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Atlan Obsidian 5: Im Zeichen des Kristallmondes

Autor: Bernhard Kempen

Inhalt

Bevor Atlan und Tamiljon durch das Obsidiantor entkommen können, werden sie von ihren Verfolgern eingeholt. Als die Perlenschleifer durch eine unsichtbare Kraft aufgehalten werden, ist für Atlan klar, dass Tamiljon ein Telekinet sein muss - der Schwarze verrät aber weiterhin nichts. Das Tor transportiert die beiden auf die Spiegelwelt Vinara Drei, in die Stadt Aroc, wo Tamiljon sich auskennt und Freunde vom Litrak-Orden hat. Atlan fühlt sich in eine Stadt wie London oder Paris des Jahres 1900 n.Chr. versetzt. Die Architektur gleicht verblüffend jener des viktorianischen Zeitalters, es gibt Soldaten mit Pickelhauben und Hinterladern, dampfbetriebene Automobile rollen durch die vom Gaslicht erhellten Straßen, Smog verpestet die Luft. Die Parallelen sind so extrem, dass es sich nicht um Zufall handeln kann. Atlan und Tamiljon quartieren sich in einem Hotel ein, wo der Arkonide sich beinahe auf ein romantisches Abenteuer mit einer Frau einlässt, die eine frappierende Ähnlichkeit mit Li da Zoltral hat. Es dauert einige Tage, während denen Atlan sich vor den Perlenschleifern verbergen muss, bis Tamiljon ein Verkehrsmittel aufgetrieben hat, das ihn und Atlan zu Litraks Eisgruft bringen soll: Ein großes Luftschiff von der Bauart altterranischer Zeppeline.

Der Aufbruch erfolgt überhastet, da die Perlenträger das Versteck entdecken. Als Atlan sich das Luftschiff genauer ansieht, kommt er einem grundlegenden Geheimnis der Spiegelwelten auf die Spur. Der Zeppelin ist nämlich der exakte Nachbau der 1937 n.Chr. in Lakehurst verbrannten HINDENBURG. Es gibt sogar einen Funkraum und einen Rauchersalon - obwohl man auf ganz Vinara weder Funkgeräte benutzt noch dem Laster des Rauchens frönt! Es handelt sich um ein Spiegelphänomen, basierend auf der Theorie der Morphogenetischen Felder, durch die man erklären kann, warum manchmal wissenschaftliche Entdeckungen gleichzeitig, aber unabhängig voneinander gemacht werden. Diese Ideen stammen dann aus einer Art universellem Informationspool, und zu bestimmten Zeiten liegen sie sozusagen einfach "in der Luft". Die entscheidende Frage ist, warum es in der Obsidiankluft zu einem derart massierten Auftreten gleichzeitiger Entwicklungen und Erfindungen kommt. Atlan hat nicht allzu viel Zeit, über diese Spiegelphänomene nachzudenken, denn er droht zum Opfer eines solchen zu werden: Als das Luftschiff bei der Stadt Malenke, dem Tempelzentrum des Litrak-Ordens, ankommt, fängt der Zeppelin Feuer - genau wie die HINDENBURG in Lakehurst!

Lethem und seine Begleiter springen derweil wieder einmal dem Tod von der Schippe. Der auf ihren Zug zurasende Meteorit zerplatzt und zerstört nur den Schienenstrang. Aus einem der Meteoritenkrater materialisieren nebelhafte humanoide Gestalten, die sich kristallartig verfestigen, bald aber wieder zu Staub zerfallen. Nach diesem Intermezzo wird die Bahnlinie provisorisch repariert, so dass die Fahrt nach Helmdor weitergehen kann. Die Stadt befindet sich fest in der Hand der Perlenträger, diese haben hier auch ihr Hauptquartier, die Schwarze Perle: Ein kugelförmiges Bauwerk mit 100 Metern Durchmesser, das auf einem quaderförmigen Sockel steht. Lethems Gruppe wird umgehend von einigen Perlenträgern observiert. Lethem und seine Leute ahnen zwar nicht, dass die Perlenträger sie in Sardaengars Auftrag verfolgen, machen sich diesen Umstand aber zunutze, indem sie die Perlenschleifer in einen Hinterhalt locken und sich ihre typischen Kutten aneignen. So verkleidet wollen sie in die Schwarze Perle eindringen, um dort evtl. Hinweise auf Sardaengar zu erhalten. Allerdings müssen sie auch noch die Torwächter ausschalten, wodurch wohl Alarm ausgelöst wird, denn kaum sind die Gefährten im Inneren des Gebäudes (wo übrigens Kytharas telepatische Fähigkeiten durch einen unbekannten Einfluss gestört werden), da werden sie auch schon von einem Perlenschleifertrupp angegriffen.

