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Atlan Illochim Nr. 3: Der Traum des Navigators

Autor: Rüdiger Schäfer

Inhalt

Trilith Okt macht ihr Versprechen wahr und befreit Atlan mit den Mitteln der GAHENTEPE von seiner Sucht. Der mehrere Tage dauernde Entzug treibt Atlan an die Grenzen des Erträglichen. Dass eine Heilung überhaupt möglich ist, verdankt er der Tatsache, dass Triliths Schiff der Illochim-Technologie entstammt. Als der Arkonide einigermaßen wiederhergestellt ist, möchte er mit der USO Kontakt aufnehmen, aber Trilith erlaubt es nicht. Stattdessen wagt sie ein Experiment: Sie bringt die beiden von Atlan übernommenen Gatusain zusammen. Der Hass, den beide füreinander empfinden, ist so groß, dass die biologischen Komponenten des Schiffes darunter leiden. Als die Gatusain dann auch noch in die Nähe dieser Biokomponenten gebracht werden, ist es dem Rudimentärbewusstsein Waheijathius möglich, über den Interkom mit Trilith und Atlan zu sprechen. Es ist ihm zwar nicht möglich, die Steuerung des Schiffes zu übernehmen, in dessen Speichern findet er aber die Koordinaten des Planeten Shahimboba, einer Wasserwelt mit nur zwei kleinen Kontinenten, auf der die GAHENTEPE erschaffen worden ist. Hier leben angeblich noch mehrere Tausend Illochim. Trilith, die davon ausgeht, auf Shahimboba Informationen über ihre eigene Herkunft zu finden, entspricht nur zu gern der Forderung Waheijathius, zu dieser Welt gebracht zu werden.

Anscheinend begraben Waheijathiu und Gasuijamuo ihre Feindschaft, denn unterwegs nach Shahimboba lassen sie sich von der GAHENTEPE flunderförmige Aktionskörper herstellen, in die sie ihre Bewusstseine transferieren können, und arbeiten fortan zusammen. Sie tun dies vermutlich nur, weil sie feststellen, dass auf Shahimboba etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Wenigstens wird die GAHENTEPE nicht an der Landung gehindert - schließlich ist sie ja auch von hier gestartet. Es zeigt sich, dass auf dem Planeten Bergbau im großen Stil betrieben wird. Gleich nach der Ankunft finden Atlan, Trilith und ihre beiden Begleiter ein Vielvölkergemisch vor, das unter primitivsten Bedingungen in den Minenfeldern lebt und mit ebenso primitiven Werkzeugen ein bestimmtes Erz abbaut. Auf Shahimboba ist ein Einfluss wirksam, der jegliche Technik, die elektrischen Strom verbraucht, nach einiger Zeit komplett lahm legt. Die Gefährten erhalten Kontakt zu einer Art Widerstandsorganisation. Von deren Oberhaupt, einer Terranerin namens Shareen Deubtar, erfahren sie mehr über die Hintergründe.

Die Arbeiter sind die Nachkommen von Verschleppten, die schon seit ca. 200 Jahren auf Shahimboba für Unbekannte, die nie selbst in Erscheinung treten, das Arrachieda-Erz schürfen. Die Arbeiter wissen nicht, wofür die Unbekannten dieses Erz brauchen, das auch für die Störung der Technik verantwortlich ist. Die Arbeiter sind Sklaven, sie werden durch Parasiten zur Arbeit gezwungen. Jeder Arbeiter trägt solch einen "Sinterbuckel", und dieser bringt den Körper zur Ausschüttung von Glückshormonen, wenn der Versklavte arbeitet. Jeder Träger eines Sinterbuckels würde sich also buchstäblich zu Tode schuften, wenn man ihn nicht davon abhalten würde. Die Parasiten können nicht entfernt werden, der Verlust des Parasiten führt zum Tod des Wirts. Viele der hier lebenden Terraner sind die Nachkommen eines im Jahre 2867 auf Shahimboba abgestürzten Schiffes der Explorerflotte. Die Überlebenden hatten sich gegen mannigfaltige Widrigkeiten durchgesetzt und eine einfache Kolonie aufgebaut. Diese war jedoch von den Robotern der 50 Jahre danach aufgetauchten Fremden vernichtet worden, und seitdem müssen die Terraner wie alle anderen in den Minen Arrachieda schürfen. Einige von ihnen können sich aber zumindest zeitweise vom Einfluss ihres Sinterbuckels befreien, indem sie bestimmte Würmer essen, deren Giftstoffe den Parasiten lähmen.

