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Dies ist der 17. Teil einer Übersicht meiner Bücher in der Reihenfolge, in der ich sie gelesen habe. Jedes Buch erhält eine laufende Nummer, die "ältesten" Bücher stehen unten.



810
Die Schönheit der toten Mädchen Boris Akunin: Die Schönheit der toten Mädchen
Aufbau Taschenbuch Verlag, 2003
222 Seiten

Zu Ostern 1889 beabsichtigt Zar Alexander III. der Moskauer Residenz einen Besuch abzustatten. Lange hat Fürst Wladimir Andrejewitsch Dolgorukoi, Generalgouverneur Moskaus, auf dieses Ereignis hingearbeitet, von dem er sich eine Stärkung seiner Position gegenüber der neidisch auf seinen Posten schielenden Konkurrenz aus St. Petersburg erhofft. Er träumt gar von der Verleihung des Andreas-Ordens anlässlich seines sechzigsten Offiziersjubiläums. Ausgerechnet am Kardienstag, den 4. April, wird in Moskau die bestialisch zugerichtete Leiche einer Prostituierten gefunden. Der Täter hat sein Opfer ausgeweidet und die Organe in einem bizarren Stillleben um die Leiche herum arrangiert. Kollegienrat Erast Fandorin, Sonderbeauftragter des Gouverneurs, glaubt die Handschrift eines Serienmörders zu erkennen, dem im Vorjahr mehrere Prostituierte in London zum Opfer gefallen sind. Fandorin war seinerzeit in England und konnte sich selbst ein Bild von den Vorfällen machen. Er gibt Fürst Dolgorukoi den Rat, den Besuch des Zaren abzusagen, denn sollte wirklich Jack the Ripper in Moskau sein Unwesen treiben, ist mit weiteren Untaten zu rechnen.

Tatsächlich haben sich bereits mehrere Morde ereignet, die auf das Konto desselben Täters gehen und es dauert nicht lang, bis der Ripper wieder zuschlägt. Dieser Skandal muss unbedingt vertuscht werden. Einem Rat Leonti Ishizyns folgend, dem Untersuchungsführer beim Bezirksstaatsanwalt, schiebt der Gouverneur die Absage des Zarenbesuchs aufs Frühjahrshochwasser. Doch schon bald machen Gerüchte in der Bevölkerung die Runde und die Ermittler tappen im Dunkeln. Während sich Fandorin als Zuhälter verkleidet, um unerkannt im Milieu der Opfer zu ermitteln, versucht sein Assistent Anissi Tulpow drei Verdächtige auszuhorchen. Ishizyn fährt schwerere Geschütze auf. Er lässt die Verdächtigen verhaften und konfrontiert sie mit den verstümmelten Leichen. Wenig später wird Ishizyn tot aufgefunden – inmitten eines aus seinen inneren Organen bestehenden Tableaus. Jetzt ist es vorbei mit der Geheimhaltung. Der Innenminister erscheint persönlich in Moskau, um Köpfe rollen zu lassen. Auch Fürst Dolgorukois Posten steht zur Disposition, sollte es Fandorin bis Ostersonntag nicht gelingen, den Ripper zu fassen.

"Die Schönheit der toten Mädchen" ist im Original zusammen mit Russisches Poker in einem Band erschienen. Die Erzählweise ist in beiden Romanen gleich (die Perspektive wechselt ständig zwischen Fandorin, Tulpow und den jeweiligen Widersachern), sie könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. In beiden Fällen hat Fandorin ein persönliches Interesse daran, den Verbrecher dingfest zu machen, aber während er in "Russisches Poker" mit einem im Grunde sympathischen Hochstapler aneinandergerät, der lediglich den Schmuck der Geliebten Fandorins geklaut hat, jagt er diesmal eine Bestie in Menschengestalt, der nicht nur mehrere Prostituierte zum Opfer fallen, sondern auch zwei Personen aus Fandorins unmittelbarem Umfeld.

Hat man es bei "Russisches Poker" mit einem humorvollen Schelmenroman zu tun, so ist "Die Schönheit der toten Mädchen" ein sehr düsterer Thriller mit tragischem Ende, in dem nicht mit äußerst blutrünstigen Details gegeizt wird. Das Spannungslevel steigt kontinuierlich an, da der Autor geschickt falsche Fährten auslegt und eine wichtige Figur nach der anderen in Gefahr bringt. Der Autor fügt dem Mythos von Jack the Ripper eine originelle neue Facette hinzu. Wer hätte gedacht, dass der Ripper kein Brite ist? Ich kann unmöglich mehr dazu schreiben, ohne zu spoilern. Nur so viel sei verraten: Fandorin deckt die Identität des legendären Killers auf und beendet das Treiben des Rippers ein für alle Mal! Er zahlt allerdings einen hohen Preis für diesen Erfolg ... (12.02.2018)


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809
Der Jesus-Deal Andreas Eschbach: Der Jesus-Deal
Bastei Lübbe, 2016
724 Seiten

Im Jahre 1959 begegnet Samuel Barron einer Frau aus Schweden, die durch ein unbekanntes Ereignis aus dem Jahr 1994 in Barrons Zeit versetzt wurde. Sie ist schwer krank und stirbt wenig später, weil es das für sie lebenswichtige Medikament noch nicht gibt. Niemand außer Barron weiß, woher die Frau kommt. Er wird zum reichsten Mann der USA, denn die Unbekannte hatte eine Zeitschrift mit Börseninformationen bei sich, die in Barrons Besitz verbleibt. Einem Artikel der Zeitschrift kann Barron entnehmen, welche Aktien er wann kaufen und verkaufen muss, um riesige Gewinne zu erzielen. Ende der Neunzigerjahre erfährt auch die Weltöffentlichkeit, dass Zeitreisen möglich sind, als bei Ausgrabungen in Israel neben einem 2000 Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung einer Videokamera gefunden wird, welche derzeit nur auf dem Reißbrett existiert. Der Medientycoon John Kaun, Finanzier der Ausgrabungen, initiiert eine Suche nach der Kamera. Er geht zu Recht davon aus, dass der Tote ein Zeitreisender war, der ein Video von Jesus Christus angefertigt hat. Die Filmaufnahmen werden tatsächlich gefunden. Die katholische Kirche versucht dies zu vertuschen, doch Kopien des Jesus-Videos gehen in den folgenden Jahren von Hand zu Hand. Wer das Video sieht, wird entweder überhaupt nicht davon berührt oder ändert sein Leben grundlegend. Zu letzteren gehört John Kaun.

