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Atlan Obsidian 2: Insel der Verdammten

Autor: Uwe Anton

Inhalt

Atlan und der schmächtige Archivar Jorge Javales, die sich auf der Vergessenen Positronik einer Art Transmitterfeld anvertraut haben, finden sich in der Savanne auf einem Planeten wieder, den Atlan aus seiner Vision zu kennen glaubt. Alle Systeme ihrer Schutzanzüge sind ausgefallen, selbst die Vibratormesser sind jetzt nur noch einfach Klingen - Atlan ist froh, dass wenigstens sein Zellaktivator noch funktioniert. Die beiden sind in einem archaisch anmutenden, einsam mitten im Grasland stehenden Tor materialisiert, das aus monolithischen Gesteinsquadern erbaut ist. An den Innenseiten sind in Vertiefungen Kugeln aus Obsidian eingelassen, die dort scheinbar schwerelos schweben, aber selbst mit großer Kraftanstrengung nicht bewegt werden können. Der Arkonide und der Terraner machen sich daran, ihre Umgebung zu erkunden. Dabei entgehen sie nur knapp dem Angriff eines Rudels wolfsähnlicher Raubtiere - Atlan staunt nicht schlecht, als er in ihnen Scaffrans erkennt, eine Tierart, die eigentlich nur auf dem Planeten Hayok heimisch ist. In einem riesigen Ruinenfeld entdecken sie zwei Skelette, die terranischen (oder lemurischen bzw. tefrodischen) und arkonidischen (oder akonischen) Ursprungs sind.

In der Nacht erlebt Atlan einen Erinnerungsschub, bei dem er Szenen aus dem Leben des lemurischen Tamrats Nevus Mercova-Ban nacherlebt. Diese Erinnerungen waren ihm in der Kharag-Stahlwelt (siehe Atlan Centauri 11) eingetrichtert worden, er hatte sie jedoch verdrängt, um nicht von ihnen überwältigt zu werden. Jetzt erfährt er auf diese Weise den eigentlichen Verwendungszweck sowohl des Sonnendodekaeders als auch der Bewusstseins-Transferanlage. Die Lemurer hatten seinerzeit festgestellt, dass es in Omega Centauri Zonen ohne Sternen und Planeten gibt und vermutet, dass die fehlenden Himmelskörper in Hyperraumenklaven versteckt sein könnten. Sie hatten viele Expeditionen durch den Sonnentransmitter geschickt, um diese Enklaven zu erreichen - aber alles, was manchmal zurückgekommen war, waren Obsidianfragmente gewesen… An einem der letzten Versuche dieser Art war der Hohe Tamrat Sardaengar beteiligt. Mercova-Ban hatte versucht, auf andere Weise Kontakt zu den Enklaven herzustellen: Mit der Transferanlage! Bis auf einen ganz kurzen mentalen Kontakt (den Atlan vermutlich im Obsidian-Heft Nr. 1 nacherlebt hat), war er aber nicht erfolgreich. Nach den Berechnungen Sardaengars ist der heutige Sternhaufen Omega Centauri vor ca. 546 Millionen Jahren teilweise von der Milchstraße absorbiert worden. Das ist eine besonders interessante Information, denn vor etwa 542 Millionen Jahren war es zur Kambrischen Explosion gekommen. So bezeichnen Wissenschaftler heute die schlagartige Ausbreitung mehrzelliger Lebewesen auf der Erde; laut Atlan hat dieses Ereignis auch auf zahlreichen anderen Planeten der Milchstraße stattgefunden. Am nächsten Tag stoßen Atlan und Javales auf einen deutlich erkennbaren Pfad im Savannengras. Sie hoffen, dass es sich um einen Karawanenweg handelt und folgen ihm nach Westen, wo die Vegetation üppiger zu sein scheint. Doch dann werden sie von einem Rudel aufrechtgehender Raubsaurier umzingelt, die Velociraptoren ähneln…