Viel Hilfe hat Atlan von den Widerständlern nicht zu erwarten, denn sie sind zu keiner koordinierten Aktion in der Lage. Sie wissen nicht einmal, dass jene Fremden, für die sie arbeiten, den Namen Illochim tragen. Außerdem haben sie mit ihren eigenen Problemen mehr als genug zu tun, denn die Versorgungslage der Sklaven wird seit einiger Zeit immer prekärer. Waheijathiu und Gasuijamuo setzen Atlan darüber in Kenntnis, dass ein durch übermäßigen Konsum von Sheed größenwahnsinnig gewordener Illochim-Navigator namens Malotuffok die Schuld an der Situation trägt. Er nutzt ein riesiges Wesen als Quelle für die Parasiten, mit denen er die Sklaven gefügig machen kann. Malotuffok hält außerdem alle auf Shahimboba lebenden Illochim in seinem Bann. Er träumt davon, die Macht über die Milchstraße an sich zu reißen, und ist bereits dabei, eine große Kampfflotte zusammenzustellen. Das Arrachieda-Erz wird von allen Illochim zur Herstellung von Sheed benötigt, und diese Droge ist wiederum zur Erreichung eines "großen Ziels" erforderlich, über das Waheijathiu und Gasuijamuo nichts Näheres verraten.

Nachdem Atlan und seine Begleiter einigen aufgebrachten Arbeitern entkommen sind, die in der GAHENTEPE ihre letzte Chance zur Flucht aus der Sklaverei sehen, müssen sie sich noch durch die Reihen der Illochim-Verteidiger kämpfen. Dann treten sie Malotuffok gegenüber. Waheijathiu und Gasuijamuo helfen ihnen, denn Malotuffoks Treiben ist mit den eigentlichen Zielen der Illochim nicht vereinbar; er muss aufgehalten werden. Trilith wird zwar durch die Ausstrahlung des Arrachieda-Erzes schwer beeinträchtigt, kann aber noch ihre Antimutanten-Gabe einsetzen, um Malotuffoks mentalen Angriff auf den Navigator zurückzuschleudern. Bevor er stirbt, eröffnet der Navigator der Psi-Kämpferin, dass sie nur eines von vielen "Schemawesen" sei und die Aufgabe habe, etwas zu suchen. Diese Suche könnte etwas mit den Hohrugk-Kühen zu tun haben, die unter anderem in einer subplanetaren Kolonie auf Lepso leben. Malotuffok reißt die führenden Illochim Shahimbobas mit in den Tod. Die anderen verlassen den Planeten mit unbekanntem Ziel.

Shareen Deubtar schlägt Atlans Hilfsangebot aus: Die meisten Bergbauarbeiter wollen sich auf dem Planeten eine neue Existenz aufbauen. Waheijathiu und Gasuijamuo wollen dort bleiben, um die ehemaligen Sklaven zu unterstützen. Atlan erklärt sich bereit, die Koordinaten Shahimbobas geheim zu halten. Nachdem Trilith Okt ihn im Solsystem abgesetzt hat, veranlasst Atlan, dass alle Hinweise auf die Illochim aus den Datenspeichern gelöscht werden. Er erfährt, dass alle Hohrugk von Lepso und von ihrer eigentlichen Heimatwelt verschwunden sind.