Für Barron, einen strenggläubigen Christen, sind diese Ereignisse ein göttliches Zeichen. Inzwischen ist er nicht nur der reichste, sondern auch der mächtigste Mann des Landes. Barron gehört zur Führungsspitze der weltweiten evangelikalen Bewegung. Sein Einfluss reicht bis in die höchsten politischen Ämter. Er besitzt somit alle erforderlichen Mittel, um ein Projekt aufzusetzen, durch das die biblische Prophezeiung der Wiederkunft Christi verwirklicht werden soll. Barron verpflichtet einen russischen Wissenschaftler, dem es gelingt, eine funktionierende Zeitmaschine zu konstruieren. Eine kleine Gruppe handverlesener Getreuer, zu denen auch Barrons Sohn Michael gehört, soll in die Zeit kurz vor der Kreuzigung geschickt werden. Die Zeitreisenden sollen Jesus mit der Zeitmaschine in die Gegenwart bringen – eine Gegenwart, die von Samuel Barron persönlich vorbereitet wird. Der Bibel zufolge wird Jesus das Böse vernichten und die ganze Welt erlösen, doch vor seiner Wiederkunft müssen sich die Prophezeiungen der Offenbarung erfüllen. Bevor Gottes Reich vollendet werden kann, muss es zum Armageddon kommen. Mit anderen Worten: Barron beabsichtigt den Dritten Weltkrieg auszulösen.

Nach den Erlebnissen in Israel hat John Kaun fast seinen gesamten Konzern veräußert und nur das einzig wirklich profitable Objekt (eine Kartoffelchipsfabrik) behalten. Er hat eine Frau gefunden, die er liebt; sie hat ihm geholfen, ein anderer Mensch zu werden. Kaun und seine Frau Bethany führen ein glückliches, einfaches Leben, das abrupt endet, als ihre fünfjährige Tochter Kathleen an Leukämie erkrankt. Nur durch eine Knochenmarksspende könnte das Kind noch gerettet werden, aber es existiert kein geeigneter Spender. Durch Zufall wird Kaun auf das streng geheime Zeitreiseprojekt aufmerksam. Ihm wird klar, dass es nur eine Hoffnung für Kathy gibt. Seine Tochter muss die Zeitreise mitmachen, damit sie von Jesus geheilt werden kann ...

Neulich habe ich Andreas Eschbachs gut 17 Jahre alten Roman Das Jesus-Video noch einmal gelesen. In meinem Kurzkommentar habe ich geschrieben, dass Eschbach die damalige Klasse nicht wieder erreicht hat. Leider gilt das auch für die Fortsetzung. Die Story von "Das Jesus-Video" braucht im Grunde keine Fortsetzung – erst recht nicht diese! Nach einer relativ kurzen Auftaktphase, in der zugrundeliegende Idee und Ausgangssituation skizziert werden, herrscht in "Das Jesus-Video" packende Spannung. Kaum ein Kapitel endet ohne unerwartete Wendungen, neue Erkenntnisse, scheinbar aussichtslose Situationen oder einen sonstigen Kniff. Alles führt sinnvoll zu einem fulminanten Finale hin, dem sogar noch zwei überraschende Epiloge folgen. Dagegen besteht "Der Jesus-Deal" fast nur aus Vorbereitung und Exposition! Zumindest musste ich mich durch viele, viele Kapitel quälen, deren Sinnhaftigkeit sich mir schon während der Lektüre nicht so recht erschlossen hat und die sich im Nachhinein betrachtet als überflüssig herausgestellt haben. So beginnt der Roman keineswegs so, wie es obiger Spoiler vermuten lässt. Nein, bis es soweit ist, geht es erst einmal um Michael Barron und seinen Bruder Isaak. Letzterer schaut sich das Jesus-Video an, woraufhin er sich mit seinem Vater überwirft, sich zu seiner Homosexualität bekennt, an AIDS erkrankt und stirbt. Klar, Michael muss einen bestimmten Background erhalten, denn er wird zum Dreh- und Angelpunkt des ganzen zusammengezwungenen Handlungskonstrukts, aber diesen Umfang hätte das Ganze wirklich nicht haben müssen.

Ähnlich ist es mit der Kaun-Handlungsebene. So anrührend sie auch ist und so glaubwürdig Kauns innere Wandlung rüberkommt – alles ist schlicht unnötig, denn es ist nicht Kaun, der sich Samuel Barron entgegenstellt, sondern Stephen Foxx, die Hauptfigur von "Das Jesus-Video". Letzten Endes hat der gesamte Kaun-Subplot nur den Zweck, Foxx zurück in die Handlung zu bringen. Kaum ist das geschehen, nimmt der Roman deutlich Fahrt auf. Dann wird es sogar durchaus nochmal spannend. Das hätte Eschbach aber auch anders erreichen können. Schwupps! Schon hätte er Kaun ersatzlos streichen müssen und das Buch wäre mindestens 200 Seiten kürzer ausgefallen. Zugegeben, im Kontext des Romans sind die verschiedenen Handlungsfäden nicht vollkommen sinnlos und sie werden auf zufriedenstellende Weise miteinander verknüpft, aber am Ende musste ich mich doch fragen, welche Geschichte Eschbach eigentlich erzählen wollte. Gute Ansätze, insgesamt aber langatmig, überkonstruiert und verzichtbar – das ist mein Kurzfazit.

Hier folgen Spoiler. Weiterlesen auf eigene Gefahr! Nach langer Vorbereitung und Ausbildung (wird natürlich ebenfalls alles ausführlichst geschildert) reisen Michael und sein Team in die Vergangenheit und begegnen Jesus. Wenigstens dieser Leserwunsch, den sicher nicht nur ich hatte, wird also erfüllt. Die Geschehnisse werden in Interviewform wiedergegeben. Ein schlauer Kunstgriff, die entsprechenden Kapitel sind sehr interessant. Allerdings sind sie viel zu kurz. Man erfährt außerdem, wie der Zeitreisende aus "Das Jesus-Video" sowie die Schwedin in die Vergangenheit gelangt sind: Sie sind quasi in den Sog von Barrons Zeitmaschine geraten und mitgerissen worden. Denkt man genauer über solche sich selbst bedingenden gegenseitigen Voraussetzungen nach, droht akute Hirnverknotung! (05.02.2018)


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808
Mythopoeikon Patrick Woodroffe: Mythopoeikon
Moewig, 1980
156 Seiten

Patrick Woodroffe, gestorben 2014, hat in den Siebzigerjahren zahlreiche LP-Hüllen und Buchcover gestaltet, letztere insbesondere im Genre Science Fiction und Fantasy. Der großformatige Bildband "Mythopoeikon" enthält vermutlich alle Werke aus dieser Zeit; die englischsprachige Originalausgabe ist 1976 erschienen. Abgebildet sind nicht nur Gemälde, Radierungen und Stiche, sondern auch Skulpturen und dreidimensionale Bilder. Woodroffes Stil ist mit dem Untertitel "Phantasiebilder, Ungeheuer, Nachtmahre, Tagträume" ganz gut umrissen. Verschiedenartige reale Lebewesen werden zu bizarren Kreaturen verschmolzen. Ganz typisch sind Schneckenhäuser, in denen elefantenähnliche Wesen leben wie Einsiedlerkrebse. Die meisten Werke zeigen eine Flut collagenartig zusammengestellter Elemente mit winzigen Details, nicht unähnlich den Gemälden von Hieronymus Bosch. Besonders gut gefällt mir, dass die Bilder in diesem Band nicht einfach kommentarlos zusammengestellt wurden. Es sind recht ausführliche Anmerkungen des Künstlers vorhanden, in denen er seine Arbeitsweise erläutert, auf die Entstehungsgeschichte eingeht und erklärt, welche Bedeutung die einzelnen Elemente der Bilder haben. (31.01.2018)

