bachman: Sprengstoff
Heyne 1996
344 Seiten

1973, das Jahr der ersten Energiekrise. Barton Dawes, Geschäftsführer einer Wäscherei, steht vor den Trümmern seiner Existenz. Wegen eines Autobahnbaus soll er wie alle Nachbarn sein Haus verlassen, in dem er zwanzig Jahre seines Lebens verbracht hat. Es soll ebenso abgerissen werden wie das Wäschereigebäude. Das alles wäre vielleicht noch nicht so tragisch, aber Dawes hat vor wenigen Jahren seinen kleinen Sohn verloren, das Kind hatte einen Gehirntumor. Dieses Ereignis hat er nie verwunden. Dass man ihn aus seinem gewohnten Leben herausreißen will, dass er alles aufgeben soll, was er sich aufgebaut hat, um in einer völlig fremden Umgebung neu anzufangen, empfindet Dawes jetzt als gezielten Angriff auf ihn persönlich. Er gleitet immer mehr in den Wahnsinn ab. Gezielt vereitelt er den Verkauf des Wäschereigebäudes und verliert deswegen seinen Job. Seine Frau verlässt ihn. Immer öfter springt in seinem Verstand eine Sicherung heraus. Er kauft Waffen und Sprengstoff mit der Abfindung, die er für das Haus erhält, betrinkt sich, nimmt Kontakt mit der Unterwelt auf. Sein Plan, die verhasste Autobahn zu zerstören, wird mehr und mehr zu einem Akt der Selbstvernichtung…

Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass Richard Bachman nur ein Pseudonym für Stephen King ist, oder? Und das merkt man bei der Lektüre auch recht deutlich, denn das Buch ist fesselnd wie die besten King-Romane. Kaum jemand vermag so überzeugend wie King die seltsamen Irrwege, die ein kranker Geist einschlägt, zu schildern, ohne den "Helden" dabei als komplett durchgeknallten Psychopathen abzustempeln. Obwohl man die Beweggründe für Bartons finalen Showdown nicht wirklich in Worte fassen könnte, versteht man sie doch bis zu einem gewissen Punkt.

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93
krabat Otfried Preußler: Krabat
Thienemann 1981
256 Seiten, gebunden

Die Geschichte spielt zu Beginn des 18. Jahrhunderts, vermutlich vor 1706. Krabat, ein Junge von 14 Jahren, streunt heimatlos durch das Wendland und wird durch einen seltsamen Traum zur geheimnisvollen Mühle am Schwarzen Wasser gerufen. Dort verdingt er sich als Lehrjunge und muß zusammen mit elf Gesellen für einen Müller schuften, der mehr ist, als Krabat zunächst ahnt. Nach und nach merkt Krabat, dass in der Mühle nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Eines Tages wird er schließlich eingeweiht: Der Müller ist ein böser Zauberer, der mit dem Teufel, für den er in Neumondnächten menschliche Zähne und Knochen im "toten Gang" mahlt, im Bunde ist. Der Meister unterrichtet seine Gesellen in der Zauberkunst, doch keiner der Müllerburschen kann die Mühle ohne Erlaubnis des Meisters verlassen – noch nicht einmal durch Selbstmord. Denn wer auf der Mühle stirbt, bestimmt ganz allein der Meister: Jedes Jahr muß einer der Gesellen sterben, damit der Teufel nicht den Meister selbst holt. Es scheint kein Entkommen aus der Mühle im Koselbruch zu geben, doch eines Tages verliebt Krabat sich in ein junges Mädchen aus dem Nachbardorf. Sie allein könnte ihn aus den Klauen des Magiers befreien, doch sie müsste eine tödliche Prüfung bestehen – und der Meister hat noch so manchen Trick auf Lager…

Im Alter von vielleicht 10 Jahren habe ich den gleichnamigen Zeichentrickfilm gesehen, der nach diesem Buch gedreht wurde. Da kannte ich das Buch noch nicht. Der Film hat mich damals tief beeindruckt – vor allem der teuflische Meister mit seinen klauenartigen Händen und dem gespaltenen Gesicht... das war trotz oder vielleicht gerade wegen des altmodischen Trickfilmstils so richtig unheimlich, düster und spannend. Diese unglaublich gruselige, bedrohliche Atmosphäre kommt in Preußlers Buch zwar auch ganz überzeugend rüber, aber nicht so konzentriert und "dicht", wie ich es vom Film in Erinnerung habe. Was aber auch daran liegen kann, dass ich jetzt 27 Jahre älter bin ;-)

Im Grunde handelt das Buch vom Erwachsenwerden. Krabat wandelt sich von einem Knaben, dem die Sicherheit des reglementierten Daseins in der Mühle trotz schwerer Arbeit ganz angenehm ist, zu einem selbständig denkenden Mann, der sich auch vom bequemen Leben eines Zauberlehrlings nicht mehr verführen lässt, sondern den Weg der Ehrlichkeit wählt.

Man kann das Buch in wenigen Stunden durchlesen – allerdings wird man es nicht mehr aus der Hand legen wollen, denn es ist geradezu faszinierend, auch für Erwachsene. Oder: Gerade für Erwachsene. Denn Kinder können die zugrunde liegende Thematik vielleicht gar nicht so recht begreifen und werden vielleicht auch mit der Liebesgeschichte zwischen Krabat und der Kantorka nicht so viel anfangen können.

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92
haffner Sebastian Haffner: Geschichte eines Deutschen
dtv 2000
304 Seiten

Sebastian Haffner berichtet über seine Erinnerungen der Jahre 1914 bis 1933. Ein Geschichtsbuch wie jedes andere also oder nur eine weitere von vielen Autobiographien? Mitnichten. Eine der Besonderheiten dieses Buchs besteht darin, dass Haffner versucht, die Entstehung des Dritten Reichs aus dem Blickwinkel eines Durchschnittsmenschen – der er eigentlich aber gar nicht ist bzw. war – oder jedenfalls eines Privatmanns zu schildern. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass er das Buch kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs geschrieben hat. Er blickt also auf eine Zeit zurück, die für uns heute untrennbar mit den Jahren verbunden ist, in der das Buch entstanden ist und in denen Haffner noch nicht ahnen konnte, wie sich alles weiter entwickeln würde. Haffner schreibt selbst, dass die meisten historischen Werke nur die Eckdaten der Geschichte wiedergeben, nicht die Geschichte selbst. Er versucht daher zu verdeutlichen, wie ein "normaler" Mensch die aus heutiger Sicht eigentlich unglaublichen Umwälzungen in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg bis zu den ersten Folgen der Naziherrschaft wahrgenommen hat. Er versucht darzulegen, wie es überhaupt dazu kommen konnte gemäß der Frage: "Wo sind eigentlich die ganzen Deutschen geblieben?" – d.h. warum hatten die anfänglich allgemein belächelten oder gar verabscheuten Nazis derart überwältigende Erfolge? Für Haffner selbst war es eine Art privates Duell mit dem neuen Regime, in dem es ihm hauptsächlich um die Bewahrung seiner Persönlichkeit und seiner Ehre ging.

Das Buch ist unvollständig, eigentlich wollte Haffner die weiteren Ereignisse bis zu seiner Emigration nach England schildern. Schade, dass es nicht dazu gekommen ist, denn das Buch ist fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite, manchmal liest es sich fast wie ein Roman. Und wenn man feststellt, dass die eigene indifferente Stellung – wenn nicht Gleichgültigkeit – zu aktuellen Ereignissen der (Welt-)Politik sich gar nicht so sehr von der Geisteshaltung der Leute damals unterscheidet, dann fragt man seine Eltern vielleicht nicht mehr so selbstgefällig: "Wie konntet ihr das nur zulassen?" Man glaubt ihnen aber auch nicht mehr, wenn sie darauf antworten: "Wir haben von nichts gewusst".

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91
hdr_rotk Gary Russell: Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks
Klett-Cotta 2004
224 Seiten, gebunden, zahlreiche Abbildungen

Die in diesem Bildband zusammengestellten ca. 600 exklusive Gemälde, Konzeptskizzen, Kostümentwürfe, Standfotos und Modelle mit Erläuterungen der jeweiligen Künstler verdeutlichen den Entwicklungsprozess, den die wichtigsten Schauplätze des Films, die Kostüme usw. durchgemacht haben. Das Buch ist nach den Schauplätzen des Films gegliedert, d.h. es folgt nicht der Handlung. Viele Gemälde sind nur grobe Entwürfe, die einen allgemeinen Eindruck von den Lichtverhältnissen einer Szene geben sollen, andere sind rasch ausgeführte Bleistiftskizzen. Fotos aus dem Film oder Standfotos der Schauspieler findet man nur vereinzelt. Neben Entwürfen, die es letztlich nicht bis in den Film geschafft haben sieht man auch einiges, was zwar nicht in der Kinoversion, wohl aber in der verlängerten DVD-Version des Films gezeigt wird. Ein Nachwort von Peter Jackson, in dem er die Arbeit der vielen am Film beteiligten Künstler würdigt, schließt das letzte Buch aus dieser Reihe ab.

Wie schon bei den beiden früheren Büchern dieser Reihe eignet sich dieses Werk nicht für Leute, die gerne ein echtes "Making of" oder einen Bildband mit schönen Filmszenen zur Erinnerung an die Trilogie haben möchten. Das Buch ist nur etwas für Leute, die sehen wollen, über welche Zwischenstufen das Aussehen der Kulissen, der Kostüme und der Figuren allmählich entwickelt wurde und wie das alles auch hätte aussehen können, wenn man sich für einen anderen Entwurf entschieden hätte. Da es insgesamt nur sehr wenig Text enthält, hat man es ziemlich schnell durchgeblättert…

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90
glasfalle Herbert W. Franke: Die Glasfalle
Goldmann 1964
185 Seiten

Nach dem 3. Weltkrieg ist die Erde unbewohnbar geworden: Durch die Zündung einer Superbombe wurde alles Wasser in Deuterium verwandelt und ist verbrannt. Nur etwa eintausend Menschen haben sich mit einem Raumschiff retten können. Das Schiff wird von einem Arzt kommandiert, der die Vision hat, einen anderen Planeten zu besiedeln und dort den Grundstein für eine neue Gesellschaftsform zu legen, in der alles streng reglementiert nach einem auf Jahrtausende angelegten Plan abzulaufen hat. Einer der Gründe dafür ist, dass es nur vier Frauen auf dem Schiff gibt. Die Geschichte wird aus der Sicht des schwer verletzten Leutnants Abelsen erzählt, der von dem Arzt wieder zusammengeflickt wurde und jetzt allmählich wieder die Kontrolle über seinen Körper zurückerlangt. Abelsen muß erkennen, dass er in eine Falle geraten ist, denn er ist dem Arzt und dessen Plänen hilflos ausgeliefert.

