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Atlan Lepso Nr. 1: Totentaucher

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Am 1. März 3102 wird im lepsotischen Trivid eine in der gleichen Nacht aufgezeichnete Sendung ausgestrahlt, in der man deutlich sehen kann, wie Atlan nach einer wilden Verfolgungsjagd durch die Straßenschluchten Orbanas von Unbekannten erschossen wird. Allerdings sitzt Atlan zu diesem Zeitpunkt quicklebendig in Quinto-Center, dem Hauptquartier der von ihm geleiteten USO. Wer könnte ein Interesse an dieser spektakulären Aktion haben? Auf diese Frage setzt Atlan die beiden als Team in Orbana arbeitenden USO-Spezialisten Chrekt-Chrym und Olip a Schnittke an und reist in der Maske eines Prospektors persönlich nach Lepso. Die Leiche des vermeintlichen Atlan wird aus dem Leichenschauhaus geholt, nach Tahun gebracht und untersucht. Dabei wird festgestellt, dass der Tote ein Arkonide aus dem verarmten Khasurn da Onur ist, dass sein Alter bei mehreren Jahrhunderten liegt und dass sein ganzer Körper von einem Tyarez-Symbionten eingehüllt wird, der ebenfalls tot ist. Der Tyarez hat als zweite Haut vermutlich sowohl für die Langlebigkeit des Arkoniden als auch für dessen Umwandlung in eine perfekte Atlan-Kopie gesorgt.

Jetzt kommt Chrekt-Chryms besonderes Talent zum Einsatz: Der Topsider kann die letzten Erinnerungen von Toten wahrnehmen. Dieser für ihn sehr unangenehme Prozess wird als "Totentauchen" bezeichnet. Chrekt-Chrym wendet diese Gabe bei da Onur an und stößt dabei auf mehrere interessante Begriffe, unter anderem auf das Wort "Camouflage". Diesem Hinweis gehen Chrekt-Chrym und a Schnittke nach. Atlan wird derweil von der Piratin Tipa Riordan kontaktiert. Die alte Piraten-Lady, als Trägerin eines Zellaktivators unsterblich wie Atlan, bringt den Arkoniden mit dem geheimnisvollen "Hökerer" zusammen. Dieses gestaltwandlerische Wesen ist bereit, Atlan ein Tyarez-Artefakt leihweise zu überlassen (der Preis dafür ist eine Spermaprobe des Arkoniden, die der Hökerer ihm auf traditionelle Weise "entnimmt", nachdem er weibliche Gestalt angenommen hat). Mit diesem Artefakt begeben Atlan und Tipa Riordan sich zu einer Welt unabhängiger Wissenschaftler. Diese werden von der Piratin finanziell unterstützt und helfen bei der Untersuchung des Tyarez-Artefakts. Es "entfaltet" sich zu gewaltiger Größe, entzieht seiner näheren Umgebung sämtliche Energie und "klappt" dann wieder zusammen. Dadurch wird Atlan auch nicht schlauer. Er muss dem Hökerer das Artefakt wieder zurückgeben.

Währenddessen ist Chrekt-Chrym und a Schnittke übel mitgespielt worden. Durch ihre Aktivitäten haben sie sowohl den Staatlichen Wohlfahrtsdienst Lepsos als auch Artemio Hoffins, einen Agenten des Imperiums Dabrifa, auf sich aufmerksam gemacht. Die Wohnung des Topsiders wird vom SWD verwüstet, zwei seiner Mitbewohner werden getötet. Der Marsianer a Schnittke wird in eine Falle gelockt. Zwei Mutanten, die für Hoffins arbeiten, zwingen ihn durch suggestive Beeinflussung dazu, Selbstmord zu begehen. Nachdem Atlan eine interessante Audienz beim Thakan Lepsos hinter sich gebracht hat (der Mann ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern alles andere als eine Marionette des SWD), stattet er der heruntergekommenen lepsotischen Residenz der da Onur einen Besuch ab. Dort erfährt er, dass Zewayn da Onur, der Atlan-Doppelgänger, schon vor über 1000 Jahren verschwunden ist. Er muss irgendetwas mit einer Gruppe von Personen zu tun gehabt haben, die man die acht Namenlosen nennt.

