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Atlan Rudyn Nr. 3: Acht Tage Ewigkeit

Autor: Michael H. Buchholz

Inhalt

Als Patty Ochomsova mit ihrem Frachter FIFFY die übliche Ladung Müll vom Sphärenrad ZUIM abholt, ahnt sie nicht, dass sich in dem Container blinde Passagiere befinden: Atlan, Trilith Okt, Neife Varidis und Oderich Musek fliehen auf diese Weise vor Ponter Nastases Häschern. Musek wurde bei den Kämpfen im Sphärenrad verwundet, Varidis erleidet schwere Verletzungen, als ein Säurefass im Müllcontainer umkippt. Es gelingt Atlan, Pattys Vertrauen zu gewinnen, so dass die Verletzten erstversorgt werden können. Um es Atlan und dessen Gefährten zu ermöglichen, einer kurzfristig anberaumten Überprüfung des Müllfrachters zu entgehen, stellt Patty dem Arkoniden einen kleinen Atmosphärengleiter zur Verfügung, den sie eigentlich für ihren anstehenden Urlaub mit an Bord genommen hatte. Mit diesem Fluggerät setzen die Flüchtlinge sich in ein Gebirge auf Rudyn ab, wo die Santuasi leben: Naturverbundene Rudyner, die sich nicht in die gleichgeschaltete Gesellschaft der ZGU eingliedern wollen. Hier werden die Verletzten weiter behandelt, bis sie wieder voll einsatzfähig sind. Allerdings gelingt es Atlan nicht, das Misstrauen der Santuasi vollständig auszuräumen.

Ponter Nastases Umsturzpläne gehen auf: Er lässt alle anderen Kalfaktoren entweder verhaften oder ermorden und sorgt für Unruhen auf Rudyn - als Sündenbock müssen seine schärfste Widersacherin Neife Varidis (die er für tot hält) und deren Geheimdienst herhalten. Durch gezielte Propaganda wird die Situation solange weiter angeheizt, bis der amtierende Generalkalfaktor Aquium Namastir gestürzt werden kann. Namastir ernennt Nastase im Rahmen der Notstandsgesetze zu seinem Nachfolger. Nastases Größenwahn kennt keine Grenzen. Er plant den Bau eines gewaltigen Palasts an der Stelle, an der er vor vielen Jahren seine einzige Liebe verloren hat. Von dort aus will er, der nunmehr Unsterbliche, seine Macht als Sternenkaiser über die ganze Milchstraße ausdehnen. Seine Begeisterung erhält einen jähen Dämpfer, als er erfährt, dass Neife Varidis lebt und bei den Santuasi Unterschlupf gefunden hat. Um dieses Problem endgültig aus der Welt zu schaffen, lässt er einen 400-Meter-Schlachtkreuzer in geringer Höhe über das ganze Gebirge fliegen - der dadurch entstehende Sturm vernichtet praktisch alle Siedlungen der Santuasi.

Atlan sieht das Unheil jedoch rechtzeitig kommen, so dass er und "seine" Santuasi sich in Höhlen in Sicherheit bringen können. Auch das bleibt Nastase nicht verborgen, denn er hatte einen Spion in diesem Dorf, der Atlan niederschlägt, Trilith im Zweikampf besiegt und flieht, um seine wahren Herren zu informieren. Nach dem Sturm aktivieren Neife Varidis und Atlan alte Kontakte. Der Arkonide führt seine Begleiter in einen geheimen USO-Stützpunkt, die Geheimdienstchefin startet eine effektvolle Gegenpropaganda, wobei sie ein unzensierbares privates Informationsnetzwerk nutzt, das von praktisch allen Rudynern verwendet wird. Mit den technischen Hilfsmitteln des USO-Stützpunkts starten Atlan und Neife Varidis am 22. September 3102 einen Angriff auf Ponter Nastase, der dem Volk seine Pläne, bei denen die ZUIM eine bedeutende Rolle spielen soll, in einer Rede präsentieren will. Es geht den beiden nur darum, Nastase aufzuscheuchen. Er flieht durch einen Transmitter und will sich zur ZUIM absetzen. Er wird von seinem neuen Mitarbeiter Derius Manitzke begleitet, der zusammen mit einem befreundeten Arzt einen künstlichen Extrasinn entwickelt und sich selbst implantiert hat.

Atlan und seine Begleiter (auch Trilith Okt ist diesmal mit dabei) stellen Nastase und Manitzke, die Hilfe von Kampfrobotern erhalten. Als Nastase niedergeworfen wird, nimmt Manitzke ihm den Zellaktivator ab. Trilith köpft ihn mit ihrem Vibromesser und nimmt den Aktivator an sich. Nastase richtet seine Waffe auf Trilith, doch Atlan, der sich gerade noch rechtzeitig gegen die Kampfroboter durchgesetzt hat, erschießt ihn. Natürlich denkt die Psi-Kämpferin nicht daran, Atlan den Aktivator zu überlassen. Sie braucht das Gerät, um ihre Freundin Lalia Bir damit zu retten - die GAHENTEPE hält Lalia in einem künstlichen Koma, um Trilith auf diese Weise zu erpressen. Trilith entkommt dem Arkoniden mit der GAHENTEPE, die selbständig zu ihrer Position geflogen ist. Doch als sie Lalia den Aktivator anlegt, stößt deren Körper das Gerät ab. Sie droht zu verbrennen. Nur mit Mühe kann Trilith den Aktivator von Lalias Körper lösen, aber es ist zu spät: Die junge Frau stirbt.

