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Atlan Obsidian 6: Die Eisgruft

Autor: Hans Kneifel

Inhalt

Das Handgemenge in der Schwarzen Perle von Helmdor fordert ein Todesopfer unter Lethems Begleitern: Die schöne Akonin Enaa wird geköpft. Nachdem die Angreifer überwältigt sind, bleibt den Gefährten genug Zeit, unter Kytharas erstaunlich kenntnisreicher Führung eine Bibliothek zu durchsuchen. Dort decken sie sich mit Kartenmaterial ein und tauchen nach einem weiteren blutigen Kampf mit den Perlenträgern in der Stadt unter. Man studiert die Karten, die tatsächlich einen Weg ins Land der Silbersäulen zeigen, und bereitet eine Expedition dorthin vor. Am 18.04.1225 NGZ bricht die Gruppe mit ihren neu eingekauften Reit-Echsen auf. Nach fünf Tagen erreichen sie die Taneran-Schlucht am Rand des Landes der Silbersäulen. Der mehrere hundert Meter tiefe Spalt zieht sich kilometerweit durchs Land und kann nicht umgangen werden. Laut Karte soll es einen Weg geben, der zur Sohle und auf der anderen Seite wieder hinauf führt. Leider ist der Einstieg zu diesem Serpentinenpfad nirgends zu erkennen. Lethem seilt sich in die Schlucht ab, die auch Canyon der Visionen genannt wird, um einen besseren Überblick zu erhalten. Dabei reißt das Seil und Lethem stürzt in die Tiefe…

Atlan hat es nur seinen genauen Erinnerungen an Lakehurst und Tamiljons telekinetischen Kräften zu verdanken, dass er dem Inferno des ausbrennenden Luftschiffs lebend entkommt. Viele andere haben weniger Glück, aber Tamiljon bleibt ebenfalls unverletzt. Es stellt sich heraus, dass der Absturz das Werk eines Verräters gewesen sein muss, denn es hat eine Explosion im Luftschiff gegeben. Atlan wird zu einer Versammlung der Großmeister und Kristallstabträger im Tempelzentrum des Litrak-Ordens eingeladen. Die Großmeister sind der Meinung, dass Atlan ihnen aufgrund seiner besonderen Aura eine entscheidende Hilfe dabei sein könnte, Litraks Eisgruft zu erreichen. Deren Lage ist ihnen nämlich wohlbekannt, aber von den mehreren Dutzend früheren Expeditionen ist keine zurückgekehrt. Mit den Kristallsplittern - Bruchstücken aus Litraks Körper, seit langer Zeit von den Ordensmitgliedern gesammelt und gehortet - wollen sie ihren "untoten Gott" erwecken. Man zeigt Atlan, der in den Plan der Großmeister einwilligt, uralte Fotos von riesigen humanoiden Wesen, die gepanzerte Cyborgs oder Roboter sein könnten. Diese Titanen waren vor langer Zeit Litraks Wächter.

Die Reise zu Litraks Gruft führt durch Eis und Schnee, denn sie befindet sich in einem Gletscher. Das erste Stück von mehreren hundert Kilometern wird mit einem kleineren Luftschiff zurückgelegt. In der Nähe eines Basislagers, von wo aus es mit elchähnlichen Tragetieren weitergeht, steht eine Silbersäule. Atlan gelingt es beinahe, in sie einzudringen, doch er zieht seine Hand wieder zurück und danach bleibt die Oberfläche auch für ihn fest und verschlossen. Nicht weit entfernt gibt es eine Höhle, zu der Atlan von Tamiljon geführt wird. Dort ruhen seit undenklichen Zeiten sieben Fossilien im Eis, die wie Riesenkraken aussehen. Als Atlan eines der teilweise aus dem Eis herausragenden Wesen anschneidet, zuckt es und zerfällt zu Schleim. Im selben Moment bewegt sich ein anderes und beginnt in einer Sprache zu reden, die derjenigen der Mächtigen gleicht. Atlan versteht nur ein Wort: "Srakenduurn". Auch dieses Wesen löst sich rasch in stinkenden Brei auf.