In einem parallel erzählten Handlungsstrang geht es um den Soldaten Abel. Er lebt in einer Kaserne mit tausend anderen Soldaten unter der Herrschaft eines allmächtigen Majors. Eine Welt außerhalb der Kaserne scheint nicht zu existieren. Für die Kameraden gibt es kein höheres Glück als ihre Pflichterfüllung, die aus einem ewig gleichen, unmenschlichen Drill besteht – bis Abel eines Tages aus unbekanntem Grund seine tägliche Ration eines bestimmten Medikaments nicht mehr nimmt. In Wirklichkeit ist dies nämlich eine Droge, die den freien Willen lähmt. Abel erkennt, dass er der Gefangene eines restriktiven Systems ist. Sein einziges Ziel besteht von jetzt an darin, den Major zu töten…

Diese kleine Perle habe ich antiquarisch im "Andere Welten" in Hamburg (Grindelallee) erworben. Die Story wirkt natürlich sehr konstruiert, aber die Beschreibung von Abelsens/Abels Bemühungen, die natürlich von Anfang an zum Scheitern verdammt sind, fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Letztendlich gibt es sogar so etwas wie ein Happy End: Abel hat es zwar nicht selbst geschafft, das unmenschliche System des Majors zu zerschlagen, eine Generation später gelingt es aber doch.

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89
tolkien_enzyklopaedie David Day: Tolkien – Eine illustrierte Enzyklopädie
Otus Verlag 2003
279 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, gebunden

Ein Lexikon aller wichtigen Begriffe aus Tolkiens Werk – und damit ist nicht nur Der Herr der Ringe gemeint, denn Tolkiens Weltenschöpfung geht weit über dieses Buch hinaus. Der Herr der Ringe spielt vor einem bis ins Detail ausgearbeiteten geschichtlichen und mythologischen Hintergrund und es wird auch oft auf Personen und Ereignisse der fernen Vergangenheit von Mittelerde angespielt. Wer damit nichts anfangen kann, weil er Tolkiens andere Werke (allen voran das Silmarillion) noch nicht kennt, für den ist diese Enzyklopädie sehr hilfreich. Für Fans, die alle Bücher Tolkiens gelesen haben, bietet die Enzyklopädie immer noch eine übersichtliche Zusammenfassung.

Besonders lobenswert ist der erste Teil, der einen ausführlichen geschichtlichen Abriß vom Beginn der Schöpfung Ardas an bis zum Ringkrieg enthält. Zeittafeln machen die großen Zusammenhänge verständlicher. Teil zwei widmet sich ganz der Geographie, hier folgt auf einige Landkarten eine Vorstellung aller wichtigen Schauplätze in alphabetischer Reihenfolge. Ebenfalls in alphabetischer Reihenfolge sortiert sind die Völker (dritter Teil) sowie Fauna und Flora (vierter Teil) und die Hauptpersonen (fünfter Teil). Am Ende findet sich ein Register, in dem interessanterweise nicht auf Seiten in dieser Enzyklopädie verwiesen wird, sondern auf die Kapitel der Bücher aus Tolkiens Werk, in denen die ursprünglichen Textstellen zu finden sind, aus denen die Informationen dieser Enzyklopädie stammen.

Die Illustrationen stammen von verschiedenen Künstlern und haben unterschiedliche Qualität. Die meisten sind in einem allzu naiven Stil gemalt, manche treffen dagegen genau den Punkt. Schade, dass keine Bilder von John Howe und Alan Lee vorhanden sind.

Texe und Illustrationen enthalten zwar einige Fehler, aber die fallen nicht allzu sehr ins Gewicht. Bei den Texten könnte manches auch auf Schwächen der Übersetzung oder Probleme beim Druck zurückzuführen sein.

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88
dsh Stephen King / Peter Straub: Das schwarze Haus
Heyne 2004 (Taschenbuchausgabe)
832 Seiten

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Jack Sawyer die Region durchquert hat, um in dieser neben unserer Realität existierenden Parallelwelt den magischen Talisman zu finden und damit das Leben seiner Mutter zu retten. Jack hat es geschafft, diese beunruhigenden Ereignisse so vollständig zu verdrängen, dass er sich tatsächlich nicht mehr an sie erinnert. Er kann seiner Vergangenheit allerdings letztlich doch nicht entfliehen. Als nämlich in Jacks neuem Wohnort, der idyllischen Kleinstadt French Landing in einem ländlichen Gebiet des US-Bundesstaats Wisconsin, mehrere Kinder von einem geheimnisvollen Kannibalen namens "Fisherman" entführt, ermordet und teilweise gefressen werden, wendet sich der örtliche Polizeichef mit der Bitte um Hilfe an Jack, denn dieser hat eine beispiellos erfolgreiche – wenn auch kurze – Karriere als Kriminalbeamter hinter sich.
Es dauert geraume Zeit und es sind mehrere Anstöße von alten Freunden erforderlich, bis Jack "aufwacht", seine Vergangenheit akzeptiert und sich an seine Fähigkeit, in die Region hinüberzuwechseln, erinnert. Diese Fähigkeit braucht er, um die Mordfälle zu lösen, denn der Fisherman ist mehr als nur ein Psychopath – er ist von einem dämonischen Wesen aus der Region besessen, das im Auftrag des Scharlachroten Königs in unserer Welt unterwegs ist, um besonders begabte Menschen zu finden. So ist denn das jüngste Opfer des Fisherman, das dieser nicht sofort verspeist, sondern in die Region entführt, ein solcher Mensch. Das Kind ist ein Telekinet, ein besonders starker Brecher, der vom Scharlachroten König gezwungen werden soll, die Balken zu zerstören, welche den Dunklen Turm aufrecht erhalten. Würde dieser Plan gelingen, würden alle Parallelwelten des Multiversums im Chaos versinken, denn der Dunkle Turm ist die Achse, um die sich alle Welten drehen. Zu guter Letzt akzeptiert Jack seine Bestimmung: Er ist ein Schutzmann. Er muß das entführte Kind finden, bevor es zum Scharlachroten König gebracht werden kann. Das Tor in die höllische Welt des Königs ist das Schwarze Haus, ein geheimnisvolles Gebäude mitten im Wald in der Nähe von French Landing, dessen sichtbarer Teil sozusagen nur die Spitze des Eisbergs ist.

Diese Fortsetzung von Der Talisman ist ein wesentlich komplexerer Roman als die einfache und geradlinige "dorthin-und-wieder-zurück"-Geschichte des Vorgängers, man könnte sagen, die Geschichte ist ebenso "erwachsen" geworden wie ihre Hauptperson. Das Buch ist zudem in einem völlig anderen Stil geschrieben als Der Talisman: Der Leser wird in der Gegenwartsform direkt angesprochen und begleitet den Erzähler als unsichtbarer Beobachter. Beides ist zunächst gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber dann doch recht gut. Es dauert geraume Zeit, bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt. Auch für Fans der wortreichen King-Schreibe dürfte es schwer zu ertragen sein, dass man erst 250 Seiten hinter sich bringen muß, bis die Hauptperson richtig in den Mittelpunkt der Ereignisse tritt – soviel Zeit lassen sich die Autoren nämlich, um die Stadt French Landing, ihre Bewohner und die ganze Ausgangssituation zu schildern. Auch sonst ist der Erzählstil sehr weitschweifig und stellenweise zu geschwätzig. Gegen Ende hin überschlagen sich dann aber die Geschehnisse, der große Showdown wird auf wenigen Seiten abgehandelt und verpufft allzu schnell. Leider findet nur ein kleiner Teil der Handlung in der Region (diesmal übrigens mit Territorien übersetzt) statt, quasi zum Ausgleich bekommt man einiges an expliziten Splatterszenen geboten.

Der kundige King-Leser wird bereits bemerkt haben, dass dieser Roman nicht nur eine Fortsetzung von Der Talisman ist, sondern darüber hinaus als gar nicht mal so unwichtiger Bestandteil in den Zyklus um den Dunklen Turm eingeordnet werden muß. Personen und Ereignisse aus diesem Zyklus werden direkt in die Handlung eingebaut und es würde mich nicht überraschen, wenn man Jack Sawyer früher oder später in einem „echten“ Dunkler-Turm-Roman wiederbegegnen würde. Übrigens wird auch Ted Brautigan erwähnt, den wir aus dem King-Roman Atlantis kennen – auch er ist bekanntlich ein Brecher…

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87
talisman Stephen King / Peter Straub: Der Talisman
Heyne 2002
714 Seiten

Die Mutter des zwölfjährigen Jack Sawyer hat Krebs und liegt im Sterben. Jacks Vater ist schon vor Jahren bei einem Jagdunfall getötet worden. Auf der Flucht vor Morgan Sloat, dem ehemaligen Geschäftspartner von Jacks Vater haben Mutter und Sohn sich in einem alten Hotel an der Ostküste der USA einquartiert. Dort, oder vielmehr in einem in der Nähe gelegenen Vergnügungspark, begegnet Jack dem geheimnisvollen Speedy Parker, der ihm von der noch geheimnisvolleren REGION erzählt, einer Welt neben der uns bekannten Realität, in der Magie den gleichen Stellenwert besitzt wie in unserer Welt die Technik. Jack kennt die REGION eigentlich bereits seit frühester Kindheit, für ihn war es das Land seiner Tagträume. Er besitzt die seltene Fähigkeit, nach Belieben in die REGION zu "flippen". Viele Menschen haben dort quasi einen Doppelgänger, einen "Twinner" – und Jacks vor langer Zeit gestorbener Twinner war der Sohn der Königin der Region. Auch die Königin leidet an einer tödlichen Krankheit – genau wie Jacks Mutter – und die ganze magische Welt wird von einem finsteren Bösewicht bedroht, der niemand anderer ist als Jacks "Onkel" Morgen Sloat bzw. dessen Twinner. Jacks Aufgabe ist es nun, nach Westen zu reisen und dort im dunklen Gegenstück zu dem Hotel an der Ostküste nach dem magischen Talisman zu suchen, mit dessen Hilfe er seine Mutter (und damit auch die Königin) heilen könnte. Hilfe erhält Jack von unerwarteter Seite – so wird er für einige Zeit von einem freundlichen Werwolf aus der REGION begleitet – aber Sloat und dessen Schergen haben längst bemerkt, dass da jemand versucht, ihre finsteren Pläne zu stören. Bevor Jack richtig weiß, wie ihm geschieht, wird er in eine Auseinandersetzung hineingezogen, die schon lange vor seiner Geburt begonnen hat und in der nicht weniger als das Schicksal beider Welten auf dem Spiel steht…

