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Atlan Obsidian 11: Die Macht des Kristallmondes

Autor: Michael H. Buchholz

Inhalt

Das "Backup-System" des Kristallmonds erkennt, dass die Spiegelwelten dem Untergang geweiht sind und zieht die Notbremse. Alle Spiegelwelten und sämtliche Spiegelwesen werden aufgelöst / gelöscht. Nur die Originalwelt Vinara bleibt noch bestehen, weil sie im Gegensatz zu den Kopien mehr ist als nur eine stabilisierte Materieprojektion. Alle "echten" Lebewesen werden dorthin transferiert, egal wo sie sich gerade befinden. Auf diese Weise werden Atlan, Lethem, Li da Zoltral und ihre Begleiter wieder vereint. Nur Kythara bleibt verschwunden.

Tamiljon, der inzwischen völlig von einem flexiblen Kristallpanzer überwuchert ist, der ihn schützt und stärkt, besiegt den geschrumpften Litrak ohne größere Mühe. Li und die anderen treffen im Canyon der Visionen ein (Li konnte das Ziel des Transfers durch ihren Kosmokratenanzug bewusst wählen). Gemeinsam begeben die Gefährten sich mit Hilfe eines Transmitters, der in Lis Anzug eingebaut ist, in die Nähe von Sardaengars Bergfestung, die immer noch unter einem Schutzschirm liegt. Dort erhält Atlan von Li (in der er immer noch seine Geliebte sieht) einige Erklärungen.

Li berichtet, dass schon lange vor der Zeit der Mächtigen Sternenschwärme im Universum unterwegs gewesen sind. Diese Urschwärme waren noch erheblich größer als die Mini-Galaxie, mit der die Terraner es seinerzeit zu tun hatten. Sie hatten außerdem Biophore dabei, waren also gleichzeitig für die Verbreitung von Leben und Intelligenz verantwortlich. Das "Zwei-Stufen-System" aus Schwärmen und Sporenschiffen wurde erst später eingeführt. Einer dieser Urschwärme war vor 546 Millionen Jahren mit der Milchstraße kollidiert und nach Erlöschen des Schmiegeschirms teilweise in ihr aufgegangen. Omega Centauri ist alles, was heute noch von ihm übrig ist. Der Name des Schwarms war Litrakduurn, Litrak war sein Kommandant. Der Kristallmond ist nichts anderes als ein Notsystem, mit dem der gesamte Schwarm neu initialisiert werden kann. Zum Zeitpunkt der Kollision mit der Milchstraße hatte Litrak versucht, das in einer zeitlosen Stasisblase im Hyperraum eingelagerte Backup-System zu aktivieren, war aber gescheitert. Litrak hätte sein Bewusstsein in die Hypertronik Vadolons transferieren müssen. Dies war ihm nur teilweise gelungen, sein Körper war dabei vernichtet worden und sein Restbewusstsein ist seitdem verwirrt. Litraks Bemühungen hatten nur den Obsidianwall zum Ergebnis, dieser sollte quasi als Tresor für die Biophore dienen. Mit der Zeit war dieser Tresor durchlässig geworden, Eindringlinge konnten die Obsidiankluft erreichen. Einer davon war der Cyno Sardaengar. Die Hypertronik hatte seitdem versucht, Sardaengars Bewusstsein zu vereinnahmen, denn aus einer Kombination mit Litraks Bewusstsein würde sich eine Hochrang-Berechtigung ergeben, die es dem Backup-System ermöglichen würde, Litrakduurn neu entstehen zu lassen. Ein neu entstandener Schwarm würde allerdings die gesamte Milchstraße zerfetzen…

Als der technikhemmende Einfluss vollends ausfällt, versucht die Besatzung der TOSOMA, ihr Schiff zu erreichen. Der Weg über die Ebene der Wracks ist weit und obwohl es auf ganz Vinara keinen einzigen Ovalroboter mehr zu geben scheint, der sich den Menschen in den Weg stellen könnte, müssen einige Gefahren überwunden werden. Ein altes arkonidisches Robot-Schlachtschiff feuert auf die Gruppe, dann schlägt ein riesiger Obsidianbrocken auf der Ebene ein. Wie durch ein Wunder gibt es nur zwei Tote und wenige leicht Verletzte, bis die TOSOMA ins All gebracht werden kann. Das Schiff ist in schlechtem Zustand, die Reparaturarbeiten werden sofort in Angriff genommen. Als das Schiff wieder betriebsbereit ist, werden Atlan und seine Leute an Bord genommen.

