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Rico
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Atlan-Taschenbuch Nr. 10: Rico

Autor: Arndt Ellmer

Inhalt

Atlan wird von einem Alptraum geplagt, durch den eine bisher verschüttet gewesene Erinnerung wieder an die Oberfläche kommt: Im Jahre 778 v. Chr. war er wegen einer Fehlfunktion der Positronik seiner Tiefseekuppel unplanmäßig erweckt worden und hatte dabei fast sein Leben verloren.

Aktuell plagen den USO-Chef andere Sorgen. Unbekannte starten Ende November 3103 eine Auktion beim milchstraßenweit genutzten Online-Auktionshaus Galbay und bieten brisante Informationen über die USO zum Kauf an. Um welche Informationen es sich handelt, wird nicht mitgeteilt. Atlan ahnt, wie die Unbekannten in den Besitz der Daten gelangt sein könnten, denn ungefähr zeitgleich geht ein Notruf aus seiner Tiefseekuppel bei ihm ein. Er macht sich sofort auf den Weg nach Terra, muss dort aber inkognito und auf eigene Faust handeln, denn offiziell weiß die Regierung des Solaren Imperiums nichts von der Existenz dieser Kuppel. Würde öffentlich bekannt werden, dass sich ein solches arkonidisches Artefakt auf der Erde befindet, dann würde das zu einem Eklat und womöglich auch zu einer Regierungskrise führen. Atlan beginnt zu ermitteln und taucht auch zur Kuppel hinab. Diese befindet sich zu seiner Überraschung unter einer gigantischen Glasglocke und wird von Kampfrobotern belagert. Es gelingt Atlan, in die Kuppel vorzudringen. Er organisiert die Verteidigung und vernichtet die Angreifer mit Hilfe seiner eigenen Roboterarmee restlos.

Dann erfährt er von der Kuppelpositronik, was in den letzten Wochen geschehen ist. Am 1. November hat sich ein besonders schweres Seebeben ereignet. In der Tiefseekuppel war aus diesem Grund für drei Tage der Psychostrahler ausgefallen, der die optische Wahrnehmung der Anlage verhinderte - der restliche Ortungsschutz war intakt geblieben. Ausgerechnet in dieser Zeit hatte sich ein Taucher dort herumgetrieben. Er hatte die Kuppel erblickt und diese Information offenbar weitergegeben, denn zwei Wochen später waren U-Boote aufgetaucht, deren Robotbesatzung sich sofort an der Tiefseekuppel zu schaffen gemacht hatte. Rico war diesen Robotern allein entgegengetreten und entführt worden. Atlan setzt nur alles daran, Rico zu befreien. Ihm ist klar, dass der Roboter nur noch für wenige Tage in der Lage sein wird, die in ihm gespeicherten Daten vor fremdem Zugriff zu schützen. Ebenso wichtig ist es für Atlan jedoch, einem alten Freund zu helfen - Rico ist für ihn weit mehr als nur ein normaler Roboter, er betrachtet ihn als eigenständige Person.

Atlan folgt der Spur der Entführer nach Paris, wo er die Hilfe des USO-Agenten Nikos Themostenes (genannt Themo) in Anspruch nimmt. Die beiden werden angegriffen, bleiben aber siegreich und finden Hinweise auf die Hintermänner der Tat. Die kriminelle Organisation Union Étoiles mit Sitz auf der Freihandelswelt Montagne steckt hinter Ricos Entführung und hat auch die Galbay-Auktion gestartet. Atlan und Themo machen sich, als Perlenhändler getarnt, auf den Weg nach Montagne. Der Arkonide schlüpft dort in die Identität des reichen Händlers Jean-Claude Monmartin. Der USO-Captain ist ein natürlicher Doppelgänger Atlans. In dieser Tarnexistenz beginnt Atlan - allerdings eher zufällig und ungeplant - ein Verhältnis mit Louise Vimteaux. Diese so genannte Comtesse ist eine Führerin der Union Étoiles.

Derweil lichten sich die Reihen der Interessenten, die bei Galbay mitsteigern wollen, auf unerwartete Weise. Praktisch alle Agenten diverser Machtblöcke, die der USO nur zu gern am Zeug flicken möchten, werden ausgeschaltet, sobald sie einen Mittelsmann der Union Étoiles aufsuchen. Auf diese Weise scheiden unter anderem das Imperium Dabrifa, die Condos Vasac sowie die Fracowitz-Systemstaaten aus dem Rennen aus und verlieren gleichzeitig ihre Top-Agenten oder sogar die Leiter ihrer Geheimdienste. Anscheinend steht für die Anbieter bereits fest, wer die brisanten Informationen letztlich erhalten soll, die Auktion dient nur dem Zweck, den Preis in die Höhe zu treiben. Nur der Ertruser Zerog Fantor, ein Agent des Carsualischen Bundes, kommt mit dem Leben davon. Auch er findet heraus, dass die Comtesse verantwortlich für all diese Geschehnisse ist. Über diverse Umwege erreicht Fantor den Planeten Montagne, wo er zufällig mit Atlan aneinanderrasselt, der bereits dabei ist, das Geheimquartier der Comtesse zu erkunden.

