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Atlan Obsidian 4: Tamiljon

Autor: Susan Schwartz

Inhalt

Jorge Javales ist das nächste Opfer des Obsidian-Abenteuers: Er erstickt in dem Kokon, in den die Termiten ihn eingehüllt haben. Atlan hat mehr Glück: Eine unsichtbare Kraft, die irgendwie durch ihn selbst zu wirken scheint, zerschmettert die Insektenkönigin. Gleichzeitig bricht aus einem der anderen im Bau abgelegten Kokons ein humanoides Wesen hervor und befreit Atlan. Der muskulöse Fremde hat eine pechschwarze, unnatürlich glatte Haut, schwarze Augen und einen haarlosen Schädel. Er trägt einen schwarzen Lederoverall und nennt sich selbst Tamiljon. Die beiden fliehen aus der Insektenhöhle, Jorges Leiche müssen sie leider zurücklassen. Atlans neuer Begleiter gibt sich geheimnisvoll, da er dem Arkoniden nicht vertraut. Er trägt einen ca. einen Meter langen Stab bei sich, der einen kugelförmigen Knauf aus Schneeflockenobsidian hat. Darunter ist ein blauweißer Kristall eingefasst. Der Stab ist ein Heiligtum der Wächter des Ewigen Litrak, aber Tamiljon gehört nicht zu diesem Orden. Er ist aber auch kein Anhänger Sardaengars - im Gegenteil: Er wird von dessen Schergen verfolgt. Sein Ziel sind die Ruinen von Ardaclak, dort soll sich die Gruft eines Wächters des Ewigen Litrak befinden.

Zunächst einmal stoßen die beiden, als sie die Ruinen erreichen, auf ovale Flugroboter. Die Programmierung der Maschinen muss durcheinander geraten sein: Sie verrichten in den Ruinen weiter ihren Dienst, allerdings völlig sinnlos und chaotisch. Hier findet Atlan die Schamanin der Savannenreiter und den Häuptling der Tulig wieder. Die beiden wurden von den Robotern hierher verschleppt und gefesselt. Nachdem Atlan sie befreit hat, findet Tamiljon die Gruft des Wächters. Jetzt rückt er endlich damit heraus, dass der Kristall an seinem Stab ein Stück aus Litraks Körper sei. Jeder Wächter trage einen solchen Mondsplitter in seinem Körper und es sei notwendig, alle Splitter zu Litraks Eisgruft zu bringen. Tatsächlich findet sich zwischen den Knochen eines Skeletts in der Gruft - es scheint sich um das Gerippe eines Haluters zu handeln - ein Kristall, den Tamiljon an sich nimmt. Die Savannenreiter verabschieden sich, Atlan und Tamiljon machen sich auf den Weg zu einem Obsidiantor, das sie zu der Spiegelwelt bringen soll, auf der sich Litraks Eisgruft befindet. Die beiden erreichen das Tor am 8. April. Im gleichen Moment schließen jedoch die Verfolger auf. Erneut greift eine unsichtbare Macht ein und tötet zwei der humanoiden Wesen. Der Rest stürmt heran und Atlan stellt sich ihnen entgegen, um Tamiljon Zeit zum Passieren des Tores zu verschaffen.

Sardaengar hat derweil andere Probleme. Eine unbekannte Macht, deren Quelle vermutlich im Kristallmond sitzt, versucht ihn mental zu unterwerfen. Noch kann er dagegen ankämpfen und nutzt die Zeit, um Kontakt mit seinen Beauftragten aufzunehmen, die es auf allen Spiegelwelten gibt. Seine wichtigsten Helfer sind die Perlenträger von Helmdor, die die Lithras-Währung kontrollieren und dementsprechend viel Macht (und noch mehr Arroganz) besitzen. Sie sind eine Art Gegengewicht zum Orden der Wächter des Ewigen Litrak. Ihnen erteilt Sardaengar den Auftrag, Lethem zu observieren. Er hat längst erkannt, dass Lethems Gruppe unterwegs zu ihm ist. Ein anderer Trupp von Perlenträgern ist schon auf der Spur von Tamiljon, den Sardaengar als "Träger des Mondsplitters" bezeichnet - mit letzterem ist natürlich der Kristallstab gemeint.