Zusammen mit einem Schiff der Überschweren, das von dem Barden Umrin und einigen Artgenossen flott gemacht worden ist, knackt die TOSOMA den Schutzschirm der Bergfestung. Darunter kommt eine zweite Schutzkuppel zum Vorschein. Sie ist pechschwarz und kann nach Lis Meinung nur zu Fuß durchquert werden. Atlan, Li und Tamiljon wagen einen Versuch und kommen tatsächlich durch, dabei wird aber alles aufgelöst, was sie an Kleidung und Geräten dabei haben - auch Lis Kosmokratenanzug geht auf diese Weise verloren. Nackt betreten die drei Gefährten den Westturm der Festung, dort ist der einzige Zugang. Sardaengar ist aber im Nordturm, wo eine Säule aus Licht eine Brücke zum Kristallmond schlägt. Mit einem primitiven Drachenflieger, den die Gefährten aus Teilen von Sardaengars Sammlung zusammenbasteln, fliegt Atlan zum Nordturm. Tamiljon schickt dann mit seinen telekinetischen Kräften ein Seil hinüber, an dem er und Li über den Abgrund gleiten können. Auf halbem Weg wird Tamiljon von einer Flugechse angegriffen und in die Tiefe gerissen. Atlan kann keine Spur mehr von ihm finden.

Auf einer Plattform an der Spitze des Turms finden Atlan und Li Sardaengar. Er steht mitten in der Lichtsäule - und lacht…

Kommentar:

Die Puzzlestückchen fügen sich zusammen. Erstaunlich: Sie passen nicht nur, sondern sie ergeben sogar ein richtig schönes Bild! Omega Centauri als Überbleibsel eines Schwarms, die explosionsartige Verbreitung des Lebens auf der Erde ("Kambrische Explosion") als Folge seines Aufgehens in der Milchstraße - keine schlechte Idee! Mit der Vorläufer-Organisation für die Mächtigen wird ein weiteres Detail in der Geschichte des Perryversums eingeführt. Der Obsidian-Minizyklus ist also nicht völlig bedeutungslos für die PR-Serie. Ich finde es immer lobenswert, wenn solche Querverbindungen hergestellt werden.

Die Art und Weise, mit der das Schicksal von Millionen Lebewesen beiläufig vom Tisch gewischt wird (90% allen Lebens auf den 5 Welten ist "nur" gespiegelt) gefällt mir dagegen gar nicht. Anee und die Vecorat-Königin werden denn auch gar nicht mehr erwähnt - auch sie waren ja nur Spiegelwesen, die jetzt wieder "gelöscht" worden sind. Immerhin ist dies wenigstens in sich schlüssig. Dass die Spiegelwelten überhaupt entstanden sind, ist einer Fehlfunktion des Kristallmonds zuzuschreiben, denn seine eigentliche Aufgabe war es, den Schwarm neu entstehen zu lassen. Diese Fehlfunktion wird jetzt eben rückgängig gemacht. Allerdings müsste dann aber auch Vinara Eins "gelöscht" werden, denn auch sie ist, wie alles, was sich in der Obsidiankluft befindet, von Vadolon erschaffen worden. Nur die dort gestrandeten Raumfahrer, deren Nachkommen und die Schiffe sind wirklich "echt", nur sie dürften also konsequenterweise übrig bleiben. Die Erklärung, warum das nicht passiert, fand ich etwas dürftig. Etwas seltsam fand ich auch die Leichtigkeit, mit der Litrak jetzt besiegt wurde.

Schon im vorletzten Roman der Reihe werden fast alle Fragen beantwortet, insgesamt ergibt sich jetzt schon ein wesentlich geschlosseneres, sinnvolleres Bild, als es im Centauri-Zyklus der Fall war. All die geheimnisvollen Phänomene, die sich auf den Vinara-Welten ereignet haben und die im Zyklus vermutlich nicht mehr erklärt werden, kann man auf die Morphogenetischen Felder / die Biophore schieben. In diese Kategorie gehört auch die "Braune Pest". Wo die hergekommen ist, was sie überhaupt ist usw. wird wohl ungeklärt bleiben. Offen ist z.Zt. noch, warum die Vergessene Positronik in die Obsidiankluft eingedrungen ist (Absicht oder Zufall?) und welche Rolle Kythara bei der ganzen Sache spielt. Auch Tamiljon gehört noch zu den erklärungsbedürftigen Wundern. Das alles sollte nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Insgesamt hat die Lektüre dieses Romans wirklich Spaß gemacht. Und ich bin sehr gespannt auf das Zyklus-Finale!


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