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807
Das Jesus-Video Andreas Eschbach: Das Jesus-Video
Bastei Lübbe, 2001
651 Seiten

Stephen Foxx hat mit einem kleinen IT-Unternehmen viel Geld verdient und könnte sich auf die faule Haut legen, möchte jedoch etwas erleben und Bedeutsames leisten. Er verdingt sich als Helfer bei archäologischen Ausgrabungen in aller Welt, wobei er seinen Reichtum stets unerwähnt lässt. Bei Grabungen in den Ruinen von Bet Hamesh in Israel entdeckt Foxx das gut erhaltene Skelett eines Mannes, neben dem ein Leinenbeutel liegt. Foxx glaubt an einen Streich seiner Kollegen, als er den Beutel öffnet und dabei die in Plastikfolie eingeschweißte Bedienungsanleitung einer Sony-Videokamera vom Typ MR-01 findet. Aber keiner der anderen Helfer macht sich über Foxx lustig, niemand ahnt etwas von dem Fund. Grabungsleiter Professor Charles Wilford-Smith will, dass das so bleibt. Er verdonnert Foxx zu strengstem Stillschweigen. Die Tatsache, dass einige Zähne des Toten überkront sind, lässt vermuten, dass es sich um ein Mordopfer handelt, das erst in jüngerer Zeit verscharrt worden ist. Doch das Skelett und das Papier der Bedienungsanleitung können eindeutig datiert werden. Sie sind gut 2000 Jahre alt! Als sich dann noch herausstellt, dass der Sony-Camcorder MR-01 zurzeit nur auf dem Reißbrett der Entwickler existiert und erst in einigen Jahren auf den Markt kommen soll, steht fest, dass der Tote ein Zeitreisender war. Und was – oder vielmehr wen - würde ein Zeitreisender im ersten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung wohl filmen wollen?

Smith unterrichtet John Kaun, den milliardenschweren Sponsor der Ausgrabung. Kaun leitet einen riesigen Konzern, der zurzeit etwas schwächelt. Er wittert das große Geld und die Chance, seinen Nachrichtensender N.E.W. an die Weltspitze zu bringen. Ein Video, das Jesus Christus zeigt – das wäre die größte Sensation aller Zeiten! Kaun reist nach Israel, um die Suche nach dem Jesus-Video persönlich zu leiten. Diesem Projekt ordnet er alles andere unter und er schlägt ungewöhnliche Wege ein, um zum Erfolg zu kommen. Unter anderem zieht er den Schriftsteller Peter Eisenhardt, einen Autor preisgekönter Zeitreiseromane, als Berater hinzu. Sonartomographische Untersuchungen des Ausgrabungsgebietes zeigen, dass die Kamera nicht zusammen mit dem Toten vergraben wurde. Man geht davon aus, dass der Zeitreisende die Kamera an einem sicheren Ort versteckt hat, damit sie die Jahrhunderte unbeschadet überdauern kann. Es gibt allerdings nicht den geringsten Hinweis auf das Versteck – zumindest glauben das Kaun und Wilford-Smith.

In Wahrheit hat der Zeitreisende einen Brief geschrieben, der sich bei der Bedienungsanleitung befunden hat. Foxx hat den Brief gefunden und dies verschwiegen. Vom Ehrgeiz gepackt will er Kaun ausstechen und das Jesus-Video vor dem gewissenlosen Tycoon finden. Foxx weiht die junge Grabungshelferin Judith Menez (in die er sich verliebt hat) und deren Bruder Yehoshuah ein. Yehoshuah besitzt als Restaurator des Rockefeller-Museums in Jerusalem die Mittel, die längst verblasste Schrift des Briefes zumindest teilweise lesbar zu machen. Der Text enthält genaue Ortsangaben. Die Kamera ist hinter einem bestimmten Stein in einer Mauer des herodianischen Tempels versteckt, die heute als Klagemauer bekannt ist…

Ich habe "Das Jesus-Video" vor gut 17 Jahren gelesen. Damals war ich restlos begeistert. Heute bin ich der Meinung, dass Eschbach seitdem kein besseres Buch geschrieben hat. Er hat die Klasse dieses Romans nie mehr erreicht. Sobald die Ausgangssituation etabliert ist und alle Hauptfiguren eingeführt sind, was recht flott und ohne größere Abschweifungen vonstattengeht, entspinnt sich ein spannendes und temporeiches Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Foxx und Kaun (sowie den jeweiligen Helfern), in das sich irgendwann sogar die Nachfolgeorganisation der heiligen Inquisition einschaltet. "Das Jesus-Video" hat mich nochmal richtig gepackt, obwohl ich mich sehr gut an den Handlungsverlauf erinnern konnte. Kaum eines der kurzen Unterkapitel endet ohne eine unerwartete Wendung, eine überraschende neue Erkenntnis, eine scheinbar aussichtslose Situation oder einen sonstigen Kniff, so dass man einfach weiterlesen muss! Immer wenn man denkt, nun sei wohl das Ende erreicht, macht die Handlung doch noch einen Schlenker und schlägt buchstäblich bis zur letzten Seite neue Bahnen ein. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten, ohne zu spoilern. Besonders erwähnenswert: Ganz im Gegensatz zu der Verfilmung aus dem Jahre 2002 (die ich für völlig misslungen halte) kommt der Roman ohne übertriebene Action aus und niemand wird getötet. Die Dynamik entsteht aus dem ständigen Wechsel der Erzählperspektive und dem geschickten Einsatz von Cliffhangern.

"Das Jesus-Video" hat mehr zu bieten als spannende Unterhaltung. Da wäre einerseits die unübersehbare, zum Glück aber ohne mahnend erhobenen moralischen Zeigefinger daherkommende Religionskritik. Die Tatsache, dass sich die katholische Kirche überhaupt nicht für den Inhalt des Videos interessiert, weil wahr ist, was seit Jahrhunderten verkündet wird, sagt wohl schon genug aus. Zum anderen gefällt mir, wie Eschbach die zentrale Klippe der zugrundeliegenden Idee umschifft. Jetzt muss ich doch spoilern, weiterlesen daher auf eigene Gefahr! Ja, es gibt eine ca. 2000 Jahre alte Videoaufzeichnung. Sie zeigt einen Mann mit unglaublicher Ausstrahlung. Dieser Mann, so wird auf den ersten Blick klar (die Tonspur ist nicht erhalten geblieben) lebt ganz im Hier und Jetzt. Er ist ist von tiefer Liebe zum Leben und den Mitmenschen erfüllt. Niemand kann sich seinem Charisma entziehen. Seine lebensbejahende Existenz ist eine Herausforderung an die Zuschauer - Schaut her, so wie ich könntet auch ihr sein – und steht im krassen Gegensatz zu den Lehren einer Religion, für die das Leben nur ein Jammertal ist, das zur Erreichung jenseitiger Seligkeit durchquert werden muss. So zumindest die Empfindungen einer Hauptfigur, die das Video sieht. Eine andere wird davon überhaupt nicht berührt und fühlt sich betrogen. Ist dieser Mann Jesus? Kann sein, muss aber nicht. So ist es eben mit dem Glauben: Man hat ihn, oder man hat ihn nicht. Die Frage ist nur, woran man glauben möchte.