Chrekt-Chrym organisiert die Bestattung seines Freunds a Schnittke und informiert sich bei dieser Gelegenheit über den christlichen Glauben, der ihn sehr beeindruckt. Atlan geht dem SWD-Agenten Sini Paikkala in die Falle. Dieser will Atlan ermorden, fällt aber selbst einigen Technoviren zum Opfer. Atlan folgt einer Spur, auf die a Schnittke vor seinem Tod gestoßen war - Chrekt-Chrym hatte die Erinnerung daran bei einem "Totentauchgang" in den Erinnerungen seines Freundes gefunden. Diese Spur führt den Arkoniden in ein seltsames, abgeschirmtes Gebiet auf Lepso, das nichts anderes ist als ein auf diesem Planeten gestrandetes Raumschiff. Die noch seltsameren Überlebenden dieses Schiffes wollen für sich bleiben und wehren Eindringlinge durch verwirrende Mentalimpulse ab, doch Atlan ist wegen seines Extrasinns davor gefeit. Von diesen Wesen erfährt er, dass vor kurzer Zeit einige Tyarez-Schiffe im Firing-System gewesen sein sollen. Zwei dieser Schiffe hätten sich bekämpft und hätten Rettungskapseln abgesetzt, ein weiteres hätte einen Dolan nach Lepso gebracht.

Auf der Suche nach dem Dolan erhält Atlan erneut Hilfe vom Hökerer; tatsächlich steht das lebendige Raumschiff noch immer auf Lepso. Bevor Atlan sich jedoch zu dessen Standort begeben kann, verüben Hoffins Mutanten-Freunde einen Anschlag auf Tipa Riordan und entführen einen ihrer Leibwächter. Auch Atlan wird von diesen beiden Wesen (einer schönen jungen Frau mit künstlicher Hand und unstillbarem Blutdurst sowie ihrem fetten Bruder, der Stürme entfesseln kann) angegriffen. Hoffins selbst tötet die beiden jedoch, um sich auf diese Weise Atlans Vertrauen zu erschleichen. Atlan sucht nun den dahinsiechenden Dolan auf, spricht mit ihm und erfährt so, wo die Tyarez-Rettungskapseln gelandet sind. Zu spät begreift Atlan, dass Hoffins von dem entführten Leibwächter Tipas ebenfalls einen Hinweis auf den Dolan erhalten haben muss. Hoffins hat Atlan abgehört und ist schon auf dem Weg zu dem zweiten Tyarez. Vermutlich will er mit dessen Hilfe die Unsterblichkeit erlangen, um auf einer Stufe mit Imperator Dabrifa stehen zu können. Atlan kann nicht verhindern, dass Hoffins sein Ziel erreicht.

Chrekt-Chrym, dessen Tarnung nichts mehr wert ist, kehrt in seine Heimat zurück. Dort eröffnet er das erste christliche Kloster Topsids.

Kommentar

Dieser Roman ist vor allem eines: Bunt. Im übertragenen Sinne natürlich. Hartmut Kasper alias Wim Vandemaan zeichnet ein schillerndes Bild des 32. Jahrhunderts alter Zeitrechnung - man könnte auch sagen: Er überzeichnet es. Bei der Beschreibung der exotischen Freihandelswelt Lepso überschlägt er sich geradezu und meint es manchmal etwas zu gut. Da wimmelt es derart vor exotischen Lebewesen, Organisationen und Einrichtungen, von denen man im Perryversum noch nie zuvor etwas gehört hat (die Tyarez sind nur ein Beispiel von Dutzenden) und von denen man in den meisten Fällen wahrscheinlich auch nie wieder etwas hören wird, dass man den Versuch, alles im Gedächtnis zu behalten - zum Beispiel um Artikel für die Perrypedia daraus zu basteln - schnell wieder aufgibt. Das passt natürlich irgendwie durchaus zum Schauplatz der Geschichte. Bei all den Beschreibungen bleibt die eigentliche Handlung aber teilweise auf der Strecke. Man fragt sich bis zuletzt, was das Ganze überhaupt soll, wer da eigentlich wessen Interessen verfolgt, was von der Ausgangssituation (Atlans vermeintlicher Tod) zu halten ist und worauf der Autor hinaus will. Man wünscht sich, einige Seitenwege könnten abgekürzt werden und der Autor würde endlich mal auf den Punkt kommen. Der Roman enthält einige Einschübe und Rückblenden, die zur eigentlichen Handlung nichts beitragen - von Seitenschinderei will ich nicht reden...