Während Atlan also auf einer der fünf Spiegelwelten mal wieder in Lebensgefahr gerät, ohne natürlich zu ahnen, wo er sich wirklich befindet, verwandelt sich die unkontrollierte Landung der TOSOMA auf der Welt des Kristallmondes in einen echten Absturz, als das Schiff schlagartig sämtliche Energie verliert. Im letzten Moment wird das Schiff durch einen unbekannten äußeren Einfluss abgefangen - dennoch gibt es bei der unsanften Landung viele Verletzte, denn natürlich funktionieren auch die Andruckabsorber nicht mehr. Tote gibt es zum Glück nicht zu beklagen. Kommandant Khemo-Massai gehört zu den Verletzten, daher übernimmt der Pilot Lethem da Vokoban das Kommando. Man öffnet ein Hangarschott per Handbetrieb und stellt fest, dass die TOSOMA auf einer flachen Geröllebene aufgesetzt hat, die von tausenden Raumschiffswracks aller möglichen galaktischen Völker bedeckt ist! Einige sind uralt, andere dagegen scheinen relativ neue Bautypen zu sein. "Glanzstück" ist eine Einheit, die vermutlich varganisch ist.

Man ist gerade dabei, ein provisorisches Lager einzurichten, als ellipsoide Flugroboter auftauchen, alle Besatzungsmitglieder mit Fesselfeldern einsammeln (wobei sie relativ sanft vorgehen) und sie dann zu einer gewaltigen, terrassenartig auf acht Ebenen angelegten Stadt bringen. In diesem Sammelsurium unterschiedlichster Baustile lebt ein Vielvölkergemisch friedlich miteinander, das der Vielzahl verschiedener Raumschiffe nicht mehr ganz entspricht, denn gerade die diversen von Lemurern abstammenden Völker scheinen sich weitestgehend vermischt zu haben. Hier hat sich im Verlauf von Jahrtausenden eine präatomare Zivilisation entwickelt, deren maximales Niveau ungefähr dem Stand des Jahres 1900 n.Chr. auf der Erde entspricht. Die Besatzung der TOSOMA wird gastfreundlich empfangen und in Hütten untergebracht. Den Verletzten wird medizinische Hilfe zuteil. Von Umrin Zeles Barbinor, einem gutmütigen Barden aus dem Volk der Überschweren, erfährt Lethem einige Details: Die Stadt trägt den Namen Viinghodor, sie steht auf einer Insel namens Viingh, die man auch als "Insel der Verdammten" kennt. Hier werden alle Raumer "geparkt", die es in die Dunkelwolke (welche man als "Obsidian-Kluft" bezeichnet) verschlagen hat. Alle ihre Besatzungen werden stets von den Robotern eingesammelt, nach Viinghodor gebracht und dann sich selbst überlassen. Niemand weiß, wer die Roboter, die übrigens auch für die Versorgung der Stadt und den Bau von Gebäuden zuständig sind, eigentlich steuert. Die Maschinen bewachen die Ebene der Wracks, niemand kann dorthin zurückkehren. Von Viinghodor aus haben die Schiffbrüchigen den gesamten Planeten Vinara besiedelt. Die anderen vier Spiegelwelten kann man über die sogenannten Obsidian-Tore erreichen. Atlan hat, wie wir wissen, schon Bekanntschaft mit einem solchen Weltentor gemacht. Es gibt sogar so etwas wie eine Religion auf Vinara. Manche hängen dem Glauben an den "Herrn der Welten", den Gott Sardaengar (!) an, der irgendwo in einem Gebirge wohnen soll, andere verehren den Ewigen Litrak, der von Sardaengar vor langer Zeit in einem Kampf besiegt und ins ewige Eis eines Gletschers auf Vinara 3 verbannt worden sein soll. Der Legende nach müssen alle Bewohner der Spiegelwelten sterben, sollte Litrak eines Tages sein Leben verlieren.