Kommentar

Rüdiger Schäfer schreibt wie erwartet wieder einen gut lesbaren Roman, der sehr schöne Charakterzeichnungen Atlans und der Überlebenden des Explorers sowie (bei aller Kürze der entsprechenden Szenen) Ronald Tekeners enthält. Wie immer merkt man deutlich: Der Autor weiß, wovon er schreibt. Er kennt die Hauptpersonen ganz genau, und sie liegen ihm am Herzen. Das war bisher in allen Romanen Rüdiger Schäfers so, und genau das macht dieses Buch zum besten Roman des insgesamt trotzdem schwachen Illochim-Zyklus. Der Roman ist unterhaltsam, teilweise sogar spannend. Selbst die Rückblick-Geschichte mit dem abgestürzten Explorer, die im Grunde nichts dazu beiträgt, die Handlung der Trilogie voranzutreiben und für mich so wirkt, als habe ein 150-Seiten-Roman künstlich auf 300 Seiten aufgepumpt werden müssen, ist lesenswert. Trilith Okt darf sich selbst treu bleiben, und das gefällt mir. Sie wird nicht einfach zum Gutmenschen umfunktioniert, sondern bleibt ruppig und kompromisslos. Allerdings hat sie diesmal nicht so gute Szenen wie in früheren Romanen. Bin ziemlich sicher, dass wir noch mehr von ihr lesen werden.

Gegen die Schwächen des Gesamtkonzepts kommt aber auch Rüdiger Schäfer nicht an, und so fragt man sich nach dem Ende des Romans, was das alles eigentlich sollte. War diese Trilogie am Ende nichts anderes als Cross-Marketing für das PC-Adventure, in dem die Illochim ja auch eine Rolle spielen? D.h. sollten die Gamer auf diese Taschenbücher neugierig gemacht werden und die Leser auf das Game? War mehr nicht drin? Der Eindruck drängt sich auf, denn auch im letzten Band der Trilogie werden sehr wenige (eigentlich so gut wie keine) Fragen beantwortet. Man erfährt nicht, wer Trilith wirklich erschaffen hat (vermutlich Malotuffok) und zu welchem Zweck, ebenso unklar bleibt, was Trilith seit dem Ende der Rudyn-Trilogie herausgefunden hat. Wie hat sie von der Existenz der Illochim erfahren? Woher wusste sie, dass Atlan auf Orgoch sein würde? Warum waren Waheijathiu und Gasuijamuo verfeindet, und warum spielt diese Feindschaft jetzt plötzlich überhaupt keine Rolle mehr? Warum werden die Illochim diesmal als Delfine beschrieben? Hatten die nicht mal Schwingen oder so? Warum waren die Illochim in der Steinzeit auf der Erde? Gab es dort etwa auch Arrachieda, und wenn ja, warum gibt es keine Anzeichen für dessen Abbau? Welche Ziele haben die Illochim damals verfolgt und was sind die Absichten der jetzt noch lebenden Illochim? Warum beginnen sie erst 50 Jahre nach dem Abschuss des Explorers mit der Ausbeutung Shahimbobas (beknackter Name übrigens)? Ich halte es nicht für glaubwürdig, dass sie so lange brauchen, um den Planeten zu kartografieren. OK, es muss wohl so sein, sonst hätte man ja das Schicksal der Schiffbrüchigen nicht so schön ausführlich beschreiben können. Also sei dieser Kunstgriff verziehen.

Es gibt zwar noch ein paar kleinere Sachen, die nicht so schön sind, die können den positiven Gesamteindruck aber nicht schmälern, den der Roman (nicht die Trilogie!) hinterlässt. Dazu gehören ein paar Schwächen in Satzbau und Rechtschreibung sowie die umgangssprachliche Formulierung "ab und an", die Schäfer sehr oft verwendet. Auch nervt das "Terraner geben niemals auf" - Geschwätz nach der x-ten Wiederholung ein wenig.

Roman gut, Zyklus mies - das wäre mein Fazit in aller Kürze. Viel zu viel passt nicht zusammen, die Auflösung (ein größenwahnsinniger Illochim - toll) ist enttäuschend und noch dazu sehr lückenhaft. Man kann nur hoffen, dass die offen gebliebenen Fragen irgendwann mal beantwortet werden. Ich habe ehrlich gesagt keine Lust, eine Fanpro-Taschenbuch-Trilogie nach der anderen zu lesen, ohne je die Dinge zu erfahren, die mich interessieren. Ob es überhaupt eine Fortsetzung geben wird, steht derzeit ohnehin noch in den Sternen. Hoffen wir, dass den Taschenbüchern das Schicksal der eingestellten neuen Heftserie erspart bleibt. Da wurden die Rätsel von einem Minizyklus zum nächsten mitgeschleppt, teilweise aber auch im Verlauf der Handlung ignoriert und beim verfrühten Ende nur äußerst unzureichend geklärt.

J. Kreis, 29.04.2008
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