Dass man trotzdem nicht allzu ungeduldig oder gar gelangweilt wird, ist natürlich teilweise dieser unglaublichen Ideenvielfalt zu verdanken. Auf jeder Seite finden sich neue, immer bizarrere Figuren und Situationen. Nur: Warum müssen so viele neue Völker und Personen mit ihren verqueren Eigenheiten und teilweise doch sehr unglaubwürdigen Fähigkeiten (z.B. der Sturm-Mutant) für ein paar Gags herhalten? Gibt es im Perryversum nicht schon genug schräge Vögel? Tante Tipa ist doch ein gutes Beispiel dafür. Sie allein hätte als witziger "Sidekick" Atlans eigentlich schon ausgereicht. Der Humor des Romans entsteht zum großen Teil ebenfalls aus der schieren Abgedrehtheit dessen, was da auf Lepso alles kreucht und fleucht. Aber auch die Dialoge haben es in sich. Wie viele Anspielungen mir entgangen sind, will ich gar nicht wissen. Ich nehme aber an, dass kaum ein Name oder Begriff zufällig gewählt wurde. Insgesamt entsteht eine lebendige, manchmal wegen der Übertreibungen aber nicht hundertprozentig glaubwürdige Atmosphäre. Besonders gut gefallen hat mir eine kurze Passage, in der einer von Tipas Wissenschaftlern seine Meinung über den hemmenden Einfluß Rhodans auf die terranische Gesellschaft erklärt. Als Unsterblicher sei Rhodan immer der längst überholten Vergangenheit verhaftet, meint er. Rhodan sei deshalb der natürlichen Entwicklung der Menschheit nur im Wege. So habe ich das noch gar nicht gesehen.

Was es mit den Tyarez, dem Hökerer und so weiter auf sich hat, bleibt noch unklar. Zumindest in Bezug auf die Tyarez muss natürlich noch was kommen. Was den Hökerer angeht, befürchte ich fast, dass man seine Existenz, seine Kenntnisse und die Tatsache, dass er ein Tyarez-Artefakt besitzt, einfach wird hinnehmen müssenů

Übrigens: Warum hält Atlan es für nötig, persönlich nach Lepso zu kommen? Und warum maskiert? Die Maskerade scheint ihm keinen Vorteil zu verschaffen, außerdem wird er trotz Maske überall erkannt. Ich fand es auch etwas befremdlich, dass er nur von zwei USO-Spezialisten unterstützt wird. Und zwar von zwei Typen, deren Qualifikation mir doch zumindest zweifelhaft erscheint. Nach dem, was ich in der klassischen Atlan-Serie bis jetzt (Stand: Heft Nr. 120) gelesen habe, müsste es auf Lepso eigentlich vor USO-Spezialisten nur so wimmeln. Warum lässt er sich nicht von denen helfen? Und warum hat er nur so wenig Ausrüstung dabei? Ich glaube, das nennt man "plot-driven", oder?

Was ich mit diesem Geschwafel ausdrücken will? Na, dass "Totentaucher" ein flott und mit einem fürs Perryversum ungewöhnlichen, interessanten Stil geschriebener Roman voller witziger Ideen ist, der viel Spaß macht, an manchen Stellen aber auch unnötige Übertreibungen und Längen enthält. Erstaunlich explizite Sex- und Gewaltszenen sind ebenfalls vorhanden - ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Das Lesevergnügen wird übrigens durch eine überdurchschnittlich hohe Fehlerzahl getrübt.

Band 2 und 3 sind jedenfalls schon vorbestellt!

J. Kreis, 23.10.2006
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