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Atlan Rudyn Nr. 1: Die Psi-Kämpferin

Autor: Achim Mehnert

Inhalt

Der siganesische USO-Spezialist Lemy Danger, inzwischen ein Greis von fast 870 Jahren, sucht den Tod in einem unautorisierten Risikoeinsatz, bei dem es um die Aufklärung von Drogenschmuggel geht. Er wird dabei jedoch gefangen genommen. Atlan bricht persönlich auf, um seinen alten Freund zu befreien. In der Maske eines Akonen gelingt ihm dies am 2. September 3102 auch, wobei er den Überschweren Daylcrancz tötet und die Verbreitung der gefährlichen Droge Starwynd verhindert. Er bringt den Siganesen nach Quinto-Center, aber ihm ist klar, dass das Ende des ehemaligen Top-Agenten naht. Da trifft ein Funkspruch vom Planeten Cebus im Xanthab-System ein: USO-Spezialisten haben jene Signalfolge aufgefangen, die auf das Vorhandensein eines Zellaktivators hindeutet. 25 dieser Unsterblichkeit verheißenden Geräte hatte ES im Jahre 2326 in der Milchstraße ausgestreut, nur 21 davon waren gefunden worden. Atlan macht sich mit dem leichten Kreuzer STABILO sofort auf den Weg. Er hofft, mit dem Zellaktivator das Leben seines Freundes retten zu können. Außerdem sitzt ihm in Quinto-Center ein Controller im Nacken, der auf Geheiß von Homer G. Adams prüfen soll, ob bei der USO Kosten eingespart werden können. Diesem unangenehmen Zeitgenossen möchte Atlan lieber aus dem Weg gehen. Im USO-Stützpunkt auf Cebus findet er nur noch Leichen vor. Offensichtlich sind die USO-Spezialisten, verblendet durch ihre Gier nach dem ewigen Leben, übereinander hergefallen.

Atlan muss zum Nachbarplaneten Finkarm fliegen, denn die Impulse des Zellaktivators stammen von dort. Er folgt den beiden überlebenden USO-Spezialisten allein, wobei er zunächst zu Fuß gehen muss, denn innerhalb eines bestimmten Bereichs rings um den Zellaktivator ist ein Energiefeld aktiv, das jegliche höherwertige Technik hemmt. Atlan stellt fest, dass es noch andere Interessenten gibt. Unter anderem scheinen Agenten der Zentralgalaktischen Union (ZGU) auf Finkarm unterwegs zu sein. Alle Gruppen gehen mit rücksichtsloser Brutalität gegeneinander vor, was nicht zuletzt an einem in der Nähe des Zellaktivators wirksamen Einfluss liegt, der die Aggressionen steigert. Schließlich gelingt es einem der USO-Spezialisten, seinen Kameraden zu ermorden und den Zellaktivator an sich zu nehmen. Sofort erlischt das Hemmfeld, prompt wird der USO-Spezialist von den Agenten der ZGU angegriffen und getötet. Auch Atlan gerät unter Beschuss. Er kann nicht verhindern, dass die Agenten sich mit dem Zellaktivator absetzen, denn sie werden von ihrem Raumschiff abgeholt. Der Arkonide erhält unterwartete Unterstützung von Trilith Okt, einer jungen Assassinin, die anscheinend ebenfalls nach dem Zellaktivator gesucht hat. Sie bietet Atlan an, ihn auf ihrem Schiff mitzunehmen. Atlan willigt ein, um die Agenten der ZGU verfolgen zu können.

Trilith Okts Erinnerungen an ihre Kindheit sind unvollständig, sie reichen nur bis zu ihrem elften Lebensjahr zurück: Trilith wächst auf einer Primitivwelt auf und erlebt dort diverse Abenteuer auf einem Piratenschiff, in einem Bordell, auf dem Landsitz eines Unbekannten, als Schülerin eines Dagor-Meisters und als unabhängige Söldnerin. Sie steht offenbar immer unter Beobachtung, denn ihr Schicksal wird stets in bestimmte Bahnen gelenkt. So gehört der Unbekannte, auf dessen Landsitz sie zur Kämpferin ausgebildet wird, einem insektoiden Volk an und verfügt über hoch entwickelte technische Hilfsmittel, in deren Gebrauch Trilith später eingewiesen wird. Trilith lernt neben der Dagor-Kampftechnik auch, ihre Paragaben einzusetzen: Sie ist in der Lage, Ultraschallwellen auszustoßen und im Ultraschallbereich zu hören. Mit ihrer "Stimme" kann sie sogar töten. Sie kann durch Hindernisse hindurchblicken, außerdem hat sie ein zweites Augenpaar am Hinterkopf. Von ihrem Dagor-Meister, den sie im Zweikampf tötet, erhält sie ihre bevorzugte Waffe: Einen Vibratordolch.

