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Atlan Illochim Nr. 1: Das Relikt der Macht

Autor: Hans Kneifel

Inhalt

Aufruhr in Terrania

Im Jahre 3103 soll in Terrania ein groß angelegtes Bauvorhaben beginnen. Die Thora-Road soll ausgebaut werden, außerdem ist die Neugestaltung des Stadtteils Kunshun geplant, welches nach den Dolan-Angriffen vor ca. 600 Jahren überhastet wiederaufgebaut wurde und inzwischen mehr als nur sanierungsbedürftig ist. Kunshun ist fast nur noch von Hausbesetzern (die geduldet werden) und Angehörigen sozial eher schwacher Schichten bewohnt. Die Bewohner Kunshuns sind gegen den Abriss ihrer lieb gewonnenen Heimat und wollen sich nicht umsiedeln lassen. Einige von ihnen haben die militante Organisation MEINLEID gegründet, welche nicht nur in Demonstrationen gegen das Bauvorhaben agitiert, sondern auch Anschläge verübt. Am 8. April verübt ein MEINLEID-Aktivist einen folgenschweren Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation und ein Chemielabor in Terrania. Homer G. Adams reagiert, indem er das erste Gebäude Kunshuns abreißen lässt. Diese Ereignisse sind die Initialzündung für schwere Unruhen, bürgerkriegsähnliche Zustände drohen.

Das Relikt der Macht

Der MEINLEID-Aktivist Tristan Li befürchtet Gegenmaßnahmen der Polizei und geht in den Untergrund. In den weit verzweigten Katakomben unterhalb Terranias kennt er sich sehr gut aus. Diesmal steigt er tiefer als sonst hinab, bis er das ursprüngliche und jetzt trockene Flussbett des umgeleiteten Sirius River findet. Dort entdeckt er eine Art Grabstein, der von fremdartigen Schriftzeichen bedeckt ist, und ein drei Meter durchmessendes, muschelförmiges Objekt. Es öffnet sich, als er Vertiefungen berührt, die für menschliche Hände vorgesehen zu sein scheinen. Er steigt hinein, verbringt einige Stunden darin und wird von dem seltsamen Objekt verändert. Seine geistigen Fähigkeiten werden verstärkt und er gewinnt eine suggestive Überzeugungskraft. Allerdings unterliegt er in den nächsten Tagen auch starken Stimmungsschwankungen und wird abhängig von der Muschel; er muss sie regelmäßig aufsuchen. Mit seinem neu gewonnenen Selbstbewusstsein kann er endlich bei Olgej Zara landen, die er schon lange anbetet. Allerdings wird er von Simmi Orloff und Greta Gale beobachtet, zwei MEINLEID-Führern, die die Muschel ebenfalls aufsuchen und ihr verstärktes Charisma nutzen, um die Bürger Kunshuns noch weiter aufzuhetzen. Die Situation eskaliert, unter den Pseudonymen Baluchman und Anulphe stiften die MEINLEID-Führer ihre suggestiv beeinflussten Anhänger zu weiteren Gewalttaten an.

Das Museum der unerklärlichen Funde

Tristan Lis Einstellung ändert sich grundlegend, er wendet sich innerlich von MEINLEID ab. Er bittet Homer G. Adams um Hilfe. Adams befürchtet, dass er die Lage nicht allein unter Kontrolle bekommen wird. Da momentan kein anderer Zellaktivatorträger auf Terra anwesend ist, kontaktiert er am 11. April die USO. Atlan begibt sich, als Weinhändler getarnt, mit dem Kreuzer AVIGNON persönlich nach Terra. Li berichtet von seinen Erlebnissen, wird an Bord genommen und führt ein von Atlan geleitetes Einsatzteam zur Fundstelle der Artefakte. Bei Grabungen im Flussbett legen die Spezialisten eine alte Transportplattform frei. Muschel und Plattform werden in die AVIGNON gebracht. Die Plattform kann identifiziert werden, es handelt sich um ein terranisches Fabrikat. Wie sich herausstellt, wurden die Artefakte im Jahre 2113 im Pazifik gefunden und sollten mit der Plattform ins Museum der unerklärlichen Funde überführt werden. Offenbar war die Plattform unterwegs abgestürzt. Cleany Havedge, Kurator des obskuren Museums, zeigt sich kooperativ, als Atlan sich bereit erklärt, einige Exponate zu verifizieren. Nach Havedges Informationen wurden die Artefakte in einem 7,2 Kilometer tiefen Meeresgraben, 400 Kilometer östlich von Taiwan gefunden. Dort sollen sich noch weitere Objekte befinden, es ist sogar eine Karte des Gebiets vorhanden.