Ich könnte jetzt nicht mit Sicherheit sagen, welche Passagen dieses Romans aus der Feder von Stephen King stammen und welche Peter Straub verfasst hat, allerdings bilde ich mir zumindest ein, bemerkt zu haben, dass der Roman zeitweise ein bisschen "holpert". Es kommt mir so vor, als wäre der Stil nicht immer ganz einheitlich. Das stört aber nicht besonders. "Der Talisman" ist ein spannender Fantasyroman mit Horror-Elementen, in dem der kundige Leser zwar kaum neue Elemente findet, der diese Versatzstücke aber immerhin zu einer interessanten Mischung verbindet. Die Idee beispielsweise, Werwölfe (sofern sie nicht vom Bösen verführt werden) in der REGION ausgerechnet als Hirten einzusetzen oder sie (sofern sie der Verführung erlegen sind) mit Maschinenpistolen und Handgranaten auszurüsten, hat schon etwas recht bizarres. Einziger Kritikpunkt: Man nimmt den Autoren das Alter ihrer Hauptperson nicht ab. Jack ist erst 12 Jahre alt, heißt es, aber er verhält sich nicht so. Gut – durch seine Erlebnisse mag er reifer geworden sein, als es seinem Alter entspricht, aber dann müsste man im Roman eine entsprechende Entwicklung erkennen können. Die ist aber nicht oder allenfalls rudimentär vorhanden. Man hat von Anfang an den Eindruck, es mit einem Erwachsenen zu tun zu haben. Abgesehen davon ist "Der Talisman" allerbestes Lesefutter.

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86
galaktisches_kino Jo Müller: Galaktisches Kino
Ullstein 1999
96 Seiten mit einigen Farbbildern

Ein Buch, das niemand braucht. In aller Kürze: Es wird kurz auf die Vorgeschichte eingegangen, d.h. die Projekte von George Lucas vor STAR WARS werden erwähnt. Dann wird die Entstehungsgeschichte der Episoden IV bis VI kurz angerissen, dabei erfährt man von den Schwierigkeiten, die der Regisseur mit den Studios und mit den mannigfaltigen Belastungen während der Filmproduktion hatte. Es folgen ein paar Zeilen über die Hauptdarsteller sowie Anekdoten und Blooper. Ein paar Belanglosigkeiten über Episode 1 muß man auch noch ertragen. Als Abschluß wird der Inhalt eines Gesprächs wiedergegeben, das der Autor angeblich mit George Lucas hatte.

Was zweiter Titel ("Über das Star Wars – Phänomen") und Klappentext versprechen, nämlich eine Erörterung der Gründe für den Erfolg der Filme, eine Analyse ihrer archetypischen Motive und eine Interpretation des Kults, den sie hervorgerufen haben, kann das Buch auch nicht ansatzweise halten. Bis auf ein paar Allgemeinplätze, die ohnehin schon jeder kennt, findet sich nichts darüber in dem mageren Büchlein, das kurz vor Fertigstellung von Episode 1 erschienen ist und vermutlich vom damaligen Hype um diesen Film profitieren sollte. Jetzt wird es auf Remittendentischen verramscht und dort gehört es auch hin…

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85
odyssee6 Uwe Anton: Perry Rhodan Odyssee 6 - Die Lebensboten
Heyne 2004
320 Seiten

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84
churchill Winston S. Churchill: Der zweite Weltkrieg
Fischer Taschenbuch Verlag
1135 Seiten mit Register

Dies ist die von Churchill selbst zusammengestellte einbändige Version seiner Memoiren (die mehrere Bände umfassen), für die er im Jahre 1953 den Literaturnobelpreis erhalten hat. Eigentlich ist es nur teilweise eine Autobiographie, zentrales Thema ist nämlich nicht Churchill selbst, sondern der zweite Weltkrieg, seine Vorgeschichte und seine Folgen – soweit Churchill sie damals überblicken konnte – sowie die Rolle Großbritanniens in diesem Krieg. Natürlich handelt es sich um eine sehr subjektive Sicht der damaligen Ereignisse. Das ist auf der einen Seite hochinteressant, denn so wird der Blick auch auf Schauplätze gelenkt, die in anderen Geschichtswerken eher als Nebensache abgehandelt werden (wenn überhaupt), die für England aber wichtig waren, wie z.B. der U-Boot-Krieg oder der Kampf um Griechenland, die Feldzüge gegen Japan und so weiter. Auf der anderen Seite ist es für jemanden, der mit den politischen Gegebenheiten Großbritanniens nicht so vertraut ist, eher langweilig, wenn Churchill die Schwierigkeiten schildert, die er im Parlament und mit der Öffentlichkeit hatte. Auch muß man beachten, dass in diesem Buch persönliche Ansichten zum Ausdruck kommen, die man nicht als allgemeingültig hinnehmen darf. Churchill war Imperialist, manche Biografen werfen ihm sogar eine rassistische Einstellung vor. Als Beispiel sei nur Churchills Meinung genannt, dass es den früheren Kolonien unter britischer Herrschaft doch viel besser ergangen sei als in der Selbständigkeit. Das kann man durchaus auch anders sehen… Trotzdem eine spannende und lehrreiche Lektüre mit vielen Blicken "hinter die Kulissen".

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83
trillionen Nicholas Fisk: Trillionen
Junior Press 1973
164 Seiten

In Harbourtown, einem kleinen Hafenstädtchen, fällt an einem sonnigen Tag im Mai ein seltsamer Regen: Glitzernder Staub, der sich überall ablagert, selbst in die Häuser eindringt und bald alles zentimeterhoch bedeckt. Diese seltsamen "Trillionen", wie die kleinen glitzernden Dinger alsbald von den Kindern genannt werden, sehen aus wie winzige Edelsteine und sind so hart wie Diamanten. Unter dem Mikroskop erkennt man, dass es nur zwei Arten von Trillionen gibt – solche mit einem pyramidenförmigen Zapfen und andere mit einer dazu passenden Öffnung. Bald zeigt sich der Sinn dieser Formgebung: Die Trillionen fangen an zu "bauen", indem sie sich massenhaft aneinander koppeln. Aus zunächst harmlosen Spielereien der Kinder (die Trillionen bilden alle Formen nach, die man ihnen vorgibt) wird spätestens dann Ernst, als weitere Trillionenschauer überall auf der Erde niedergehen und als die kleinen Objekte sich zu gigantischen, bedrohlich wirkenden Konstruktionen verbinden. Diese Vorgänge rufen unausweichlich auch das Militär auf den Plan. Obwohl noch niemand durch die Trillionen zu Schaden gekommen ist, reicht ihre bloße Existenz aus, um die Generäle nervös werden zu lassen. So nervös, dass sie auch den Einsatz von Atomwaffen in Betracht ziehen…

Trillionen ist zwar "nur" ein Kinder- bzw. Jugendbuch, seine Botschaft ist allzu offensichtlich und es ist auch recht kurz, aber irgendwie finde ich es immer noch spannend. Die fremdartigen außerirdischen Nanomaschinchen (den Begriff kannte man allerdings wohl noch nicht, als das Buch geschrieben wurde) sind faszinierend und auch die Figur des Raumfahrers "Ikarus" ist interessant – da angedeutet wird, er habe an einer bemannten Marsexpedition teilgenommen, kann man sagen, dass das Buch in einer nicht näher definierten Zukunft spielt. Zwar sind die Hauptpersonen außer Ikarus Kinder, aber das fällt kaum auf. Sie werden nämlich eher wie kleine Erwachsene dargestellt, nicht wie Neun- bis Dreizehnjährige.

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82
odyssee5 Frank Borsch: Perry Rhodan Odyssee 5 - Das strahlende Imperium
Heyne 2004
319 Seiten

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81
hdr Chris Smith: Der Herr der Ringe – Waffen und Kriegskunst
Klett-Cotta 2003
218 Seiten

Dieses Buch ist eine einzige Verneigung vor den Waffen- und Rüstungsschmieden, Kostümschneidern, Requisiteuren, Bildhauern, Teppichknüpfern, Malern usw. usw., die für DER HERR DER RINGE eine unvergleichlich echt und überzeugend wirkende Fantasywelt erschaffen haben. Das Buch ist wie ein historisches Werk aufgebaut, in dem nach und nach alle Völker und Hauptpersonen aus der Zeit des Ringkriegs (und aus dem Prolog DAS LETZTE BÜNDNIS) vorgestellt werden. Wie der Titel schon vermuten lässt, liegt der Hauptschwerpunkt auf Waffen, Rüstungen und Ausrüstung der verschiedenen Völker. In zahlreichen Abbildungen kann man sich den unglaublichen Detailreichtum all dieser Requisiten in Ruhe ansehen – und zwar sind das nicht nur Szenenfotos aus den Filmen, sondern auch Detailaufnahmen einzelner Stücke. Das Ganze wirkt ungefähr so, wie man sich etwa einen Katalog zu den archäologischen Fundstücken einer Museumsausstellung mit erläuterndem Text vorstellt. Die Szenenfotos stammen übrigens teilweise aus den verlängerten DVD-Versionen der Filme. So bekommt man beispielsweise schöne Fotos von Gil-Galad und seiner Ausrüstung zu sehen. Ergänzt wird das Buch durch Konzeptzeichnungen, Gemälde und Schlachtpläne – letztere sind allerdings nicht neu, sie waren bereits in den Film-Begleitbüchern abgedruckt. Der Text enthält zwar einge krasse Fehler, besonders bei Zahlen und Daten (und ist auch ziemlich schlampig übersetzt worden), ist aber dennoch hochinteressant, weil darin die Überlegungen insbesondere zu den Kampfstilen der einzelnen Völker wiedergegeben werden, die man bei der Produktion des Films angestellt hat und nach denen dann die Waffen konstruiert wurden. Diese in Form von - selbstverständlich frei erfundenen - historischen Fakten wiedergegebenen Überlegungen stimmen nicht immer mit dem überein, was Tolkien in seinen Büchern geschrieben hat, es wurde teilweise hinzugedichtet. Daran darf man sich als Hardcore-Tolkien-Fan nicht stören.