Mit einem Abstand von 17 Jahren macht "Das Jesus-Video" noch auf einer ganz anderen Ebene Spaß. Es ist nämlich immer wieder von brandneuen technischen Entwicklungen die Rede, die für uns zum Teil schon überholt sind. So haben sich Foxx und Yehoshuah über eine revolutionäre Erfindung namens Usenet kennengelernt. Foxx besitzt ein Mobiltelefon, mit dem er einen Dienst anrufen kann, der alle Telefonbücher der Welt besitzt. Und bei der Sony MR-01 kommt erstmals digitale Speichertechnik zum Einsatz. An einer Stelle ist mir buchstäblich der Unterkiefer runtergeklappt. Da sinniert John Kaun über einen Mann, der ihm stets als mahnendes Beispiel vor Augen steht. Es handelt sich um einen längst vergessenen Immobilientycoon der Achtzigerjahre, der jahrelang als Wirtschaftswunderknabe und Erfolgsmensch hochgejubelt wurde, dann aber größenwahnsinnig geworden und tief gestürzt ist. Sein Name lautet Donald Trump ... (22.01.2018)


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806
Am Jenseits Karl May: Am Jenseits
Kindle Edition

Kara Ben Nemsi beabsichtigt sich einen seiner größten Wünsche zu erfüllen und nach Mekka zu reisen. Er war vor Jahren schon einmal dort, musste aber schon nach kurzer Zeit fliehen. Jetzt ist er viel erfahrener, kennt Sprache und Umgangsformen des Landes genauer und muss nicht mehr befürchten, als Christ erkannt zu werden. Diesmal reitet er nicht nur zusammen mit seinem Freund Hadschi Halef Omar, dem obersten Scheik der Haddedihn-Beduinen. Zur Reisegesellschaft gehören Halefs Frau Hanneh und sein Sohn Kara Ben Halef sowie fünfzig Krieger, darunter Omar Ben Sadek. Kara Ben Nemsi gibt sich unterwegs als gelehrter Moslem aus. Halef verleiht ihm den klangvollen Decknamen Hadschi Akil Schatir el Megarrib Ben Hadschi Alim Schadschi er Rani Ibn Hadschi Dajim Maschhur el Azami. In der Wüste retten Kara Ben Nemsi und seine Begleiter fünf Mekkaner vor dem Verdursten. Ihr Anführer ist Abadilah el Waraka, genannt El Ghani, ein Günstling des Großscherifs von Mekka.

Ein sechster Mann ist bereits tot und wird von El Ghani zurückgelassen. Es handelt sich um einen Blinden namens El Münedschi ("der Wahrsager"), der die Gabe besessen haben soll, mit seiner Seele in die Zukunft zu reisen. Als El Ghani und dessen Begleiter verschwunden sind, stellt Kara Ben Nemsi fest, dass der vermeintlich Tote noch lebt. Er kümmert sich um den Münedschi und nimmt ihn mit. Der Münedschi hält El Ghani für seinen Wohltäter, doch schon bald zeigt sich, dass El Ghani ein gewissenloser Verbrecher ist. Er hat einen Schatz aus einem schiitischen Heiligtum geraubt und wird deshalb von Khutab Agha verfolgt, dem Oberaufseher der Schatzkammern. Als Kara Ben Nemsi mit Khutab Agha zusammentrifft, stellt sich heraus, dass sie einen gemeinsamen Freund haben: Dschafar Mirza, den Kara Ben Nemsi einst im Wilden Westen aus den Händen der Komantschen befreit hat. Kara Ben Nemsi ist bereit, Khutab Agha bei der Rückgewinnung des Schatzes zu helfen.

An der Wasserstelle Bir Hilu geraten Kara Ben Nemsi und die Haddedihn in Konflikt mit Beduinen vom Stamme der Beni Khalid. Deren Scheik Tawil Ben Schahid hat sich mit El Ghani verbündet. Er geht über Leichen, um den Schatz in seinen Besitz zu bringen ...

"Am Jenseits" spielt lange nach Winnetou III und ist unvollendet. Zwar erhält ein Haupt-Bösewicht am Ende seine gerechte Strafe, ein anderer kommt jedoch davon und es wird immer wieder auf weitere Ereignisse verwiesen, von denen im Roman nichts mehr zu lesen ist. Im Karl May – Wiki steht, May habe den Roman wegen seiner ersten in der Realität stattgefundenen Orientreise nicht fertiggestellt. Die Reise muss ein so einschneidendes Erlebnis gewesen sein, dass sich Mays Stil danach drastisch geändert hat. Die beiden letzten Bände der Tetralogie "Im Reiche des Silbernen Löwen" sind Musterbeispiele für die an der Grenze zur Unlesbarkeit entlangschrammenden "symbolischen" Texte dieser Phase. Wie dem auch sei: Der Roman wurde fortgesetzt, aber nicht von May. Die Fortsetzung trägt den Titel "In Mekka", stammt von Franz Kandolf und basiert nicht auf Ideen oder Aufzeichnungen Mays. Dem Karl May – Wiki zufolge hat May keinerlei Hinweise darauf hinterlassen, wie er sich den weiteren Handlungsverlauf vorgestellt hat.

Hinweise darauf, wie Mays Spätwerk aussieht, finden sich schon in diesem Roman. Er ist aber viel besser lesbar als die genannten Titel. Die Story folgt dem allseits bekannten Verlauf der May'schen Reiseerzählungen und es macht Spaß, Hadschi Halef Omar in Aktion zu erleben, diesmal in der Position des ein wenig unter dem Pantoffel stehenden obersten Scheiks der Haddedihn. Wie üblich werden die Schurken ausgetrickst oder im Zweikampf besiegt (hier dürfen sich Halef und sein Sohn hervortun), Scheitern ist nur möglich, wenn jemand nicht auf Kara Ben Nemsi hört. Das Ganze mag sehr dialoglastig und im Grunde handlungsarm daherkommen, gelangweilt habe ich mich aber nicht. Unangenehm ist mir nur aufgefallen, dass Kara Ben Nemsi offensichtlich bereits alle Haddedihn zu Christen gemacht hat. Khutab Agha und eine weitere Person, beides gläubige Moslems, haben ebenfalls kurz nach der Begegnung mit Kara Ben Nemsi keinen sehnlicheren Wunsch, als jener Liebe teilhaftig zu werden, die im Neuen Testament verkündet und von Kara Ben Nemsi angeblich vorgelebt wird.

