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Atlan Obsidian 12: Die Obsidian-Kluft erwacht

Autor: Uwe Anton

Inhalt

Die Spiegelwelten lösen sich auf, nur Vinara-Eins bleibt bestehen. Bis auf wenige Ausnahmen, von denen später noch die Rede sein wird, verschwinden alle Spiegelwesen. Die gesamte Obsidiankluft wird instabil, so dass Vinara im Sonnendodekaeder von Omega Centauri (also im Normalraum) materialisiert.

Bis es soweit ist, muss Atlan Sardaengar gegenübertreten. Li da Zoltral betritt die Lichtsäule, die Vinara mit Vadolon verbindet, erreicht auf diese Weise den Kristallmond und versucht dort, eine Resonanzkatastrophe auszulösen, indem sie die mit dem Mond kollidierte Vergessene Positronik, die immer noch durch Mikrotransitionen zu entkommen versucht, beeinflusst. Bevor sie geht, eröffnet sie Atlan noch, dass er von Samkar von Anfang an dazu ausersehen war, die Obsidiankluft zu erreichen. Nur deshalb sollte er nach Omega Centauri gelockt werden. Crest-Tharo da Zoltrals Aktionen und das Erscheinen der Vergessenen Positronik waren nicht eingeplant, durch beides wurde der Ablauf der Ereignisse nur beschleunigt.

Tamiljon hat den Sturz in die Tiefe überlebt. Er ist vom Mondsplitter, der sich im Innenhof der Turmanlage befindet, aufgefangen worden und konnte von den Kräften des Kristalls zehren. Die Macht des Kristallmonds strömt währenddessen auf Sardaengar über. Er soll sich mit dem Litrak-Bewußtsein vereinigen und die Re-Initialisierung des Urschwarms auslösen. Der neu entstehende Urschwarm würde dann die gesamte Milchstraße zerreißen oder vereinnahmen. Atlan empfängt Informationen vom Kristallmond und erfährt so die Geschichte des Urschwarms Litrakduurn.

Litrakduurn war vor 546 Millionen Jahren in mehreren Wellen in der Nähe der Milchstraße erschienen und dort während des Vereinigungsprozesses und der ersten planmäßigen Ausstreuung der Biophore von den Chaosmächten angegriffen worden. Der Schmiegeschirm hatte sich aufgelöst, so dass die Sonnen und Planeten des Urschwarms keinen Zusammenhalt mehr hatten und teilweise von der Milchstraße "verschlungen" wurden. Die blauen Riesensonnen, die eigentlich als Energielieferant für den Urschwarm hatten dienen sollen, waren aufgeheizt worden. Der Urschwarm hatte sich deshalb nicht per Nottransition retten können. Außerdem war er von Millionen fremder Raumschiffe eingeschlossen worden. Litrak hatte einen Notruf an die Kosmokraten abgesandt (der ignoriert worden war) und dann versucht, das Notfallsystem des Kristallmonds zu aktivieren, dessen Kern aus einem jener kobaltblauen Kosmokraten-Walzenschiffe besteht. Dieser Versuch war ebenfalls durch das Eingreifen der Chaosmächte vereitelt worden.

Atlan greift Sardaengar mit bloßen Fäusten an. Der Cyno scheint dadurch noch einmal zu sich zu kommen, ergibt sich dann aber ganz dem Einfluss des Kristallmonds - und verwandelt sich prompt in einen Obelisken, der keinen Schatten wirft, was eigentlich ein Zeichen für den Tod eines Cynos ist. Sardaengar ist jedoch nicht tot im eigentlichen Sinn. Er hat die Lösung für sein Dilemma gefunden: Der Kristallmond musste Sardaengars Geist freigeben, damit dieser die Hochrang-Bevollmächtigung erlangen konnte. Sardaengar ist also wieder er selbst. Er übermittelt seine Lebensgeschichte auf mentalem Weg an Atlan.

Sardaengar ist einer jener Cynos, die nach der Machtübernahme der Karduuhls über den Milchstraßen-Schwarm zur Erde geflohen sind. Das war vor etwa einer Million Jahren. Als die Varganen ins Standarduniversum vorgestoßen waren, hatte Sardaengar die Erde verlassen, um unter den Varganen zu leben. Während eines Hypersturms in Omega Centauri war er mit einem Varganenschiff in die Obsidiankluft geraten, wo nur wenige Jahrtausende vergehen, während im Standarduniversum Jahrhunderttausende vorbeirauschen. Der Rest ist weitgehend bekannt: Die Spiegelwelten waren entstanden, Sardaengar hatte mit Litraks Reinkarnation gekämpft. Vor gut 200.000 Jahren war Sardaengar die Flucht aus der Obsidiankluft gelungen. Möglicherweise war dabei Biophore freigesetzt worden, die später von den Cappins als Bedrohung erkannt worden war. Jahrtausendelang hatte Sardaengar immer wieder vergeblich versucht, in die Obsidiankluft zurückzukehren. Er hatte als Tamrat unter den Lemurern gelebt und war dann mit Hilfe des Kharag-Sonnendodekaeders wieder in die Obsidiankluft vorgedrungen. Nach einigen Jahrtausenden war er wieder hinausgeschleudert worden, als in der ganzen Galaxis gewaltige Hyperstürme tobten - es war das Zeitalter der Archaischen Perioden Arkons. Ungefähr in dieser Zeit ist Kythara auf der Flucht vor Magantilliken, dem Henker der Varganen, in die Obsidiankluft gelangt. Sardaengar hatte sich wieder auf die Venus und auf die Erde begeben, wo er Atlan als arkonidischer Wissenschaftler und später als Echter Cagliostro begegnet war. Er war im Jahr 3443 n.Chr. nicht mit den anderen Cynos in den Schwarm zurückgekehrt, sondern hatte als Agent von Anti-ES agiert, bis die Superintelligenz in die Namenlose Zone verbannt worden war. 618 NGZ ist er während eines Hypersturms letztmals in die Obsidiankluft versetzt worden.