Trotz bedauernswert schlechter Übersetzung ein empfehlenswertes Buch – wegen den hervorragenden Bildern. Tolkien-Puristen werden aber an manchen Stellen vor Wut aufheulen…

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80
odyssee4 Frank Böhmert: Perry Rhodan Odyssee 4 - Die Traumkapseln
Heyne 2003
318 Seiten

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79
ahnherr Charles Wilson: Ahnherr des Bösen
Ullstein 1997
405 Seiten

Ein mysteriöser Einbruch in einem Museum gibt der Polizei Rätsel auf. Der Einbrecher hat der dort ausgestellten Mumie eines vor ca. 500.000 gestorbenen Urzeitmenschen, die aufgrund der Einlagerung ins ewige Eis eines Gletschers hervorragend erhalten ist, nur eine winzig kleine Gewebeprobe entnommen. Adrian Cummings, eine junge Polizistin, stellt die gewagte These auf, daß der Einbrecher vorhaben könnte, den Urzeitmenschen zu klonen. Eine Theorie, die Cameron Malone – der Entdecker der Mumie – für völlig abwegig hält. Da irrt er sich allerdings. Dr. Noel Anderson, der Einbrecher, ist tatsächlich Genetiker. Es gelingt ihm, das erstaunlich gut erhaltene genetische Material in eine menschliche Eizelle zu praktizieren und diese einer (unfreiwilligen) Leihmutter einzupflanzen. Das Resultat dieses Experiments fällt aber etwas anders aus, als Dr. Anderson es sich vorgestellt hat. Nach einer extrem kurzen Schwangerschaft werden blondschöpfige Zwillinge geboren. Kain und Abel, wie Anderson die Kinder sinnigerweise nennt, wachsen innerhalb weniger Wochen zur Größe von Teenagern heran und verhalten sich mehr als seltsam. Schließlich töten sie ihren "Erzeuger" und mischen sich unter die Menschen. Bald darauf verschwinden immer wieder junge Frauen, mit denen die Zwillinge ganz eigene Pläne haben. Cameron Malone und Adrian Cummings arbeiten bei der Untersuchung des seltsamen Falles zusammen und kommen sich dabei schnell auch menschlich näher. Was beide nicht wissen: Die Zwillinge halten Malone für eine Gefahr und sind schon auf seiner Spur...

Bei der Lektüre dieses Buchs hatte ich öfter den Eindruck, daß der Autor sich ziemlich offensichtlich bei den Ideen insbesondere aus Romanen von Douglas Preston/Lincoln Child und von Michael Crichton bedient und daraus einen nicht wirklich originellen SF-Roman zusammengeschustert hat. Da er es aber versteht, geschickt Spannung aufzubauen und da er auch nicht mit Splatter-Elementen geizt, habe ich das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen. Es ist genau die richtige wenig anspruchsvolle Unterhaltung für eine längere Bahnfahrt oder eine Flugreise.

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78
sting Sting: Broken Music
S. Fischer Verlag 2003
381 Seiten, gebunden

Matthew Gordon Sumner, besser bekannt unter dem Pseudonym Sting, ehemaliger Sänger und Bassist der Gruppe The Police und seit einigen Jahren erfolgreicher Solo-Musiker, erzählt aus seinem Leben. Nun könnte man meinen, dies sei nur eine weitere entbehrliche Autobiografie, die allenfalls für Fans interessant wäre. Das ist zum Teil richtig, denn mit weltbewegenden Geschehnissen oder spektakulären Skandalen kann Sting nicht dienen. Man muß sich schon ein wenig für The Police und sehr für den ehemaligen Frontmann dieser Gruppe interessieren, um das Buch goutieren zu können. Sting beschreibt sehr eindringlich seine Jugend in Newcastle und die Spannungen in seinem Elternhaus. Er geht offen und ehrlich auf die Fehler ein, die er selbst gemacht hat und schildert auch Gründung und erste Gehversuche der Gruppe The Police bis zum ersten Album (Outlandos d’Amour) und der ersten USA-Tournee.

Für jemanden wie mich, der in den frühen Achtzigern keine bessere Band kannte als The Police und dem eine Person wie Sting schon fast irreal oder legendär erscheint, ist es schon etwas besonderes, wenn man von dieser Person "direkt" angesprochen wird. Sting ist nicht nur ein guter Musiker, sondern auch ein guter Schriftsteller und ich kann nur hoffen, daß auf dieses Buch bald eine Fortsetzung folgt!

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77
resident_evil6 S. D. Perry: Resident Evil 6 – Code Veronica
Dino 2003
269 Seiten

Claire Redfield ist bei dem Versuch, das Umbrella-Verwaltungszentrum in Paris zu infiltrieren, gefangen genommen und anschließend auf eine Insel im Südatlantik geschafft worden, wo Umbrella eine geheime Forschungseinrichtung unterhält. Am Tag von Claires Ankunft wird die Insel von Unbekannten angegriffen – ein Luftschlag zerstört die Sicherheitsanlagen und so kommt es, wie es kommen muß: Der T-Virus wird freigesetzt und alsbald ist die Insel von Zombies verseucht und die Ergebnisse von Umbrellas B-Waffen-Forschung streifen frei umher. Claire, die sich mit einem der wenigen Überlebenden zusammentut, muß aber schnell feststellen, daß diesmal nicht die eher bedauernswerten T-Virus-Kreaturen ihre eigentlichen Gegner sind, sondern Alfred Ashford, der jüngste Sproß des Ashford-Clans und Nachkomme eines Umbrella-Gründers. Die Flucht von der Insel gelingt zwar, aber nächste Station ist eine weitere Forschungseinrichtung in der Antarktis, wo etwas auf Claire und ihren Bruder Chris wartet, was alle bisherigen Schrecken weit in den Schatten stellt.

Das gleichnamige Konsolenspiel ist eines der besten der Serie und ebenso spannend, wenn auch stellenweise vorhersehbar (selbst für Leute, die das Spiel nicht kennen) liest sich das Buch. Der Plot ist eigentlich immer der gleiche und die ganze Struktur des Romans orientiert sich stark am "Löse-Rätsel-finde-Schlüssel-töte-Gegner"-Prinzip der Spiele. Dennoch kann man mit diesem Buch etwa drei unterhaltsame Stunden verbringen. Wenn man sich nicht an den zahlreichen Rechtschreibfehlern stört.

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76
vampire Dieter Sturm / Klaus Völker (Hrsg.): Von denen Vampiren oder Menschensaugern
Suhrkamp 1994
609 Seiten

Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste Abschnitt ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und Gedichten zum Titelthema, darunter sind solche Highlights wie "Carmilla" von LeFanu, "Der Vampyr" von William Polidori, "Der Wij" von Nikolai Gogol und viele andere. Was leider fehlt ist "Die Familie des Wurdalak" von Tolstoi. Im zweiten Abschnitt sind zahlreiche zum Teil sehr kurze, zum Teil aber auch ausführliche historische Dokumente zusammengefaßt, u.a. findet sich darin der Bericht einer Untersuchungskommission, die im Jahre 1732 einige Fälle von Vampirismus in Serbien zu prüfen hatte – und gleich danach ein Gegengutachten, das zu diesem Bericht kritisch Stellung nimmt. Einige Textpassagen der in der Ortographie der Erstausgaben gehaltenen Dokumente sind in lateinischer Sprache wiedergegeben, hier fehlt leider eine Übersetzung. Im letzten, kürzesten Teil fassen die Herausgeber noch einmal zusammen, was es an Dichtungen und Überlieferungen zum Thema Vampire bis zum Jahr 1970 gegeben hat. Eine Biblio- und Filmografie (auch nur bis zum Jahr 1970 erstellt) rundet das sehr interessante Buch ab.

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75
platzhalter Ian Fleming: James Bond – Der Mann mit dem goldenen Colt
Scherz 1999
155 Seiten

Nach seinem unfreiwilligen längeren Aufenthalt in Japan (siehe Du lebst nur zweimal) hat man James Bond in Rußland eine Gehirnwäsche verpaßt und ihn mit dem Auftrag zurück nach London geschickt, M zu töten. Bond wird zwar an der Ausführung dieser schnöden Tat gehindert und die Folgen der Gehirnwäsche werden rückgängig gemacht, doch an seiner Loyalität bestehen weiterhin Zweifel. Um sich zu rehabilitieren, muß 007 eine nahezu undurchführbare Mission übernehmen. Er soll Scaramanga erledigen, einen scheinbar unverwundbaren Auftragskiller, der schon mehrere Geheimdienstagenten auf dem Gewissen hat. Bond reist nach Kuba und tritt inkognito in die Dienste des Killers. Dann fliegt seine Tarnung jedoch auf und aus dem Jäger wird der Gejagte...

Auch hier ist bei der Verfilmung lediglich die Grundidee erhalten geblieben (Bond gegen Scaramanga), ansonsten gibt es fast keine Übereinstimmungen. Insbesondere hat Scaramanga im Buch keinerlei finsteren Welteroberungspläne. Und die Idee eines "umgedrehten" James Bond findet sich im Film leider gar nicht wieder.

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74
butlers_djihad Brian Herbert / Kevin J. Anderson: Butlers Djihad
Heyne 2003
797 Seiten

10.000 Jahre vor der Geburt des Paul Muad’dib. Zwei Machtblöcke stehen sich gegenüber: Die sogenannten Synchronisierten Welten und die Liga der Edlen. Auf den Synchronisierten Welten, zu denen auch die Erde gehört, leben zwar noch Menschen. Sie sind aber nichts anderes als Sklaven von "Denkmaschinen" – Computern mit künstlicher Intelligenz und eigenem Bewußtsein. Der einzige Grund, warum die Menschen noch nicht ausgerottet wurden: Omnius, der überall präsente Computer-Allgeist, konnte sich bisher noch nicht zu der Entscheidung durchringen, ob die Menschen denn nun lustige Spielzeuge oder lästige Parasiten sind. In der Liga der Edlen haben sich die letzten freien Menschen zusammengeschlossen. Die Liga verfügt mit einer großen Raumflotte und mit den Erfindungen des genialen Wissenschaftlers Tio Holtzman zwar über schlagkräftige Waffen gegen die Denkmaschinen. Da die Machtverhältnisse aber relativ stabil zu sein scheinen und da man sich auf den Liga-Welten nicht von Omnius bedroht fühlt, hat bisher niemand einen Großangriff auf die Denkmaschinen gewagt.