Lethem bittet um Hilfe bei der Suche nach Atlan. Umrin verhilft ihm zu einer Audienz bei der ehrwürdigen Maghalata Kythara, die auf der obersten Ebene der Stadt residiert. Die schöne Varganin wird als Heilige betrachtet, sie ist eine Ratgeberin und Mentorin, hat jedoch keine Herrschaftsansprüche in der Stadt. Früher, so sagt man, soll sie eine Kriegerin gewesen sein, die von Spiegelwelt zu Spiegelwelt gereist ist. Wenn überhaupt jemand in der Lage ist, den Arkoniden zu helfen, dann Kythara - meint jedenfalls Umrin. Lethem kommt nicht nur mit der Bitte um Hilfe zu Kythara, er hat auch eine wichtige Nachricht. Vor dem Absturz hat man nämlich die Beobachtung gemacht, dass die aus der Dunkelwolke materialisierten Obsidian-Trümmer sich zu einem Ring geordnet haben, aus dem Fragmente auf die Spiegelwelten und den Kristallmond zu stürzen drohen. Das könnte den Untergang aller Planeten bedeuten. Seltsamerweise scheint das keine völlig neue Nachricht für Kythara zu sein - und sie verweigert Lethem ihre Hilfe.

Zurück zum Sonnendodekaeder: Die Frau, die dort materialisiert ist, ist tatsächlich Li da Zoltral, d.h. es handelt sich um ihren wieder belebten Körper, der jetzt nur noch von dem zweiten, ihm vom Kosmokratenroboter Samkar aufgeprägten Bewusstsein beseelt ist. Li versetzt sich an Bord der Vergessenen Positronik und verschafft sich in einer Nebenzentrale Überblick über die Situation. Sie beobachtet, wie der Kristallmond immer wieder von Obsidianfragmenten getroffen wird. Der komplett aus kristallisiert-erstarrter PSI-Materie bestehende Mond verliert dadurch zwar nur vergleichsweise kleine Splitter, aber die drohen zusammen mit Obsidian-Bruchstücken auf Vinara zu stürzen. Auch die Vergessene Positronik droht durch Trümmereinschlag zerschossen zu werden. Li kann im Moment nicht eingreifen, denn ihr geht es wie allen anderen: Ein Technik hemmender Einfluss legt nach und nach alle Systeme ihres Kosmokratenanzugs lahm. Und draußen vor der Nebenzentrale warten schon die Spinnenroboter…

Kommentar:

In der Perry Rhodan - Redaktion scheint man der Meinung zu sein, dass spannende Abenteuergeschichten sich nur dann erzählen lassen, wenn man auf die High-Tech der PR-Serie verzichtet. Während es in der PR-Serie wenigstens eine "wissenschaftliche" Erklärung für das Technikversagen gibt (der Hyperwiderstand im Universum wurde erhöht), bleibt man uns die Erklärung im zeitlich viel früher spielenden Atlan-Minizyklus zunächst schuldig. Wollen wir hoffen, dass sie irgendwann noch folgt. Warum Atlans Zellaktivator immer noch funktioniert, obwohl selbst Li da Zoltrals Ausrüstung, die ja wohl aus kosmokratischen Beständen stammt, allmählich ausfällt, wird aber vermutlich nie erklärt werden. Wieder mal stand es wohl ganz einfach so im Exposé.

Aber wir wollen nicht zu viel meckern, denn Band 2 entschädigt in jeder Hinsicht für den meiner Meinung nach schwachen Zyklusauftakt. Mit dem Vielvölkergemisch in der Stadt Viinghodor ist schon mal ein vielversprechendes Szenario konstruiert worden. Wobei ich mich allerdings frage, wie all die Raumschiffe überhaupt in die Obsidian-Kluft geraten sind. Atlans Erinnerungs-Flashs sind zwar nur ein erzählerischer Kniff, um weitschweifige Erklärungen zu vermeiden, aber die angedeuteten Zusammenhänge sind durchaus faszinierend. Dass Atlan sich gleich dreimal gegen die aufdringliche Fauna einer Spiegelwelt zur Wehr setzen muss, hätte allerdings nicht sein müssen und als Cliffhanger ist der Angriff der Raptoren nur bedingt geeignet, da klar ist, dass allenfalls Jorge Javales ihnen zum Opfer fallen wird. Und ihn hat man bis jetzt noch immer nicht ins Herz geschlossen, er bleibt eine blasse, überflüssige Nebenfigur. Ansonsten ist Heft Nr. 2 ein flotter, unterhaltsamer Roman, der jetzt endlich so richtig Appetit auf mehr macht.


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