Weiter geht es auf dem Casoreen-Gletscher. Eine paranormale Beeinflussung behindert das Vorankommen. Atlan spürt sie wie eine Art Migräne, ist aber durch Monoschirm und Mentalstabilisierung ausreichend geschützt. Die Großmeister und Ordensbrüder, die an der Expedition teilnehmen, versetzen sich regelmäßig in Trance, um dem Einfluss zu entgehen. Tamiljon wiederum scheint kaum zu leiden. Am 26. April wird endlich die Eisgruft erreicht. Die stadtgroße Anlage mitten im Gletscher wird durch einen Energieschirm vor dem Eisdruck geschützt. Es gibt einen offenen Eingang, durch den die unter dem Eis liegende Gruft betreten werden kann. Innen angekommen, verspüren die Expeditionsteilnehmer einen zunehmenden mentalen Druck, eigenartige Geräusche und Stimmen sind zu hören, ein Großmeister wird von herabbrechendem Eis erschlagen. Eigenartige dunkelbraune Wucherungen zerfressen an vielen Stellen die seltsamen Anlagen und Ruinen der Gruft, sie überziehen auch ein kegelstumpfförmiges Gebilde, welches das Zentrum zu sein scheint. Mit Äxten wird eine Öffnung geschaffen, wobei ein weiterer Großmeister den Tod findet: Er wird von einem Brocken der seltsamen braunen Substanz getroffen und von ihr aufgelöst - Atlan, der ebenfalls einen Splitter abbekommt, bleibt verschont. Offenbar "schmeckt" er dem braunen Zeug nicht.

Im Inneren des Kegelstumpfs befindet sich eine wirbelnde Wolke aus winzigen Kristallen. Die Großmeister werfen sämtliche Kristallsplitter, die sie im Lauf der Zeit gesammelt haben, in den Wirbel hinein. Erst als Atlan in das Kristallfeld hineintritt, gibt es eine Reaktion. Die Wolke zieht sich zusammen und bildet verschiedene Formen. Eine sieht aus wie ein Kosmokratenroboter. In der Form einer mehr als vier Meter großen Gottesanbeterin verfestigt Litrak sich endgültig - der "untote Gott" ist erwacht! Das hat allerdings andere Konsequenzen als der Orden es sich erhofft hat. Litrak tötet mehrere Ordensmitglieder, auch Tamiljon wird von einem Dorn am Hals getroffen. Dann holt die Gottesanbeterin zum nächsten Hieb aus, diesmal ist Atlan ihr Ziel…

Kommentar:

Im Gegensatz zu den letzten Romanen gibt es diesmal keine Szenen aus der Sicht von Sardaengar und Li.

Kneifel hat einen soliden, angenehm lesbaren Roman abgeliefert, in dem er seine historischen Kenntnisse gut einbringen konnte. Die Lektüre hat Spaß gemacht, einziger Wermutstropfen ist Enaas Tod. Das hätte nicht sein müssen, d.h. es hätte andere, weitaus farblosere Nebenpersonen gegeben, die man hätte opfern können.

Dass Litraks Erwachen böse Folgen haben würde, war zu erwarten. Ich frage mich übrigens, warum Atlan so bereitwillig mit den Leuten des Ordens kooperiert. Woher will er wissen, dass er sich für die richtige Seite entschieden hat?

Kommen wir zu den seltsamen Riesenkraken. Mir fällt im Moment nicht ein, um welches Kosmokraten-Hilfsvolk es sich dabei handeln könnte, aber Srakenduurn kenne ich. Der Begriff stammt aus der Sprache der Mächtigen und bezeichnet eine kosmische Staubwolke in der Galaxis Norgan-Tur, die als Sammelplatz für die Teilrekonstruktionen des Virenimperiums gedient hat. Im Jahre 426 NGZ war dort das Neue Virenimperium entstanden. Hmmmmm…. die Ereignisse um Srakenduurn und das Neue Virenimperium sind zu "jung", als dass sie für die Geschehnisse in der Obsidian-Kluft für Bedeutung sein könnten. Vielleicht hat der eisgekühlte Krake ja einen anderen Sammelplatz gemeint, d.h. möglicherweise ist die Obsidian-Kluft von den Kosmokraten als Sammelplatz für irgendetwas anderes konstruiert worden?


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