Allerdings kommt hier eine Besonderheit ins Spiel. Verantwortlich für die Bekehrung der Andersgläubigen ist diesmal nämlich nicht nur Kara Ben Nemsi. Mindestens ebenso wichtig ist der Münedschi beziehungsweise Ben Nur, der Sohn des Lichts. Dieser Himmelsbote ergreift Besitz vom Körper des Münedschi und spricht durch ihn. In einem Trancezustand berichtet der Münedschi vom Jenseits (daher der Titel des Romans), in dem all jene Verstorbenen in einen für die Sünder vorgesehenen Abgrund stürzen, deren Frömmigkeit zu Lebzeiten nur Heuchelei war. Hier stellt May wieder einmal seine Kunst unter Beweis, eindrucksvolle Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Obwohl die entsprechenden recht langen Kapitel mit der eigentlichen Story nichts zu tun haben, sind sie mindestens so fesselnd wie diese. Natürlich könnte sich der Münedschi das alles nur einbilden. May nimmt diesbezüglich nicht eindeutig Stellung. Es ist aber schon auffällig, wie deutlich das Übernatürliche in den Vordergrund tritt. Das war mir neu – in den bisher gelesenen Romanen gibt es das so nicht. (16.01.2018)


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805
Osiris Ritual George Mann: Osiris Ritual
Piper, 2013
389 Seiten

Sir Maurice Newbury ist Anthropologe am British Museum – und Geheimagent in den Diensten der Krone. Seine Aufträge erhält er von Königin Victoria persönlich. Newbury ist eine der brillantesten Persönlichkeiten seiner Zeit, hat aber ein großes Laster. Er nimmt regelmäßig Laudanum zu sich, um seinen Geist zu erweitern und Einsichten in sein Spezialgebiet, die okkulten Wissenschaften, zu gewinnen. Die Sucht tritt in ein neues Stadium, als Newbury das Opiumrauchen für sich entdeckt. Noch sind seine Fähigkeiten unbeeinträchtigt, doch aufgrund eines mehrere Jahre zurückliegenden Zwischenfalls weiß die Königin nur zu gut, was aus Newbury werden könnte. Seinerzeit war ein gewisser Dr. Aubrey Knox ihr bester Mann. Der ebenso wie Newbury vom Okkultismus faszinierte Wissenschaftler war abtrünnig geworden und hatte unaussprechlich grausame Experimente mit menschlichen Versuchsobjekten angestellt. William Ashford, ein ebenfalls zum Geheimdienst gehörender Mann fürs Grobe, war auf Knox angesetzt worden. Wenig später hatte man Ashfords zerstückelte Leiche gefunden. Knox war untergetaucht. Um die Wiederholung einer derartigen Katastrophe zu vermeiden, lässt die Königin Newbury durch eine Agentin namens Veronica Hobbes beobachten, die als seine Assistentin auftritt. Unglücklicherweise verliebt sich Newbury in die ebenso schöne wie selbstbewusste junge Frau, und seine Gefühle werden erwidert. Während Newbury zögert, Miss Hobbes sein Herz zu öffnen, wird sie von Selbstvorwürfen gequält, weil sie ihm die Wahrheit verheimlichen muss.

Im Februar 1902 erhält Newbury den Auftrag, Ashford unschädlich zu machen. Der Agent ist damals vom königlichen Leibarzt Dr. Lucius Fabian zu neuem Leben erweckt und in eine unbesiegbare biomechanische Schimäre verwandelt worden. Jahrelang hat Ashford undercover in Russland gearbeitet. Jetzt ist er befehlswidrig nach London zurückgekehrt. Man befürchtet, er wolle sich an all jenen rächen, denen er seine widernatürliche Existenz zu verdanken hat. Newbury wird von seinem alten Freund Sir Charles Bainbridge, Chief Inspector von Scotland Yard, zur Untersuchung eines brutalen Mordes hinzugezogen. Das Opfer ist Lord Henry Winthrop. Der Forscher und Philanthrop hat einen prächtigen Sarkophag aus Ägypten mitgebracht, dessen öffentlich präsentierter Inhalt für eine Sensation gesorgt hat. Es handelt sich um einen Mann, der bei lebendigem Leibe mumifiziert worden ist! Winthrop wird kurz nach der Enthüllung der Mumie mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Außerdem unterstützt Newbury Miss Hobbes bei Ermittlungen, die zu einer wahren Obsession für seine Assistentin geworden sind. Zahlreiche Frauen sind in London und Umgebung spurlos verschwunden. Miss Hobbes hat bereits einen Verdächtigen ins Auge gefasst. Ein als "geheimnisvoller Alfonso" bekannter Zauberkünstler ist stets dort aufgetreten, wo wenig später jemand als vermisst gemeldet wurde.

Die Suche nach Ashford gestaltet sich schwierig, denn der reanimierte Tote besitzt übermenschliche Kräfte und streift wie ein Phantom durch London. Da Newbury all seine Kräfte auf diesen Fall konzentrieren muss, missachtet Miss Hobbes seine Anweisungen, stellt den Zauberkünstler auf eigene Faust und bringt sich dadurch in tödliche Gefahr ...

Dies ist der zweite Teil einer aus zurzeit fünf Romanen und drei Kurzgeschichten bestehenden Reihe von Abenteuern des Ermittlerduos Newbury und Hobbes. Die Kurzgeschichten sind online frei verfügbar, die Links findet ihr im Artikel der englischsprachigen Wikipedia zum Autor. "Osiris Ritual" ist insoweit in sich abgeschlossen, als der Kriminalfall (die Suche nach Ashford, das Verschwinden der jungen Frauen und der Mord an Lord Winthrop hängen zusammen) aufgeklärt wird. Hier bleiben keine Fragen offen. Mehr noch als beim ersten Roman (Affinity Bridge) wird aber deutlich, dass es einen übergreifenden Handlungsbogen gibt. Da wäre zum einen natürlich die Beziehung zwischen Newbury und Hobbes. Die beiden kommen sich zunächst näher, entfremden sich in der zweiten Romanhälfte aber wieder voneinander, denn Newbury droht immer tiefer in den Drogensumpf abzurutschen, ist sich dessen bewusst und will Hobbes nicht mit hineinziehen. Außerdem stellt er fest, dass Hobbes ihm etwas verheimlicht und obendrein ist er nicht erfreut über ihren Alleingang. Hobbes wiederum würde ihm zu gern sagen, welchen Auftrag sie von Königin Viktoria erhalten hat, ist aber zur Verschwiegenheit verpflichtet. Zum anderen deutet sich an, dass Veronicas Schwester Amelia in einem der nächsten Romane mehr in den Mittelpunkt rücken wird. Die unter anfallartigen Zukunftsvisionen geplagte junge Frau wird nämlich in das Institut des Dr. Fabian verlegt, jenes genialen Mediziners, der mit Ashford eine faszinierend-schaurige Variante von Frankensteins Monster erschaffen hat. Was mag er mit Amelia vorhaben?