Auch bei Lethem da Vokoban gibt es Tote: Die Medoassistentin Tasia Oduriam, Cisoph Tonk und Hurakin werden an den Klippen zerschmettert oder ertrinken. Was aus der restlichen Besatzung des gekenterten Schaufelraddampfers geworden ist, bleibt unklar. Lethem hat jetzt noch Kythara, Enaa von Amenonter, Ondaix (samt Axt), Scaul Rellum Falk und Zanargun als Gefährten. Das Ziel der Gruppe ist das Land der Silbersäulen, dort wollen sie Sardaengar finden. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer kleinen Siedlung, die von einer Art Schlangenmenschen bewohnt wird, erreicht die Gruppe am 13. April die Stadt Narador. Von dort aus geht die Reise auf Schienen weiter: Eine Eisenbahnlinie führt zur 1.200 Kilometer weit entfernten Stadt Helmdor, von wo aus es dann nicht mehr weit bis zum Land der Silbersäulen ist. Im Zug wird die Gruppe von Sardaengars Perlenträgern beschattet. Die Reise soll mehrere Tage dauern. Unterwegs bekommt Lethem eine von vielen "Goldenen Technostädten" zu sehen, die relativ niedrig über dem Planeten schweben. Es sind mehrere Kilometer durchmessende Plattformen, die eher an eine künstlerische Skulptur als an ein technisches Gebilde erinnern. Die bereits bekannten ovalen Flugroboter gehen dort geheimnisvollen Tätigkeiten nach.

Bei einer anderen Fahrpause sucht Kythara einen Ort der Kraft auf. Lethem beobachtet heimlich, wie die Maghalata sich in einen Kreis aus fünf hohen Obsidian-Menhiren setzt, aus denen blauweiße Blitze zu zucken beginnen. Es entsteht eine Art Bild aus Licht: Zwei Galaxien, die sich durchdringen, wobei eine fast ganz absorbiert wird (so ist Omega Centauri entstanden). Kythara bemerkt, dass sie beobachtet wird, und bestraft Lethem mit ihren Varganenkräften. Sie bleibt ihm allerdings nicht lange böse. Die Bahnfahrt findet dann ein jähes Ende, als Obsidiantrümmer aus dem All auf den Planeten stürzen. Ein solcher Meteorit rast direkt auf den Zug zu…

Li da Zoltral wird auf der Vergessenen Positronik wieder einmal von einem bizarren Roboter verfolgt. Sie hat herausgefunden, dass eine Hypertronik in den Kristallmond integriert ist und dass vor Urzeiten Teile von Litraks Bewusstsein mit der Hypertronik verschmolzen waren. Aus der PSI-Materie des Mondes war daraufhin ein kristalliner Körper erschaffen worden, der aber noch handlungsunfähig ist. Die gesamte Obsidian-Kluft war als Backup-System gedacht, ist aber jetzt in Aufruhr geraten. Li will versuchen, mit Hilfe des gleichen Transmittersystems auf den Kristallmond zu gelangen, durch das Atlan auf eine der Spiegelwelten geraten ist. Natürlich geht bei dem Versuch etwas schief…

Kommentar:

Das Bild wird ein bisschen klarer: Litrak war schon lange vor Sardaengars Ankunft in der Obsidian-Kluft. Er hat einen PSI-materiellen Kristallkörper, der aus dem Kristallmond entstanden ist. Vielleicht war er bis dahin eine Art Geisteswesen. Fragmente des Körpers sind überall verteilt, die Wächter aus Litraks Orden versuchen, die Splitter wieder zusammenzubringen, was ihn vermutlich aufwecken wird. Die Obsidian-Kluft soll ein Backup-System sein… wofür? Wer hat es überhaupt erschaffen? Das bleibt noch geheimnisvoll.

Ebenso geheimnisvoll wie meiner Meinung nach allzu vieles in diesem Minizyklus. Gar seltsame Zufälle wie Atlans Zusammentreffen mit Tamiljon ereignen sich (wenn es denn ein Zufall war), die Verhältnisse auf den Spiegelwelten sind eine Spur zu exotisch und für manches was geschieht scheint es keine Motivation und keinen Grund zu geben außer dem, dass die Schauplätze interessant werden und mannigfache Gefahren für unsere Helden entstehen sollen. Für meinen Geschmack ist der ganze Zyklus zu sehr auf Fantasy ausgerichtet. Es wird zuviel Wert auf "magische" Phänomene gelegt, d.h. ich erwarte jetzt schon nicht mehr, auf alles was hier so passiert eine plausible Erklärung zu erhalten.

War es nötig, schon wieder in jeden Handlungsabschnitt einen billigen Cliffhanger einzubauen? Bei Lethem und seinen Begleitern wäre das noch okay, aber wie soll Spannung dadurch entstehen, dass Atlan immer wieder in scheinbar ausweglose Gefahrensituationen gebracht wird? Wir wissen doch alle, dass er unbeschadet aus diesem Minizyklus hervorgehen wird!

Ansonsten kann man zu dem Roman nur sagen, dass er genauso knallbunt ist wie das etwas missratene Titelbild. Was nicht heißen soll, dass er schlecht sei. Etwas weniger Mysterium und etwas mehr solide Handlung hätte der Story aber gut getan.


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