Dann jedoch werden einige Liga-Welten von Omnius und seinen "Titanen" (menschliche Gehirne in Cyborg-Körpern) angegriffen. Dabei fällt der Planet Giedi Primus an Omnius. Nur durch einen gewagten Kommandoeinsatz, der von der jungen Serena Butler geführt wird, kann die Welt zurückerobert werden. Serena wird jedoch von den Maschinen entführt und auf der Erde gefangen gehalten. Omnius ahnt nicht, daß er damit einen Stein ins Rollen bringt, der letztlich dazu führt, daß sich die versklavten Menschen auf den Synchronisierten Welten gegen ihn erheben – was nur der erste Schritt hin zu einem "heiligen Krieg" gegen alle künstlichen Intelligenzen ist.

Frank Herberts Sohn hat zusammen mit Anderson bereits eine Prequel-Trilogie geschrieben, die in der Zeit der Jugend des Herzogs Leto Atreides spielt. In dieser neuen Trilogie (Untertitel: "Die Legende") von Pre-Prequels geht die Reise ganz an den Anfang zurück, also zu den Ereignissen, die den fast schon mythisch verbrämten Unterbau, quasi den geschichtlichen Hintergrund von "Dune" bilden und die bisher immer nur andeutungsweise erwähnt worden sind. Man erlebt die Anfänge des Djihad, der zu Ächtung aller "Denkmaschinen" geführt hat. Man liest über die ersten geheimnisvollen Frauen mit PSI-Begabung, aus denen die Bene Gesserit hervorgehen. Auf Arrakis leben zwar schon Zensunni-Flüchtlinge, sie bezeichnen sich aber noch nicht als Fremen. Und so weiter, und so weiter.

Man darf den Stil dieser Prequels nicht mit Frank Herbert vergleichen oder diese Romane gar an "Dune" messen. Diesem Vergleich halten sie nämlich nicht stand. Wenn Frank Herbert mit seinen Romanen ein komplexes Bild von zukünftigen Gesellschafts- und Ökosystemen skizziert hat, dann malen sein Sohn und Anderson dieses Bild nur noch bunt und plakativ aus. Sie verwenden (mißbrauchen?) die allseits bekannten Namen und Schauplätze, fügen hier und da einige neue Details hinzu und stricken darum herum eine Handlung, die viel Action und Herzschmerz bietet. Die Prequels bieten damit zwar nette, manchmal gar spannende Unterhaltung, aber sie erreichen bei weitem nicht das Niveau ihres großen Vorbilds. Sie sind allerdings auch viel leichter lesbar als dieses, denn man muß nicht so viel dabei nachdenken...

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73
odyssee3 Hans Kneifel: Perry Rhodan Odyssee 3 - Das Energie-Riff
Heyne 2003
285 Seiten

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72
hdr3 Jude Fisher: Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs. Das offizielle Begleitbuch
Klett-Cotta 2003
74 Seiten

Figuren, Landschaften und Orte Mittelerdes, so lautet die Unterzeile zum Buchtitel. Das beschreibt den Inhalt schon ganz gut. In dem relativ dünnen Band werden die wichtigsten Schauplätze und Ereignisse des dritten Films kurz vorgestellt, und zwar nicht in der Art eines Making of, sondern in Form von Texten, die dem Roman entstammen könnten. Sie beziehen sich aber ausschließlich auf den Film. Das wichtigste an dem Buch sind aber natürlich gar nicht die Texte, sondern die Filmfotos. Die sind schön groß, gehen teilweise über zwei Seiten und haben eine ganz ordentliche Qualität – perfekt scharf sind sie aber nicht.

Die Übersetzung der Texte ist schlampig und strotzt nur so vor Schreibfehlern, die Bilder sind zwar nett anzuschauen, kommen aber nicht alle aus dem dritten Film. Dafür sind sie weitgehend spoilerfrei... Heutzutage muß man nur auf irgend ein Produkt "Der Herr der Ringe" draufschreiben, und schon verkauft es sich wie geschnitten Brot. So dürfte es auch bei diesem Buch sein, aber insgesamt erhält man zu wenig fürs Geld.

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71
on_writing Stephen King: Das Leben und das Schreiben
Heyne 2002
331 Seiten

Im ersten Teil des Buchs schildert King die Ereignisse aus seiner Vergangenheit, die ihn zu dem Schriftsteller gemacht haben, der er heute ist. Dabei handelt es sich zwar nicht um eine Autobiografie im eigentlichen Sinne, dennoch erfährt man eigentlich alles, was man über Kings Leben wissen möchte. Dazu gehört auch seine Alkoholsucht und der beinahe tödliche Unfall, den er im Jahre 1999 erlitten hat und durch den die Arbeit an diesem Buch unterbrochen worden war. Der zweite Teil enthält eine Anleitung zum Schreiben. Darin schildert er hauptsächlich seine eigene Arbeitsweise und gibt angehenden Schriftstellern viele Hinweise, die er z.T. aber selbst nicht beachtet. Was soll man beispielsweise von der immer wieder gestellten Forderung halten, Überflüssiges zu streichen? Schließlich ist King nicht gerade bekannt dafür, dünne Bücher zu schreiben. Immerhin kann man nicht leugnen, daß er sein Handwerk versteht. Nach eigener Aussage möchte King vor allem eines erreichen: Mut zum Schreiben machen. Angehende Autoren sollen viel schreiben und noch mehr lesen. Gut – letztere Voraussetzung habe ich erfüllt, für erstere fehlen mir Zeit und Lust...

Selbst bei diesem "Sachbuch" stellt sich übrigens schnell der altbekannte King-Effekt ein: Man möchte das Buch erst wieder aus der Hand legen, wenn man die letzte Seite gelesen hat.

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70
minority_report Philip K. Dick: Minority Report
Heyne 2002
438 Seiten

9 geniale Kurzgeschichten des Meisters im Zerstören der Realität, darunter die von Steven Spielberg verfilmte Titelstory. Ich kannte die Story noch nicht, als ich den Film gesehen habe, war aber nicht weiter überrascht zu lesen, daß sie eine ganz andere Aussage hat als der Film. In der Story versagt das Pre-Crime-System eben nicht, es wird nur für ein Intrigenspiel benutzt und Anderton hätte jederzeit die Möglichkeit, sich anders zu entscheiden. Daß man Spielbergs kitschiges Heile-Welt-Filmende bei P.K. Dicks Story vergeblich suchen würde, dürfte wohl klar sein.

Das Buch enthält noch zwei weitere verfilmte Storys: "Erinnerungen en gros" (liegt dem Film "Total Recall" mit Arnold Schwarzenegger zugrunde) und "Variante zwei" (verfilmt als "Screamers" mit Peter Weller).

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69
odyssee2 Leo Lukas: Perry Rhodan Odyssee 2 - Der geheime Krieg
Heyne 2003
318 Seiten

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68
steppenwolf Hermann Hesse: Der Steppenwolf
Suhrkamp 1997
257 Seiten

"Der Steppenwolf" – das ist Harry Haller, oder zumindest der Teil Hallers, der mit der Welt der Menschen nichts anfangen kann und wie ein unbeteiligter Beobachter außerhalb der Gesellschaft steht, deren oberflächliche Moral er verachtet. Er fühlt sich wie ein freies, wildes Geschöpf, welches unvermittelt in eine fremde Umgebung verschlagen wurde, die es nicht versteht – eben wie ein Wolf aus der Steppe. Der andere Haller, der "Mensch", empfindet anders. Er sehnt sich nach Sicherheit und Ruhe einer bürgerlichen Existenz, kann diese aber nie erreichen. Er erkennt, daß sein Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit letztlich nur dazu geführt hat, daß nicht nur er nichts mehr von der Welt wissen will – die Welt will jetzt auch nichts mehr von ihm wissen. Leider ist er auch schon zu alt, um seinem Leben noch eine andere Richtung zu geben. In dieser Situation, als er kurz vor dem Suizid steht, lernt er eine Frau kennen, die sein genaues Gegenstück zu sein scheint: Die junge Hermine lebt als Edel-Prostituierte ganz in der sinnlichen Welt, aus der Haller herausgefallen ist. Sie will ihm helfen, wieder mehr Mensch und weniger Wolf zu werden, aber sie verlangt eine ungewöhnliche Gegenleistung: Haller soll sie töten...

Dieses Buch stand schon sehr lange auf meiner Wunschliste! Unglaublich, daß es für zwofuffzig auf einem Remittendentisch verramscht wurde. Ich glaube, so ein ganz kleiner Steppenwolf-Welpe schlummert auch in mir...

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67
platzhalter Wilfried Hausmann: Hoffnung allein genügt nicht
Matthias-Grünewald-Verlag 1988
117 Seiten

Der Autor schildert die Zeit der Rehabilitation und der schwierigen Wiedereingliederung an seinem alten Arbeitsplatz nach einem Verkehrsunfall im Jahre 1980, bei dem er neben mehreren Knochenbrüchen eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung erlitten hatte. Die Folge waren Hirnleistungsstörungen: Verlangsamung, verminderte Merkfähigkeit, Gedächtnisstörungen und sogar Wesensänderungen – Schmerzen natürlich auch. Erst nach einem Jahr intensiver Therapiemaßnahmen in einer Rehaklinik konnte er seine frühere Arbeit als Werkzeugmacher in einem Metallbetrieb wieder aufnehmen und hatte dabei erhebliche Anlaufschwierigkeiten.

Das Buch ist etwas holprig geschrieben (was keine Folge der Hirnverletzung ist, weil der Autor nach eigener Angabe seit dem Unfall besser formulieren kann als vorher), für mich aber durchaus interessant, weil ich jahrelang als Unfallsachbearbeiter bei einer BG gearbeitet habe und deshalb solche Schicksale nur "von der anderen Seite" her kenne.

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66
knopp Guido Knopp: Die SS – Eine Warnung der Geschichte
Bertelsmann 2002
414 Seiten

Über das Thema des Buches muß man wohl nichts weiter sagen. Es ist ein typischer "Knopp", d.h. in dem Buch werden Auszüge aus Zeitzeugen-Interviews mit historischen Fakten verknüpft, es wird nicht mit moralisierenden Schlagworten gegeizt (zugegeben: Bei dieser Thematik fällt es schwer, nicht zu moralisieren), manche Passagen wiederholen sich und insgesamt hat man nach der Lektüre den Eindruck, daß man eigentlich nur die kurze Zusammenfassung eines wesentlich umfangreicheren Buchs gelesen hat. Will sagen: Wer sich ein wenig für Geschichte interessiert und vielleicht das eine oder andere Standardwerk über das Dritte Reich gelesen hat, für den bietet dieses Buch nichts neues. Es ist sehr oberflächlich, dafür ist es aber auch leicht verständlich und anschaulich. Wirklich interessant für mich war lediglich das letzte Kapitel, in dem es um die Zeit nach der Kapitulation und die Flucht zahlreicher SS-Männer ins Ausland geht.