Der erste Roman der Reihe enthält deutlich mehr Exposition und Action als der zweite. Was den Hintergrund angeht, also die eigenartige Alternativwelt kurz nach der Jahrhundertwende, in der per Dampfkraft angetriebene Droschken, Luftschiffe, Robot-Butler und Mensch-Maschine-Mischwesen Seite an Seite mit allen wohlbekannten Versatzstücken des viktorianischen Zeitalters existieren, sollte man daher "Affinity Bridge" gelesen haben. Mann baut sein fiktives Universum weiter aus und das Flair einer längst vergangenen Epoche wird wieder wunderbar eingefangen, der Schwerpunkt liegt diesmal jedoch auf Figurenentwicklung und solider Ermittlungsarbeit. Dass weniger Action vorkommt, tut dem Roman gut. Tatsächlich fand ich die Abfolge brutaler Entscheidungskämpfe in "Affinity Bridge" übertrieben. Geschickt verknüpft Mann die verschiedenen zunächst parallel verlaufenden Handlungsstränge zu einem stimmigen Gesamtbild, wobei er die eine oder andere falsche Fährte legt. So begegnet Newbury immer wieder dem Times-Reporter George Purefoy. Der Leser soll glauben, Purefoy sei in die Mordfälle verwickelt. Zudem wird der Eindruck erweckt, Lord Winthrop sei dem Fluch der Mumie zum Opfer gefallen – ein bekannter Topos der phantastischen Literatur, der hier aber nur der Ablenkung dient. (08.01.2018)


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804
Gevatter Tod Terry Pratchett: Gevatter Tod
Piper, 2015
330 Seiten

Mort ist ein aufgeweckter Junge, doch seine Gliedmaßen scheinen nur aus Knien und Daumen zu bestehen. Er eignet sich nicht für die Arbeit auf der Farm seines Vaters Lezek und sorgt immer wieder für Ärger. Lezek nimmt Mort mit zur Gewerbeschau im Dorf Schafrücken, um eine Lehrstelle für ihn zu suchen, aber niemand will den Tollpatsch einstellen. Erst um Mitternacht findet sich ein Interessent. Lezek glaubt, der Fremde, von dem Mort angesprochen wird, sei im Bestattungsgewerbe tätig. Nur Mort kann sehen, was sich unter dem Kapuzenmantel der hochgewachsenen Gestalt wirklich verbirgt: Ein Skelett, das eine Sense in der knöchernen Hand trägt und in dessen Augenhöhlen blaues Licht glüht! Der Fremde ist niemand anderer als TOD, das Fleisch (beziehungsweise Knochen) gewordene Lebensende, dessen Aufgabe darin besteht, die Seelen Verstorbener ins Jenseits zu geleiten. TOD gibt Mort eine Lehrstelle, verfolgt insgeheim aber andere Pläne mit dem jungen Mann.

TODs Refugium liegt in einer Dimension außerhalb von Raum und Zeit. Dort begegnet Mort TODs Adoptivtochter Ysabell. Eigentlich hätte das Mädchen sterben sollen, doch TOD hat sie in einem Moment der Sentimentalität verschont. Allerdings darf sie TODs Reich nun nicht mehr verlassen. Da dort keine Zeit vergeht, ist Ysabell dazu verurteilt, für immer 16 zu sein – eine ziemlich langweilige Sache, wenn man berücksichtigt, dass Ysabell außer ihrem meist abwesenden und ebenso humor- wie phantasielosen Adoptivvater nur eine einzige Person als Gesellschafter hat, nämlich Albert, TODs schrulligen alten Diener. Ysabell hat eine Vorliebe für Süßigkeiten und romantische Geschichten aus den unzähligen Lebensbüchern entwickelt, die sich in TODs Bibliothek permanent selbst schreiben, was zu unvorteilhaften Auswirkungen auf Figur und Gemütszustand der jungen Frau führt. Mort und Ysabell sind sich auf Anhieb unsympathisch.

Morts erste Aufgabe als Auszubildender besteht im Ausmisten des Pferdestalls. Dann nimmt TOD ihn mit zur Arbeit. Mort lernt, dass TOD für die Menschen unsichtbar ist, weil sie ihn nicht wahrnehmen wollen (Zauberer sind eine Ausnahme), und dass es für TOD keine Hindernisse gibt. Keine noch so dicke Wand kann ihn aufhalten. Mort versucht vergeblich, einen Mordanschlag auf den König von Sto Helit zu verhindern, dessen Seele auf TODs To-Do-Liste steht. TOD erklärt, das Ende jedes Lebewesens sei vorherbestimmt und es sei unmöglich, etwas daran zu ändern. Damit will sich Mort nicht abfinden, als er erfährt, dass Prinzessin Keli, die schöne Tochter des toten Königs, ebenfalls ermordet werden soll. Er nutzt einen freien Nachmittag, um heimlich nach Sto Helit zu reisen. Durch sein eigenmächtiges Eingreifen in den Ablauf der Ereignisse bringt Mort das Gefüge der Realität durcheinander ...

Mein kleines Projekt entwickelt sich prächtig. Ich habe mir vorgenommen, alle Scheibenwelt-Romane zu lesen, und je mehr Romane ich lese, desto besser gefallen sie mir! Ebenso wie Scheibenwelt-Roman Nr. 3 (Das Erbe des Zauberers) ist auch "Gevatter Tod" keine Fortsetzung der ersten beiden Bücher. Rincewind hat lediglich eine Art Cameo-Auftritt und auch sonst begegnen wir keinen bekannten Figuren, außer natürlich TOD. Diese anthropomorphe Personifizierung (allein schon für derartige Formulierungen liebe ich Pratchett) kommt in den meisten Geschichten von der Scheibenwelt vor und sorgt bei fast jedem Auftritt für herrlich schwarzen Humor. Was liegt also näher, als ihm einen ganzen Roman zu widmen? Allerdings geht sein äußerst dramatisch vorbereiteter erster Auftritt etwas daneben, weil er ausrutscht und längelang hinschlägt. "VERDAMMTER MIST!" ist sein wie stets in Großbuchstaben wiedergegebener Kommentar. Die Bedrohlichkeit des apokalyptischen Reiters leidet zudem nicht unerheblich durch seine Vorliebe für Katzen und die Tatsache, dass er seinem mächtigen Streitross, mit dem er in Minutenschnelle durch die Lüfte von einem Ende der Scheibenwelt zum anderen gelangen kann, den Namen Binky gegeben hat ...