Tauchgang

Am 14. April bricht Atlan mit dem U-Boot FRANCOIS G. CUSTEAU zu einem Tauchgang auf. Nachdem das Boot einen riesigen biomechanischen Wal vertrieben hat, können im Zielgebiet zwei Artefakte geborgen werden: Eine zweite, etwas größere "Muschel" und eine Truhe. An der Luft löst sich die Umhüllung der Truhe auf. Die kleine Kassette, die zum Vorschein kommt, scheint keinen Öffnungsmechanismus zu haben, aber Havedge erkennt intuitiv, dass sie nur von menschlichen Händen an den Kanten berührt werden muss. So kann die Kassette geöffnet werden. Sie enthält 24 fingergroße Figurinen, die auf die Zeit zwischen 10.000 und 4500 v.Chr. datiert werden, sowie mehrere Schriftrollen. Einige Rollen zerfallen, drei bleiben erhalten, weil sie aus einem anderen Material zu bestehen scheinen. Havedge hat eine weitere Eingebung und ordnet den Unbekannten, von denen diese Artefakte stammen müssen, den Namen Illochim ("Die Mächtigen") zu. Atlan nimmt an, dass es sich um Außerirdische handelt, die die Kultur der steinzeitlichen Menschen gefördert haben. Er meint, die Fremden seien eventuell auch in einer Siedlung namens Catal Höyük aktiv gewesen, die man in der Türkei ausgegraben hat.

Heaq

Gale und Orloff, die davon träumen, die Macht über ganz Terrania zu übernehmen, weiten ihre Aktivitäten aus und treiben Olgej Zara in den Tod. Außerdem stehlen sie die erste "Muschel" aus der AVIGNON. Um es mit ihnen aufnehmen zu können, benutzt Atlan die zweite "Muschel". So erhält auch er suggestive Kräfte, darüber hinaus werden die Erinnerungen eines prähistorischen Menschen namens Heaq in ihn übertragen. Heaq war Zeuge des Absturzes (oder der Landung) dreier Raumschiffe und hatte fremdartige Lebewesen mit Schwingen und fischähnlichen Köpfen gesehen. Die Fremden hatten Heaq und andere Menschen in ihre Schiffe geholt, um sie mit den "Muscheln" zu schulen, ihre eigentlichen Absichten waren aber unklar geblieben. Heaq und seinesgleichen hatten große Macht erlangt und sich zu göttergleichen Führern aufgeschwungen. Sie hatten die Belastungen jedoch nicht verkraftet, denen sie durch die "Muscheln" ausgesetzt gewesen waren. Sie waren gestorben, ohne zu erfahren, was die Illochim eigentlich von ihnen wollten. Als Atlan erwacht, muss er feststellen, dass auch er trotz seines Zellaktivators süchtig nach dem Einfluss der "Muschel" geworden ist. Er hat die Sucht allerdings gut im Griff.

Finale

Atlan setzt seine neu gewonnenen Fähigkeiten vorerst sehr vorsichtig ein, als er am 17. April damit beginnt, Einsatzteams der USO und der Polizei gegen Aktivisten und Attentäter MEINLEIDS zu führen. Es kommt zwar zu zahlreichen Festnahmen, aber Gale und Orloff können erst aufgespürt werden, als sie vor einer großen Menschenmenge im Transpluto-Park sprechen, weil sie den persönlichen Kontakt brauchen, um ihre Suggestivkräfte entfalten zu können. Atlan zeigt sich dem Mob und befiehlt den Menschen mit seinen überlegenen Kräften, die Waffen niederzulegen, nach Hause zu gehen und den ganzen Aufruhr zu vergessen. Orloff stürzt sich vom Transpluto-Turm zu Tode, Gale flieht. Innerhalb weniger Stunden kehrt wieder Ruhe in Terrania ein.

Greta Gale kapert den 100-Meter-Kreuzer ESHNAPUR, bringt die "Muschel" an Bord und flieht von der Erde. Atlan, dem es nicht gelingt, den Start des Kreuzers zu verhindern, folgt ihm mit der AVIGNON. Mit von der Partie sind Tristan Li und Cleany Havedge.