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65
odyssee1 Hubert Haensel: Perry Rhodan Odyssee 1 - Die Kolonisten der Zukunft
Heyne 2003
315 Seiten

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64
platzhalter Ian Fleming: James Bond – Du lebst nur zweimal
Scherz 1999
156 Seiten

Seit dem Tod seiner Frau ist mit James Bond nichts mehr anzufangen. Er versiebt seine Aufträge und läßt sich gehen. M denkt bereits darüber nach, seinen ehemals besten Agenten aus der Doppelnull-Abteilung zu entlassen, doch ein Psychologe rät ihm zu einer anderen, extremen Maßnahme. M soll Bond mit einer beinahe unmöglichen Mission beauftragen, die sämtliche Fähigkeiten des Superagenten aufs Äußerste fordert. Auf diese Weise soll Bond wieder auf andere Gedanken gebracht werden. M willigt ein und so erhält 007 den Auftrag, den Japanern ein neuartiges Dechiffrierungsgerät abzujagen. Eigentlich soll dies eine mehr diplomatische Mission sein, bei der es nicht nötig ist, Waffen einzusetzen. Als Bond jedoch mit Tiger Tanaka, dem Chef des japanischen Geheimdienstes zusammentrifft, erhalten die Ereignisse eine unvorhergesehene Wendung. Tanaka ist nämlich nur bereit, mit Bond zu kooperieren, wenn der ihm einen persönlichen Gefallen tut. Er soll einen geheimnisvollen Professor töten, der in Japan einen "Garten des Todes" angelegt hat. Was James Bond nicht ahnt: Dieser Professor ist niemand anderer als seine Nemesis Ernst Stavro Blofeld, der auch James Bonds Frau getötet hat.

Wieder einmal wird kein Klischee ausgelassen, diesmal geht es um die Sitten und Gebräuche Japans, die im Europa der Sechzigerjahre vermutlich noch kaum jemand gekannt hat und die für den exotischen Hintergrund dieses Romans sorgen. Und wieder einmal unterscheidet sich die Story in weiten Zügen erheblich von dem, was man auf der Kinoleinwand gesehen hat. So auch der Titel: James Bond beginnt mitnichten ein zweites Leben undercover, vielmehr entstammt der Titel einem von 007 selbst verfaßten Haiku. Am Ende verliert Bond gar sein Gedächtnis und lebt friedlich und harmlos mit einer japanischen Muscheltaucherin zusammen...

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63
japan Manfred Pohl: Geschichte Japans
Verlag C.H. Beck 2002
101 Seiten

Klappentext: "Das Buch beginnt mit der Vor- und Frühgeschichte Japans, führt über den ersten Einheitsstaat, die Zeit der großen Ritterfamilien des Mittelalters bis zur Öffnung Japans am Ende der Edo-Zeit (1868) und die Etablierung des modernen Staates im 20. Jahrhundert. Manfred Pohl beschreibt, wie sich Japan von der Niederlage des 2. Weltkriegs zur wirtschaftlichen Supermacht entwickelte und wie seine Rolle heute im Zeitalter der Globalisierung aussieht."

Informativ und gut zu lesen, dabei allerdings sehr knapp und an vielen Stellen nur oberflächlich. Bei nur 99 Seiten Text können eben viele Geschehnisse nur durch Auflistung von Namen und Daten angerissen werden.

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62
capn_beckmesser Phil Farrand: Cap’n Beckmessers Führer durch Star Trek – Next Generation
Heyne 1997
669 Seiten

Die Beckmessergilde hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Ungereimtheiten und Fehler aller Star Trek – Serien aufzulisten. In diesem Buch geht es um die ersten sechs Seasons von Star Trek – Das nächste Jahrhundert. Jede Episode wird zunächst kurz zusammengefaßt, dann folgt eine Beschreibung der klassischen Produktionsfehler (d.h. Mikrofonstangen die im Bild zu sehen sind, Texte die auf dem Kopf stehen, Dinge die herunterfallen usw.), der logischen Fehler in der Handlung und der anderen Ungereimtheiten vor allem im Zusammenhang mit Geräten und Ausrüstung. Warum öffnen sich die automatischen Türen auf der Enterprise beispielsweise manchmal sofort, wenn jemand darauf zugeht, manchmal aber auch erst dann, wenn derjenige sich nochmal kurz umgedreht und mit einem Gesprächspartner geredet hat? Aus welchem Grund ziehen die Sterne bei Warp-Geschwindigkeit manchmal von links nach rechts am Fenster von Picards Bereitschaftsraum vorbei, manchmal von rechts nach links, manchmal aber auch gar nicht? Oder warum muß man manchmal auf die Insignienkommunikatoren klopfen, um einen Kanal zu öffnen, manchmal aber auch nicht? Solche Erörterungen sind mäßig interessant, interessanter sind die Überlegungen zu echten oder vermeintlichen Logikbrüchen in der Handlung. Denn einiges, was Farrand für einen Fehler hält, könnte man bei anderer Interpretation genausogut für logisch und richtig halten. Insgesamt ein Buch nur für Fans, auch als Episodenguide verwendbar.

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61
inferno_italia Louis Paul: Inferno Italia (Der italienische Horrorfilm)
Bertler + Lieber – Verlag 1998
259 Seiten, über 500 teilweise farbige Bilder

Freunde des phantastischen Films werden hellhörig, wenn Namen wie Dario Argento, Lucio Fulci oder Lamberto Bava fallen, denn kein anderes Filmgenre wurde von italienischen Regisseuren so massiv und vor allem erfolgreich zunächst plagiiert und später sogar geprägt wie der harte Horrorfilm. Wem die Namen dieser und anderer Regisseure geläufig sind, aber noch kaum einen Film von ihnen gesehen hat, der wird mit diesem Buch bestens bedient. Es enthält nämlich komplette Filmografien (jedenfalls bis 1998) der wichtigsten italienischen Horrorfilmregisseure und zahlreiche z.T. recht derbe Filmfotos. Die "Hauptwerke" jedes Regisseurs werden mehr oder weniger ausführlich vorgestellt, jedenfalls reichen die Angaben aus, um sich ein Bild darüber machen zu können, bei welchen Filmen sich die Anschaffung lohnt und von welchen man lieber die Finger läßt. Außerdem findet Fan in diesem Buch eine Einführung über Geschichte und Entwicklung des italienischen Horrorfilms, einen Überblick über die verschiedenen Genres vom Giallo-Thriller über Mondo-Filme bis hin zu Zombie-Schockern und kurze Angaben zu einigen anderen, weniger bekannten Filmemachern.

Wer tiefergehende Informationen, insbesondere fundierte Filmbesprechungen, von diesem Buch erwartet, wird dagegen enttäuscht sein. Einige (wenige) Angaben sind schlicht falsch, und die Filmrezensionen sind doch sehr oberflächlich. Vieles wird nur kurz angerissen und nicht weiter vertieft. Mir kommt es so vor, als würde bei fast jedem Film außer einer sehr kurzen Inhaltsangabe der gleiche, nur leicht abgewandelte Kommentar stehen, den der Autor so formuliert hat, daß der Leser nur ja nicht auf den Gedanken kommt, daß dem Autor die Gewaltszenen des Films gefallen haben könnten. Die Bilder sind allerdings sehenswert und da manche der Filme in Deutschland nicht auf unproblematischem Wege erhältlich sein dürften, sind sie wohl das einzige, was Fan von den Filmen jemals zu sehen bekommen wird.

Das Buch sollte einstmals 69,- DM kosten. Ich habe es in einem Antiquariat für 9,- Euro bekommen – und das wäre denn auch der eigentlich angemessene Preis dafür...

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60
bedenke_phlebas Iain Banks: Bedenke Phlebas
Heyne 2002
763 Seiten

Dies war meine zweite Urlaubslektüre auf Samos im Herbst 2003.

In der Galaxis tobt schon seit Ewigkeiten ein Krieg zwischen den beiden mächtigsten Gruppierungen: Auf der einen Seite stehen die Idiraner, eine halbinsektoide und extrem langlebige Rasse, deren Lebensinhalt der immer währende Kampf ist und die ihre aggressive Expansion mit religiösem Fanatismus vorantreibt. Auf der anderen Seite steht die KULTUR, ein Zusammenschluß verschiedener humanoider Völker, die sich blind auf ihre Technologie und ihre mit echter Intelligenz und Bewußtsein ausgestatteten Supercomputer verlassen, nur noch für ihr Vergnügen leben und das Kämpfen eigentlich schon verlernt haben. Man sollte nicht zwischen die Fronten des Krieges geraten. Da werden schonmal gigantische Orbitale (ringförmige Lebenssphären, für die der Begriff "Raumstation" bei weitem nicht mehr ausreicht) zu Sternenstaub zerblasen, nur um zu verhindern, daß der Gegner sie besetzt. In diesem gnadenlosen Konflikt scheint eine Pattsituation eingetreten zu sein. Zwar zieht die KULTUR sich überall zurück, wo sie von den Idiranern angegriffen wird, sie lernt aber schnell dazu und verbessert die Robotschiffe, die den Krieg für sie führen, ständig weiter. Als ein Experimentalschiff von den Idiranern abgeschossen wird, rettet sich das mit neuen und eventuell kriegsentscheidenden Fähigkeiten ausgestattete Schiffsgehirn auf einen verbotenen Planeten, den weder die Idiraner noch die KULTUR-Agenten zu betreten wagen.

Hier kommt der Gestaltwandler Horza ins Spiel. Er arbeitet für die Idiraner, da er die technophile KULTUR verabscheut. Seiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis die intelligenten Maschinen auf die Idee kommen werden, daß ihre ehemaligen Herren – die Menschen – mit ihrem hedonistischen Lebensstil eigentlich nur eine überflüssige Ressourcenverschwendung darstellen und sie deshalb abschaffen. Horza ist der einzige, dem es möglich wäre, Schars Welt (den verbotenen Planeten) zu betreten und das KULTUR-Gehirn für die Idiraner zu bergen. Zu diesem Zweck schließt er sich einer Gruppe von Freibeutern an, die überall dort ihren Profit suchen, wo die Kampfhandlungen etwas verwertbares übriggelassen haben, das von niemandem mehr in Anspruch genommen wird. Bevor Horza aber endlich seinen Fuß auf Schars Welt setzen kann, muß er mehrmals seine Gestalt wechseln, wird beinahe bei lebendigem Leib gefressen und hat noch einige andere Gefahren zu überwinden – und die KULTUR-Agenten sind ihm schon auf den Fersen...