Dort wird Rico gefangen gehalten. Man versucht mit allen Mitteln, ihm Informationen über Atlan und die USO zu entreißen. Als Rico bemerkt, dass seine interne Verteidigung allmählich erlahmt, löscht er bestimmte Erinnerungsspeicher bzw. lagert sie in Nebenrechner aus, die eigentlich für die Steuerung des Robotkörpers zuständig sind. Atlan, Fantor und einige USO-Spezialisten stürmen schließlich das Versteck. Fantor erschießt die Comtesse, denn sie ist verantwortlich für ein Massaker an Ertrusern. Atlan erfährt, dass die Comtesse gar nicht beabsichtigt hatte, die in Rico gespeicherten Daten irgendjemandem zu überlassen. Mit dem ergaunerten Geld wollte sie sich eine eigene Machtbasis aufbauen und die alleinige Kontrolle über die Union Étoiles erringen. Der Plan wäre ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen, denn Galbay hat die illegale Versteigerung inzwischen gestoppt.

Aufgrund dieser internen Machenschaften und der geplatzten Galbay-Versteigerung verliert die Union Étoiles viel von ihrem bisherigen Einfluss, ist vielleicht sogar dauerhaft entmachtet. Rico wird befreit und ist bald wieder ganz der Alte.

Kommentar

Na, das ist doch mal ein richtig schöner Atlan-Agentenroman wie damals, in der Anfangszeit der klassischen Atlan-Serie. Eigentlich habe ich diese Romane damals gar nicht so sehr gemocht, aber als nostalgische Reminiszenz an diese Zeiten oder als Hommage an Hans Kneifel (dem er gewidmet ist) kann man ihn doch goutieren. Zumal er - vor allem im Vergleich zur Mehrzahl der bisher bei Fanpro erschienenen Atlan-Taschenbücher - einfach spannend und gut geschrieben ist. Da gibt es keine Längen, stattdessen entsteht durch den häufigen Wechsel der Schauplätze und Charaktere eine gute Dynamik. Viele nette Details wie zum Beispiel die Grillparty bei Perry Rhodan oder die Vorstellung der Stadt Paris runden das Ganze ab. Manchmal sind die Agententätigkeiten vielleicht etwas zu übertrieben und es wird natürlich auch wieder kein Klischee ausgelassen, aber was soll's! Insgesamt ist eine sehr unterhaltsame, abwechslungs- und temporeiche Mixtur herausgekommen, die ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Natürlich kommt dem Roman auch zugute, dass er in sich abgeschlossen ist. Eingangs werden zwar ein paar Dinge erwähnt, die man nur richtig einordnen kann, wenn man die Rudyn- und Illochim-Taschenbücher gelesen hat, aber die sind nicht handlungsrelevant und stören somit nicht.

Was nicht ganz so gut rüberkommt ist die Hauptperson: Rico. Für meinen Geschmack wird nicht deutlich genug, ob er wirklich mehr als nur ein Roboter ist - und vor allem warum. Ist er denn nun eine "echte" Person oder nicht? Und wenn ja: Allein am Alter kann's nicht liegen. Eine Positronik kann noch so alt werden - zu einem Pseudo-Lebewesen wird sie dadurch nicht. Was also macht Rico zu etwas Besonderem? Wohl nur Atlans Einstellung zu ihm, die übrigens durchaus verständlich ist. Schließlich war Rico sein einziger Vertrauter in all den Jahrtausenden, die der alte Arkonidenfürst auf der primitiven Erde verbracht hat.

Hier nur noch ein paar Beckmessereien:

Atlans Tiefseekuppel hat einen Durchmesser von über 100 Metern und liegt in fast 3000 Metern Meerestiefe. Wie ist es den Angreifern gelungen, eine noch größere Kuppel aus Glas (!) dorthin zu bugsieren - völlig unbemerkt vom Solaren Imperium, komplett mit einer Kampfroboter-Armee und ohne Probleme mit dem Wasserdruck? Welchen Sinn hatte diese Kuppel überhaupt? Und wie soll Atlan das Ding jetzt loswerden, wo doch niemand etwas von der Existenz der Tiefseekuppel erfahren darf?

Auch halte ich es für Unsinn, dass ein Mensch des 32. Jahrhunderts einen ganz normalen Roboter für ein Feuer speiendes Ungeheuer hält. Warum eigentlich "Feuer"? Ich dachte, der Roboter habe einen Desintegrator eingesetzt? Und seit wann hinterlässt ein Beschuss durch Desintegratoren Glasurspuren?

Aber genug davon - "Rico" ist gutes Lesefutter, davon dürfte es bei den Atlan-Taschenbüchern ruhig mehr geben. Warum man sich dafür entschieden hat, wieder einen Mehrteiler folgen zu lassen (diesmal gar 6 Bände), ist mir nicht ganz klar. Die Idee, Einzelabenteuer mit je einem Buch zu erzählen, hat doch auch was für sich. Jedenfalls werde ich die Monolith-Taschenbücher zunächst mal nicht kaufen. A propos kaufen: Im Buchhandel sieht man die Fanpro-Taschenbücher fast nirgends. Ich musste "Rico" bestellen, das gleiche Problem hatte ich mit den Rudyn- und Illochim-Taschenbüchern. Warum ist das so? Liegt's am Verlag? Oder wird der Verlag vom Buchhandel boykottiert???

J. Kreis, 26.11.2008


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