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Atlan Obsidian 10: Im Land der Silbersäulen

Autor: Ralf Schuder

Inhalt

Atlan, Tamiljon, Anee und die Vecorat-Königin können sich gerade noch rechtzeitig durch das Obsidiantor retten, bevor die Braune Pest darüber zusammenschlägt. Sie kommen auf der Originalwelt Vinara-Eins heraus, und zwar in unmittelbarer Nähe des Canyons der Visionen, wo sie verhindern wollen, dass Litrak seine dort deponierten Körperfragmente in sich aufnimmt. Durch die Kristalle, die Tamiljons Körper überwuchern, kann der Telekinet diese Absichten Litraks erkennen. Je näher sie den Kristallen kommen, desto mehr werden sie von den bizarrsten Visionen gequält. Selbst der mentalstabilisierte Atlan ist davon betroffen. Er wird außerdem von dem Pflanzenwesen gerufen, mit dem er schon bei seiner Ankunft in der Obsidiankluft mentalen Kontakt gehabt hatte. Dieses Wesen weist ihm telepatisch den Weg zu einem Tempel in einem Seitental des Canyons. Dort wird Atlan von Cisoph Tonk begrüßt - genauer gesagt: Von einem Biophore-Spiegelwesen, das genau im Moment von Tonks Tod entstanden ist und das sich nur verschwommen an die Vergangenheit des Waffenleitsyntronikers der TOSOMA erinnern kann.

Als Atlan endlich mit den telepathisch begabten Pflanzenwesen zusammentrifft, erfährt er, dass sie verantwortlich für die Visionen sind, die jeden befallen, der sich ihrem Tempel nähert. Sie kommen aus dem Sonnensystem Beta-Albireo in der Milchstraße und entstammen dem Volk der "Halbschläfer", das im Jahre 1982 n.Chr. fast von den Springern ausgerottet worden wäre. Durch den Kontakt mit der Biophore sind sie unsterblich geworden. Gegenwärtig haben sie den bereits auf Vinara angekommenen Litrak mit ihren PSI-Kräften vorübergehend paralysiert. Da sie nicht bewegungsfähig sind, hoffen sie, dass jemand wie Atlan eine "Ausgangspassage" ins Standarduniversum finden wird. Von den "Halbschläfern" erfährt Atlan die wahre Identität Sardaengars. Er ist tatsächlich einer der Cynos, die aus dem Milchstraßen-Schwarm verbannt worden waren. Er hat auf der Erde u.a. in der Identität des echten Cagliostro gelebt. Außerdem berichten die "Halbschläfer", dass der Original-Litrak, von dem die jetzige Kristallwesen-Inkarnation nur ein Abklatsch ist, für die Entstehung der Obsidianmassen verantwortlich war, die sich an der Außenhülle des Miniatur-Universums gebildet haben. Eigentlich sollte das Miniatur-Universum ein Tresor für die On- und Noon-Quanten sein und als Backup-System fungieren. Nur - wofür? Das wissen auch die "Halbschläfer" nicht. Schließlich erreicht Litrak die Kristallfragmente, die sich in der Nähe des Tempels befinden. Er ist zwar auf einen Meter Größe geschrumpft, ist aber immer noch gefährlich. Tamiljon stellt sich ihm entgegen…