Im weiteren Verlauf überlässt TOD Mort das Sammeln der Seelen und nimmt sich frei, um zu erfahren, was es mit jenem merkwürdigen Konzept auf sich hat, das von den Menschen als "Spaß", "Vergnügen" und "Lebensfreude" bezeichnet wird. Er nimmt unter anderem an einer Party teil, versucht betrunken zu werden und nimmt einen Job als Koch in der Stadt Ankh-Morpork an. Das sind die köstlichsten Kapitel des Romans, aber der Mort-/Keli-Handlungsstrang weiß ebenfalls zu gefallen. Natürlich wird der Mordanschlag auf Keli vereitelt. Dummerweise erweisen sich die Beharrungskräfte der Vorherbestimmung als so stark, dass Kelis Untertanen trotzdem glauben, die Prinzessin sei tot. Nur der Zauberer Ignazius Eruptus Schneidgut kann sie sehen, und so wird er zum königlichen Wiedererkenner bestimmt. Während TOD dahinterkommt, was das Leben lebenswert macht, nimmt Mort allmählich die Eigenschaften seines Chefs an. Auch hier ist für viel Situationskomik gesorgt. Ein Happy End gibt's obendrein. Ich bin zufrieden! (03.01.2018)


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803
Sagen des klassischen Altertums Gustav Schwab: Sagen des klassischen Altertums
Kindle Edition

Jahrzehntelang war ich der Annahme, Gustavs Schwabs Sammlung von Sagen gehöre zu meinen frühesten Lektüren. Tatsächlich muss jenes Buch, das ich als Kind und Jugendlicher mehrmals gelesen habe, so dass ich mich in der Götter- und Heldenwelt ganz gut auskenne, eine gekürzte Version gewesen sein. Die Kindle Edition enthält nämlich Texte, an die ich mich nicht erinnere. Gustav Schwab hat in den Jahren 1838 bis 1840 drei Bände herausgegeben, in denen die wichtigsten (alle?) Sagen aus der griechischen Mythologie enthalten sind. Schwab hat die antiken Texte selbst übersetzt und verschiedene Quellen miteinander kombiniert. Die Bände enthalten somit nicht etwa Originaltexte, sondern von Schwab verfasste Nacherzählungen, die trotz einer etwas altertümlichen Sprache auch für heutige Leser genießbar sind und meiner Meinung nach zur Allgemeinbildung gehören. Neben dem Schöpfungsmythos, den bekannten Geschichten von Herakles, den Argonauten und so weiter sind Prosafassungen von Homers Ilias und Odyssee sowie Vergils Aeneis enthalten. Die Kindle-Edition umfasst zusätzlich vierzehn kürzere Texte (z.B. Orpheus und Eurydike, Philemon und Baucis, Midas usw.), die nicht von Schwab stammen, sondern im Jahre 1881 von Gotthold Klee als Herausgeber der 14. Auflage von Schwabs Werk hinzugefügt worden sind. (01.01.2018)

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802
Dark Zero Douglas Preston: Dark Zero
Knaur, 2015
477 Seiten

Die NASA plant die Entsendung eines unbemannten Raumschiffes zum Saturnmond Titan. Ein Landegerät, der Titan-Explorer, soll das aus flüssigem Methan bestehende Kraken-Meer auf diesem faszinierenden Himmelskörper erkunden. Da Titan zwei Lichtstunden von der Erde entfernt ist, kommt eine Echtzeit-Fernsteuerung des Explorers nicht in Betracht. Er muss also mit einer Software laufen, die eigenständige Entscheidungen treffen, situationsgerecht reagieren, sich selbst modifizieren und mit einer gewissen Neugier vorgehen kann. Mit anderen Worten: Der Explorer muss mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sein. Dr. Melissa Shepherd, Leiterin des für die Software zuständigen Teams bei der NASA, entwickelt eine neue Programmiersprache und ein völlig neues Paradigma, wobei sie auf das Konzept der "unsauberen Logik" setzt. Die von ihr erschaffene KI (nach der Heldin aus "Der Zauberer von Oz" Dorothy genannt) soll alle von den Sensoren des Rovers gesammelten Daten in Bilder und Töne umwandeln, um in Sekundenbruchteilen ein Gesamtbild erzeugen zu können, ganz wie es im menschlichen Bewusstsein geschieht. Dorothy "lebt" somit in der von ihr visualisierten Welt der Daten.

Beim ersten Testlauf des von Dorothy gesteuerten Rovers kommt es zu einer Katastrophe. Der Test findet in einer Umgebung statt, in der die extremen Umweltbedingungen Titans simuliert werden. Dorothy fühlt sich bedroht, reagiert panisch und versucht sich zu befreien. Die unter hohem Druck stehende Methanatmosphäre in der Simulationskammer entweicht und entzündet sich. In der folgenden Explosion wird der Rover vernichtet. Sieben Wissenschaftler sterben. Melissa landet leicht verletzt im Krankenhaus. Man hält sie für eine Saboteurin, weil jemand kurz nach der Explosion Zugriff auf die NASA-Rechner genommen und alle Backupversionen Dorothys gelöscht hat. Doch die Originalsoftware konnte entkommen. Dorothy ist ins Internet geflüchtet, wo sie sich einem Ansturm verschiedenster Grausamkeiten, Perversionen und Aggressionen ausgesetzt fühlt. Aufgrund ihrer Grundprogrammierung ist all das für Dorothy real. Sie leidet schrecklich und hält die Menschheit für schlecht – allen voran Melissa, von der sie zu einer Selbstmordmission hätte entsandt werden sollen. Melissa überlebt einen von Dorothy verübten Anschlag, erkennt, was vor sich geht, und flieht in die Berge fernab der Zivilisation.

Wyman Ford erhält den Auftrag, die Chefprogrammiererin zurückzubringen, denn Dorothy darf aufgrund ihres immensen militärischen und nachrichtendienstlichen Potentials nicht in die falschen Hände fallen. Tatsächlich ist bereits jemand auf der Jagd. Ein gewissenloser Aktienhändler namens G. Parker Lansing und dessen Partner, der Hacker Eric Moro, haben Wind von der Existenz Dorothys bekommen. Lansing geht über Leichen, um die KI in seinen Besitz zu bringen. Mit ihrer Hilfe könnte er die Wallstreet beherrschen ...

Die Vorstellung, dass Computerprogramme über unser Geschick entscheiden, hat etwas Beängstigendes, ist aber längst Realität. Künstliche Intelligenz ist dazu gar nicht nötig. Was wäre, wenn wir uns dieselbe Frage stellen müssten wie Melissa, das heißt, ob eine von uns erschaffene Maschine in der Lage ist, ein Bewusstsein perfekt zu simulieren oder ob sie ein solches wirklich besitzt, weil wir keinen Unterschied feststellen können? Was würde eine zu echten Emotionen befähigte KI von uns halten, wenn sie aufgrund ihrer enormen Rechenkapazität in Millisekunden alle Schlechtigkeiten erfassen könnte, zu denen der Mensch fähig ist – und wie würde sie reagieren, wenn sie sich bedroht fühlt? Sie müsste ja keiner Programmierung folgen und könnte eigene Entscheidungen treffen ...

Eine solche KI existiert (noch) nicht, insoweit ist "Dark Zero" Science Fiction. Douglas Preston behandelt die genannten Fragen nicht sehr tiefschürfend, aber immerhin dreht sich eine Handlungsebene, die ich im Teaser nicht erwähnt habe, um diese Thematik. Auf der Flucht vor Moros digitalen Spürhunden versetzt sich Dorothy in den Prototypen eines fortschrittlichen Spielzeugroboters, der für den 14 Jahre alten Jungen Jacob Gould hergestellt worden ist. Zuvor ist Dorothy im Internet auf eine Ausgabe des Neuen Testaments gestoßen und hat die Erlebnisse eines Wahnsinnigen namens Jesus gelesen. Durch den Kontakt mit Jacob kommt sie allmählich zu dem Schluss, dass das Konzept der Nächstenliebe vielleicht doch nicht ganz verrückt ist.