Eine klassische Space-Opera mit allem, was das Herz des SF-Fans begehrt: Raumschlachten, gigantische Schiffe, ein bizarres Vielvölkergemisch, Feuergefechte mit einem ganzen Sammelsurium von Waffen, intelligente Roboter und so weiter. Besonders gut gefallen hat mir die Vorstellung der verfeindeten Parteien. Da wird nicht einer einfach nur als gut und der andere als böse dargestellt – genaugenommen fällt es schwer, überhaupt Sympathien für eine Seite zu empfinden – und die Gründe für den Konflikt werden glaubwürdig dargestellt. Auch der ganze kulturelle und technologische Hintergrund der Story wird detailreich und überzeugend ausgearbeitet. Ein paar Szenen mit schmollenden Robotern oder ähnlichem grenzen an Slapstick – die fand ich etwas zu sehr um Witzigkeit bemüht. Ansonsten ist Bedenke Phlebas sehr zu empfehlen, auch wenn es kein Happy End hat. Das Buch, obwohl in sich abgeschlossen, ist übrigens nur der erste Roman aus einem ganzen Zyklus, der inzwischen schon 7 Bände umfaßt.

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59
resident_evil5 S. D. Perry: Resident Evil 5 – Nemesis
Dino 2003
300 Seiten

Dies war meine erste Urlaubslektüre auf Samos im Herbst 2003.

Raccoon City. Die Spencer-Villa ist nicht mehr, und bis auf Jill Valentine haben alle ehemaligen S.T.A.R.S.-Mitglieder, die in die grausigen Ereignisse im Zusammenhang mit der Umbrella-Verschwörung verwickelt waren, die Stadt verlassen. Aber noch etwas ist der Vernichtung des Umbrella-Forschungslabors entronnen: Der T-Virus existiert immer noch, und er breitet sich rasend schnell in der ganzen Stadt aus. Zudem machen die monströsen Ergebnisse von Umbrellas Biowaffenforschung die Gegend unsicher. Schnell werden die notdürftigen Barrikaden der noch gesunden Menschen überrannt, bald gibt es bis auf einzelne Überlebende nur noch allmählich verwesende Zombies und andere T-Virus-Monster in Raccoons verwüsteten Straßen. Wieder einmal ist Jill in einem nicht enden wollenden Alptraum gefangen und muß zahlreiche Rätsel lösen, um aus der verfluchten Stadt zu entkommen. Unerwartete Hilfe erhält sie von Carlos Oliveira, einem jungen Söldner in den Diensten von Umbrellas werkseigenem "Biohazard Countermeasure Service". Er ist einer von wenigen Überlebenden eines gut bewaffneten Aufräumtrupps, der von Umbrella nach Raccoon City geschickt wurde – angeblich um den dort eingeschlossenen Bürgern zu helfen. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Umbrella ist ausschließlich an Daten darüber interessiert, wie gut sich Soldaten gegen ihre T-Virus-Schöpfungen schlagen. Und so haben Carlos und Jill es bald nicht nur mit den ewig hungrigen Monstren und Untoten zu tun, sondern auch mit menschlichen Ungeheuern, die aus Profitgier über Leichen gehen. Doch damit nicht genug. Eine besondere Tyrant-Züchtung, NEMESIS genannt, wurde speziell auf S.T.A.R.S.-Mitglieder angesetzt. Umbrella will um jeden Preis verhindern, daß diese Leute ihr Wissen an die Öffentlichkeit bringen. Jill ist die letzte aus dieser Truppe in Raccoon City – und NEMESIS ist ausschließlich hinter ihr her…

Und wieder kann ich als Resident Evil – Fan ein Buch nicht objektiv bewerten. Ich muß aber zugeben, daß es ohne den "Wiedererkennungs-Effekt" kaum eine besondere Wirkung auf mich gehabt hätte und daß ich es vermutlich nicht gekauft hätte, wenn ich kein solch großer Fan wäre. Es ist nur für Leute spannend, die das Spiel nicht kennen, da es sich ziemlich genau an den Spielablauf hält (was ja durchaus okay ist) und da man deshalb sowieso immer weiß, was als nächstes geschieht. Es ist nicht besonders gut geschrieben, noch schlechter übersetzt und enthält wieder einige Rechtschreibfehler. Immerhin wird vor allem die Innenwelt von Nicholai Ginovaef – dem eigentlichen Monster in dieser Story – recht gut geschildert. Als Urlaubslektüre ist es aber uneingeschränkt empfehlenswert, denn es geht glatt runter und ist unterhaltsam.

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58
rumo Walter Moers: Rumo
Piper Verlag 2003
695 Seiten, gebunden

Der Kontinent Zamonien wird von einer Vielzahl absonderlichster Kreaturen bevölkert. Zu den interessantesten gehört das Volk der Wolpertinger. Diese Wesen gleichen aufrechtgehenden, gehörnten Hunden und können eines besonders gut: Kämpfen. Und zwar nicht nur mit ihren rasiermesserscharfen Zahnreihen, sondern auch mit allen möglichen Hieb- und Stichwaffen. Niemand legt sich freiwillig mit einem Wolpertinger an, und kein Wesen aus einem anderen der vielen Völker Zamoniens hat es bisher geschafft, ihre Stadt Wolperting zu betreten. Solange Wolpertinger allerdings noch Welpen sind, sind sie absolut hilflos und überleben nur durch ihre ausgesprochene Niedlichkeit. Rumo, benannt nach einem Kartenspiel, ist ein solcher Wolpertingerwelpe, und wie es bei seinem Volk üblich ist, wurde er gleich nach der Geburt in der Wildnis ausgesetzt. Er wächst bei Fhernhachenzwergen auf, wird aber eines Tages mit ihnen von Teufelsfelszyklopen entführt. Zum Glück für Rumo setzt schon bald sein Wachstum ein, denn die Zyklopen verwenden ihre Gefangenen als Nahrung – und die schmeckt ihnen besonders gut, wenn sie lebendig verzehrt wird und dabei möglichst viel leidet! Unter der Anleitung der Haifischmade Volzotan Smeik wagt der groß und stark gewordene Rumo eines Tages den Kampf gegen die Zyklopen und gewinnt seine Freiheit. Jetzt kann er dem "Silbernen Faden" folgen, einer seltsamen Geruchsspur, die ihn unweigerlich nach Wolperting führt. Der "Silberne Faden" ist nichts anderes als der Geruch der jungen Wolpertingerin Rala, in die Rumo sich natürlich sofort verliebt. Bis er allerdings mit ihr zusammenkommt, ist es noch ein sehr, sehr weiter Weg, der Rumo nach zahlreichen haarsträubenden Abenteuern direkt in die schreckliche, von einem wahnsinnigen König regierte Untenwelt führt.

Man mag angesichts der von Walter Moers selbst gefertigten lustigen Zeichnungen und des märchenhaften Charakters der Welt von Zamonien auf den Gedanken kommen, Rumo sei ein Kinder- oder Jugendbuch. Das ist es aber absolut nicht. Hier wird mehr Blut vergossen, werden mehr Köpfe abgehackt, Eingeweide herausgerissen und Körper mit Pfeilen gespickt, als in vielen anderen, "ernsten" Fantasyromanen. Natürlich wimmelt es zwischen den Deckeln dieses Buches nur so vor verrückten Ideen, bizarren Wesen, abgedrehten Orten und amüsanten Begebenheiten und der aus dem Käptn Blaubär-Buch bekannte amüsante Grundton herrscht auch hier vor. Dennoch ist Rumos Suche nach seiner Bestimmung und nach der Liebe echte Fantasy und nichts für zarte Gemüter.

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57
platzhalter Ian Fleming: James Bond – Im Angesicht des Todes
Scherz 1999
157 Seiten

4 Kurzgeschichten um den Geheimagenten 007, deren Titel im Original

From a view to a kill
The Property of a Lady
The living Daylights und
The Hildebrand Rarity

lauten. Manche Elemente daraus wurden für den Film In tödlicher Mission verwendet, z.B. die junge Frau, deren Eltern umgebracht werden und die sich, mit einer Armbrust bewaffnet, an den Verantwortlichen rächen will, wobei sie Bond in die Quere kommt. Oder der derb-freundliche Schmuggler Colombo, mit dem Bond sich bei der Suche nach einem Drogenbaron namens Kristatos verbündet. Typische Bond-Kost mit Mord und Totschlag, ergeben dahinschmelzenden Frauen und ein paar Agenten-Spielereien.

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56
horst_stern Horst Stern: Das Gewicht einer Feder
Wilhelm Goldmann Verlag 1997
511 Seiten

Horst Stern ist durch seine kritischen Tiersendungen "Sterns Stunde", die in den Jahren von 1970 bis 1979 ausgestrahlt wurden, erst so richtig berühmt geworden. In den Achtzigern hatte er dann als Schriftsteller große Erfolge, insbesondere "Mann aus Apulien" – ein wunderbares Buch über den Stauferkaiser Friedrich II – dürfte wohlbekannt sein. Über seine journalistische Tätigkeit vor "Sterns Stunde" weiß man heute aber nur wenig und auch sein unermüdliches Engagement für den Umweltschutz, das ihm viele Preise (aber vermutlich wenig Freunde) eingebracht hat, ist nicht so allgemein bekannt geworden, wie es ihm gebühren würde.

Dieser Mangel wird mit diesem Buch gründlich beseitigt. Es sind Beispiele aus allen Phasen von Horst Sterns journalistischer und schriftstellerischer Tätigkeit enthalten, darunter einige Artikel, die er für die zeitweise von ihm herausgegebene Zeitschrift natur geschrieben hat, ebenso die Texte von schonungslos offenen Reden anläßlich von Preisverleihungen, Auszüge aus seinen Romanen und sogar einige Gedichte. Aus allen Texten kann man deutlich die Prinzipien herauslesen, nach denen Stern immer gearbeitet hat: Nur das veröffentlichen, was nach gründlicher Recherche als gesichert gelten kann, die Dinge deutlich, genial formuliert (manchmal auch ein bißchen polemisch) beim Namen nennen und dabei keine Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten nehmen.