Lethems Leute können sich nur mit Mühe vor einer aufgebrachten Menge in Giascon in Sicherheit bringen, die in ihnen Dämonen sieht, die auf den Scheiterhaufen gehören. Li da Zoltral, die Sardaengars Strahlen-Attacke schwer verletzt überlebt hat, wird von Medorobotern in der Technostadt geheilt. Über die dortigen Überwachungsanlagen beobachtet Lethem, wie alle Spiegelwelten von fürchterlichen Katastrophen heimgesucht werden, die sich wie bei einer Kettenreaktion über die Obsidiantore überallhin ausbreiten. Kythara weiß wieder einmal verdächtig viel. Auf einer Insel nahe Giascon, so sagt sie, befindet sich ein Tempel, in der eine Obsidiankugel als Selonad, als weibliche Inkarnation Litraks, verehrt wird. Die Kugel muß vernichtet werden, damit Litrak sie nicht in sich aufnehmen kann. Nur Lethem, Kythara und Scaul Rellum Falk begeben sich auf Dismeeders Rücken übers Meer zu der Insel, denn Ondaix und Zanargun sind bei einem Angriff der Giasconer verletzt worden. Auf der Überfahrt fällt Lethem fast einem Meeresungeheuer zum Opfer, doch dann wird der Selonad-Tempel, eine 250 Meter hohe Pyramide, erreicht. Dort wird Kythara von einer Priesterin offenbar schon erwartet. Was die beiden mit der zwei Meter duchmessenden Obsidiankugel anstellen, bleibt unklar. Jedenfalls verschwindet die Kugel und hinterlässt ein schwarzes, sich geschwürartig ausbreitendes Loch. Diese Zone des absoluten Nichts verschlingt die gesamte Insel. Auf der Flucht erhält Lethem Funkkontakt mit January Khemo-Massai, dem Kommandanten der TOSOMA. Offenbar sind die Anlagen, die für den Technikausfall verantwortlich waren, durch einen Meteoriteneinschlag vernichtet worden. Khemo-Massai glaubt, dass die TOSOMA wieder flott gemacht werden kann. Die Verbindung bricht zusammen, als das Nichts sich immer weiter durch den Planeten frisst. Lethem und seine Leute werden mitsamt der Technostadt von der Schwärze verschlungen…

Sardaengar ist inzwischen zu einer zweiten Ausgabe Litraks geworden, er steht völlig im Bann Vadolons. Zurück in seiner Bergfestung, die jetzt durch einen Energieschirm vor den immer zahlreicher werdenden Meteoriteneinschlägen geschützt wird, vereinigt Sardaengar sich mental mit dem Kristallmond. So erlebt er mit, wie die Vergessene Positronik in Vadolon einschlägt…

Kommentar:

Die Spiegelwelten sind wohl endgültig dem Untergang geweiht. Ich glaube nicht, dass die in diesem Roman beschriebenen unterschiedlichen Zerstörungsprozesse noch irgendwie aufzuhalten sein werden.

Wie in fast allen Romanen dieses Zyklus finden auch diesmal wieder allerlei wunderbare Ereignisse statt, die vermutlich nie geklärt werden. Das ist ein großes Manko der bisherigen Handlung. Vieles wird nur angedeutet, einfach als gegeben vorausgesetzt oder auf die rätselhaften Kräfte des Kristallmonds, der Biophore usw. geschoben, aber nicht richtig erklärt. Die Atmosphäre des Geheimnisvollen, die auf diese Weise wohl erzeugt werden soll, überzeugt mich inzwischen nicht mehr so richtig, da ich annehme, dass der Zyklus uns bei vielem die Auflösung schuldig bleiben wird. Kythara gehört auch in diese Kategorie. Woher bezieht sie ihr umfassendes Wissen? Es würde mich nicht überraschen, wenn auch sie eine Cyno in Varganengestalt wäre wie Sardaengar. Oder die Halbschläfer: Wie sind die in die Obsidiankluft gekommen? Es wäre mir neu, dass dieses Völkchen Raumfahrt betreibt. Es wird Zeit, dass man wenigstens erfährt, zu welchem Zweck die Obsidiankluft überhaupt erschaffen worden ist.

Ansonsten ist der Roman ganz gut lesbar, wenn auch die eine oder andere Episode überflüssig war, z.B. Lethems unfreiwilliger Tauchgang, und vermutlich nur ein paar Seiten füllen sollte. Den Platz hätte der Autor lieber für eine bessere Charakterzeichnung verwenden sollen, denn alle Hauptpersonen bleiben blass und austauschbar.


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