Li da Zoltral, die sich von der Vergessenen Positronik auf den Kristallmond hatte transmittieren lassen wollen, findet sich zunächst einmal als halbmaterielle Existenz in einem undefinierbaren Kontinuum wieder, wo sie On- und Noon-Quanten wahrzunehmen und ein kobaltblaues Kosmokraten-Walzenschiff zu sehen glaubt. Dann rematerialisiert sie auf Vinara, genauer gesagt: Ganz in Sardaengars Nähe! Sardaengar registriert ihre Anwesenheit und bereitet sich auf eine Konfrontation mit ihr vorů

Kommentar:

Dies ist Bernhard Kempens erster Beitrag zum Perryversum. Ein absolut gelungener Einstand! Der Roman bezieht seine Dynamik zwar hauptsächlich dadurch, dass in jedem der kurzen Kapitel zu einer anderen von vier Handlungsebenen "umgeblendet" wird, aber solange dieses Stilmittel so gut funktioniert wie hier, soll es mir recht sein. Auch wenn damit viel zu viele sinnlose Cliffhanger verbunden sind. Der Roman ist gut geschrieben, sprachlich einwandfrei, und sehr kurzweilig. Letzteres schon deshalb, weil jetzt endlich mal "Butter bei die Fische getan" wurde. In der Obsidiankluft sind offenbar morphogenetische Felder am Werk, die so stark sind, dass es immer wieder zu parallelen Entwicklungen kommt. Möglicherweise können sie sogar gezielt eingesetzt werden. Diese Idee öffnet natürlich Tür und Tor für bizarre Geschichten wie die vorliegende, in der das ausgehende neunzehnte Jahrhundert der Erde "wiederbelebt" wird. Wer oder was allerdings hinter alldem steckt, bleibt unklar. Fest steht aber wohl, dass weder Litrak noch Sardaengar die Obsidiankluft erschaffen haben.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Sardaengar weit mehr war als ein normaler lemurischer Tamrat. Er könnte ein Cyno sein, der in dieser Verkleidung unter den Lemurern gelebt hat. Seine besonderen Fähigkeiten, die immer wieder erwähnt werden, legen diese Vermutung nahe. Das wäre auch eine Erklärung dafür, warum er erkennen konnte, dass Li da Zoltral die Ausstrahlung einer Imaginären hat. Ein Teil seines Ichs scheint immer wieder von einem Einfluss übermannt zu werden, der vom Kristallmond ausgeht. Er drängt diesen Einfluss immer wieder zurück, da er meint, dass alle Vinara-Welten verloren wären, wenn er dem Einfluss gänzlich erliegen würde.

Aus einer Erinnerungs-Vision Sardaengars erhalten wir ein paar Informationen über die Vergangenheit der Obsidiankluft. In diesem Bereich hatte sich ursprünglich nur ein gigantischer Kristall aus PSI-Materie mit einer Hypertronik als Kern befunden. Dann waren "Materie und Leben" in die Kluft eingedrungen und aus dem Kristall hatten sich die Spiegelwelten herausgebildet. Außerdem war Litrak materialisiert, ebenfalls ein Ableger des jetzigen Kristallmondes. Sardaengar hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon in der Kluft befunden. Litrak wollte das Potenzial des Kristallmondes gemeinsam mit Sardaengar nutzen, aber dieser hatte andere Pläne und so war es zu der bekannten Auseinandersetzung gekommen. Könnte es sich bei der Obsidiankluft um ein anfänglich extrauniversales Gebilde in der Art eines Thoregons handeln? Oder ist sie tatsächlich das Innere eines Kosmonukleotids?


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