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Atlan Illochim Nr. 2: Im Bann der Gatusain

Autor: Achim Mehnert

Inhalt

Greta Gale flieht am 20. April 3103 mit der ESHNAPUR von Terra, Atlan verfolgt sie mit der AVIGNON. Gale hat die Besatzung "ihres" Schiffes fest im Griff, denn durch die Benutzung des Illochim-Artefakts hat sie nach wie vor starke suggestive Kräfte. Die beiden 100-Meter-Kreuzer sind ungefähr gleich schnell, so dass Atlan das Schiff seiner Widersacherin nicht sofort stellen kann. Während Greta Gale einen veritablen Verfolgungswahn entwickelt, wächst in Tristan Li der Hass auf seine einstige Kameradin. Beide leiden unter ihrer Sucht nach den "Muscheln", Atlan ergeht es nicht anders. Im Gegensatz zu den beiden anderen kann er seine psychischen Probleme zwar kontrollieren, allerdings muss er immer wieder zu Tricks greifen, um die "Muschel" unbemerkt nutzen zu können. Noch ahnt niemand etwas von seiner Sucht. Erst später gesteht Atlan der schönen Medikerin Cyriane Drays, was mit ihm los ist - sie war ihm ohnehin bereits auf die Schliche gekommen. Atlan erfährt während der Benutzung seiner "Muschel" etwas mehr über die Vergangenheit: Die Illochim haben demnach eine unterseeische Stadt erbaut und sich immer wieder unter die Menschen gemischt, um diese mit Hilfe der "Muscheln" zu manipulieren. Offenbar sollten die Menschen sesshaft gemacht und in ihrer technischen Entwicklung gefördert werden. Atlans Extrasinn erkennt, dass es seinerzeit eine Macht gab, die noch über den einfachen Illochim stand und als Navigatoren bezeichnet wurde.

Während der Verfolgungsjagd gewinnen sowohl die ehemalige MEINLEID-Aktivistin als auch der Arkonide neue Erkenntnisse über die Artefakte der Illochim, denn sie erhalten Kontakt mit den so genannten Rudimentärbewusstseinen, die diesen Artefakten innewohnen. Der Name der "Muscheln" lautet Gatusain, und sie wurden von den Illochim ursprünglich als "Ruhebecken" genutzt. Sie konnten ihre Sorgen und Probleme in den Gatusain ablagern und mit Hilfe der Rudimentärbewusstseine aufarbeiten. In den Bewusstseinsfragmenten konnten die Illochim alle Gedanken aufbewahren, die sie nicht immer brauchten. Allerdings erlangten die Rudimentärbewusstseine auf diese Weise allmählich auch eine eigene Persönlichkeit - oder vielmehr: Sie wurden zu einer Art Kopie ihrer Benutzer. Greta Gales Gatusain versteht sich als Gasuijamuo und ist quasi das Abbild eines einfachen Illochim, Atlans Gatusain trägt ein Rudimentärbewusstsein in sich, das aus dem Navigator Waheijathiu entstanden ist. Die beiden sind verfeindet und wollen sich gegenseitig vernichten. Sie können zwar die Präsenz des jeweils anderen spüren, brauchen jedoch Benutzer wie Li (der Gasuijamuo erweckt hat), Gale oder Atlan, um ihre Feindschaft ausleben zu können. Beide Rudimentärbewusstseine geben sich recht zugeknöpft und verraten nur soviel, wie unbedingt nötig ist.

Gasuijamuo stellt Gale eine Waffe zur Verfügung, mit der die AVIGNON außer Gefecht gesetzt werden kann: Das Kohärenzgestöber. Es handelt sich um Geschosse in Mikrometergröße, die im Gatusain eingelagert sind. Die ESHNAPUR feuert sie mit einer Transformkanone auf den anderen Kreuzer ab, das Kohärenzgestöber bringt daraufhin alle hyperenergetischen Funktionen des USO-Schiffes zum Erliegen. Jetzt kann Gale ihre Pläne verwirklichen: Sie will ihre Kräfte erproben und einen ganzen Planeten erobern. Als "Testgelände" wählt sie den außerhalb des terranischen Machtbereichs liegenden Planeten Orgoch aus. Die hilflose AVIGNON wird dorthin abgeschleppt. Am Ziel angekommen, greift Waheijathiu ein. Er verfügt über die Mittel, das Kohärenzgestöber wenigstens vorübergehend zu neutralisieren. Die AVIGNON kommt tatsächlich frei, wird jedoch abgeschossen und stürzt auf Orgoch ab. Atlan und einige Begleiter überleben in der besonders gesicherten Zentralekugel. Die restliche Besatzung verlässt den Kreuzer mit Beibooten, diese werden jedoch ebenfalls abgeschossen, so dass es zu den ersten Toten kommt.

Gale glaubt, sie habe ihre Verfolger endgültig ausgeschaltet und schwingt sich zur Herrscherin des auf Orgoch lebenden primitiven Völkchens der Kanacht auf. Diese ca. einen Meter großen Humanoiden leben in enger Verbundenheit mit der Natur. Tatsächlich sind alle Lebewesen Orgochs in geheimnisvoller Weise miteinander verbunden. Bevor es Gale gelingt, die Kanacht ganz unter ihre Kontrolle zu bringen, bringt Argoth, ein Dorfältester, eine Warnung über die allgegenwärtigen Wurzeln auf den Weg. Somit erhebt sich die ganze Natur gegen die fremden Eindringlinge. Zwar können die Tiere nichts gegen die ESHNAPUR ausrichten, aber Gales Verfolgungswahn wächst. Sie tötet sogar einen ihrer alten MEINLEID-Kameraden. Erkundungstrupps treiben die Bewohner mehrerer Dörfer zusammen, die Kanacht werden in Gales Basisdorf (dem sie den Namen "Neu-Kunshun" gibt) angesiedelt, damit sie leichter kontrolliert werden können. Es werden sogar ganze Hütten nach Neu-Kunshun versetzt.