Nach Ponter Nastases Tod gelingt es Neife Varidis schnell, wieder für Ruhe und Ordnung auf Rudyn zu sorgen und die Wahrheit bekannt zu machen. Atlan kehrt nach Quinto-Center zurück und lässt allen, die ihm auf Rudyn geholfen haben, eine großzügige Entschädigung zukommen. Seinem Freund Lemy Danger kann er nicht mehr helfen: Der Siganese stirbt am 2. Oktober friedlich und wird am Folgetag im All bestattet.

Kommentar

Dieser Roman enthält wieder einen kurzen Rückblick auf Trilith Okts Vergangenheit. Wir erfahren, dass sie ein neues Bein erhalten hat, und dass sie den Zellaktivator braucht, um Lalia Bir zu retten. Das war aber auch schon alles. Alle Fragen nach ihrer Herkunft, nach den Unbekannten, die ihren ganzen Lebensweg beeinflusst haben usw. bleiben offen. Das ist schon sehr enttäuschend, wenn man bedenkt, welch breiten Raum Triliths Lebensgeschichte in den vorherigen beiden Romanen eingenommen hat, denn ich glaube kaum, dass die Psi-Kämpferin bald wieder irgendwo auftauchen wird. Wenn sie in der Milchstraße geblieben ist und den Zellaktivator behalten hat, dann dürfte sie spätestens beim Einsatz des larischen Gen-Kode-Destruktionsfeldes getötet worden sein. Unklar bleibt auch, warum Lalia Birs Körper den ZA abstößt. Und immer noch verstehe ich nicht, was am Sphärenrad so toll sein soll. Außer der Form vielleicht. Obwohl die keine erkennbaren Vorteile bietet. Neue Technologien hätte man auch in einen Kugelraumer einbauen können. Warum müssen es vier sich drehende Ringe sein? Warum hat der Zellaktivator erst jetzt, 800 Jahre nach all den anderen, seine Signale ausgestrahlt? So viele unbeantwortete Fragen am Ende einer Trilogie, die eigentlich in sich abgeschlossen sein sollte - musste das sein? Ich finde es einfach nur ärgerlich.

Ansonsten bietet der Roman genau das, was zu erwarten war. Es gibt ein bisschen Action im Kampf gegen den größenwahnsinnigen Ponter Nastase, einen etwas allzu esoterisch angehauchten Ausflug in die Bergwelt Rudyns (ich hoffe, der Autor glaubt nicht selbst an Heilungserfolge durch Beeinflussung der Chakren mittels Veränderung der "Körperschwingungen" und Flötenmusik) und diverse mehr oder weniger sinnvolle Nebenhandlungen. Während die Müllfrachter-Pilotin nicht nur für ein paar amüsante Szenen sorgt, sondern noch sinnvoll in die Handlung eingebunden wird, hätte man den Manitzke-Handlungsstrang komplett weglassen können, ohne dass es dem Roman geschadet hätte.

Nach all der langwierigen Vorbereitung geht am Ende wieder mal alles so schnell, dass man den Verdacht nicht los wird, weder der Exposé-Autor noch der Autor des Romans hätten sich genau genug überlegt, wohin die Handlung überhaupt führen sollte. Die Leichtigkeit, mit der Atlan und die wundersamerweise innerhalb kürzester Zeit vollständig genesene Neife Varidis sich an Nastase heranmachen können, wirkt sehr unglaubwürdig. Warum flieht Nastase überhaupt? Er hätte nur bleiben müssen, wo er war. Dort hätte er mehr Rückendeckung gehabt als auf dem Raumhafen, wo gerade mal vier mickrige Kampfroboter erscheinen - die Atlan dann auch noch fast im Alleingang ausschaltetů

Störend ist mir auch die Vorliebe des Autors für englische Begriffe und Redewendungen aufgefallen. Als ob man im 32. Jahrhundert auf Rudyn oder anderswo noch diese Sprache verwenden würde.

Insgesamt muss ich leider sagen: Die einzelnen Romane der Rudyn-Trilogie sind für sich genommen zwar ganz nettes Lesefutter, durch die eine Reihe interessanter Informationen zum namensgebenden Planeten vermittelt wird, schön ist auch, dass Atlan mal richtig was zu tun bekommen hat. So richtig mitgerissen haben die Romane mich aber nicht - sie zu lesen, ist ehrlich gesagt eher so etwas wie eine Pflichterfüllung für mich gewesen - außerdem fügen die Romane sich nicht zu einer überzeugenden Trilogie zusammen. Sie beginnen und enden irgendwo im Nichts. Schade.

J. Kreis, 27.12.2007
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