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55
john_sinclair Jason Dark: John Sinclair – Mein erster Fall
Bastei-Lübbe 2003
365 Seiten

Meine Güte, ist das lange her... Meinen letzten John Sinclair – Heftroman habe ich irgendwann in den ganz frühen Achtzigern gelesen, seitdem habe ich diese Serie zugunsten von Perry Rhodan völlig ignoriert. Jetzt sind zum 50jährigen Bestehen des Bastei-Lübbe-Verlags vier sogenannte Kult-Ausgaben erschienen, in denen einige John Sinclair-Romane zusammengefaßt sind. Die erste dieser Ausgaben habe ich mir denn aus purer Nostalgie zugelegt. Sie enthält zwei Romane, die 1973 noch in der "Gespensterkrimi"-Reihe erschienen sind, bevor John Sinclair seine eigene Heftromanreihe erhalten hat. Es handelt sich um "Die Nacht des Hexers" und "Mörder aus dem Totenreich". Dazu kommt noch die Story "Mein erster Fall", die meines Wissens irgendwann in den Achtzigern in einem Paperback enthalten und dann nochmal als Sonderbeilage zum Heftroman Nr. 1000 erhältlich war.

John Sinclair ist in diesen Geschichtchen noch ein eher "normaler" Inspektor bei New Scotland Yard, der anfangs dem Übernatürlichen sogar skeptisch gegenübersteht, d.h. er ist noch nicht der Geisterjäger, als der er später gegen solch mächtige Gegner wie den Schwarzen Tod, Asmodis usw. antritt. Er verfügt auch noch nicht über sein berühmtes Waffenarsenal mit Silberkugel-Beretta, Kreuz und Dämonenpeitsche. Alle drei Geschichten sind sehr simpel gestrickt: Belanglose Story, knappe und abgehackte Sätze, ultrakurze, markige Dialoge, einfaches Vokabular. Spannung kommt kaum und Grusel-Atmosphäre gar nicht auf. Zu abgedroschen sind die Klischees (modrige Burgverliese, nächtliche Friedhöfe, Massen von kaum bedrohlich wirkenden Zombies), zu antiquiert der ganze Schreibstil. Kaum gelesen, schon vergessen. Für Fans der Serie, welche die vergriffenen Romane noch nicht ihr Eigen nennen, ist diese Ausgabe sicher nicht schlecht (kostet nämlich nur 4 Euro), alle anderen lassen lieber die Finger davon.

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54
resident_evil4 S.D. Perry: Resident Evil 4 - Das Tor zur Unterwelt
Dino 2003
269 Seiten

Tief unter der Wüste von Utah befindet sich eine Umbrella-Forschungseinrichtung, wo die neuesten Biowaffen-Monster in simulierten Umwelten getestet werden sollen. Die Anlage ist noch nicht ganz fertiggestellt und kaum gesichert. Das ist eine Gelegenheit, die sich die S.T.A.R.S. – Rebellen nicht entgehen lassen können. Eigentlich waren sie auf dem Weg nach Europa, um einigen Kameraden zu Hilfe zu eilen, die dort in der Umbrella-Zentrale spionieren wollten. Unterwegs erfahren sie jedoch durch den geheimnisvollen Mr. Trent von der Existenz der unterirdischen Testanlage und von einem besonderen Codebuch, das sich dort befinden soll. Mit den Daten, die in diesem Buch enthalten sind, könnte der Umbrella-Corporation das Genick gebrochen werden. Also machen Leon, Claire, Rebecca sowie ihre nicht in den Resident Evil – Spielen vorkommenden Freunde David und John sich auf dem Weg nach Utah, infiltrieren die Anlage problemlos und machen sich auf die Suche nach den brisanten Daten. Was als Routine-Agenteneinsatz beginnt, entwickelt sich zu einem Höllentrip, als der Leiter der Anlage die Eindringlinge entdeckt. Ihm gelingt es, die Gruppe aufzusplittern. Während Leon und John sich zusammen mit einem Techniker der Anlage in den simulierten Kampfarenen mit den bizarren Schöpfungen der T-Virus-Wissenschaftler herumschlagen müssen, werden die anderen von einem Umbrella-Einsatzteam angegriffen.

Laut Klappentext soll dieser Roman die Geschehnisse des zweiten und des dritten Spiels der Serie verbinden. Das ist natürlich nicht der Fall, denn die Autorin weiß schließlich nicht, welche Überlegungen die Spieleentwickler sich über die Lücken in der Resident Evil – Handlung gemacht haben. So erfindet sie (wie schon in Caliban Cove) eine beliebige Story, die nicht unbedingt etwas mit dem Spieleuniversum zu tun haben muß. Und die übrigens nur langsam in Gang kommt. Immerhin erfährt man diesmal etwas über die Motivationen des undurchsichtigen Mr. Trent, der allerdings in den Spielen ebenfalls nicht vorkommt. Ansonsten bietet der Roman die übliche Actionkost: Blutgierige Monster fallen über unsere Helden her und werden alsbald fachgerecht zerlegt – man fragt sich unwillkürlich, warum Umbrella so viel Geld in die Entwicklung von Wesen investiert, die sich nicht mal gegen zwei mit Handwaffen ausgerüstete Leutchen durchsetzen können!

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53
samurai Wolfgang Schwentker: Die Samurai
Verlag C.H. Beck 2003
132 Seiten

Klappentext: "Die Samurai bildeten viele hundert Jahre lang die politische und soziale Elite Japans. Wolfgang Schwentker, einer der besten Kenner der japanischen Geschichte, zeichnet die legendenumwobene Geschichte dieses Kriegerstandes von seinen antiken Anfängen bis zu seiner formellen Abschaffung im 19. Jahrhundert nach. Ein Kapitel über das Erbe der Samurai, das bis heute – nicht zuletzt durch zahlreiche Kinofilme – im modernen Japan fortlebt, beschließt diese ebenso kenntnisreiche wie faszinierend zu lesende Einführung."

Und mehr als eine kurze Einführung ist es auch wirklich nicht. Vieles wird nur kurz angesprochen, d.h. ein gewisser Stand an Vorkenntnissen über japanische Geschichte wird vorausgesetzt – bei 132 Seiten ist das auch gar nicht anders möglich.

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52
zeitschiffe Stephen Baxter: Zeitschiffe
Heyne 2002
732 Seiten

Dies soll die Fortsetzung des Romans "Die Zeitmaschine" von H.G. Wells sein. Der Zeitreisende kehrt aus der fernen Zukunft ins Jahr 1891 zurück, doch der Gedanke, die Eloi-Frau Weena den Morlocks ausgeliefert zu haben, läßt ihm keine Ruhe. Noch einmal will er mit seiner Zeitmaschine in das Jahr 802 701 n.Chr. reisen, um seinen Fehler wieder gutzumachen. Doch irgend etwas stimmt nicht: Während er durch die Zeit reist, kann er beobachten, daß sich die Welt um ihn herum völlig anders entwickelt, als er es aus seiner ersten Fahrt kennt. Als er die Zeitreise unterbricht, wird er von Morlocks gefangengenommen – aber diese Morlocks haben außer der körperlichen Gestalt nichts mit den menschenfressenden Ungeheuern zu tun, die der Zeitreisende kennengelernt hat. Diese neuen Morlocks sind hochintelligent, verfügen über ein unglaubliches Wissen und bevölkern eine gigantische Sphäre, die sie um die Sonne herum gebaut haben. Die verdunkelte Erde dient ihnen nur noch als Kinderspielplatz… Offenbar hat der Zeitreisende selbst irgend eine Entwicklung ausgelöst, durch die der Verlauf der zukünftigen Geschichte verändert worden ist. Zusammen mit dem Morlock Nebogipfel flieht der Zeitreisende zurück in die Vergangenheit, um sein früheres Ich vor den verhängnisvollen Folgen der Zeitreise zu warnen, doch kaum ist er im Jahr 1873 angekommen, muß er feststellen, daß auch hier nichts mehr so ist, wie er es einst erlebt hat.

Dies war meine dritte Urlaubslektüre auf Borkum im Sommer 2003. Den Roman muß man als eigenständiges Werk betrachten und nicht mit "Die Zeitmaschine" vergleichen. Außerdem sollte man nicht versuchen, die Zeitparadoxa zu begreifen (da jeder Eingriff in die Zeit zu einem neuen, "parallelen" Zeitstrom führt, GIBT es keine Paradoxa). Dann kann man ihn durchaus genießen. Die Idee, den Zeitreisenden bis zum Urknall und zum Anbeginn der Zeit reisen zu lassen, ist zwar nicht schlecht, wird aber nur gegen Ende des Romans kurz abgehandelt. Ach ja: Es gibt sogar so etwas wie ein Happy End! Bedauerlich bei diesem Buch ist vor allem die schlechte Überführung in die deutsche Sprache. Der Übersetzer tappt in fast jede Falle, die man sich vorstellen kann...

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51
platzhalter Konrad Spindler: Der Mann im Eis
Goldmann 2000
416 Seiten mit zahlreichen Farbfotos

Dies war meine zweite Urlaubslektüre auf Borkum im Sommer 2003. Prof. Dr. Konrad Spindler hat den Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg und war an der Untersuchung der Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen ("Ötzi") beteiligt. Dieser ca. 5000 Jahre alte und damit aus der Jungsteinzeit stammende Tote wurde 1991 von einem Nürnberger Ehepaar am Hauslabjoch gefunden und war (ist) eine archäologische Sensation: Niemals zuvor war ein so gut erhaltener Körper mit voller Alltagsausrüstung gefunden worden. In diesem Buch werden sowohl der Tote als auch sämtliche Gegenstände, die er bei sich getragen hat, genau beschrieben und erklärt. Natürlich ist vieles, was die Wissenschaftler zum jetzigen Stand der Forschung dazu sagen können, noch reine Spekulation, aber insgesamt erhält man einen lebendigen Eindruck von "Ötzis" Leben und Sterben. Der letzte Teil des Buchs enthält eine vergleichende Untersuchung steinzeitlicher Kulturen im Alpenraum und ist nicht mehr ganz so interessant wie die Rekonstruktion von "Ötzis" Lebensumständen. Als Ergebnis dieser Vergleiche nimmt der Autor an, daß der Mann aus dem Eis möglicherweise Überlebender des Angriffs eines feindlichen Stammes auf sein Dorf gewesen ist, verletzt wurde und mit teilweise beschädigter Ausrüstung ins Gebirge fliehen mußte. Dort ist er wahrscheinlich von einem frühen Wintereinbruch überrascht worden, erschöpft zusammengebrochen und erfroren. Die Leiche wurde schnell von Eis und Schnee bedeckt und erst Jahrtausende später vom sich zurückziehenden Gletscher wieder freigegeben.

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