Auch Atlans Gruppe hat unter den Angriffen der aggressiv gewordenen Flora und Fauna Orgochs zu leiden. Außerdem werden die USO-Spezialisten von Cleany Havedge ausgebremst und zu allem Überfluss müssen sowohl Li als auch Atlan sich immer häufiger in den Gatusain zurückziehen. Cyriane Drays denkt sich eine besondere Methode aus, um Atlan von dessen Stimmungsschwankungen abzulenken: Sie schläft mehrmals bis zur totalen Erschöpfung mit ihm. Nach wochenlangem Marsch stirbt Li, er brennt innerlich aus. Atlans Gruppe erhält Verstärkung von der Besatzung eines der abgeschossenen Beiboote. Ende Mai erreicht Atlan Neu-Kunshun. Er kapert eines der Beiboote der ESHNAPUR, so dass endlich ein Notruf an die USO abgesetzt werden kann. Praktischerweise befinden sich außer Gale und dem stellvertretenden Kommandanten alle Besatzungsmitglieder des Kreuzers im Freien, so dass Atlan sowohl die Terraner als auch die versklavten Kanacht mit einer kurzen Ansprache von Gales suggestivem Zwang befreien kann. Mit dem Beiboot werden die Waffensysteme der ESHNAPUR zerstört. Als Gale erkennt, dass sie ausgespielt hat, legt sie sich ein letztes Mal in ihren Gatusain, nimmt eine Überdosis von dessen Strahlung und stirbt.

Atlan widersetzt sich Waheijathius Forderung, Gasuijamuo zu vernichten. Da wird unerwarteter Besuch gemeldet: Die GAHENTEPE landet auf Orgoch, Trilith Okt (die jetzt einen Zellaktivator trägt) entsteigt dem Schiff. Trilith behauptet, die Illochim seien jene Unbekannten, denen sie ihre Existenz verdankt. Inzwischen scheint sie weitere Informationen gewonnen zu haben, angeblich weiß sie sogar, wie Atlan von seiner Sucht befreit werden kann. Im Gegenzug soll der Arkonide ihr beide Gatusain aushändigen. Atlan willigt ein, lässt die Artefakte auf die GAHENTEPE bringen und begibt sich ebenfalls auf dieses Schiff.

Kommentar

Und wieder ein auf Buch-Umfang aufgeblähter Heftroman. Die Geschichte fängt ja noch ganz viel versprechend an, aber nach dem Absturz auf Orgoch folgt nur noch Leerlauf. 150 Seiten lang irrt Atlan mehr oder weniger ziellos durch die Wildnis, bis sich plötzlich mit der allergrößten Leichtigkeit alles zum Guten wendet. Was für ein überaus nützlicher Zufall, dass genau im richtigen Augenblick offenbar alle Beeinflussten in Sichtweite sind und von Gretas Bann befreit werden können (während sie selbst natürlich abgelenkt ist), so dass keiner auf die Idee kommt, den Arkoniden einfach hinterrücks zu paralysieren oder gar zu erschießen. 150 öde Seiten lang geschieht also praktisch nichts, dann folgt ein abruptes Ende. Ein spannender Roman ist anders aufgebaut. Die endlosen Wiederholungen jener Szenen, in denen Atlans Sucht und Greta Gales Größen- bzw. Verfolgungswahn breit getreten werden, machen es auch nicht besser.

Das Ende wirkt nicht nur überhastet (ist das nicht praktisch, dass die böse Greta einfach Selbstmord verübt?), sondern mit Trilith Okts Auftauchen auch noch extrem unglaubwürdig. Offenbar ist die Kritik der Fans, denen das unvermittelte Verschwinden der Psi-Kämpferin (vgl. Rudyn 3) nicht gefallen hat, auf offene Ohren gestoßen, also musste sie mit einem völlig an den Haaren herbeigezogenen Kunstgriff wieder in die Handlung eingebaut werden. Jetzt darf man wenigstens hoffen, im nächsten Roman nicht nur zu erfahren, was es denn nun mit den Illochim, den Navigatoren und den Gatusain eigentlich auf sich hat, sondern auch, warum Trilith erschaffen wurde. Mal sehen, ob diese Antworten auch wirklich gegeben werden, oder ob ein weiterer Taschenbuch-Dreiteiler folgen wird, auf den man warten muss.

Auf Atlans Gymnastikstunden mit der Medikerin muss ich wohl nicht näher eingehen. Das muss ja ein wirklich doller Hecht sein, der olle Arkonidenhäuptling, wenn die Damen schon zu solch bescheuerten Ausreden greifen, um mit ihm in die Kiste springen zu können. Diese Methode der Linderung von Entzugserscheinungen sollte Cyriane Drays sich patentieren lassen. Damit könnte sie die Welt der Medizin revolutionieren. Bettspielchen als Drogentherapie, das wäre doch mal was!

Noch so ein Roman, dann ist für mich wirklich Schluss mit den Fanpro-Taschenbüchern.

J. Kreis, 03.03.2008
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