In der letzten Episode ihrer bewegten Vergangenheit erhält sie von einem vermummten Boten den Auftrag, innerhalb einer bestimmten Frist zum "Ort der Wahrheit" zu kommen. Dort soll sie alles über ihre Vergangenheit erfahren. Unterwegs begegnet sie ihrer künftigen Gefährtin Lalia Bir. Gemeinsam überstehen die beiden einige Gefahren, doch als der "Ort der Wahrheit" endlich erreicht ist (es handelt sich um einen Diskusraumer), verkündet der Bote, nur eine der Frauen dürfe ihn betreten. Trilith und Lalia müssen bis zum Tod gegeneinander kämpfen - Trilith bleibt Siegerin. Im Inneren des Schiffes erkennt sie, dass sie durch einige der unerklärlichen Lektionen, die sie vor Jahren erhalten hat, zur Steuerung des Schiffes befähigt wurde. Als der Bote erklärt, dass er ihr sonst nichts zu sagen habe, tötet sie ihn - auch er ist ein Insektoider wie ihr einstiger Herr auf dem Landsitz. Trilith bemerkt, dass Lalia noch lebt. Sie bringt die Frau in die Medostation des Schiffes und rettet ihr das Leben. Dann startet sie mit unbekanntem Ziel.

Kommentar

Der erste Band der Rudyn-Trilogie lässt noch nicht erkennen, was die Geschichte mit dem namensgebenden Planeten Rudyn zu tun hat. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum das Buch im Gegensatz zu den Romanen Nr. 2 und 3 der Lepso-Trilogie Lust auf mehr macht. Schließlich möchte man wissen, wer Trilith Okt wirklich ist, was es mit den Unbekannten auf sich hat, die ihr ganzes Leben beeinflusst haben und wieso sie überhaupt nach Finkarm gekommen ist. Auch Lemy Dangers weiteres Schicksal interessiert mich natürlich und ich wüsste gern, warum der Zellaktivator jetzt plötzlich und mit fast 800 Jahren Verspätung seine Signale ausstrahlt. Ich kann nur hoffen, dass diese Fragen auch beantwortet werden!

Trilith Okts Lebensgeschichte nimmt in diesem Roman den meisten Raum ein, und ehrlich gesagt wäre es mir lieber gewesen, wenn die Handlung sich mehr auf Atlan konzentriert hätte. Andererseits ist es vielleicht besser so, denn am Ende hätte ich sonst womöglich noch mehr Szenen aus dem rheinischen Karneval ertragen müssen. Mehnert baut nämlich allen Ernstes (obwohl - "Ernst" ist in diesem Zusammenhang das falsche Wort) närrisches Treiben in seinen Roman ein, komplett mit "Alaaf"-Rufen, besoffenen Jecken, Karnevalsschlagern und dergleichen. Das tut fast schon weh, vor allem dann, wenn im weiteren Verlauf der Handlung x-mal erneut darauf herumgeritten wird. Interessant: Für Atlan sind diese primitiven Rituale unverständlich, d.h. er kennt den rheinischen Karneval nicht. Also war er während der "fünften Jahreszeit" offenbar nie im Rheinland oder wenigstens in Deutschland, obwohl er ja Jahrtausende auf der Erde verbracht hat. Sowas aber auch. Wieder was dazugelernt! Dass Atlan sich wieder einmal ganz allein in diverse Einsätze stürzt, muss man ganz einfach hinnehmen. Er hat ja auch ein ganz persönliches Motiv dafür. Allerdings muss man sich schon fragen, warum er nicht genauso schlau ist wie die Leute von der ZGU. Einfach mit dem Raumschiff hingeflogen und abgewartet, bis das Hemmfeld erlischt - schon wäre der Zellaktivator sein gewesen…

Triliths Lebensgeschichte liest sich ganz unterhaltsam. Neben Fantasy-Elementen, die einen netten Gegensatz zur reinen SF-Handlung der Atlan-Kapitel bilden, enthält sie leider auch allzu plakative Piratenabenteuer. Man reist mit Segelschiffen, man schießt mit Kanonen und schwingt Enterhaken, auf Deck entsteht ein Wuling, es wird Rum gebechert, der Smutje kocht nur Mist zusammen usw. - derartige Übereinstimmungen mit Klischees bzw. mit irdischer Geschichte oder Begriffen aus der Seefahrt wirken doch etwas befremdlich, wenn man bedenkt, dass Trilith ihre Abenteuer auf einem völlig fremden Planeten erlebt. Ich kann mich außerdem des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor von den Fluch der Karibik - Filmen inspiriert war. Insgesamt kamen mir Triliths Abenteuer, so spannend sie auch sein mögen, derart seltsam vor, dass ich eigentlich eine andere Auflösung erwartet hätte: Ich hatte gedacht, sie habe alles nur in einer virtuellen Realität erlebt, die eigens für ihre Ausbildung erschaffen worden sei.

Trotzdem bin ich ganz zufrieden mit dem Roman, wirklich gestört haben mich nur diverse sprachliche Unsicherheiten. Formulierungen wie "illuminiertes Licht", "sie hat ein breites Becken und stabile Hüften", "ohne kaum jemals" und dergleichen finde ich doch etwas merkwürdig.

Egal. Als Einstieg in eine neue Trilogie ist der Roman ein guter Appetitanreger, jetzt kann man nur hoffen, dass die offen gebliebenen Fragen plausibel beantwortet werden.

J. Kreis, 17.10.2007
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