Lis Bemühungen haben Erfolg: Der Kristallmond explodiert, die Biophore verpufft harmlos in den Hyperraum. Ein Psi-Sturm wird entfesselt, durch den Sardaengar eine höhere Existenzstufe erreicht. Er verwandelt sich in die energetische Zustandsform eines Imaginären. Auch Atlans Ritteraura scheint dabei eine Rolle zu spielen. Zusammen mit Atlan sorgt er irgendwie dafür, dass Vinara-Eins zur Ruhe kommt und sich stabilisiert. Die Vergessene Positronik setzt ihre Reise mit unbekanntem Ziel fort. Sardaengar will jetzt zusammen mit Tamiljon über den im Normalraum angekommenen Planeten Vinara wachen.

Der wiedergeborene Cisoph Tonk und die Seherin Anee gehören zu den wenigen Spiegelwesen, die sich nicht auflösen. Tonk verfügt über alle Erinnerungen seines Originals. Er kehrt auf die TOSOMA zurück und nimmt Anee mit. Lethem bittet den Kommandanten der TOSOMA, ihn vom Posten des Zweiten Piloten zu entbinden - er leidet immer noch unter den Fehlentscheidungen, die er getroffen zu haben glaubt.

Mit der Vernichtung des Kristallmonds ist jegliche Gefahr gebannt. Was aus Li geworden ist, bleibt unklar. Dagegen taucht Kythara plötzlich wieder auf. Atlan geht mit ihr an Bord des varganischen Schiffs AMENSOON, das auf der Ebene der Wracks geparkt war. Da wird auf der Kharag-Stahlwelt Alarm ausgelöst: Die Bewusstseins-Transferanlage hat sich aktiviert - sie reagiert auf irgendetwas…

Kommentar:

Dieser Abschlussroman des Obsidian-Zyklus hat mehrere Schwächen, die bei mir - obwohl ich den Zyklus selbst recht gut fand - sozusagen einen schalen Geschmack hinterlassen haben.

Zunächst einmal hat der Roman so gut wie keine Handlung, er besteht hauptsächlich aus Berichten über Ereignisse der Vergangenheit. Das meiste Pulver wurde diesbezüglich aber schon im elften Roman verschossen, d.h. der Zyklusabschluss wartet nicht mehr mit echten Knalleffekten auf, so dass er auch auf dieser Ebene nicht mehr so interessant ist. Es werden nur ein paar lose Enden verknüpft und es wird rekapituliert, was man sich ohnehin schon zusammenreimen konnte - sofern man Stammleser der Perry Rhodan - Serie ist. Neulinge, die nur den Obsidian-Zyklus kennen, dürften mit den vielen Andeutungen und Querverweisen dieses Romans so ihre Schwierigkeiten haben. Immerhin ist es interessant zu erfahren, dass für Litrakduurns Untergang die Chaotarchen verantwortlich sind. Letzten Endes hat die Menschheit ihre Existenz also den Chaosmächten zu verdanken…

Ein Kunstgriff, der in der PR-Serie mit "schöner" Regelmäßigkeit immer wieder angewendet wird, wenn Zusammenhänge erklärt werden sollen, wird in diesem Roman gleich zweimal eingesetzt, was ihn nicht besser macht: Jemand erzählt am Ende eines Handlungsabschnitts seine Lebensgeschichte bzw. alle wichtigen Informationen werden in einer zeitrafferartigen Zusammenfassung heruntergerasselt. Das wirkt immer etwas zu sehr konstruiert - schöner wäre es, wenn die Informationen häppchenweise über den Zyklus verteilt werden würden, so dass sie sich am Ende wie ein Puzzle von selbst zu einem Gesamtbild vereinigen.

Schließlich fand ich die Art und Weise, wie die ach so fürchterliche Bedrohung, die Atlan in den 12 Heften des Zyklus solches Kopfzerbrechen bereitet hat, mal so eben im Nebensatz, ziemlich unspektakulär und ohne vernünftige Erklärung beiseite gewischt wird, gelinde gesagt unbefriedigend. Genauso befremdlich fand ich die Idee, Sardaengar mit einer fadenscheinigen Begründung um 180 Grad zu drehen und ihn zu einer Art gütiger Gottheit mutieren zu lassen. Überhaupt kam mir seine Lebensgeschichte so vor, als wäre den Expokraten irgendwann aufgefallen, dass er ja nicht die ganze Zeit in der Obsidiankluft festgesessen haben kann, so dass ein etwas chaotisches Rein-Raus hinzugedichtet werden musste.

Trotz allem hat der Zyklus mir wie gesagt gut gefallen. Er war viel besser konzipiert, durchdacht und auch erzählt als der Centauri-Zyklus. Ich habe die Lektüre genossen und freue mich schon auf den nächsten Minizyklus, der diesmal ja schon in 2 Wochen beginnt.


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