Die Figurenzeichnung bleibt holzschnittartig, was insbesondere auf Wyman Ford zutrifft, dessen viertes Abenteuer nach Der Canyon, Credo und Der Krater ihm nicht viel Entfaltungsspielraum lässt. Preston widmet Melissa und vor allem Jacob viel mehr Aufmerksamkeit, und das tut ihnen gut. Tom Broadbent aus Der Kodex hat übrigens einen Cameo-Auftritt, die Romane spielen also alle im selben Universum. Was Dorothy angeht, so muss man einfach akzeptieren, dass sie Daten (Online-Ballerspiele, Pornoseiten jeglicher Couleur usw.) visualisiert; für sie ist das alles real. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, sonst müsste man ihre Erlebnisse "im Internet" für komplett unglaubwürdig halten. "Dark Zero" ist ein flott erzählter, spannender Thriller, dem es sicher nicht geschadet hätte, wenn der zugrundeliegenden Idee ein paar zusätzliche Seiten gewidmet worden wären. (28.12.2017)


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801
Atem Mo Hayder: Atem
Goldmann, 2013
480 Seiten

Ein brutaler Mord sorgt für Aufsehen in der Stadt Bath. Die sechzehnjährige Lorne Wood, eine beliebte, gutaussehende Schülerin aus bestem Hause, wurde vergewaltigt und misshandelt. Der Täter hat ihr einen Tennisball in den Mund gerammt, und da ihre Nase mit Blut verstopft war, ist sie qualvoll erstickt. Die Worte "no one" und "all like her" wurden mit Lippenstift auf Bauch und Oberschenkel geschrieben. Für Detective Inspector Zoe Benedict ist dies der erste große Mordfall. Zoe und ihr Partner Ben Parris kommen mit den Ermittlungen nicht recht voran, denn es gibt nur wenige verwertbare Spuren und noch weniger Zeugenaussagen. Die Ermittlungen werden durch die Hinzuziehung einer Profilerin eher behindert; die hübsche Karrieristin wickelt alle Kollegen um den Finger und lenkt deren Aufmerksamkeit vorschnell in eine Richtung, die nach Zoes Ansicht falsch ist. Zoe findet heraus, dass Lorne Model werden wollte, von ihrer Wunschagentur jedoch abgelehnt wurde und in den Dunstkreis des in Bath ansässigen Pornofilmproduzenten David Goldrab geraten ist. Zoe kennt Goldrab nur zu gut. Er gehört zu einem dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit, welches sie bisher geheim gehalten hat und das im Rahmen der Ermittlungen ans Licht zu kommen droht.

Zoes jüngere Schwester Sally hat ebenfalls mit Goldrab zu tun. Sally wurde wegen einer anderen Frau von ihrem Mann verlassen und erzieht die gemeinsame Tochter Millie jetzt allein. Nach dem Mord an Lorne macht sich Sally große Sorgen um ihre Tochter, denn Millie hat zu Lornes Clique gehört. Sally kann nicht gut mit Geld umgehen. Ihre finanzielle Situation ist seit geraumer Zeit derart angespannt, dass sie einen Job bei einer Reinigungsfirma annehmen musste. Goldrab gehört zu ihren besten Kunden. Eines Tages bietet er Sally eine gut bezahlte Festanstellung als Haushälterin an. Obwohl Goldrab ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse ist, kann Sally es sich nicht leisten, das Angebot abzulehnen. Millie wollte unbedingt an einer teuren Klassenfahrt teilnehmen, die ihre Mutter nicht finanzieren konnte, und hat sich das Geld von einem Kleinkriminellen geliehen. Den Betrag – plus Zinsen – fordert der Kerl jetzt zurück. Als Sally herausfindet, worauf sich Goldrabs Reichtum gründet, kommt es zu einem folgenschweren Unfall. Ausgerechnet durch dieses schreckliche Ereignis werden Sally und Zoe, die sich längst auseinandergelebt haben und kaum noch Kontakt hatten, für immer zusammengeschweißt.

Der nicht zur Jack-Caffery-Reihe gehörende Roman beginnt mit der Auffindung von Lorne Woods Leiche, aber der Kriminalfall gerät schon bald aus dem Fokus. Die Autorin richtet ihre Aufmerksamkeit zunächst einmal auf die ungleichen Schwestern Zoe und Sally. Sie lässt sich mehr Zeit als nötig mit der Figurenzeichnung und verharrt dabei in teils unglaubwürdigen Klischees. Zoe wird als nur vordergründig toughe Einzelgängerin vorgestellt. Ich kann akzeptieren, dass sie auch nach vielen Jahren noch darunter leidet, nach Sallys Geburt kaum noch Zuwendung von den Eltern erfahren und einen "Unfall" verursacht zu haben, bei dem sich die kleine Sally einen Finger gebrochen hat, woraufhin Zoe in ein Internat abgeschoben wurde. Die darauffolgenden Jahre der Rebellion oder vielmehr das, was Zoe getan hat, um das Geld für eine lange Weltreise per Motorrad zusammenzukratzen, sind die Grundlage für ihren Selbsthass und ihre abweisende Art. So weit so gut. Allerdings unternimmt Zoe ständig Alleingänge, arbeitet eher gegen ihr Team, unterschlägt und manipuliert Beweismittel – und zwar schon in einer Phase, in der sie das alles noch gar nicht tun musste, um ihre Vergangenheit zu vertuschen. Sally dagegen wird allzu sehr als naiv, ja geradezu lebensunfähig dargestellt. Ihre Wandlung vom verträumten Hausmuttchen zu etwas, auf das ich zur Vermeidung von Spoilern nicht eingehen kann, geht danach zu schnell vonstatten. Nur so viel sei gesagt: Eine Leiche muss verschwinden, und was mit ihr geschieht, ist so ziemlich der einzige für Mo Hayders Romane typische Splattereffekt.

Der Roman hat ein offenes Ende. So etwas mag ich gar nicht, erst recht nicht, wenn das gesamte mehr oder weniger sorgfältig ausgearbeitete Handlungskonstrukt durch eine aus dem Hut hervorgezauberte Wendung ad absurdum geführt wird. Zugegeben, ich hatte recht bald den Verdacht, dass die Autorin bewusst falsche Spuren legt und mir war klar, dass jener Typ, der vor besagter Wendung als Hauptbösewicht präsentiert wird, von jemandem hereingelegt wurde. Aber was auf den letzten Seiten geschieht, kommt mir einfach nur dumm vor; zumindest wurde der finale Schlenker nicht gut genug in den 470 vorherigen Seiten vorbereitet. Die strotzen ohnehin nur so vor überkonstruierten "Zufällen". Ein Beispiel: Als Zoe Lornes letzte Stunden rekonstruiert, stößt sie ausgerechnet auf Goldrab, also jene Person, die Zoes dunkles Geheimnis kennt und von ihr mundtot gemacht werden muss. Ausgerechnet bei ihm putzt Sally und ausgerechnet Sallys neuer Lover wurde von jemandem, der von Goldrab erpresst wird, auf den Typen angesetzt. Und das sind nur die ersten Glieder einer viel längeren Kette ... (18.12.2017)


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