Kommentar

So allmählich verliere ich wirklich die Lust an den Atlan-Taschenbüchern von Fanpro. Wenn die nächsten Bände nicht besser werden, dann war das die letzte Trilogie, die ich mir angetan habe. Zunächst einmal bin ich sehr enttäuscht von der schlampigen Bearbeitung dieses Buches. Abgesehen von Layout-Problemen (immer wieder fehlen Absatz-Unterteilungen) und mehr Schreibfehlern, als ich es von einem erfahrenen Autor erwartet hätte, kommt es mir so vor, als habe Kneifel keine Lust gehabt, diesen Roman zu schreiben. Welche Geschichte wollte er überhaupt erzählen? Die der Hausbesetzer in Kunshun? Die der Illochim und ihrer Artefakte? Es kommt nichts Halbes und nichts Ganzes dabei heraus, die Erzählweise wirkt irgendwie zerfahren, durcheinander… es macht keinen Spaß, den Roman zu lesen.

Warum macht Atlan sich die Mühe, in der Tarnung eines Weinhändlers (ausgerechnet!) auf Terra zu landen? Wer soll mit dieser Tarnung überhaupt getäuscht werden und welchen Sinn hat sie, wenn er sich spätestens am Schluss sowieso öffentlich zu erkennen gibt? Vielleicht soll es Atlan und seinen Kumpanen damit ermöglicht werden, in jedem Kapitel einen edlen Wein oder sonst irgendwelchen Alkohol zu konsumieren. Wenn man liest, wo die Jungs überall Whisky oder sonst welche Alkoholika hineinkippen, könnte man auf die Idee kommen, ihnen ein Beratungsgespräch bei den Anonymen Alkoholikern zu spendieren. Der Alkoholkonsum ist ein Kneifel-typisches Element, und auch sonst lässt er nichts aus: Atlan geifert jeder hübschen Frau hinterher und es werden Dialoge geführt, die so… wie soll ich's nennen… "verkneifelt" (gestelzt, irreal) sind, dass einem die Haare zu Berge stehen.

Es muss übrigens schlimm um Terranias Sicherheitskräfte bestellt sein, wenn Adams in Perry Rhodans Abwesenheit keine andere Lösung sieht, als die USO zu Hilfe zu rufen. Jeder vernünftige Polizeichef hätte die Lage eigentlich auch allein in den Griff kriegen müssen. Aber nein, da muss erst der unsterbliche Arkonidenfürst kommen, und der muss sich dann auch zuerst noch in ein mit hoher Wahrscheinlichkeit gefährliches Artefakt legen, dessen Auswirkungen noch überhaupt nicht erforscht wurden. Dann lässt er sich so ein Ding mit einem absolut lächerlichen Trick abjagen. Die Niederschlagung der ach so schrecklichen Aufstände geht dann auf wenigen Seiten vonstatten. Dass so etwas in Terrania überhaupt geschehen kann wirkt zwar irritierend, man kann es aber noch akzeptieren. Der Autor macht es sich aber zu einfach, indem er das Ganze durch suggestive Beeinflussung geschehen lässt (wie einst bei der Sekte um Gon-Orbhon). So kann man am Ende beruhigt "Schwamm drüber" sagen, denn unbeeinflusste Terraner würden selbstverständlich nie so weit gehen, nicht?

Dann kann man sich fragen, was es mit dem komischen Robot-Wal auf sich hat, dem Atlan bei seinem Tauchgang begegnet. Ist das ein weiteres Illochim-Relikt? Hat es irgendeine Relevanz für die aktuelle Trilogie? Und woher hat Cleany Havedge seine verblüffenden Eingebungen, ohne die die Außerirdischen namenlos geblieben wären? Fragen über Fragen.

Wer übrigens gehofft hat, vielleicht doch noch etwas über Trilith Okts weiteres Schicksal zu lesen, der wird enttäuscht. Sie wird in diesem Roman nicht erwähnt. Immerhin scheint Tekener wieder weitgehend genesen zu sein - in Lepso 2 war ja zu lesen, dass er sich eine exotische Krankheit eingefangen hatte.

Nein, das war mal wieder nichts. Ein denkbar schlechter Zyklus-Auftakt.

J. Kreis, 07.01.2008
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